Auf vielfachen Wunsch unserer Skihasen und Häsinnen hier nun das lang ersehnte GÄSTEBUCH.
Obwohl wir Gästebücher eigentlich eher doof finden! ;-)
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weisse Feld unterhalb ein,sonst gehts nich...
da! ->
 


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 Senf Nr. 4009 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.33Uhr
Michael Koser: Es tickt bei Prof. van Dusen (RIAS
1993)

Hatch: 14. November 1902, Freitag, ein Tag wie
jeder andere, am frühen Nachmittag verläßt Prof.
van Dusen sein Haus in der 35. Straße West
Manhattan NewYorkCity wie an jedem andren Tag er
sieht nicht nach rechts er sieht nicht nach links,
er sieht in das offene Buch vor seiner Nase, wie
jeden Tag und wie jeden Tag hebt er die linke Hand
mit dem Regenschirm, die Droschke, die wie immer
ein Haus weiter gewartet hat, fährt vor, wie jeden
Tag, der Prof. steigt ein, vertieft in seine
Lektüre, wie jeden Tag, der Kutscher schließt die
Tür, diesmal vielleicht ein wenig sorgfältiger als
sonst, die Droschke fährt die 35. Straße entlang,
nach Osten, wie jeden Tag, Richtung Universität,
so, meine Damen und Herren, beginnt es, das
unglaubliche Abenteuer um den Bombencountdown im
Luxushotel, Prof van Dusen fährt zur Uni wie jeden
Tag was ist daran unglaublich so werden sie
fragen, haben sie noch einen ganz kleinen Moment
Geduld, die Droschke biegt links ab in die 5.
Avenue und sie wird schneller, der Kutscher
schlägt auf seinen Gaul ein, der Gaul geht über in
Galopp, van Dusen sieht aus dem Fenster, ein
Ausdruck der Verwunderung tritt in seine
durchgeistigten Züge.

vanDusen: Dies ist nie und nimmer die Madison
Avenue, he da guter Mann sie verfehlen den rechten
Weg, zur Universität wünsche ich verbracht zu
werden, Madison Avenue nicht 5 Avenue, biegen sie
rechts ab, halt guter Mann, halten sie ihre
Gefährt an, lassen sie mich aussteigen, halt,
halten sie an, ich will aussteigen, ich will zur
Universität.

Hatch: Türen und Fenster sind verriegelt, immer
schneller rast die Droschke die 5 avenue entlang,
nicht weit vom Central park kommt sie abrupt zum
stillstand, vor einem hochherrschaftlichen Gebäude
an der Ecke der 58 Straße.

Butler: Prof van Dusen wie ich vermute.

vanDusen: In der Tat.

Butler: Sie werden erwartet, Herr Prof, würden sie
mir bitte ins Haus folgen.

vanDusen: Nein ich würde nicht, was geht hier vor,
wo bin ich.

Butler: Helft dem Herrn Prof, achtet darauf, daß
er den Weg nicht verfehlt.

vanDusen: Lassen sie mich los, auf der Stelle.

Butler: Wir wollen doch kein Aufsehen, folgen sie
mir.

vanDusen: Hilfe, ich werde entführt.

Hatch: Höflich aber sehr bestimmt wird der Prof
ins Haus geleitet, durch ein prunkvolles Foyer in
einen noch prunkvollen Salon, hier sitzen drei
Personen, die ihm erwartungsvoll entgegensehen,
ein stattlicher älterer Mann umgeben von der Aura
des Erfolgs, neben ihm eine etwa gleichaltrige
Frau, kleiner eher unfällig, und meine Wenigkeit,
falls sie mich noch nicht kennen, Hatch heiße ich,
Hutchinson Hatch Reporter von Beruf und aus
Berufung Begleiter und Chronist von Prof van
Dusen.

Butler: Meine Herrschaften, Prof DrDrDr Augustus
van Dusen.

Hatch: Der größte Wissenschaftler und
Amateurkriminologe unserer Zeit.

vanDusen: Hatch, sie hier.

Hatch: Wie sie sehen, Prof.

vanDusen: War es etwa ihre Idee mich entführen zu
lassen, ein exerzitium ihres beklagenswerten
Sinnes für Humor oder was sie dafür halten.

Morgan: Ich muß Mr Hatch in Schutz nehmen, Prof
ich bin der Übeltäter, willkommen in meinem Haus.

vanDusen: So, und wer sind sie.

Morgan: John Pierpont Morgan, schon von mir
gehört.

Hatch: Mr Morgan ist einer der reichsten Männer
der Welt, ein Multimillionär, einer aus dem Club
der Astor, Vanderbild, Rockefeller, nicht zu
vergessen meinen verehrten Papa.

Morgan: Sie sehen, Prof sie sind nicht unter die
Räuber gefallen.

Dotty: John würdest du.

Morgan: Machen wir, Dotty, Prof van Dusen, meine
Gattin Dorothy.

Dotty: Liebster Prof endlich, wie oft hab ich mir
gewünscht sie leibhaftig kennenzulernen, doch da
sie Gesellschaften niemals zu besuchen pflegen.

vanDusen: Aus gutem Grund, Mrs Morgan, man trifft
dort so unerfreuliche Zeitgenossen, Mr Morgan, was
geht hier vor, erklären sie sich, rechtfertigen
sie soweit dies überhaupt möglich ist ihr
skandalöses Verhalten.

Morgan: Nicht die feine Art Prof, muß ich zugeben,
aber was hätte ich sonst tun sollen, ich habe
alles versucht, ans Telefon sind sie nicht
gegangen, und meine Boten hat ihr Diener an der
Haustür abgewimmelt, weil sie gerade in einer
wichtigen wissenschaftlichen Arbeit stecken.

Hatch: Radium, Prof.

vanDusen: So ist es mein lieber Hatch.

Morgan: Also hab ich ihren Droschkenkutscher
geschmiert und ich hab Mr Hatch zu mir bestellt
und ihm kurz erzählt was los ist weil sie ohne
ihren Schlappenschamies nichts tun, Prof, hab ich
mir sagen lassen.

Hatch: Assistent, heißt das Mr Morgan, Assistent.

Morgan: Ja und genau das sollen sie, Prof was tun,
für mich, ich engagiere sie, nennen sie ihren
Preis, ich zahle was sie wollen, gutes Geld für
gute Ware, mein Motto, oder wenn ihnen ein
Blankoscheck lieber ist, setzen sie jede Summe
ein, na ist das ein Angebot Prof.

vanDusen: Ersparen sie sich weitere Worte Mr
Morgan, ich wünsche zu gehen.

Hatch: Mr Morgan sie machen das falsch, lassen sie
mich mal, ein Fall Prof, ein wunderschöner, ein
sensationeller Fall, ein bizarrer, ein
hochkomplizierter Fall, ach was ein Fall, drei
Fälle mindestens, und einer immer ausgefallener
als der andere.

vanDusen: Ich bin nicht interessiert.

Hatch: Da hätten wir erstens die mysteriöse Affäre
um den üblen Geruch in der Fürstensuite, zweitens
die kuriose Episode des geschmorten Mopses,
drittens das Rätsel des spurlos verschwundenen
Detektivs.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch.

Morgan: Und viertens wird in meinem Hotel eine
Bombe hochgehen wenn sie das nicht verhindern
Prof.

vanDusen: Tja, unter diesen Umständen, berichten
sie, Mr Morgan.

Hatch: Knapp präzise etc, sie kennen das, meine
Damen und Herren, nicht das man John Pierpont
Morgan sowas extra ans Herz legen mußte, time ist
money, so lautete sein Motto, und entsprechend
fiel sein Bericht aus.

Morgan: Hotel Galaxy kennen sie bestimmt Prof.

vanDusen: Notgedrungen sofern sie das monströse
Bauwerk südlich des central park meinen.

Morgan: Zwei Blocks von hier gleich um die Ecke,
genau Prof, 100m hoch, 24 Stockwerke, das größte
höchste, schönste, feinste, teuerste Luxushotel in
New York, in Amerika, in der ganzen Welt.

Hatch: Moment das Waldorf Astoria.

Morgan: Ne Hütte, Mr Hatch, nichts als ne schäbige
Hütte, gehört mir.

Hatch: Das Waldorf.

Morgan: Ne quatsch das Galaxy.

vanDusen: Ich gratuliere Mr Morgan.

Morgan: Vor einem Jahr hab ich es übernommen vom
Bauherrn und Vorbesitzer Philip T Smart, kennen
sie sicher auch Prof.

Hatch: Kannte er nicht, woher auch, Philip T Smart
war kein unübersehbarer Wolkenkratzer, Philip T
Smart war Unternehmer, und von Geschäften,
Finanzen und dergleichen hat der Prof keinen
Schimmer, Morgan mußte ihn aufklären, Smart hatte
sich aus der Gosse hochgearbeitet und noch in
jungen Jahren durch Finanz-spekulation ein ganz
anständiges Vermögen zusammengekratzt, dann hatte
er ganz hoch gegriffen und das Galaxy gebaut, ein
Superhotel wie es die Welt noch nicht gesehen hat,
dabei ging ihm das Kapital aus, er mußte sich was
pumpen.

Morgan: Meine Bank hat den Bau finanziert, Prof
das Haus Draxel und Morgan Wallstreet, Smart
kriegte soviel wie er brauchte bis das Hotel
stand, tja und dann.

Hatch: Dann haben sie die Klappe zugemacht, Mr
Morgan.

Morgan: Wie das so läuft, keine neue Kredite
bewilligt, die laufenden gekündigt, die Smart ging
pleite, ich erbte die Konkursmasse, sprich das
Galaxy, ein Hotel wollte ich schon immer mal
haben.

Hatch: Kein schlechtes Geschäft, moralisch
vielleicht nicht ganz astrein, aber.

Morgan: Aber legal, Mr Hatch, nicht dran zu
tippen, von nichts kommt nichts, mein Motto, jeder
ist sich selbst der nächste, der bessere gewinnt.

Hatch: Geschäft ist Geschäft.

Morgan: So ist es, Mr Hatch, eine ganz normale
Transaktion, aber Smart sah das anders, nach der
pleite war er total aus dem Gleis, hier oben meine
ich im kopf, verleumdet hat er mich, beschimpft,
sogar bedroht an leib und leben, richtig
gemeingefährlich ist er geworden, was sollte ich
machen, ich hab dafür gesorgt daß er untersucht
und in ein Irrenhaus eingewiesen wurde.

vanDusen: In welches Mr Morgan.

Morgan: Happy Valley, drüben in Osweg, eine
geschlossene Anstalt, nicht gerade billig, aber
sicher, überall Gitter, kräftige Wärter, da kommt
er nie raus, hab ich jedenfalls gedacht, bis vor 5
Tagen, letzten Sonntag.

vanDusen: Was geschah am letzten Sonntag Mr
Morgan.

Morgan: Das Telefon klingelte in meinem Büro im
Galaxy, das Hotelmanagement hab ich nämlich selbst
übernommen, als Hobby sozusagen, interessante
arbeit, viel interessanter als das Bankgeschäft.

Dotty: Deshalb hält sich mein Gatte auch so oft im
Galaxy auf, nicht wahr John.

Morgan: Was du tust tue ganz oder gar nicht, mein
Motto.

vanDusen: Ihr Telefon klingelte, Mr Morgan.

Morgan: Richtig, Sonntag 9 November kurz nach 2
Uhr nachmittag, ja hier Morgan fassen sie sich
kurz.

Smart: Das hab ich vor, Morgan sie wissen, wer ich
bin, erkennen sie meine Stimme.

Morgan: Smart.

Smart: Smart, Smart, den sie in den Ruin getrieben
und ins Irrenhaus gebracht haben, aber ich bin
nicht mehr in happy valley, Morgan, ich bin frei
und ich werde mich rächen, an ihrem gestohlenen
Hotel werden sie nicht mehr lange Freude haben,
Morgan, das versprech ich ihnen, bis bald.

Morgan: Vermittlung, der Anruf eben, stellen sie
fest woher er kam.

Morgan: Und woher kam er, nicht von draußen,
sondern über die Hausleitung.

vanDusen: Aus dem Hotel, woher genau.

Morgan: Das war nicht zu klären, im Galaxy haben
wir nämlich ein ganz modernes Vermittlungssystem,
teilautomatisch.

vanDusen: Ich verstehe Mr Morgan, fahren sie fort.

Morgan: Ich ließ mich sofort mit happy valley
verbinden, mit dem Direktor Dr. Daffy.

Daffy: Smart, den haben wir heute morgen
entlassen, aber das wissen sie doch, Mr Morgan.

Morgan: Entlassen, sind sie noch zu retten.

Daffy: Aber das war ihr ausdrücklicher Wunsch Mr
Morgan.

Morgan: Mein Wunsch, wie kommen sie denn auf die
Idee.

Daffy: Ihr Brief, Mr Morgan, ihr Brief, darin
haben sie mich angewiesen, Smart zu entlassen und
weil sie doch die Rechnung für ihn bezahlen, Mr
Morgan.

Morgan: Haben sies getan, sie sind ein Idiot,
Daffy, so einen Brief hab ich nie geschrieben.

Daffy: Ich versteh das nicht, Mr Morgan, die Dame
hat ihn mir heute morgen vorgelegt und dann hat
sie Smart gleich mitgenommen.

Morgan: Dame, welche Dame.

Daffy: Die Dame, die Smart seit Wochen besucht,
seine Cousine.

Morgan: Blödsinn, Smart hat keine Cousine, keine
Schwester, keine Tante, keine Großmutter,
überhaupt keine verwandten, smart ist ein
Findelkind und im Waisenhaus aufgewachsen.

Morgan: Viermal war sie bei Smart gewesen seit
September, beim ersten mal hatte sie auch schon
einen Brief von mir angeblich, sie darf Smart
besuchen, stand drin.

Dotty: Anscheinend eine Komplizin, so sagt man
wohl.

vanDusen: Wie sah die Frau aus, Mr Morgan haben
sie sich eine Beschreibung gegeben lassen.

Morgan: Aber klar Prof, tief verschleiert,
unauffällig gekleidet, nicht sehr groß, gebildete
Sprechweise, nicht gerade viel.

vanDusen: Und der Brief, Mr Morgan.

Morgan: Mein Briefpapier, mein privater Briefkopf,
meine Handschrift, sah jedenfalls aus wie meine,
haargenau.

vanDusen: Weiter Mr Morgan.

Morgan: Sonntag abend hatten wir was vor,
irgendsoeine Wohltätigkeitsabfütterung bei
Delmonico, Dotty macht viel in Wohltätigkeit.

Dotty: Verbringe dein leben sinnvoll, mein Motto.

Morgan: Beim umziehen hab ich Lotty die Sache
erzählt.

Dotty: Ich war entsetzt, schockiert, dieser
Wahnsinnige in Freiheit, was konnte er nicht alles
anstellen.

Morgan: Ein Luxushotel ist ein empfindlicher
Organismus, sehr anfällig für Störungen, ich
machte mir Sorgen, irgendwas mußte ich
unternehmen, frage was, die Antwort ergab sich
beim essen.

Dotty: Du meinst Collinson.

Morgan: Genau Dotty, Peter Collinson saß bei uns
am Tisch, interessanter Typ Sicherheitsexperte von
Beruf, spezialisiert auf große Hotels, kam gerade
aus London, da hatte er im Savoy gearbeitet.

Morgan: Und womit beschäftigen sie sich zurzeit Mr
Collinson.

Collinson: Ich spanne ein wenig aus, ich muß nicht
arbeiten, ich bin finanziell unabhängig, wenn sich
eine neue reizvolle Aufgabe bietet.

Dotty: John.

Morgan: Ja Dotty.

Dotty: Greif zu.

Morgan: Wo was.

Dotty: Collinson für dein Hotel.

Morgan: Als Hausdetektiv, aber ich hab doch schon
einen.

Dotty: Simpsons, der wird mit Smart nicht fertig,
du brauchst einen neuen, einen echten Experten,
dynamisch, energisch.

Morgan: Meinst du, sagen sie mal, Collinson.

Collinson: Ja.

Morgan: Hör auf deine Frau, mein Motto, ich habe
Simpson gefeuert und Collinson eingestellt, montag
früh gleich am nächsten Morgen fing er an, er
kriegte alle Schlüssel, ein Büro unten gleich am
Empfang, ein Zimmer in den oberen Regionen, wo das
Personal untergebracht ist.

vanDusen: Zur Sache Mr Morgan.

Hatch: Zeit ist Geld.

Morgan: Ist recht, Prof also Smart.

vanDusen: Ja Mr Morgan was war mit Smart.

Morgan: Nichts, keine Störung, kein Anruf, nix am
montag nix, am dienstag nix, mittwoch nix, ich
dachte Smart tut nix, hat wohl angst vor meinen
neuen Hoteldetektiv, aber dann am donnerstag.

Hatch: Gestern.

vanDusen: Was ereignete sich am donnertag Mr
Morgan.

Morgan: Das Telefon klingelte in meinen Büro
morgens gegen 9.

vanDusen: Smart.

Morgan: Nein Prof nicht Smart, der Anruf kam aus
unserer Fürstensuite im 5 Stock, zufällig wohnt da
gerade ein echter Fürst aus Deutschland der
regierende Herzog von Sonderbar-Schwarzhausen,
Hoheit war persönlich am Apparat, Hoheit war
sauer, stinksauer im wahrsten Sinne des Wortes.

Fürst: Unerhört, stinkt im Badezimmer, wollte Bad
nehmen, unmöglich, infernalischer Gestank, nicht
auszuhalten, Kammerdiener ohnmächtig.

Morgan: Tut mir leid das zu hören, Hoheit werde
mich sofort drum kümmern.

Fürst: Kümmern, abstellen den Gestank, aber dalli,
sonst unverzüglicher Umzug ins Waldorf Astoria,
verstanden.

Morgan: Ich hab gleich den neuen Detektiv
hingeschickt, der durchsuchte das Bad mit
zugehaltener Nase und zusammengebissenen Zähnen
und was fand er schließlich hinter der
Wandtäfelung, einen Fasan schon lange tot sehr
lange, der Küchenchef hatte ihn schon vermißt.

vanDusen: Und Sie meinen Smart haben besagten
Vogel hinter die Täfelung praktiziert.

Morgan: Ich meine nicht, Prof ich weiß, Collinson
hat nämlich nicht nur den vergammelten Fasan
gefunden, sondern auch das hier.

vanDusen: Ein beschriebenes Stück Papier, mein
lieber Hatch würden sie.

Hatch: Weiß schon, Prof vorlesen, nur ein Satz,
dieses war der erste Streich und der zweite folgt
sogleich, Unterschrift Philip T Smart.

Morgan: Und tatsächlich der zweite Streich folgte
noch am gleichen Tag abends in Suite Nr 7, bewohnt
von Lady Ribbondale, reiche Witwe aus England,
gestern abend hatte sie sich ein Spanferkel auf
die suite bestellt, der Etagenkellner nahm die
Platte aus dem Serviceaufzug und trug sie in Lady
Ribbondales Speisezimmer, oben drüber war
natürlich so ein gewölbter Metalldeckel zum
warmhalten.

Kellner: Darf ich servieren Milady.

Lady: Noch nicht Kellner, Wini, Wini, Liebling
komm zu Frauchen, komm Fresschen, lecker, lecker
Spanferkel, Wili wo steckst du denn, Kellner haben
sie meinen Wili gesehen.

Kellner: Euer lady Schoßmops leider nein milady.

Lady: Wo mag er sich herumtreiben, der kleine
Strolch, da muß ich wohl ohne meinen Wilielein
anfangen, legen sie mir vor Kellner.

Kellner: Sehr wohl Milady.

Lady: Ah, Willie mein Willie, mein kleiner Wili,
will was hat man dir angetan, oh.

Morgan: Auf der Platte der Mops, statt Spanferkel.

vanDusen: Tot.

Morgan: Mausetot.

Dotty: Arme Lady Ribbondale.

Morgan: Allerdings nicht geschmort wie Mr Hatch
vorhin meinte.

Hatch: Schade das wäre das itüpfelchen gewesen
journalistisch gesehen aber doch wohl mit einem
Zettel im Schnabel von Smart einen Gruß.

Morgan: Diesmal kein Zettel, Mr Hatch, Smart rief
mich an eine Stunde später, Lady Ribbondale war
knall auf fall ausgezogen, Collinson hatte gewühlt
und das gebratene Spanferkel im Keller entdeckt,
in einem Abfalleimer bei der Küche.

vanDusen: Der Austausch fand demnach nicht auf der
Etage oder im Servicelift statt vielmehr im
Küchenbereich, interessant, was hatte Smart ihnen
mitzuteilen Mr Morgan.

Smart: Bisher habe ich gescherzt, Morgan,
Verwesungsgeruch im Bad, ein Schoßhund zum Soupe,
gewiß nicht angenehm für sie und das Galaxy, aber
doch eher Nadelstiche denn Katastrophen, es wird
Zeit die Schraube anzuziehen, in dieser Nacht
werde ich zuschlagen, Morgan ich werde ein
Mitglied ein wichtiges Mitglied des Hotelpersonals
töten.

Morgan: Hören sie Smart, wenn sie Geld wollen.

Smart: Ich will Rache, Morgan, ich will sie
ruinieren.

vanDusen: Wie ich vermute kam dieser Anruf
ebenfalls aus dem Hotel.

Morgan: So ist es Prof, ich habe sofort Collinson
informiert, und der versprach die Augen
offenzuhalten, besonders achten wollte er auf den
Küchenchef und den maiter de hotel, aber die hatte
Smart gar nicht gemeint, heute früh erscheint
Collinson nicht in seinem Büro, ich rufe in seinem
Zimmer an, niemand geht ran, ich lasse die Tür
aufbrechen, das Zimmer ist leer, und auf Collinson
Bett finden wir.

vanDusen: Doch wohl nicht seine Leiche.

Morgan: Leiche, ne, großen Blutfleck und diesen
Zettel.

Hatch: Geben sie mal her ich schreite zur
Verlesung, an Morgan den Schuft und Betrüger, ihr
neuer Hoteldetektiv sollte mich erwischen, ich
habe ihn erwischt, Collinson ist tot, sie werden
ihn niemals wieder sehen, ich führe meine
Drohungen aus, das habe ich bewiesen, jetzt mache
ernst, ein für alle mal, heute freitag 14.
November 1902 wird im Galaxy eine Bombe
detonieren, um Mitternacht mit dem Glockenschlag
wird ihr Hotel zur Ruine werden, wer zuletzt
lacht, lacht am besten, mein Motto, haha, steht
hier, haha.

vanDusen: Hatch, nach Empfang der Epistel haben
sie doch wohl sogleich.

Morgan: Klar hab ich Prof mich hingesetzt und
scharf nachgedacht.

vanDusen: Nachgedacht nun gut Mr Morgan und des
weiteren.

Morgan: Des weiteren, was denn zum Beispiel.

vanDusen: Z.B. hätten sie das Hotel Galaxy
gründlich durchsuchen lassen sollen.

Morgan: Hunderte von Räumen, über 30.000 qm wie
stellen sie sich das vor.

vanDusen: Aber die polizei haben sie doch wohl
verständigt.

Morgan: Eher weniger Prof.

vanDusen: Was soll das heißen Mr Morgan.

Morgan: Ehrlich gesagt nein.

vanDusen: Nicht.

Morgan: Sehen sie Prof, es geht um ein Hotel ein
Luxushotel, voll mit hochkarätigen Gästen,
Fürsten, Ladys, Millionären, wenn die erfahren,
daß ein irrer Killer mit einer Bombe im Galaxy
herumgeistert, was meinen sie, was dann los ist,
Panik, Chaos.

Hatch: Finanzieller Ausfall.

Morgan: Auch das Mr Hatch und sie glauben doch
wohl nicht, daß ich die Geschichte unterm Deckel
halten kann wenn Horden von Plattfüßen durch die
Fluren trampeln, nein Prof, die Polizei ist fehl
am Platz zu laut, zu indiskret.

vanDusen: Andererseits ist es ihre Pflicht als
Staatsbürger.

Morgan: Und was das wichtigste ist, die Polizei
ist einfach nicht gut genug oder trauen sie ihr
zu, Smart zu fangen.

vanDusen: Wenn sie mich so direkt fragen Mr
Morgan.

Hatch: Caruso würde ein Bombe nur finden, wenn sie
ihm unterm Hintern losgeht, und vielleicht nicht
mal dann.

vanDusen: Hatch.

Morgan: Also keine Polizei, für John Pierpont
Morgan ist das beste gerade gut genug, mein Motto.

Dotty: Der beste John.

Morgan: Genau Dotty und wer ist der beste.

Hatch: Wer wohl Prof van Dusen, der größte
Amateurkriminologe der Welt.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen, mein
lieber Hatch.

Dotty: Ich denke an den Vampir von Brooklyn, an
den Mann der seinen Kopf verlor und was sie erst
kürzlich im wilden Westen geleistet haben, Prof
brillant, genial.

Morgan: Und darum bin ich ganz sicher Prof, sie
werden die Bombe finden und unschädlich machen,
sie werden Philip T Smart stellen.

vanDusen: Nicht nur ihn, Mr Morgan, haben sie die
Frau vergessen, welche Smart aus der Anstalt
befreite.

Dotty: Die verschleierte Komplizin.

vanDusen: Eben diese Misses Morgan.

Hatch: Die kriegt er auch der Prof, darauf können
sie wetten.

Dotty: Hoffentlich.

Hatch: Ja und wie ich ihn kenne hat er schon die
eine oder andere Spur, was Prof.

vanDusen: Durchaus möglich, und vielleicht auch
den einen oder anderen Verdacht.

Hatch: 5 Uhr nachmittags, der countdown lief, nur
noch 7 Stunden bis zur angekündigten Explosion, es
wurde Zeit, in Aktion zu treten, Prof van Dusen
trat in Aktion, indem er die Operationsbasis ins
Galaxy verlegte, Morgan begleitet uns, unterwegs
ließ van Dusen sich den gesuchten Bombenleger
beschreiben, Smart war um die 30, sagte Morgan,
mittelgroß, mausblond, unscheinbar ohne besondere
Kennzeichen.

vanDusen: Und ihr verschwundener Hausdetektiv
Collinson, Mr Morgan.

Morgan: Collinson, ach sie meinen, falls sie
zufällig über seine Leiche stolpern, Ende 30
Glatze, Schnurrbart, Kneifer, 7 Stock steigen sie
aus meine Herren, nehmen sie sich Suite 7 die ist
frei.

Hatch: Von wegen der Lady mit dem Mops, und sie Mr
Morgan.

Morgan: Ich fahr weiter, mein Büro liegt ganz oben
im 24 Stock, da finden sie mich, wenn sie mich
brauchen.

Hatch: Im Salon von Suite 7 hing noch ein leichter
Hauch von Mops, der Prof achtete nicht darauf, er
wanderte und dachte nach, leicht geistesabwesend
wie immer, ich hatte die Füße auf dem Tisch einen
doppelten Whisky vor mir, und sah zu, nicht lange,
nach ein paar Minuten gings weiter in den obersten
Stock wo die Wohnräume des Personals lagen, ein
paar billige Gästezimmer und Morgans Managerbüro,
seltsam warum hier oben in eher ärmlicher
Umgebung, na seine Sache, Collinsons Zimmer war
klein, kahl und leer, abgesehen von der nötigsten
Möblierung, Bett, Nachttisch, Stuhl, Schrank, van
Dusen machte sich wieder ans wandern, er dachte,
suchte, bückte sich ab und zu, wanderte weiter,
das übliche, der dicke braunrote Blutfleck auf dem
Kopfkissen interessierte ihn überhaupt nicht,
merkwürdig, warum wollte er ihn nicht untersuchen.

vanDusen: Ich könnte es tun, mein lieber Hatch,
ich könnte den erst kürzlich von meinem deutschen
Kollegen Uhlenhuth entwickelten Präzipitintest
durchführen, doch wozu, es wäre Zeitverschwendung.

Hatch: Wie sie wollen Prof.

vanDusen: Von weit erheblicher kriminologischer
Relevanz als jener lächerlicher Fleck ist das was
wir im Schrank vorfinden.

Hatch: Im Schrank aber da ist nichts.

vanDusen: Eben dies meine ich, und auf dem
Nachttisch.

Hatch: Auch nichts, kein Bild, keine Uhr, gar
nichts.

vanDusen: Keinerlei persönliche Habseligkeiten,
keine Kleidung.

Hatch: Als ob hier niemand gewohnt hat.

vanDusen: Sehr gut und sehr richtig.

Hatch: Aber hier hat doch jemand gewohnt,
Hausdetektiv Collinson.

vanDusen: Collinson ist und war nicht existent,
ein Phantom, besser gesagt ein alias.

Hatch: Alias, sie meinen Collinson war in
Wirklichkeit jemand anders, wer denn.

vanDusen: Wer wohl, Smart natürlich.

Hatch: Smart, der entsprungene Irre, der Stänker,
der Mopskiller, der Bombenleger, wie kommen sie
darauf.

vanDusen: Dies habe ich unter dem Schrank
entdeckt.

Hatch: Ein rundes Stück Glas aus einer Brille
oder.

vanDusen: Oder aus einem Kneifer.

Hatch: Richtig Collinson trug einen Kneifer.

vanDusen: Warum trug Collinson einen Kneifer.

Hatch: Warum, blöde frage, würde ich sagen, damit
er besser sehen konnte.

vanDusen: Keineswegs, Collinson trug einen Kneifer
um sich besser sehen lassen zu können, um nicht
erkannt zu werden, das Glas ist nicht geschliffen,
ordinäres Fensterglas, der Kneifer war Bestandteil
einer Maskerade, wie übrigens auch dies Objekt,
auf welches ich ebenfalls unter dem Schrank stieß.

Hatch: Ein Büschel schwarze Haare.

vanDusen: Längst abgestorben, mit Spuren von Leim
an den Wurzeln.

Hatch: Aber Collinson war kahl, hat Morgan gesagt.

vanDusen: Wie so oft denken sie auch hier zu kurz.

Hatch: Und wie so oft werden sie mir den verstand
schon lang ziehen.

vanDusen: Später, später lassen sie uns zunächst
folgendes festhalten, Collinson trug eine Maske,
Collinson war Smart, sie scheinen nicht völlig
überzeugt zu sein.

Hatch: Wenn sie mir ein bißchen erklären würden
Prof.

vanDusen: Also passen sie auf, der angebliche
Collinson, ein angeblicher Sicherheitsexperte für
Luxushotels taucht gerade zu jedem Zeitpunkt auf,
da der entkommene Smart das Galaxy bedroht,
Zufall.

Hatch: Unwahrscheinlich.

vanDusen: Er bietet sich Morgan an, läßt sich
einstellen, kann sich als Detektiv ungehindert im
Hotel bewegen.

Hatch: Tote Fasane verstecken, Möpse anrichten,
und wenns soweit ist, sich problemlos umbringen
lassen.

vanDusen: Indem er unter Hinterlassung eines
falschen Blutflecks verschwindet.

Hatch: Einverstanden, aber viel weiter sind wir
damit auch nicht, wo steckt der Kerl.

vanDusen: Im Galaxy ohne jeden zweifel.

Hatch: Ja aber wo und wo ist die Bombe.

vanDusen: Nehmen sie sich des Telefons an, mein
lieber Hatch.

Hatch: Sehr wohl, Prof, ja.

Morgan: Prof van Dusen.

Hatch: Der ist hier, Mr Morgan, wollen sie ihn
sprechen.

Morgan: Er soll sofort runterkommen in den Keller.

Hatch: Ist was passiert.

Morgan: Die Bombe, Mr Hatch, die Bombe ist
gefunden.

Hatch: Morgan schickte uns einen Pagen als Führer
und den hatten wir auch nötig, unter dem Hotel
erstreckte sich ein unübersehbares Labyrinth
zahlloser niedriger Gänge, nur spärlich erhellt,
sie verzweigten und kreuzen sich, kamen aus der
Dunkelheit, führen ins nichts, dazwischen düstere
Lagerräume, verschimmelte Weinkeller, dunkle
Katakomben mit rostigen Spülbecken, überall
Schmutz, Dunst, Gestank, und armselige graue
Gestalten die schattenhaft vorüberhuschten, in der
Mitte wie eine Spinne im Netz die Küche, ein
gewaltiges dröhnendes Inferno aus
überdimensionalen Öfen und Herden schlugen rote
Flammen, warfen zuckende Lichter auf Kessel,
Kasserollen und auf die armen Teufel die in dieser
Hölle schufteten, muß auch mal sein, gehobene
Prosa, bildhafte Sprache, schöner Stil, wozu ist
man Starreporter beim Daily New Yorker, aber keine
Angst jetzt geht ganz normal weiter, Morgan
erwartete uns mit seinem Küchenchef, dem unter
Feinschmeckern weithin gerühmten Missio Anatole
hinter der Küche in kleinem Raum voller schmaler
Wandschränke.

Morgan: Der Umkleideraum für Küchenpersonal.

Hatch: Na die Fürstensuite ist es gerade nicht, Mr
Morgan.

Morgan: Wissen sie Mr Hatch, ich sag immer ein
großes Hotel ist wie die Welt, oben sind die, die
es geschafft haben, es geht ihnen gut, sie werden
bedient, leben im luxus, und unten im Dreck da
sind die anderen, die meisten, die sich für die
oben abarbeiten müssen, so ist das.

Anatole: Sie halten Vortrag missiö sie
philosophieren, la bomb, sie machen tick tack tick
tack.

vanDusen: In der Tat.

Anatole: Missio sil vous plait, Missio Anatole.

vanDusen: Die Bombe, in diesem offenen
Wandschrank.

Anatole: Oui missio.

Morgan: Hören sie doch auf mit dem französischen
Getue, sie Anatole, uns brauchen sie nichts
vorzumachen, Brown, heißt er, James A Brown.

Anatole: A wie Anatole.

Morgan: Geboren und aufgewachsen in Jouplin,
Missouri, Paris haben sie nicht mal von weitem
gesehen.

Anatole: Missio, ok aber behalten sies für sich,
meine Herren, ein guter Küchenchef muß Franzose
sein, die Kundschaft besteht darauf, sonst
schmeckts ihr nicht.

Hatch: Wer angibt, hat mehr vom leben, ihr Motto,
Anatole Brown und nicht nur ihrs.

vanDusen: Ich ersuche um Ruhe, aha beim corpus
delicti handelt es sich nicht im eigentlichen Sinn
um eine Bombe das heißt um einen mit Sprengstoff
gefüllten Hohl-körper vielmehr könnte man von
einer Höllenmaschine primitivster Konstruktion
sprechen bestehend aus 2 Stangen Dynamit, einer
kupfernen Zündkapsel und einer Uhr.

Morgan: Höllenmaschine Bombe seien sie nicht
pingelig Prof wenn das Ding hoch geht, ist es egal
wie es heißt, dann ist das Galaxy ein
Trümmerhaufen so oder so.

vanDusen: Nicht doch Mr Morgan, zwei kleine
Dynamitstangen dürften kaum im Stande sein
nennenswerten Schaden anzurichten.

Anatole: Mondieu ich meine verflixt noch mal,
können sie das Ding nicht trotzdem lieber
abstellen.

vanDusen: Entschärfen meinen sie, Anatole, gewiß
kann ich das.

Anatole: Dann tuns sies doch endlich, macht einen
ganz nervös dieses ticken.

vanDusen: Beruhigen sie sich, der Alarm der
Weckuhr welcher über die Zündkapsel die detonation
des dynamit auslöst wird erst um mitternacht
einsetzen, wie spät ist es.

Hatch: Fünf vor 7.

vanDusen: Wir haben also noch gut 5 Stunden Zeit,
meine Herren, wer hat die Bombe entdeckt.

Anatole: Eine von unseren Küchenhelferinnen.

vanDusen: Holen sie sie.

Hatch: Während der falsche Franzose sich nach der
Helferin umsah, machte van Dusen die Bombe
unschädlich, indem er die Kapsel vom Wecker und
Dynamit trennte mit ruhiger Hand und einem
silbernen Tafelmesser.

Anatole: Tut mir leid Prof, die Frau ist nirgends
zu finden, seltsam.

vanDusen: Wie ich vermute, arbeitet die
Betreffende erst seit kurzem in ihrer Küche.

Anatole: Das stimmt Prof, 2 3 Tage.

vanDusen: Klein, unauffällig.

Anatole: Woher wissen sie das.

Morgan: Smarts Komplizin meinen sie Prof.

vanDusen: Nicht jetzt, diese Botschaft befand sie
unter der Höllenmaschine.

Morgan: Wenn sie diesen Zettel finden, Morgan
haben sie meine Bombe rechtzeitig entdeckt,
Glückwunsch diese Runde gewinnen sie, aber der
Kampf geht weiter, sie hören von mir Smart, also
fürs erste haben wir Ruhe oder wie sehen sie das
Prof.

vanDusen: Vielleicht.

Anatole: Bleibt es beim erlesenen soupe zu zweit,
das sie für heute nacht bestellt.

Morgan: Aber sicher Anatole, jetzt wo wir uns um
Smarts Bombe kein Sorgen mehr machen müssen, um
Mitternacht, im Penthouse, geben sie sich Mühe.

Hatch: Worum gehts denn Mr Morgan.

Morgan: Nichts für sie, Mr Hatch, na Prof gönnen
sie sich auch ne Pause, machen sie Feierabend,
morgen können sie ja weiter nach Smart suchen, wie
wärs mit einem guten Abendessen.

Hatch: Prima Idee, ich fürchte nur der Prof.

vanDusen: Der Prof ist einverstanden, schicken sie
uns das Menu in die Suite.

Hatch: Erstaunlich, wenn er in einem Fall steckt,
hält er von Speis und Trank nämlich überhaupt
nichts, als das essen kam, 6 Gänge vom feinsten,
erstklassige Weine, da rührte er es nicht an, ich
muß also für den Meister mitessen, dachte ich aber
da dachte ich falsch, wie so oft, der Meister
hatte anderes mit mir vor.

vanDusen: Sie werden 2 Aufträge für mich
erledigen.

Hatch: Wenn es sein muß.

vanDusen: Selbstverständlich muß es sein, der Fall
verlangt es.

Hatch: Ja dann was befehlen Prof.

vanDusen: Zunächst suchen sie ein zweites mal die
kulinarischen Niederungen des Galaxy auf.

Hatch: Die Küche meinen sie.

vanDusen: Was denn sonst und dort werden sie
einige Fragen an Mr Anatole richten.

Hatch: Und wenn er nicht antworten will.

vanDusen: Sie werden ihn dazu überreden.

Anatole: Und wie gedenken sie das anzustellen.

Hatch: Ganz einfach, ich werde einen Artikel über
sie schreiben im Daily New Yorker mit ihrem vollen
Namen, ihrem Geburtsort.

Anatole: Alles nur das nicht.

Hatch: Also.

Anatole: Im Penthouse oben auf dem Dach wohnt eine
Miss Maria Lankton.

Hatch: Lankton schon mal gehört.

Anatole: Eine junge Dame, sehr vertraulich mit
Morgan, vom Theater.

Hatch: Schauspielerin, jetzt weiß ich Mary Lankton
alias Mimi Lamuset, Schlangen- und Schleiertanz
nur für Erwachsene, ich habe sie längere Zeit
nicht gesehen, ein Jahr oder so.

Anatole: Tanzt nur noch für Mr Morgan im
Penthouse.

Hatch: Deshalb hat er sich sein Büro im obersten
Stock eingerichtet der alte Sünder, damit er in
unauffällig in sein Liebesnest flattern kann, wenn
Mrs Morgan wüßte, was ihren Mann so am
Hotelbetrieb fasziniert.

Anatole: Ohne Mr Morgans ausdrückliche Erlaubnis
darf niemand aufs Dach, im Sommer haben sie da mal
einen Privatdetektiv erwischt.

Hatch: Und achtkantig rausgeschmissen.

vanDusen: Im Sommer, sehr interessant, und höchst
aufschlußreich.

Hatch: Morgen hat die Dame Lantkon Geburtstag,
heut nacht um 12 fängt sie an zu feiern, in
trauter Zweisamkeit mit Morgan.

vanDusen: Mitternachtssoupe im Penthouse, ich
verstehe, mein lieber Hatch der Fall.

Hatch: Ist klar.

vanDusen: Ist weitgehend aufgeklärt, zur
endgültigen Lösung fehlt nur noch ein kleiner
Mosaikstein, sie werden ihn mir beschaffen.

Hatch: Machen wir Prof und wie.

vanDusen: In dem sie sich stehenden Fußes ins
Erdgeschoß begeben zum Empfang, wo sie sich
folgende Frage beantworten lassen.

Empfang: Letzten Sonntag.

Hatch: Ja.

Empfang: Vor 2 Uhr mittag, lassen sie sehen,
Sonntag 9. November viele Gäste, wir sind ein
großes Haus von internationalem Rang.

Hatch: Geschenkt, ich brauch nur einen Gast,
männlich vermutlich mit Bart, hat
höchstwahrscheinlich eins von den billigen Zimmern
ganz oben bezogen.

Empfangsdame: Ah ja ich erinnere mich, ein
bärtiger Ausländer, dunkle Brille, sehr schwerer
Koffer, der Page hat sich darüber beschwert, hier
ist er, Igor Bolonski aus Kravonien, Zimmer 367 im
24 Stock.

Hatch: Und Zimmer 367 liegt direkt unter dem
Penthouse.

vanDusen: Sieh an damit ist der Fall gelöst.

Hatch: Wenn sie meinen Prof, jetzt müssen wir bloß
noch Smart finden.

vanDusen: Wir haben ihn gefunden.

Hatch: Igor Bolonski.

vanDusen: Alias Peter Collinson alias Philip T
Smart, ein vielseitiger Zeitgenosse und begabter
Schauspieler, wie es den Anschein hat, wir kennen
seinen Schlupfwinkel.

Hatch: Zimmer 367.

vanDusen: Und wir kennen seine Komplizin.

Hatch: So.

vanDusen: Korrektur ich kenne sie, nunmehr gilt es
dem nächsten Zug unserer Kontrahenten
zuvorzukommen.

Hatch: Zug was für ein Zug.

vanDusen: Der letzte Spielzug, der Zug der zum
Schachmatt führt sofern wir ihn nicht verhindern.

Hatch: Schachtmatt für wen oder was.

vanDusen: Für Mr Morgan und seine Geliebte Miss
Lankton, ich spreche von der angekündigten
Bombenexplosion um Mitternacht.

Hatch: Aber das ist doch schon längt abgehakt, die
Bombe im Keller.

vanDusen: War ein bewußtes Ablenkungsmanöver, dazu
bestimmt um uns ins Sicherheit zu wiegen, schauen
sie auf die Uhr.

Hatch: Mach ich Prof 9 Uhr 48, 12 min vor 10.

vanDusen: 2 Stunden und 12 Minuten bis
Mitternacht.

Hatch: Na und was tun wir solange, Prof.

vanDusen: Wir verlassen das Hotel, offiziell,
inoffiziell jedoch.

Hatch: Bleiben wir.

vanDusen: Sehr gut, verschließen sie die Tür,
löschen das Licht.

Hatch: Was dagegen wenn ich im dunkeln was esse.

vanDusen: Wenn sie sich dabei ruhig verhalten.

Hatch: Zwei Stunden später, zehn Minuten vor
Mitternacht, zwei Männer, einer groß, einer
kleiner, stehen vor Zimmer 367, sie sehen sich um,
alles ruhig, der kleine zeigt auf die Tür, der
große nickt und klopft, Pause, niemand da.

vanDusen: Klopfen sie nochmal, Hatch.

Hatch: Zimmerservice, Mr Bolonski nix, Tür
aufbrechen Prof.

vanDusen: Wozu, die Tür ist offen.

Hatch: Und jetzt.

vanDusen: Wir treten ein, nach ihnen.

Hatch: Hannemann geh du voran, altbekanntes Motto.

vanDusen: Machen sie Licht.

Hatch: Ach du dicker Vater.

Hatch: Mitten im Zimmer auf dem Teppich hatte
jemand eine menge Dynamitstangen zu einer
eindrucksvollen Konstruktion aufgestapelt
inklusive Zündkapsel und Wecker, daneben lag ein
Mann auf dem Rücken, regungslos, ein mittelgroßer
Mann, unscheinbar, abgesehen von einem gewaltigen
schwarzen Rauschebart, van Dusen bückte sich,
packte den Bart und.

vanDusen: Der Bart ist ab, mein lieber Hatch, darf
ich vorstellen, Mr Philip T Smart.

Hatch: Ist er tot Prof.

vanDusen: Ohne jeden zweifel, eine interessante,
nicht unbedingt zu erwartende wenn auch kaum
überraschende Entwicklung.

Hatch: Ermordet.

vanDusen: Was erblicken sie auf dem Tisch.

Hatch: Eine Flasche Sherry Brandy pfui und zwei
Gläser, eins voll, eins leer.

vanDusen: Riechen sie.

Hatch: Bittere Mandel, Zyankali.

vanDusen: Zyankali und 2 Gläser das heißt Mord und
wenn sie mich nach dem Mörder fragen.

Hatch: Sehrgern aber vielleicht lieber später es
ist 11 Uhr 58 und in zwei Min. knallts.

vanDusen: In der tat, der Alarmzeiger steht auf 12
Uhr.

Hatch: Sollten sie da nicht besser.

vanDusen: Die Sprengladung unschädlich machen.

Hatch: Ja natürlich.

vanDusen: Wenn es sie beruhigt geben sie mir ihr
Taschenmesser ganz ruhig danke, so.

Hatch: Das wars.

vanDusen: Das wars, die Zündkapsel nehm ich
tunlichst an mich und den Wecker.

Hatch: Ah, das war höchste Zeit, nichts zu trinken
da außer Sherry Brandy mit Zyankali, wie gehts
weiter.

vanDusen: Sie werden sich an den Telefonapparat
verfügen und einer gewissen Person eine gewisse
Mitteilung machen sodann.

Hatch: Viertel nach 12 klopfen wir an die Tür zum
Penthouse, Morgan war nicht gerade erfreut, ließ
uns aber rein, Mary Lankton alias Mimi Lanuset
hatte ich zuletzt im Junggesellenclub gesehen, auf
dem Tisch, jetzt hatte sie ein bißchen mehr an als
damals, aber viels wars auch nicht, ein
interessanter Anblick, allerdings nicht für van
Dusen, unbeeindruckt sang er seine bekannte und
beliebte Aufklärungsarie.

vanDusen: Als Bronski bezog Smart am Sonntag ein
Zimmer im Galaxy, mit einem Koffer voller Dynamit,
verwandelte sich in Collinson, ließ sich als
Detektiv anstellen, beging als solcher diverse
Anschläge.

Hatch: Siehe Fasan, siehe Mops.

vanDusen: Um nach seiner scheinbaren Ermordung von
neuem in die Bolonskirolle zu schlüpfen, bei
alledem agierte Smart nicht allein, er hatte
Hilfe.

Morgan: Klar die Komplizin.

vanDusen: Ganz recht Mr Morgan, sie befreite Smart
aus der geschlossenen Anstalt, sie schlich sich
als angebliche Küchenhilfe ins Hotel ein, ein
Kinderspiel bei 100en von Angestellten und
unterstützte Smart tatkräftig bei seinen
Missetaten, indem sie etwa den Fasan entwendete,
das Spanferkel gegen den Mops austauschte.

Morgan: Und so weiter, wer ist diese Frau, wo
steckt sie, das will ich wissen Prof.

vanDusen: Sie ahnen es nicht, Mr Morgan, selbst
dann nicht, wenn ich ihnen verrate, daß besagte
Person sich ganz in ihrer Nähe befindet.

Morgan: In meiner Nähe.

Frau: Ich.

Morgan: Sie wollen doch nicht sagen.

Dotty: Mein Mann, was ist mit ihm, ist er tot.

Morgan: Dotty, wie kommst du hierher.

Dotty: Du lebst John, aber Mr Hatch doch am
Telefon gesagt.

vanDusen: Mr Morgan sei das Opfer einer gewaltigen
Explosion in der oberen Region des Galaxy
geworden, eine Fiktion, Mrs Morgan, ein Kunstgriff
um sie zu veranlassen sich hierher zu bemühen.

Hatch: Sie ist Smarts Komplizin.

vanDusen: Selbstverständlich.

Morgan: Dotty, Unsinn, sie müssen sich irren Prof.

vanDusen: Ich irre nie, Mr Morgan, hören sie zu.

Hatch: Weil ihr Mann sich so oft und so lange in
seinem neuen Hotel aufhielt sagte der Prof, wurde
Dotty Morgan mißtrauisch, sie schickte einen
Privatdetektiv aus, der entdeckte das Geheimnis
des Penthouse, und Mrs Morgan schwor Rache, sie
plante, sie traf Vorbereitungen, sie tat sich
zusammen mit Philip T Smart und holte ihn raus,
mit gefälschten Briefen ihres Mannes, sie half
Smart bei seinem Rachefeldzug und arbeitete
gleichzeitig auf ihr eigenes Ziel hin, nämlich
Morgan und seine Geliebte beim gemeinsamen
Geburtstagssoupe in die Luft zu sprengen.

vanDusen: Zur Feier des bevorstehenden
Bombenerfolgs wenn ich mich so ausdrücken darf,
kredenzte Mrs Morgan ihrem ahnungslosen
Verbündeten ein Zyankalicocktail.

Hatch: Aus welchem Grund.

vanDusen: Um sich des Mitwissers zu entledigen und
um selbst nicht verdächtigt zu werden, nach der
Detonation so ihre Kalkulation würde man Smarts
Überreste finden und identifizieren, man würde
annehmen, der Täter sei versehentlich ein Opfer
des eigenen Bombenanschlag geworden, man würde den
Fall als gelöst ad acta legen.

Hatch: Raffiniert.

Morgan: Ist das alles wahr, Dotty.

Dotty: Und wenn, sie können mir nichts beweisen,
Prof van Dusen, wer soll gegen mich aussagen,
Smart.

vanDusen: Sie selbst, Mrs Morgan, ihre kleine
Statur und ihre Hände, vor allem sie sprechen eine
deutliche Sprache, bereits vorhin in ihrem Salon
sind sie mir aufgefallen, rot rauh abgearbeitet,
nicht die Hände einer Dame der Gesellschaft, die
Hände einer Küchenmagd.

Hatch: Mrs Morgan kam nicht vor Gericht, in
Multimillionärskreisen ist das nicht üblich, sie
kam in eine Anstalt nach happy valley, durch
Smarts Tod war glücklicherweise gerade ein Platz
freigeworden und Mr Morgan, auf dringende
Einladung des Prof tauchte er am nächsten abend in
der 35. Straße west auf.

Morgan: Haben sie es sich anders überlegt mit dem
Scheck meine ich, hier ist er, welche Summe soll
ich einsetzen 1000 Dollar, 2000.

vanDusen: 50.000 Dollar, Mr Morgan.

Morgan: Ihr Ernst.

vanDusen: Meine Exkursion in die Unterwelt ihres
Hotel hat mir auf krasse Weise die harten um nicht
zu sagen unmenschlichen Arbeits- und
Existenzbedingungen ihrer Angestellten vor Augen
geführt, das Geld wird helfen ihr Los zu
verbessern.

Morgan: 50000 Dollar für Tellerwäscher, ich denke
nicht daran.

Hatch: Apropos Mr Morgan, wissen Sie woran ich
denke, ob ich ihren Fall nicht groß in der Presse
rausbringe, mit allen hochinteressanten
Einzelheiten, ihre Frau, ihre Geliebte, ihr
Penthouse, ihre Geschäftsmethoden.

Morgan: Das ist Erpressung, Mr. Hatch.

Hatch: Naja vielleicht nicht ganz astrein, Mr
Morgan, aber legal und gerechtfertigt.

Morgan: Also gut, 50.000, welchen Empfänger soll
ich schreiben.

vanDusen: Die Stiftung für unterbezahlte
Hotelbedienstete.

Morgan: So eine Stiftung gibts überhaupt nicht.

vanDusen: Dann gründen sie sie gefälligst.

Hatch: Unter dem Motto, tue gutes und setze es von
der Steuer ab.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
John Pierpont Morgan: Hans Teuscher
Dorothy Morgan, seine Frau: Jutta Wachowiak
Anatole, Küchenchef: Dieter Ranspach
Philip T. Smart: Max-Volkert Martens
Peter Collinson: Max-Volkert Martens
Dr. Daffy: Klaus Jepsen
Herzog von Sonderbar-Schwarzhausen: Lothar
Blumhagen
Lady Ribbondale: Barbara Witte
Empfangsdame: Helga Lehner
Butler: Helmut Ahner
Kellner: Rainer Clute

 Senf Nr. 4008 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.33Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen beschwört einen
Geist (RIAS 1992)

Hatch: Auf Ihr Wohl, Professor, auf Prof. Dr. Dr.
Dr. Augustus van Dusen, die Denkmaschine, den
größten Wissenschaftler und Amateurkriminologen,
den die Welt je gesehen hat, nicht schlecht Prof,
gar nicht schlecht, das muß man Ihnen lassen, Sie
trinken zwar selbst nicht, aber Ihre Hausbar,
erstklassig, zum Wohl, ihre Türklingel, Prof wer
kann das sein, am Pfingstsonntag morgens viertel
nach neun?

vanDusen: Zu solch einer ungehörigen Stunde, mein
lieber Hatch, pflegt mich nur eine einzige Person
heimzusuchen, und diese Person.

Hatch: War schon da, nämlich meine Wenigkeit,
Hutchinson Hatch, einerseits Journalist beim Daily
New Yorker, andererseits Begleiter, Assistent und
Chronist von Prof. van Dusen, ich hatte kurz mal
meine Nase reingesteckt zwecks Frühschoppen und
weil ich ein bißchen über unsere letzten Fälle
reden wollte, vor allem über die sensationelle,
unglaubliche, einmalige Affäre der verschwundenen
Millionäre, die erst von ein paar Wochen zuende
gegangen war, ein Glück daß ich gerade jetzt beim
Prof war sonst hätte ich nämlich den Fall um den
Opernsänger und das mörderische Gespenst im
verschlossenen Raum verpaßt, der war womöglich
noch sensationeller, noch unglaublicher, noch
einmaliger, gleich fängt er an, und zwar damit daß
ein uns allen nicht unbekannter Mensch auf großen
Füßen in van Dusens Salon stolpert.

Caruso: Hoppla.

Hatch: Hals und Beinbruch, Caruso.

vanDusen: Hatch, treten sie nur näher, Detective
Sergeant, was verschafft mir das unverhoffte
Vergnügen, bitte nehmen sie doch Platz.

Caruso: Tut mir leid Prof, daß ich so früh bei
ihnen reinschneie meine ich und das auch noch am
Sonntag.

Hatch: Pfingstsonntag, Caruso.

Caruso: Aber was soll ich machen, ich weiß einfach
nicht mehr weiter.

Hatch: Bei ihnen ist das doch ein ganz normaler
Zustand, nicht nur zu Pfingsten, nein auch zur
Weihnacht wenn es schneit und Ostern sowieso.

vanDusen: Seien sie nicht albern.

Caruso: Wenn ich gewußt hätte daß sie beim Prof
sind, Mr Hatch.

Hatch: Wären sie nicht gekommen was Caruso.

Caruso: Doch ich wäre gekommen, nicht mal sie
hätten mich abgehalten, da können sie mal sehen
wies mir geht.

Hatch: Ach armer Caruso, fröhliche Pfingsten.

Caruso: Fröhliche Pfingsten, ich hab einen total
unmöglichen mordfall am hals und sie wünschen mir
fröhliche pfingsten.

van Dusen: Beruhigen sie sich, trinken sie etwas,
Hatch, bedienen sie meinen Gast.

Caruso: Danke, danke, lieber nicht, ich brauche
einen klaren Kopf, wissen sie, aber vor allem
brauche ich ihre Hilfe, was heute nacht in der
Elmstreet passiert ist, das ist unfaßbar,
ungeheuerlich unmöglich.

Hatch: Nichts ist unmöglich Caruso.

Caruso: So na dann passen sie mal gut auf, ein
leerer Raum Tür und Fenster ständig beobachtet von
mir und von mehreren zuverlässigen Kollegen,
niemand ging rein, niemand kam raus und trotzdem
wurde er drinnen erstochen dieser Opernsänger, ich
seh da nicht durch, vielleicht wars ja wirklich
ein Geist oder einer der sich unsichtbar machen
kann.

vanDusen: Reden sie keinen Unsinn, erstatten sie
Bericht, detailliert, präzise.

Caruso: Und von Anfang an, ich weiß bescheid Prof.

Hatch: Ganz was neues, Caruso ach und reden sie
möglichst wie ein Mensch nicht wie ein Detective
Sergeant, sie wissen ja, in strikter Befolgung des
an meine Person ergangenen dienstlichen Auftrags
begab ich mich eilends usw.

Caruso: Begab, begab ich begab mich überhaupt
nicht, Mr Hatch, jedenfalls zuerst nicht, ich saß
auf mein Stuhl in meinem Büro im Polizeipräsidium
in der Mulberry Street, und da rauschte er
plötzlich rein, 1.90m, drei Zentner, Ende 50,
dunkelrotes Cape, schwarzer Kalabrese,
überlebensgroß wenn sie verstehen was ich meine.

vanDusen: Wann war das.

Caruso: Vorgestern Freitag, 24. Mai 1901 vormittag
kurz vor 11.

vanDusen: Sehr gut Caruso, exakt und extensiv,
bitte fahren sie fort.

Caruso: Also dieser Mensch kommt in mein Büro,
setzt sich, sieht sich um, ganz langsam, ganz
ruhig, ganz selbstverständlich, wenn sie verstehen
was ich meine.

vanDusen: Ich verstehe Caruso.

Hatch: Ich auch.

vanDusen: Halten sie uns nicht auf Hatch, bitte
weiter.

Caruso: Ja und dann holte er ein Zigarettenetui
aus der Tasche, ein goldenes mit Monogram, er
nimmt ein Zigarre raus, steck sie in den Mund,
guckt mich an.

King: Geben sie mir Feuer, guter Mann.

Caruso: Ich bin nicht ihr guter Mann.

King: Dann eben Wachtmeister oder was immer sie
sein mögen.

Caruso: Detective Sergeant, Detective Sergeant
Rigoletto Caruso.

King: Rigoletto Caruso, sind sie verwandt mit
Enrico Caruso dem neapolitanischen Tenor.

Caruso: Kann sein, wir sind eine große Familie,
wir Carusos was wollen sie wer sind sie.

King: Mein guter Mann, Sie kennen mich, oder gehen
sie etwa nicht in die Oper, ich meine natürlich
die richtige Oper, die Met, nicht Klitschen wie
das Grand oder das Haus in der Lexington avenue.

Caruso: Viel zu teuer.

King: Was sie nicht sagen, zahlt die Stadt ihnen
nicht ein großzügiges Gehalt.

Caruso: Haha.

King: Nun gut, ich bin Lawrence King,
Heldenbariton, der Heldenbariton, die Stimme
Amerikas, der König der Met, Lawrenco il
magnicifco.

Caruso: Ach was.

King: Sie sind erstaunt, was mag einen begnadeten
Künstler dieses Ranges veranlassen in die dumpfen
Niederungen des gemeinen Alltags hinabzusteigen
sprich in die Amtsstube eines detective sergeant
der New Yorker Kriminalpolizei das ist die
brennende Frage die ihnen auf der Zunge liegt.

Caruso: Genau Mr King.

King: Ich werde es ihnen sagen.

Caruso: Das finde ich riesig nett von ihnen.

King: Ich hab ein Haus erworben.

Caruso: Sehr interessant Mr King aber damit müssen
sie zum Grundbuchamt, hier sind sie falsch.

King: Nun hören sie mal zu guter Mann wenn sie so
weitermachen kriegen sie Ärger jede Menge mit Mr
Delamir, ihrem Chef mit dem bin ich bekannt, sehr
gut bekannt, befreundet könnte man sagen.

Caruso: Ach so, das konnte ich nicht ahnen, Mr
King was kann ich für sie tun.

King: Das guter Mann wird sich finden, leihen sie
mir zunächst ihr Ohr, ich habe wie bereits erwähnt
ein Haus erworben in Greenwich Village, Elm street
Nr 27.

Caruso: Elmstreet 27 ist das nicht.

Hatch: Genau, ein ganz spezielles Haus, im Volk
bekannt als Mordhaus auch als Spukhaus oder
Mörderhöhle, vor etwa 10 Jahren hatte hier ein
besonders schauderhafter Massenmörder namens
Frederick Kruger sein Unwesen getrieben, 17
Menschen hatte er in diesem Haus abgeschlachtet
mit seinem scharfen Fleischermesser, bis man ihn
erwischt und in Sing Sing auf dem elektrischen
Stuhl vom leben zum tode befördert hatte und jetzt
hatte King Krugers Haus gekauft.

King: Erstaunlich preiswert, guter Mann, fast
geschenkt.

Caruso: Kann ich mir vorstellen wer kauft so was
schon.

King: Lawrence King guter Mann Lawrence King ist
furchtlos und unerschrocken jeglicher Aberglaube
liegt ihm fern, unter uns guter Mann natürlich
lasse mir vor Premieren über die Schulter spucken
und um schwarze katzen mach ich einen weiten Bogen

Caruso: Aber Kruger soll in dem Haus umgehen, Mr
King, sein Geist meine ich.

King: Lächerlich es gibt keine Geister, doch seit
heute nacht, guter Mann bin ich mir nicht mehr
ganz so sicher.

Caruso: Heute nacht, was ist heute nacht passiert
Mr King.

King: Um ihnen dies zu erklären guter Mann muß ich
ein wenig ausholen.

Hatch: In seinem neuen Haus wohnte Mr King vorerst
allein, mit einem Diener, seine Frau war in der
gemeinsamen Wohnung geblieben am unteren Ende der
5 Avenue.

Hatch: Sehr vernünftig von der Dame.

Caruso: An dem bewußten abend, Donnerstag 23 Mai
war Mr King gegen 11 Uhr ins Bett gegangen und
bald darauf eingeschlafen.

King: Plötzlich erwachte ich vom Turm der
Josefskirche schlug es 12 mal Mitternacht,
Geisterstunde, ein unheimliches Gefühl überkam
mich, ein Gefühl des Schrecken, ja des Grauen,
mein Herz schlug heftig, ich öffnete die Augen,
richtete mich auf und was sah ich da im schwachen
Schein des Mondes der durch den Vorhang drang.

Caruso: Was Mr King was haben sie gesehen.

King: Eine Gestalt, eine dunkle Gestalt, sie
wirkte wie soll ich mich ausdrücken unscharf,
undeutlich.

Caruso: Undeutlich Mr King, meinen sie vielleicht
unwirklich.

King: Keinesfalls, guter Mann, die Gestalt war
wirklich, so wirklich wie ich selbst, sie stand
vor meinem Lager, starrte mich aus düsteren
Augenhöhlen an, und dann auf einmal streckte sie
die rechte Hand nach mir aus, in der Hand hielt
sie ein Messer, die Spitze nach oben und auf die
Klinge ich sah es ganz deutlich war ein Blatt
Papier gespießt, in jähem Schauer schloß ich
unwillkürlich die Augen, als ich sie wieder
aufschlug, da.

Caruso: Ja, Mr King.

King: Da mein guter Mann war die Gestalt
verschwunden und auf meiner Bettdecke lag ein
Blatt Papier, dieses Blatt Papier.

Caruso: Hier ist der Zettel Prof, Mr King hat ihn
mir gegeben und ich hab ihn gut aufgehoben als
Beweisstück.

vanDusen: Ein Durchstich ca 3 cm breit, diverse
dunkle Flecken.

Hatch: Sieht aus wie Blut was Prof.

vanDusen: So ist es mein lieber Hatch, es sieht so
aus, es sieht aus wie Blut und Moder, durchaus
passend und angemessen, handelt es sich doch um
eine Botschaft aus dem Grabe, so sieht es aus,
lesen sie vor mein lieber Hatch.

Hatch: Wenn sie mich nicht hätten, muß ich mich
doch tatsächlich selber bemühen aufgehts, kein
Datum keine Anrede, ich beginne, dies ist mein
Haus, du wirst verschwinden, sonst werde ich ein
zweites mal mit meinem schönen scharfen Messer zu
besuch kommen in der Nacht vor Pfingsten zur
Geisterstunde und dann werde ich dich abstechen,
Unterschrift F. Kruger, schwarze Tinte, zittrige
Schrift.

Caruso: Sieht wirklich aus wie Krugers
Handschrift, das haben wir überprüft, na Prof was
sagen sie.

vanDusen: Ein dummer Streich, Caruso eine törichte
Mystifikation, kaum ein Fall für die Polizei und
schon gar keiner für Prof van Dusen.

Caruso: Meinen sie Prof und wenn ich ihnen sage,
daß Mr King wirklich und wahrhaftig umgebracht
wurde, wies da steht, in der Nacht vor Pfingsten,
12 Uhr.

vanDusen: In der Tat Caruso, abgestochen.

Caruso: Jawohl Prof mit Krugers Messer, in einem
leeren und rundum bewachten Raum.

vanDusen: Erstaunlich, bitte setzen sie ihren
Bericht fort, Caruso.

Caruso: Wo war ich stehengeblieben.

Hatch: Nacht zum Freitag, King hatte gerade diese
interessante Epistl gekriegt.

Caruso: Richtig, Mr King klingelte sofort seinen
Diener aus dem Bett, beide kämmten das ganze Haus
durch, Ergebnis alles in Butter, Türen
abgeschlossen, nichts verdächtiges, kein Hinweis
auf einen Einbrecher und da sagte Mr King wurde
ihm doch etwas mulmig, am nächsten morgen ging er
zu seinen Freund Delamir, und der schickte ihn zu
mir.

King: Verstehen sie mich nicht falsch, guter Mann,
ich habe keine Angst.

Caruso: Natürlich nicht Mr King.

King: Ich werde das Haus keinesfalls aufgeben.

Caruso: Und die Nacht vor Pfingsten Mr King.

King: Werde ich in der Elm street verbringen.

Caruso: Sehr couragiert Mr King.

King: Unter Polizeischutz.

Caruso: Ach so.

King: Sie werden mir Gesellschaft leisten, guter
Mann.

Caruso: Ich Mr King.

King: Nebst einigen Kollegen, Anweisung von Mr
Delamir.

Caruso: Ja dann Mr King.

King: Sagen sie, guter Mann, sind sie sicher daß
dieser Kruger, daß er wirklich, daß er ganz und
gar tot ist, meine ich tot und begraben.

Caruso: Ganz sicher, Mr King, Frederick Kruger ist
zum Tode verurteilt und auf den elektrischen Stuhl
gesetzt worden und das hat er nicht überlebt,
glauben sie mir.

King: Wenn ich nur könnte guter Mann.

Caruso: Ich werde es ihnen beweisen, Mr King
kommen sie mit.

King: Wohin guter Mann.

Caruso: In den Keller, ins schwarze Museum der
Polizei von New York, ich zeigte Mr King Krügers
Exekutionsprotokoll, sein handschriftliches
Testament und seine Totenmaske, sein Tatwerkzeug
das berüchtigte Fleischermesser wollte ich ihm
auch zeigen, aber ich kanns nicht finden, Mr King
müßte hier sein in diesem Schrank, vermutlich
verlegt oder zur Reparatur, werd mich bei
Gelegenheit drum kümmern, sie sehen Mr King kein
Grund zur Sorge, Kruger ist tot und kann ihnen
nichts mehr tun.

King: Ihr Wort in gottes ohr guter Mann, aber auf
den zugesagten Polizeischutz bestehe ich dennoch.

Caruso: Ja und darum begab ich mich gestern abend
zur Elmstreet in strikter Befolgung.

Hatch: Caruso.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Mit den Wachtmeistern Donovan, Paretzky
und Obrien, um 10 Uhr waren wir da wie besprochen,
Donovan blieb auf der Straße und behielt Haustür
und front im Auge, Paretzky überwachte den
Hintereingang.

Hatch: Und sie Caruso.

Caruso: Ich bezog innen Posten Mr Hatch, mit
Wachtmeister Obrien, zuerst haben wir das Haus
durchsucht, gründlich vom Dach bis zum Keller.

Hatch: Und haben sie einen Geist gefunden.

Caruso: Nix, Mr Hatch, kein Geist, kein Versteck,
keine Geheimtür, kein doppelter Boden, gegen halb
12 waren wir damit durch und dann warteten wir, in
Mr Kings Salon, er war ein nobler Gastgeber, das
muß ich sagen, auf seinem Phonografen spielte er
uns Opernmusik vor, sein Diener servierte Whisky
und Zigarren, Mr King trank viel, vielleicht
wollte er sich Mut machen.

King: Auf zum Fest froh soll es werden leporello,
preso, eine neue Flasche von diesem Nektar.

Diener: Sehr wohl Sir.

King: Sie trinken ja gar nicht guter Mann und der
andere gute Mann auch nicht.

Caruso: Wir sind im Dienst Mr King.

King: Hinweg mit Bedenken mit kleinlichen Sorgen,
was schlägt die Stunde guter Mann.

Caruso: 5 vor 12 Mr King.

King: So mag er denn kommen der steinerne Gast,
wir lachen seiner nicht wahr guter Mann.

Caruso: Sie haben Telefon Mr King.

King: Versteht sich, gleich nach Erwerb des Hauses
hab ich die Leitung legen lassen, an den Apparat
Leporello.

Diener: Sehr wohl Sir.

King: Mein Telefonkabinett liegt gleich neben dem
Salon.

Diener: Mr Kings Residenz, ah guten abend Madam,
sehr wohl Madam, einen Augenblick Madam, Mrs King
wünscht sie zu sprechen Sir.

King: Meine Frau, um diese Zeit.

Caruso: Lassen sie die Tür zum Kabinett geöffnet,
Mr King.

King: Erlauben sie, guter Mann, dies ist ein
privates Telefongespräch, und Privatgespräche
pflege ich privat zu führen, was soll schon
passieren, sie haben doch alles unter Kontrolle.

Caruso: Und das hatten wir auch Prof, das
Telefonkabinett ist ein kleiner Raum etwa 3mal 3
meter nur eine einzige Tür, davor ich und
Wachmeister Obrien, ganz zu schweigen von diesem
Leporello, ob er wirklich so heißt.

Hatch: Warum nicht Rigoletto mio.

vanDusen: Hatch.

Caruso: Nur ein einziges kleines Fenster zur
Straße, und da stand Wachtmeister Donovan, wir
machten uns also keine Sorgen, ich und Obrien, wir
warteten, Mr King telefonierte, die Turmuhr
schlug, elf, zwölf.

Diener: Es ist Mitternacht.

King: Hilfe.

Diener: Sir, sir.

Caruso: Abgeschlossen, die Tür ist abgeschlossen,
Obrien Leporello Tür aufbrechen.

Diener: Sehr wohl, Sir.

Caruso: Auf mein Kommando eins zwei und drei, ach
du lieber Gott, das Telefonkabinett war ein Bild
der Verwüstung, Stuhl und Tisch waren umgeworfen,
die Seidentapete hing in Fetzen und zwischen dem
Wandtelefon und dem Fenster da lag er, Mr Lawrence
King, Blut auf der linken Brust und am rechten
Bein, kein Puls, keine Atmung, tot, neben ihm auf
dem Teppich ein blutiges Messer, sonst nichts,
nichts und niemand.

vanDusen: Beleuchtung Caruso.

Caruso: Eine Gaslampe, Prof, an der Wand über dem
Telefon nicht sehr hell aber ausreichend, ich sah
mich um, kein Mörder, kein Mensch, kein Geist,
dann ging ich zum Fenster und riß es auf, Donovan.

Donovan: Ja.

Caruso: Ist jemand durch dieses Fenster gestiegen,
Donovan.

Donovan: Nein, weder rein noch raus.

Caruso: Ach haben sie was gesehen hinter dem
Fenster.

Donovan: Nichts genaues, bewegung hin und her,
undeutlich was ist denn los soll ich kommen.

Caruso: Bleiben sie auf ihrem Posten, Donovan,
halten sie die Augen auf.

Donovan: Was ist denn passiert.

Caruso: Ich hörte etwas eine Stimme leise
entfernt, wo kam sie her ah aus dem Telefon.

Hatch: Sie machen sich Caruso ein richtig guter
Bericht, spannend, dramatisch, wissen sie was,
kommen als Volontär zum Daily Newyorker, bei der
Kripo sind sie doch sowieso fehl am platz.

vanDusen: Halten sie sich zurück Hatch, und sie
Caruso lassen sie sich nicht beirren, fahren sie
fort, sie hörten eine Stimme aus dem Telefon.

Caruso: So war es Prof, ich ging hin und nahm den
Hörer.

Mrs King: Hallo, Lawrence bitte sag doch was.

Caruso: Mrs King.

Mrs King: Wer sind sie.

Caruso: Kriminalpolizei, Detective Sergeant Caruso
spreche ich mit Misses King.

Mrs King: Ja hier ist Senta King, wo ist Lawrence,
ich habe mit ihm gesprochen und plötzlich, was ist
geschehen.

Caruso: Es tut mir leid Mrs King.

Mrs King: Ist ihm etwas zugestoßen, so reden sie
doch Mann.

Caruso: Wo sind sie Mrs King.

Mrs King: In meiner Wohnung natürlich, was ist mit
Lawrence, ist er krank.

Caruso: Sie sollten hierherkommen, Mrs King so
schnell wie möglich.

Mrs King: O gott Leo, Lawrence ist was passiert,
du mußt mich sofort zur Elmstreet fahren, ich
komme.

Caruso: Eine halbe Stunde später war sie da, mit
einem Freund der Familie, einem gewissen Mr Leo
Lyneker.

Hatch: Lyneker, der Opernkritiker.

Caruso: Keine Ahnung was er ist, beide sind noch
im Hause, in der Zwischenzeit haben wir natürlich
die üblichen Untersuchungen vorgenommen, der
Polizeiarzt ist verständigt.

vanDusen: Dr Clanan nehm ich an.

Caruso: So ist es Prof, er muß jeden Augenblick
eintreffen, außerdem.

vanDusen: Das von ihnen erwähnte Messer, Caruso
haben sie.

Caruso: Ich habe, Prof es ist Krugers
Fleischermesser, die Waffe, die aus unserem
schwarzen Museum verschwunden ist, bloß daß jetzt
die Spitze fehlt, offenbar abgebrochen aber sonst
dasselbe Messer, eindeutig.

vanDusen: Was sie nicht sagen.

Hatch: Tolle Story Caruso, toter Massenmörder
schlägt zu, Frederick Krugers 18. Opfer,
Opernsänger durch Geisterhand getötet,
Fragezeichen.

Caruso: Genau das ist die Frage, Mr Hatch
vielleicht gibts ja wirklich mehr Dinge zwischen
Himmel und Erde, ja und da hab ich gedacht wenn
sie sich in der Elmstreet mal umsehen würden und
diesen, diesen Geist.

vanDusen: Beschwören mein guter Caruso, mit
Vergnügen.

Caruso: Wo sie doch neulich sogar den Teufel
ausgetrieben haben.

Hatch: Fall Bliss alias Dr Faustus Januar 1901,
sie erinnern sich.

vanDusen: Caruso, mein lieber Hatch, lassen sie
uns eine Pfingstexkursion nach Greenwich Village
unternehmen.

Hatch: Die Elmstreet ist eine ruhige kleine Straße
nicht weit vom Washington Square, die Häuser die
sich in zwei schnurgeraden Reihen gegenüberstehen
sehen absolut gleich aus, alle aus rotem Backstein
alle dreistöckig, alle aus der zeit um 1850,
damals war die Elmstreet eine gute Adresse.

Caruso: Heute ist die Gegend bißchen
runtergekommen, sie sehen ja ein paar Häuser
stehen leer.

Hatch: Komisch daß King ausgerechnet Krugers
Mörderhöhle gekauft hat, wenn er schon hier wohnen
will warum nicht ein anderes Haus zb das direkt
gegenüber das steht leer und ist viel besser in
Schuß.

Caruso: Das Fenster ganz rechts im ersten Stock,
das ist es, Prof.

vanDusen: Das Oberlicht steht offen, war das
bereits gestern abend der Fall.

Caruso: Sicher Prof, es war eine warme Nacht.

vanDusen: Interessant.

Caruso: Ach das ist nur eine Luftklappe, ein Loch,
sie glauben doch nicht, daß da jemand
durchgekrochen ist ganz abgesehen davon daß
donovan nichts gesehen hat.

vanDusen: Außer vagen Bewegungen sehr richtig
caruso führen sie mich zum Tatort.

Hatch: King hatte sich vorerst nur ein paar Räume
eingerichtet, Schlafzimmer, Bad, Salon,
Telefonkabinett, alle im 1. Stock, aber wie hatte
er sie eingerichtet, alle gleich und alle gleich
scheußlich, dunkelrote Teppiche von Wand zu Wand,
dunkelrote Seidentapeten, sogar die Lampen hatten
bordeauxrote Schirme, auch die im Telefonkabinett.

Caruso: Rot, alles rot, rot wie Blut, wie Mord,
Massenmord.

Hatch: Also ich denke dabei eher an große Oper,
Kitsch und Kulisse aber davon verstehen sie
nichts, Caruso und sie Prof woran denken sie wenn
sie des Orgie in rot sehen.

vanDusen: In erster Linie daran, daß vor einem
uniform dunkelroten Hintergrund wie ihn dieses
Haus sowohl außen als auch im innern darbietet ein
dunkelrotes Objekt sich als quasi unsichtbar
erweist.

Caruso: Objekt was für ein Objekt, Prof, meinen
sie das Messer, das ist nicht rot, das sehen sie
doch der Griff ist grün und die Klinge.

vanDusen: Ich meine nicht das Messer, ich meine ua
diese dunkelrote Feder.

Caruso: Feder wo.

vanDusen: Auf dem Teppich unmittelbar vor dem
Fenster.

Caruso: Richtig ein Feder, die sehe ich zum ersten
mal, Prof und wir haben das Kabinett gründlich
durchsucht.

vanDusen: Woran ich nicht zweifel, daß sie die
Feder dennoch übersahen, unterstreicht auf
markanteste meine soeben getroffene Feststellung
zum Thema Tarnung und Mimikri.

Caruso: Mimiwas.

vanDusen: Nunja heben sie die Feder auf Caruso und
verwahren sie sie gut, sie stammt übrigens aus dem
Gefieder eines Puters, mineagris galopaus ein
Faktum von erheblicher ich möchte sagen
außerordentlicher Relevanz.

Caruso: Ja also ich versteh nicht was ein Truthahn
mit dem Mord an King zu tun haben soll.

vanDusen: Das wundert mich nicht im geringsten,
apropos ihr sogenanntes schwarzes Museum ist
soweit mir bekannt ist für bestimmten zeiten für
das allgemeine Publikum geöffnet.

Caruso: Jawohl Prof jeden Mittwoch von 10 bis 4
und da ist was los, kann ich ihnen sagen, Himmel
und Menschen und dabei nehmen wir einen halben
Dollar pro Nase.

vanDusen: So so, tja dann wollen wir jetzt zum
eigentlichen corpus delicti schreiten, die Lage
der Leiche haben sie ja wohl nicht verändert
Caruso.

Caruso: Was denken sie von mir Prof natürlich
nicht.

Clennam: Wochenende, immer am Wochenende, 7 Tage
hat die Woche, und wann lassen die Leute sich
umbringen, Montag Mittwoch nie, am Sonntag, nur am
Sonntag, morgen morgen Caruso, wo ist der Kadaver.

Caruso: Direkt vor ihrer Nase, Doc.

Hatch: Fröhliche Pfingsten Doctor Clennam.

Clennam: Sie mich auch, nanu, Hutchinson Hatch und
Prof van Dusen.

vanDusen: Wie sie sehen Herr Kollege.

Clenam: Sagen sie mal Caruso wenn vanDusen schon
hier ist warum haben sie mich auch aus dem Bett
geholt, am Sonntag morgen vor dem Frühstück, habe
die Ehre.

vanDusen: Kollege Clanan, bleiben sie, ich habe
lediglich vor eine kursorische Examination der
Leiche vorzunehmen wobei sie mir zur hand gehen
können, die eigentliche Obduktion bleibt voll und
ganz ihnen überlassen.

Clennam: Zu gütig Prof, na dann wollen wir mal.

Hatch: Die beiden Koryphäen gingen ans Werk, sie
drückten und zogen, stocherten und bohrten,
rollten den unglückseligen Lawrence King auf dem
Teppich herum mit Feuereifer und Hingabe.

vanDusen: Der Tod trat ein vor knapp 11 Stunden,
genau Mitternacht und zwar durch einen Stich ins
herz, durchs herz, wenn sie unbedingt pingelig
sein wollen, die Waffe traf schräg von oben in
einem Winkel 45 grad auf die linke Brust des
Opfers unter dem Schlüsselbein, durchbohrte das
herz und blieb in der linken hälfte der hinteren 8
rippe stecken, die spitze blieb stecken und dabei
brach sie ab, hier ist sie, zeigen sie mal Doc, ah
ja sehen sie her die Spitze paßt haargenau auf die
Bruchstelle an Krugers Messer, das heißt Mr King
wurde tatsächlich mit diesem Messer erstochen, der
Mörder stand vor ihm, die spitze nach unten und
stach zu, alles klar.

vanDusen: Sie vergessen die Wunde im rechten
Oberschenkel des Opfers Kollege.

Clanan: Ein ganz oberflächlicher Schnitt, Prof
vermutlich entstanden als King sich wehrte, ohne
Bedeutung, sie scheinen anderer Ansicht zu sein,
Prof.

vanDusen: Drei wichtige Tatsachen empfehle ich
ihrer Beachtung, der Stichkanal erweist sich als
relativ schmal, nur eine schneide des Messers ist
mit Blut bedeckt und schließlich an der
Bruchstelle der Messerspitze hat bereits der
Oxidationsprozeß eingesetzt.

Clanan: Ja und das ändert doch nichts am
pathologischen Tatbestand und der ist eindeutig.

Caruso: Augenblick Stichkanal 8. Rippe,
Oxidationsprozeß alles gut und schön aber damit
weiß ich immer noch nicht wie der Mörder hier rein
und wieder raus gekommen ist, das erklären sie mir
mal Doc.

Clennam: Ich denke nicht daran, ich bin
Polizeiarzt, verantwortlich für die medizinischen
Untersuchungen, alles weiter ist ihre Sache
Caruso.

Hatch: Ich habe eine Idee, vielleicht gibt es gar
keinen Mörder, ich meine könnte King sich nicht
selber.

Clennam: Selbstmord ausgeschlossen ein
Selbstmörder sticht sich nicht in herz und wenn
doch ausnahmsweise dann tut er das zögernd tastend
mit mehrmaligem ansetzen, hier aber wurde nur
einmal zugestochen, energisch und entschieden,
kein Selbstmord, mit sicherheit nicht,
einverstanden Prof.

vanDusen: In diesem Punkt Kollege Clanan stimme
ich ihnen ohne vorbehalt zu.

Clanan: Wenigstens etwas, also dann meine Herren
schicken sie mir Leiche ins Bellevuehospital,
Caruso.

Caruso: Wenn sie fertig sind Prof mit der Leiche.

vanDusen: Ja dieser Abschnitt meiner Untersuchung
ist abgeschlossen, Caruso wo befinden sich Mrs
King und ihr Begleiter.

Caruso: Im Schlafzimmer, unter Aufsicht, wollen
sie mit ihnen reden Prof.

vanDusen: Warum eigentlich nicht, vor allem aber
wünsche ich ihnen die Hände zu drücken.

Caruso: Im ernst, Prof.

Hatch: Senta King, eine statuarische Blondine um
die 30 hatte sich tatsächlich den bekannten
Opernkritiker Leo Lyneker mitgebracht, ein
geschliffener Kulturmensch vom Scheitel bis zur
Sohle, will sagen von den schon leicht ergrauten
länglichen locken über loniette und Zigarrenspitze
aus Bernstein bis zu den Zugstiefel aus gelben
Ziegenleder, aber ich kam kaum dazu mir die beiden
genau anzugucken weil ich mich nämlich wundern
mußte und zwar über den Prof, der marschierte
stracks auf die trauernde Witwe zu, griff sich
ihre rechte hand und zog sie an die Lippen, van
Dusen beim Handkuss, das hatte die Welt noch nicht
gesehen.

vanDusen: Erlauben sie mir Madame ihnen meine
tiefempfundene Teilnahme auszudrücken.

Mrs King: Sehr freundlich Prof, ein herber
Verlust.

vanDusen: Für sie Madame und für die gesamte
Menschheit.

Mrs King: Ach Prof daß Lawrence uns auf so
schreckliche weise verlassen mußte, dieses
grauenhafte Haus, er hat darauf bestanden, es zu
kaufen und darin zu wohnen, obwohl ich ihn immer
wieder angefleht habe.

Lyneker: Beruhige dich Senta.

vanDusen: Geben sie mir ihre Hand Lyneker, auch
sie standen ihm nahe.

Lyneker: So ist es, Prof ich habe einen Freund
verloren.

vanDusen: Ich fühle mit ihnen.

Hatch: Ich auch Kollege beileid.

Lyneker: Kollege Mr.

Hatch: Hatch, Hutchinson Hatch, Kriminalreporter
beim Daily NewYorker, sie müßten mich kennen
Kollege.

Lyneker: Ach wirklich, Mr Hatch ja, sie schmieren
sensationellen Schmutz für ein Revolverblatt
zusammen.

Hatch: Ich höre wohl nicht richtig.

Lyneker: Wohingegen ich meine hohe Berufung darin
erblicke Operndarbietungen kritisch zu taxieren
für die exklusive highbrow review, bei dieser
krassen Diskrepanz der Aktivitäten kann von
Kollegialität denn doch wohl kaum die Rede sein.

Hatch: Hören sie mal zu Lyneker, wenn wir nicht in
einem Trauerhaus wären dann würde ich ihnen ihre
affige Brille.

vanDusen: Hatch, bewahren sie contenance,
gestatten sie mir eine Frage, Mrs King.

Mrs King: Bitte, Prof.

vanDusen: Wie haben sie den gestrigen abend
verbracht.

Mrs King: In der Met natürlich, gestern war Don
Giovanni.

Lyneker: Senta singt die Zerlina.

vanDusen: Jaja ich verstehe Mr King war nicht
besetzt ich hätte vermutet die titelrolle

Lyneker: Das war früher, Prof heute singt den Don
Giovanni Antonio Scotti.

vanDusen: Ahja sie befanden sich also im
Metropolitanoperahaus Madam bis wann.

Mrs King: Um 11 war die Vorstellung zu ende,
abschminken bis etwa halb 12 dann hat Leo mich
nachhause gefahren.

Lyneker: Ich habe der Aufführung beigewohnt Prof
in meiner Loge.

Mrs King: Und dabei hat Leo mir von dem Brief an
Lawrence erzählt, von diesem, diesem entsetzlichen
Krüger.

Lyneker: Ein lapsus linguae, Prof unabsichtlich
und unwillkürlich.

vanDusen: Sie waren also informiert, Lyneker.

Lyneker: Lawrence King hat mir vertraut, Prof.

vanDusen: Ah ja.

Mrs King: Ich war natürlich außer mir von Sorge,
und hab Lawrence sofort angerufen, kaum hatten wir
ein paar Worte gewechselt da, da.

vanDusen: Bitte Mrs King.

Mrs King: Da ließ Lawrence plötzlich den Hörer
fallen, ich hörte wie er sagte, Kruger da ist er,
und wie er um hilfe rief, dann irgendwelche
Geräusche und schließlich Stille, totenstille.

Lyneker: Da ich mich zum Glück noch in Sentas
Wohnung aufhielt, konnte ich sie auf der Stelle
hierherbringen in meinem Automobil, seitdem hält
man uns fest, wann werden sie uns freilassen.

Hatch: Bald sagte Caruso, nachdem er in einer Ecke
leise mit dem Prof konferiert hatte, der war damit
in der Elmstreet erst einmal fertig, ihn zog es
zum Broadway, zur Met und ich mußte ihn hinfahren,
in meinem Automobil, wenn er mich nicht hätte, der
große Mann müßte er nicht nur selber lesen, er
müßte auch laufen, was wollte van Dusen in der
Oper, Kunstgenuß, innere Erhebung durch Musik,
keine Spur, er suchte Lawrence Kings Garderobiere,
eine gewisse Mrs Kaplan und er fand sie natürlich
in Lawrence Kings Garderobe.

Caplan: Nicht nur seine Prof, er muß sie teilen
mit Mrs King, früher hätten sie das nicht gewagt.

vanDusen: Wer Mrs Caplan.

Caplan: Die Intendanz, die hat Mr King die halbe
Garderobe weggenommen, früher häts das nicht
gegeben, oh da war er ein Star.

vanDusen: Und jetzt ist er nicht mehr, Mrs Caplan.

Caplan: Machen sie doch die Augen auf, besser
gesagt die Ohren, was hat Mr King vor 2-3 Jahren
gesungen, Don Giovanni, Graf Luna, Rigoletto, Hans
Sachs, und was gibt man ihm heute, den Herrufer in
Lohengrin, den Bretine im Manon, den Sprecher aus
der Zauberflöte, in den Meistersingern den
Nachtwächter, kleine Partien, alles kleine
Partien, die großen singt seit der letzten Saison
Senior Scotti.

vanDusen: Eine Entwicklung, welcher Mr King wohl
kaum freudig zustimmte.

Caplan: Das können sie laut sagen, Prof.

vanDusen: War er sehr niedergeschlagen, Mrs
Caplan, so sehr daß ein Selbstmord im Bereich des
möglichen gelegen hätte.

Caplan: Selbstmord, Mr King, niemals, Mr King war
eine Kämpfernatur, der hat sich nicht abgefunden,
der hat sich angelegt mit allen, mit der
Intendanz, mit Scotty, mit dem ganzen Ensemble,
mit dem Chor, mit dem Orchester, mit jedem im Haus
hat er sich gestritten.

vanDusen: Auch mit Mrs King.

Caplan: Ja wie mans nimmt, sie hat schon zu
gehalten ja meistens.

vanDusen: Aber, Mrs Caplan.

Caplan: Ja manchmal da, da hat sie ihm Vorwürfe
gemacht, sie wollte die großen Wagnerpartien
singen und sie hat sie nicht gekriegt, seinetwegen
weil er sich mit der Intendanz überworfen hat.

vanDusen: So, und Mr Lyneker, sie kennen doch Mr
Lyneker.

Caplan: Klar kenn ich Mr Lyneker, Mr Kings bester
Freund, wenn sie sich nicht gerade in der Wolle
hatten.

vanDusen: In der Wolle, Mrs Caplan weshalb.

Caplan: Mr King hat verlangt, daß Mr Lyneker über
ihn schreibt, daß er immer noch der größe und
beste Heldenbariton ist, aber Mr Lyneker wollte
nicht, er kann es mit seinem künstlerischen
Gewissen nicht vereinbaren, hat er gesagt.

vanDusen: Aha, sagen sie, wie würden sie Mr Kings
Gemütszustand in den letzten Tagen einschätzen,
Mrs Caplan, hat er sich verändert.

Caplan: Oh ja Prof, Mr King hatte richtig gute
Laune, seit er dieses, dieses Spukhaus gekauft
hat, er war munter, optimistisch, passen sie auf
Mrs Caplan, hat er gesagt, es dauert nicht mehr
lange, dann singt den Don Giovanni wieder Lawrence
King, wie in alten zeiten.

Hatch: Zurück zur Elmstreet, wo wir sehnlichst
erwarten wurden, 2 Uhr war es inzwischen geworden,
Prof van Dusen hatte sich jetzt fast 5 Stunden mit
dem Fall beschäftigt, mehr Zeit brauchte er nicht,
der Fall war gelöst, van Dusen wußte, wer King
ermordet hatte und vor allem wie der Mord vor sich
gegangen war, er wußte alles, und weil er sein
Licht bekanntlich nicht unter den Scheffel zu
stellen pflegt, beeilte er sich, sein Wissen kund
zu tun, das heißt er schritt zum
Aufklärungsvortrag und wir, Mrs King, Lyneker,
Detectivsergeant Caruso und meine Wenigkeit, wir
hörten zu.

Caruso: Also kein Geist, Prof.

vanDusen: Natürlich nicht, Caruso, was immer der
verblichene Kruger begangen haben mag, an diesem
Mord ist er völlig unschuldig.

Caruso: So und wie ist der Mörder ins
Telefonkabinett rein und nach dem Mord wieder
rausgekommen Prof.

vanDusen: Eine ganz und gar irrelevante Frage
Caruso.

Caruso: Unwichtig, meinen sie, Prof.

vanDusen: Ja völlig unwichtig.

Caruso: Das verstehe ich nicht.

vanDusen: Natürlich nicht Caruso, lassen sie es
mich so sagen, zum Zeitpunkt der Tat hat der Täter
sich nicht im Kabinett aufgehalten.

Caruso: Er war gar nicht drin also das.

Hatch: Verstehen sie auch nicht Caruso was.

Caruso: Sie etwa, Mr Hatch.

Hatch: Von mir erwartet das auch niemand Caruso.

Caruso: Von mir erst recht nicht.

Hatch: Da haben sie recht und wo sie recht haben.

vanDusen: Bitte bitte meine Herren ich habe das
Wort, ich werde ihnen und natürlich auch unseren
beiden schweigsamen Gästen Mrs King und Mr Lyneker
präzise rekonstruieren, was sich um Mitternacht im
Telefonkabinett dieses Hause zu trug.

Caruso: Da bin ich gespannt Prof.

vanDusen: Meine Herrschaften, wie ihnen bekannt
ist, begab Lawrence King sich in der vergangenen
nacht etwa 3 min vor 12 Uhr in seinen Telefonraum,
um einen für diese zeit verabredeten Anruf seiner
Gattin entgegen zu nehmen, er zog die Tür hinter
sich ins Schloß, drehte leise den Schlüssel.

Caruso: Was King hat sich selbst eingeschlossen.

vanDusen: Wer sonst Caruso, sodann schritt King
zum Telefonapparat an der Wand um mit ihnen, Mrs
King einige Worte zu wechseln, als es Mitternacht
schlug, brach der das Telefonat ab, er lief im
Kabinett hin und her, stieß die Möbel um, rief um
Hilfe, kurz er verhielt sich so, als sei der
brieflich annoncierte Geist des Massenmörders
Kruger tatsächlich erschienen, um ihn zu töten,
zur Verstärkung dieser Illusion fügte King sich
mit dem Messer welches er in seiner Kleidung
verborgen bei sich trug eine geringfügige
Schnittverletzung am Oberschenkel zu.

Caruso: Das ist doch verrückt, Prof, warum hat er
so was gemacht.

Mrs King: Lawrence war doch nicht wahnsinnig oder.

Lyneker: Kaum, ein wenig impulsiv, das Temperament
eines Künstlers.

vanDusen: Nein meine Herrschaften King war nicht
von sinnen, im Gegenteil, seinem scheinbar
irrationalen tun lag eine durchaus rationale
Absicht zugrunde, sein künstlerischer Stern wir
wissen es, war im sinken begriffen, um ihn wieder
zum strahlen zu bringen, um seinen Namen einer
vergeßlichen Öffentlichkeit in die Erinnerung
zurück zu rufen, und zwar auf möglichst
nachhaltige eindringliche weise, unternahm King
eine sorgsam vorbereitete und detailgenau
inszenierte Aktion, mein Freund Hatch hat mir
versichert, daß solche wie sagten sie Hatch.

Hatch: Stunts, Prof, publicity stunts.

vanDusen: Danke mein lieber Hatch, solche stunts
scheinen heutzutage in gewissen Kreisen durchaus
üblich zu sein, ich fahre fort, vor wenigen Wochen
erstand King dieses Gebäude, die frühere Behausung
eines hingerichteten Massenmörders, welchem der
abergläubische Volksmund nachsagt, er pflege an
der Stätte seines Wirkens umzugehen, zu spuken, so
lauten ja wohl die einschlägigen Begriffe, als
nächstes beschaffte King sich Krugers Messer aus
dem schwarzen Museum der Polizei und schrieb in
Krugers Handschrift jenen makabren Drohbrief
welchen er ihnen Caruso präsentierte, samt einer
selbstverständlich fingierten Horrorgeschichte von
der nächtlichen Heimsuchung durch einen
gespenstischen Briefträger, den Höhepunkt der
Inszenierung sollte die Geistererscheinung im
Telefonkabinett darstellen, ohne Zweifel hatte
King geplant, nach dem Aufbrechen der Tür durch
die zu diesem zwecke bemühte Polizei dieser eine
zweite Gespenstergeschichte zu erzählen, Krugers
Geist sei plötzlich aufgetaucht mit geschwungenem
Messer und nach heftigem Kampf ebenso plötzlich
wieder verschwunden, später hätte King die Presse
informiert.

Hatch: Das wäre was gewesen, Prof ganz New York
hätte darüber geredet, eine unbezahlbare Reklame
für Lawrence King.

Caruso: Aber.

vanDusen: Ganz recht Caruso, aber, King wurde
ermordet.

Hatch: Mord ist auch gute publicity aber das kann
King ja wohl nicht gewollt haben.

vanDusen: Kaum, kein zweifel, Kings Plan schlug
fehl.

Caruso: Das klingt ganz plausibel, Prof aber viel
weiter sind wir damit nicht, wie wurde King
ermordet, das ist doch die frage, wie.

vanDusen: Durch ein Geschoß Caruso, genauer durch
einen von außen abgeschossenen Pfeil.

Caruso: Pfeil, was für ein Pfeil, ich hab keinen
gefunden.

vanDusen: Das konnten sie auch nicht, Caruso, weil
der Pfeil zum Schützen zurückschnellte, wie zu
vermuten steht durch ein an ihm befestigtes
schmales Kautschukband selbstverständlich nachdem
King tödlich getroffen und die Pfeilspitze dh. die
abgebrochene Spitze von Krugers Messer in seiner
Rippe stecken geblieben war, letzteres war für den
Mörder und seinen Plan von primärer Bedeutung, die
Spitze war daher mit dem Schaft des Pfeils
lediglich locker verbunden und es versteht sich
von selbst daß Pfeilschaft und Band von dunkler
Farbe und daher von Wachtmeister Donovan nicht
wahrgenommen konnte.

Caruso: Eine fantastische Geschichte Prof.

vanDusen: Fantastisch, Caruso wäre ein mordender
Geist akzeptabler für sie.

Caruso: Kompliziert meine ich, weit hergeholt,
irgendwie ich weiß nicht.

Hatch: Wenn ich mal dolmetschen darf, Prof, Caruso
wünscht zu erfahren wie sie das alles rausgekriegt
haben, 2 plus 2 und so.

Caruso: Genau Mr Hatch.

vanDusen: Ich werde es ihn erklären, Caruso und
auch ihnen mein lieber Hatch, der sie fraglos
nicht weniger neugierig sind als ihr
Dauerkontrahent von der Kriminal polizei, wie sie
zweifellos wissen, werden Pfeile am unteren Teil
des Schaftes mit Federn versehen zur
Gewährleistung eines gleichmäßigen Fluges,
erfahrene Sportschützen verwenden hierfür in der
Regel Truthahnfedern.

Hatch: Aha.

vanDusen: Des weiteren verweise ich auf das offene
Oberlicht im Telefonkabinett.

Caruso: Da kam er rein der Pfeil ok, aber wo kam
er her.

vanDusen: Von höherer Warte, schräg von oben, wie
der verlauf des Schußkanal eindeutig beweist, ich
schlage vor Caruso daß sie dem leerstehenden Haus
gegenüber einen Besuch abstatten, an einem der
Fenster im Dachboden werden sie deutliche Hinweise
finden, Spuren im Staub und dergleichen, Hinweise
darauf daß sich dort jemand kürzlich aufgehalten
hat.

Caruso: Also gut Prof.

vanDusen: Aber doch nicht jetzt, Caruso warten sie
gefälligst bis ich meine Vorlesung beendet habe,
setzen.

Caruso: Wie sie wollen Prof, setzen.

vanDusen: Gestern abend kurz vor 12 Uhr begab sich
der Mörder bewaffnet mit Pfeil und Bogen in das
erwähnte Haus, durch den hinteren Eingang welcher
durch einen schmalen Weg von der zur Elmstreet
parallel laufenden Christopherstreet zugänglich
ist, Lyneker wußte, daß King sich um Mitternacht
im Telefonkabinett aufhalten würde.

Hatch: Lyneker.

vanDusen: Leo Lyneker der Mörder.

Lyneker: Unfug ich bin im Besitz eines Alibi, so
nennt man das doch in Krimi kreisen.

Caruso: Er hat recht Prof, ich kanns bestätigen.

Lyneker: Na bitte.

Caruso: Heute nacht habe ich am Telefon.

vanDusen: Wen haben sie gehört Caruso, Lyneker.

Caruso: Ja.

vanDusen: Nein, sie hörten Mrs King.

Mrs King: Aber.

Caruso: Sie hat doch mit Lyneker gesprochen
während er.

vanDusen: Sie sprach nicht mit Lyneker, sie sprach
zu ihm, zu einem abwesenden, und versuchte so ihm
ein Alibi zu verschaffen.

Caruso: Ja wenn sie das sagen Prof.

vanDusen: Leo Lyneker hat Lawrence King ermordet,
als Vertrauter des Opfers war er Mitwisser,
womöglich gar Initiator der publicity action, er
betreibt den Sport des Bogenschießens.

Lyneker: Woher wollen sie denn das wissen Prof.

vanDusen: Ihre Hand hat es verraten, Lyneker,
präziser die typische Schwielen am Daumen und am
unteren Glied des Zeigefinger, sie besitzen ein
Automobil welches sie in kurzer zeit von Mrs King
Wohnung in der 5 Avenue zur Christopher Street und
nach dem Mord wieder zu Mrs King zurück brachte.

Mrs King: Aber ich hab doch.

vanDusen: Mrs King ist Lynekers Komplizin, beide
waren dran interessiert Lawrence King zu
beseitigen aus beruflichen Gründen und wohl auch
aus anderen privaten.

Hatch: Da war mal was, Prof vor einem halben Jahr
in den Klatschspalten, in welcher Belcanto-Ehe
würde Kritiker gern den dritten im Bunde spielen,
so etwa war das.

vanDusen: Senta King, Leo Lyneker, sie beide waren
in Kings Aktion eingeweiht und haben beschlossen,
sie ohne sein wissen zu einem Kapitalverbrechen
umzufunktionieren, sie sind überführt.

Caruso: Und sie werden gestehen, Donovan,
Paretzky, Obrien abführen die beiden, aber eins
hab ich noch nicht verstanden Prof die Sache mit
dem oxi.

vanDusen: Oxidationsprozeß Caruso.

Caruso: Ja so hieß das.

vanDusen: Passen sie auf, der Oxidationprozeß
welcher wie die leichte Verfärbung erkennen ließ
an beiden Bruchstellen bereits eingesetzt hatte
verriet mir, daß der Bruch nicht wie es den
Anschein hatte vor Stunden erfolgte sondern vor
etwa 10 Tagen, vermutlich hatte Lyneker am
Mittwoch dem 15. Mai das schwarze Museum
aufgesucht, das Messer entwendet und bevor er es
an King weitergab die spitze abgebrochen, um sie
als Mordwerkzeug zu benutzen.

Caruso: Ach so.

Hatch: Auf der Heimfahrt wirkte van Dusen etwas
mitgenommen, kein Wunder er ist nicht mehr der
jüngste und das dauernde lösen kriminologischer
Probleme das schlaucht ungemein, aber am Fall King
hatte ihn was ganz spezielles irritiert.

vanDusen: Ich meine die den Fall bestimmende
theatralische, genauer musik-theatralische
Atmosphäre, mein lieber Hatch, die Aura des
Irrealen, Irrationalen, des so tun als ob, des
eher Schein als Sein, wenn sie verstehen was ich
meine.

Hatch: Ja…

vanDusen: Äußerlichkeiten, Kulissen,
Inszenierungen, Reklame, Publicity, große Opern,
kleine Partien, nicht das rechte Milieu für Prof
van Dusen, von derartigen Fällen werde ich mich in
Zukunft strikt fernzuhalten wissen.

Hatch: Bekanntlich kommt es manchmal anders, als
man denkt, ein knappes Jahr später legte sich der
Professor mit dem Phantom der Oper an, und das
sollte einer seiner größten Triumphe werden doch
davon meine Damen und Herren erzähle ich ihnen
vielleicht ein andermal.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Lawrence King, Helden-Bariton: Otto Mellies
Senta King, Sopran, seine Frau: Susanna Bonaséwicz
Dr. Clennam, Polizei-Arzt: Wolfgang Condrus
Mrs. Caplan, Kings Garderobiere: Ruth Pipho
Leo Lyneker, Opern-Kritiker: Peter Matic
Leporello, Kings Diener: Hans Teuscher
Wachtmeister Donovan: Klaus Jepsen

 Senf Nr. 4007 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.33Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen Augustus im
Wunderland (RIAS 1992)

Horrocks: Wer sind Sie?

vanDusen: Ich, ich bin Prof. Dr.Dr.Dr. Augustus
van Dusen…

Jellypot: Gebrülstig wars, die schloimen Düxe sich
in dem Burden gröll verschlotzten, gar mieslich
frümpelten die Flüxe und die Mohm-Ralben krotzten.

vanDusen: Wie bitte.

Jellypot: Und die Mohm-Ralben krotzten.

vanDusen: Aha, sie pflegen sich mit
Psychopathologie abzugeben, Kollege Jellypot.

Jellypot: Wie kommen Sie darauf, Kollege van
Dusen.

vanDusen: Weil Sie uns mit den Ejakulationen eines
offensichtlich wahnwitzigen traktieren.

Jellypot: Aber werter Kollege, wo denken Sie hin,
was ich zum Vortrag brachte, ist ein Kunstwerk,
ein Poem.

Hatch: Jabberwocky von Lewis Carroll.

Jellypot: Ah Sie kennen Jabberwocky Mr.

Hatch: Hatch Hutchinson Hatch Begleiter Assistent
und Chronist von Prof.van Dusen.

Jellypot: Nun Mr. Hatch da Sie Jabberwocky kennen
ist ihnen zweifellos auch bewußt daß es mit dem
Datum des heutigen Tages eine ganz besondere
Bewandtnis hat.

Hatch: 4 Juli 1903, klar unser Nationalfeiertag,
Unabhängigkeitserklärung, George Washington,
Konfetti, Pappnasen, Feuerwerk, allgemeines
Besäufnis.

Jellypot: Ihr transatlantischer Patriotismus in
ehren, doch ich meine etwas anderes, der 4. Juli
ist ein historischer Meilenstein in der
Entwicklung von Fantasie und Kreativität, denn am
4. Juli 1862 vor 41 Jahren wurde sie zum ersten
Male erzählt, die unsterbliche Geschichte von
Alice im Wunderland, erzählt von ihrem Schöpfer
Charles Ludwig Dowson, der sich als Autor Lewis
Carroll nannte und zwar hier, meine Herren, an
diesem Ort, sie wissen doch, ein goldener
Sommernachmittag, geruhsam treibt das Boot.

Hatch: Jetzt war es Vormittag, aber sonst stimmte
alles, der Sommer, das Boot und auch der Fluß war
derselbe, nämlich die Themse, nur daß sie hier in
der Gegend von Oxford nicht Themse hieß sondern
Isis, am Vorabend hatte Prof van Dusen vor
auserwählten Lehrkörpern der Universität einen
Vortrag gehalten über die atomare Strukturtheorie
der Elemente und ihre Bedeutung für den
Fortschritt der Wissenschaft, oder so ähnlich,
unser Gastgeber Dekan Jellypot war davon offenbar
so angetan gewesen, daß er uns für den nächsten
Vormittag zu einer traditionellen oxforder
Bootsparty eingeladen hatte, Sektfrühstück am Ufer
inklusive, wir landeten an einem stillen
Seitenarm, Diener arrangierten Decken, Kissen und
Klappstühle, richteten den Imbiß her, öffneten
Champagnerflaschen.

Jellypot: Du hast gefällt den jaberwok, umarme
mich, mein Sohn und Held, o quarlich tag, heisa
halop so strohlt er stolzgeschwelt.

Hatch: Bravo Dekan, schönes Plätzchen genau
richtig für ein Picknick, da hinten der graue Turm
über den Bäumen.

Jellypot: Schloß Twickenham, Mr Hatch, seit
Jahrhunderten im Besitz der Familie, ein
hochinteressantes Stück normannischer Architektur.

Diener: Wenn sie gestatten Sir, es ist
angerichtet.

Jellypot: Sehr schön Blackstock, so lassen sie uns
denn der improvisierten Tafel zusprechen meine
Herren.

vanDusen: Dodgson, Dodgson, vor Jahren ein
mittelmäßiger Mathematiker zu Oxford wenn ich
nicht irre.

Jellypot: Und ein begnadeter Schriftsteller,
Kollege van Dusen.

vanDusen: Doch wohl eher ein müßiger Produzent
kindlichen Unsinn, Kollege Jellypot, eine
Aktivität welche mit dem profunden Streben des
seriösen Wissenschaftlers schlichterdings nicht in
Einklang zu bringen ist.

Jellypot: Meinen sie, werter Kollege, nun wie dem
auch sei, ist an der Zeit, das Walroß sprach meine
Herren, ich erhebe mein Glas auf den Geburtstag
der vereinigten Staaten von Amerika.

Hatch: Hipp Hipp Hurra und auf den großen Lewis
Carroll.

Jellypot: Ehre seinem Andenken.

Hatch: Komischer Nachgeschmack, ich weiß nicht,
ich bin auf einmal so müde, die Augen, kann sie
nicht mehr aufhalten.

vanDusen: Auch ich mein lieber Hatch vermag mich
einer gewissen Somnolenz nicht zu erwehren.

Hatch: Der Champagner, Prof.

Jellypot: Nimm dich vor Jabberrok in acht.

Hatch: Da war was darin.

Jellypot: Es schnappt der Zahn.

vanDusen: Veronal.

Jellypot: Die Klaue kratzt.

vanDusen: Chloralhydrat.

Jellypot: Hüt dich vorm Jupjup in der Nacht und
vor dem Wanderschnatz.

Hatch: Die Augen fielen mir zu, die Sinne
schwanden, ich hatte das Gefühl zu fallen, zu
stürzen, tiefer immer tiefer in die Erde durch die
Erde, dann nichts mehr, ich kam zu mir, schlug die
Augen auf, sah mich um, die Uferwiese an der
Themse war verschwunden, ich lag auf einer kleinen
Waldlichtung, verschwunden waren auch der Dekan,
sein Diener, sein Picknick und sein
einschläfernder Champagner, van Dusen war zum
glück noch da, er lag neben mir im Tiefschlaf und
säuselte durch die Nase, sonst kein Geräusch, doch
schnelle Schritte aus der ferne, eine Stimme
murmelte, da kam jemand, ich richtete mich auf.

Lord: Oje oje ich komm zu spät, o meine armen
Pfoten, o mein Pelz, o meine Schnurhaare, zu spät,
ich komm zu spät.

Hatch: Hallo sie da Augenblick mal, warten sie, es
hörte nicht auf mich, es raste vorbei und war weg,
es, ja sie haben richtig gehört, es, ein weißes
Kaninchen fast so groß wie ich, in Weste und
karierter Jacke, eine mächtige Zwiebel von Uhr in
der Hand, ich starrte ihm nach aber ehe ich
überhaupt anfangen konnte mich zu wundern,
räusperte sich wer oder was hinter mir, ich drehte
mich um, auf einem riesengroßen Fliegenpilz saß
eine riesengroße Raupe, rauchte eine riesengroße
Wasserpfeife und sah mich kritisch an.

Horrocks: Wer sind sie.

Hatch: Tja wer bin ich, heute früh war ich noch
Hutchinson Hatch, alles klar, keine Probleme, aber
inzwischen ist so viel passiert, wissen sie.

Horrocks: Ich weiß nicht, erklären sie sich.

Hatch: Das ist gar nicht so leicht.

vanDusen: Hatch was ist geschehen, wo befinden wir
uns.

Hatch: Keine Ahnung Prof, gut geschlafen, wie
fühlen sie sich.

vanDusen: Leidlich danke, nach dem Stand der Sonne
haben wir mittag.

Hatch: 3 nach 12 sagt meine Uhr.

vanDusen: Das heißt ich befand mich für ca 2
Stunden im zustand der Bewußtlosigkeit, mein gott
was ist das.

Horrocks: Wer sind sie.

vanDusen: Ich bin Prof DrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Die Denkmaschine, Wissenschaftler und
Amateurkriminologe von Weltruf, und jetzt ist es
wohl an der zeit, daß sie sich vorstellen.

Horrocks: Warum.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Sehen sie dasselbe was ich sehe, eine
Raupe, etwa 1m70 groß.

Horrocks: 1,72.

vanDusen: Eine Raupe welche spricht und
Wasserpfeife raucht.

Hatch: Und wenn man genauer hinsieht große
Ähnlichkeit mit einem älteren Herrn in einem
Raupenkostüm hat.

vanDusen: Finden sie, mein lieber Hatch, was
geschieht mit mir, halten sie es für möglich daß
ich der das Genie stets bedrohenden Gefahr erlegen
bin und ohne es wahrzunehmen die Schwelle zum, zum
Wahnsinn überschritten habe.

Hatch: Nicht doch, Prof, machen sie sich keine
Sorgen, mir gehts genau wie ihnen, und daß ich
kein Genie bin, das wissen sie.

vanDusen: Niemand besser als ich, wenn nicht
Wahnsinn was dann, ein Traum.

Hatch: In diesem Fall erhebt sich die Frage, bin
ich in ihrem oder sind sie in meinem Traum.

vanDusen: Ich bitte sie, ein Prof van Dusen hat es
wohl kaum nötig die Träume anderer zu
frequentieren.

Hatch: Ist ja gut Prof und total unnötig, ich weiß
jetzt was hier los ist, wir sind nicht in einem
Traum, wir sind in einem Buch.

vanDusen: In der Tat, mein lieber Hatch.

Hatch: Bei mir war der Groschen gefallen, endlich,
wir waren im Wunderland, im Wunderland von Alice,
in Lewis Carrolls Wunderland am 4. Juli am Lewis
Carroll Tag, wieso warum weswegen das wußte ich
natürlich nicht, aber ich machte mir deshalb auch
keine Sorgen, die Sache war nicht ernst und schon
gar nicht gefährlich, vermutlich eine Art Spiel.

vanDusen: Und was sollen wir tun mein lieber
Hatch.

Hatch: Mitspielen Prof.

vanDusen: Ich denke nicht dran.

Hatch: Seien sie kein Spielverderber, Prof machen
sie mit, und wenn das Spiel zu Ende ist, wird sich
alles in wohlgefallen auflösen und dann verehrter
Meister Mr Raupe werden wir auch erfahren wer sie
sind.

Horrocks: Durchaus denkbar.

Hatch: Ganz netten Pilz haben sie hier.

Horrocks: Finger weg, machen sie nichts kaputt.

Hatch: Eine Holzkonstruktion mit Stoff bespannt,
kommen sie Prof.

vanDusen: Wohin mein lieber Hatch.

Hatch: Sehen sie, das kommt davon, wenn man das
Buch Alice im Wunderland nicht kennt, hätten sie
sich ein bißchen mehr mit wie haben sie gesagt
kindischen Unsinn abgegeben, dann wären sie jetzt
nicht drauf angewiesen daß ich sie führe, na seien
sie froh daß sie mich haben, Prof, kommen sie hier
gehts lang.

vanDusen: Wie sie meinen mein lieber Hatch.

Hatch: Ich war der Chef, ich sagte wos langging
und van Dusen war zahm und parierte aufs Wort,
verkehrte Welt, wenn sie wissen, wie der Prof
sonst mit mir umgeht, dann können sie sich
vorstellen, wie mir zumute war, wunderbar, ganz
wunderbar, und so ging ich denn wie auf rosa
Wolken voran durchs Wunderland und hielt Ausschau
nach dem Haus der Herzogin, aber das hatten sie in
dieser Wunderlandausgabe anscheinend eingespart,
jedenfalls ging es gleich weiter mit der
Chesshirekatze, sie hockte an einem Baum am
Wegesrand und grinste über ihr ganzes rundes
Mondgesicht.

vanDusen: Die Gesichtszüge dieser Kreatur erfreuen
sich sofern dies der korrekte Ausdruck ist einer
geradezu erstaunlichen Übereinstimmung mit denen
meines werten Kollegen Dekan Jellypot.

Hatch: Ganz ihrer Meinung Prof, wenn man den Dekan
in ein Katzenkostüm steckt, ihm Schnurrhaare
verpaßt und ihn auf einen Ast setzt, moment wie
war denn das noch, aja, verehrteste
Chesshirekatze, können sie uns sagen welchen Weg
wir einschlagen sollen.

vanDusen: Aber Hatch es gibt doch nur diesen einen
Weg.

Jellypot: Das hängt davon ab, wohin sie gehen
wollen, auf einen Seite wohnt ein Hutmacher und
auf der anderen Seite wohnt ein Märzhase, ob sie
den einen oder den anderen besuchen, sie sind
beide verrückt, wir sind alle verrückt hier, ich
bin verrückt, sie sind verrückt, sie auch Kollege
van Dusen.

vanDusen: Ich verbitte mir ihre Verbalinjurien
Kollege Jellypot, steigen sie herunter von ihrem
Ast und erklären sie mir gefälligst.

Hatch: Immer mit der Ruhe Prof, nicht so
verbiestert, mitspielen heißt die Parole, wie
kommen sie darauf, daß wir verrückt sind.

Jellypot: Sie müssen verrückt sein, sonst wären
sie nicht hier.

Hatch: Ok das reicht, denke ich, weiter Prof,
nächste Station sollte die verrückte
Teegesellschaft sein beim Märzhasen, wird auch
Zeit nach dem abgebrochenen Picknick und dem
ausgefallenen Lunch daß wir was in den Magen
kriegen, bleiben sie nur dicht bei mir.

vanDusen: Sie sind der Führer, mein lieber Hatch.

Hatch: Unterwegs begegneten wir zum zweiten mal
dem weißen Kaninchen, es wetzte wieder vorbei ohne
uns zu beachten, und dann waren wir auch schon am
Haus des Märzhasen, auf der Wiese davor stand ein
langer Tisch mit vielen Gedecken, Teetassen,
Tellern, Teekannen, an einem Ende saßen drei
Personen dicht beieinander, der Hutmacher, ein
älterer Mann mit Hakennase und Schnauzbart unter
seinem hohen Zylinder, der Märzhase mit langen
Ohren in einem lila Samt- anzug und zwischen den
beiden die Haselmaus in einem altmodischen
schwarzen Seidenkleid und einer braunen Kappe mit
spitzen Mauseohren, viel sah man nicht von ihr,
sie hatte die Arme auf dem Tisch und den Kopf auf
den Armen, sie schlief dachte ich, alles so wie es
sein sollte.

Roselli: Kein Platz.

Tiptoe: Alles besetzt.

Hatch: Ach was, Platz genug, setzen sie sich Prof.

vanDusen: Wenn sie das für richtig halten mein
lieber Hatch.

Roselli: Nehmen sie einen Schluck Champagner meine
Herren.

Hatch: Ich kann mich beherrschen, außerdem ich
sehe hier keinen.

Tiptoe: Ist ja auch keiner da, bloß Tee.

Hatch: Gestatten daß wir uns bedienen, naja kein
Whisky aber besser als gar nichts.

Tiptoe: Können sie mir vielleicht sagen, welchen
Tag wir heute haben.

Hatch: Den 4.

Tiptoe: Ah, ich muß meine Uhr stellen, die geht 2
Tage nach, ich hab ihnen gesagt Butter ist nicht
gut fürs Werk.

Roselli: Es war beste Butter.

Tiptoe: Ja aber es müssen auch ein paar Krumen
reingeraten sein, sie hätten die Butter nicht mit
dem Brotmesser in die Uhr tun sollen.

Hatch: Um die Sache ein bißchen abzukürzen schlage
ich vor daß sie jetzt die Haselmaus wecken damit
sie uns die Geschichte von den drei Schwestern im
Sirupbrunnen erzählt.

Tiptoe: Einverstanden, wachen sie auf, Haselmaus.

Roselli: Los, los Haselmaus aufwachen.

Tiptoe: Sie rührt sich nicht, Märzhase.

Roselli: Geben sie ihr einen Stoß Hutmacher,
stups.

Hatch: Die Haselmaus fiel um mit ihrem Stuhl,
blieb liegen und rührte sich nicht, das stand
nicht im Buch, ich starrte, der Hutmacher starrte,
der Märzhase starrte, van Dusen starrte auch aber
nicht verdutzt oder erschrocken wie wir übrigen
sondern interessiert, angeregt, fast erfreut, er
beugte sich über die reglose Haselmaus.

vanDusen: Die Frau ist tot, gestorben von einer
halben Stunde.

Hatch: Zehn nach 1 weniger 30 Minuten, zwanzig vor
1 Prof.

vanDusen: Ganz recht, mein lieber Hatch 12 Uhr 40,
kommen sie her Hatch.

Hatch: Gewiß doch.

vanDusen: Bücken sie sich tiefer, tiefer, so was
riechen sie.

Hatch: Bittere Mandeln.

vanDusen: Sehr richtig und das heißt.

Hatch: Zyankali.

vanDusen: Sehr gut, auf welche weise hat die Frau
das todbringende Gift zu sich genommen, aha
bringen sie ihre Nase in Kontakt mit dieser
Teetasse.

Hatch: Zyankali und noch was.

vanDusen: Jene hellbraune Flüssigkeit von der sich
noch ein Rest am Boden der Tasse befindet.

Hatch: Sieht aus wie Tee, Sherry, eindeutig Sherry
medium dry.

vanDusen: Sehr schön, die Teetasse der toten
enthielt mit Zyankali versetzten Sherry, ein Fall,
womöglich ein Mord, ausgezeichnet, ganz
ausgezeichnet.

Hatch: Prof van Dusen vor wenigen Minuten noch
gedrückt und ziemlich durcheinander hatte sich
bekrabbelt, ein bißchen Zyankali, eine Leiche und
schon war er wieder der alte, während er die Tote
untersuchte, mußte ich ihr die Kappe mit den
Mauseohren abnehmen, und die dicke braune Schminke
aus dem Gesicht wischen, zum Vorschein kam eine
Frau etwa mitte 30 gepflegt, gutaussehend, und da
wurden Märzhase und Hutmacher, die uns bisher
stumm und wie gelähmt zugeschaut hatten plötzlich
munter.

Roselli: Das das das ist noch nicht Mrs
Marshmellow.

Tiptoe: Das ist Lady Twickenham.

Roselli: Aber das ist doch gar nicht möglich, Lady
Twickenham ist nicht die Haselmaus.

Tiptoe: Die Haselmaus spielt Mrs Marshmellow.

Roselli: Und wieso.

vanDusen: Bitte meine Herren, sie werden später
hinreichend Gelegenheit zu ausführlichen
Erklärungen erhalten, sehen sie her, dies Blatt
Papier habe ich im ausschnitt der toten entdeckt,
übrigens von ihrer Kleidung abgesehen das einzige
was sie bei sich trug, ein bedeutsamer Hinweis.

Hatch: Das Papier.

vanDusen: Gewiß auch das, doch von erheblich
größerer Bedeutung ist das was ich nicht bei der
Leiche fand, lesen sie.

Hatch: Aye aye Sir, Vorleser vom Dienst Hutchinson
Hatch waltet seines Amtes, es war stets mein
brennender Wunsch einmal, ein einziges mal im
Wunderland mitzuwirken, doch man erwies sich allen
meinen Bitten gegenüber als unzugänglich, mein
Verlangen wurde übermächtig, ich tötete Mrs
Marshmellow, um ihren Platz und ihre Rolle im
Wunderland einzunehmen, mein gott was habe ich
getan, als Mörderin kann und will ich nicht
weiterleben, Unterschrift, soweit zu entziffern,
Gertrud Twickenham, ja Selbstmord also.

vanDusen: Meinen sie.

Hatch: Was denn sonst, sie hat sich selbst
vergiftet diese Gertrud Twickenham klarer Fall.

Roselli: Seine Lordschaft, Tiptoe, da kommt seine
Lordschaft.

Hatch: Lordschaft, meinen sie das weiße Kaninchen.

Tiptoe: Das weiße Kaninchen ist Lord Twickenham.

Hatch: Ach was.

Roselli: Wir müssen es ihm sagen Tiptoe, das mit
seiner Frau.

Tiptoe: Ja Roselli das müssen wir wohl, Milord,
Lord Twickenham hallo.

Lord: Was soll das, Tiptoe, sie fallen aus der
Rolle.

Roselli: Es muß sein, Milord, kommen sie, es ist
was passiert.

Tiptoe: Was furchtbares Milord.

Hatch: Lord Twickenham kam sah und wurde
informiert und war konsterniert, verständlich,
aber mit Tee und guten Worten kriegten wir ihn
soweit hin, daß er van Dusen eine Frage
beantworten konnte.

Lord: Ja Prof das ist die Handschrift meiner Frau,
kein Zweifel, sie hat den Brief geschrieben.

vanDusen: Danke Milord, und nun meine Herren ist
es wohl an der Zeit, daß sie mir Aufklärung zuteil
werden lassen.

Hatch: Und mir bitte auch.

vanDusen: Was geht hier vor, was wird gespielt,
ich höre.

Tiptoe: Also wenn sie gestatten Milord werde ich
das übernehmen, sie sind wohl kaum in der Lage,
verehrte anwesende ich beginne.

vanDusen: Am besten damit daß sie sich vorstellen.

Tiptoe: Ja gewiß Tiptoe, Oberst Tiptoe,
Chiefconstable dieses Bezirks und mein Partner der
Märzhase ist Mr Rafael Roselli.

Hatch: Der Dichter.

Roselli: Der weltberühmte Poet Mr Hatch.

vanDusen: Was sie nicht sagen und was veranlaßt
einen Polizeichef, einen namhaften Lyriker, und
ein Mitglied des Hochadels sich in kurioser
Maskerade ausgefallenen Spielen hinzugeben.

Tiptoe: Das will ich ihnen ja gerade erklären Prof
und dazu muß ich wenig ausholen, meine Herren, als
anno domini 1898 vor 5 Jahren Lewis Carroll alias
Prof Dodgson diese Welt verließ, da fand sich eine
kleine erlesene Schar von Verehrern und
Bewunderern des dahingeschiedenen zusammen und
beschloß dem Andenken jenes ungewöhnlichen
Menschen und Autors auf eine Weise ehre zu zollen
die ihm angemessen, die seiner würdig sei.

Hatch: Hört, hört.

Tiptoe: Am 4. Juli jeden Jahres sollte so der
feierliche Beschluß, Carrolls bedeutendste
Schöpfung, das Wunderland mitsamt seinen Bewohnern
den Bereich der Fiktion verlassen und für kurze
Zeit Gestalt in der Realität annehmen, zu diesem
zwecke stellte unser Mitglied der ehrenwerte Lord
Twickenham großzügigerweise ein Grundstück zu
Verfügung, das Grundstück auf welchem wir uns
befinden.

Lord: Früher mal ein Fanasengehege wissen sie
Prof.

Tiptoe: Es ist von einer hohen Mauer umgeben, und
diese wie auch das einzige Tor wird von den
Dienern seiner Lordschaft auf strengste bewacht.

Lord: Wir wollen nämlich nicht gestört werden.

Tiptoe: Und legen großen Wert darauf unter uns zu
bleiben.

Hatch: Das konnte ich mir denken, jedes Mitglied
des exklusiven Kreises spielte am 4. Juli eine
Figur aus Alice im Wunderland, Hutmacher, Märzhase
weißes Kaninchen usw die qualmende Raupe hieß Dr.
Horrox weiland Leibarzt ihrer Majestät Königin
Viktoria gott hab sie selig und die Chesshirekatze
war tatsächlich Dekan Jellypot.

vanDusen: Ein Wissenschaftler von seinem Ruf auf
einem Baum, angetan mit Katzenohren und einem
geringelten Katzenschwanz, es ist unfaßbar.

Tiptoe: Der Bischof von Snodbury spielt die
Herzkönigin und wie ich seine ehrwürden kenne wird
er es sehr bedauern, daß er dieses mal nicht zum
Einsatz kommt.

Roselli: Er kann zwar nicht herumlaufen weil er
ein steifes Bein hat, aber das macht er wett durch
Lautstärke und eine unglaublich blutdürstige
Mimik.

Hatch: Runter mit den Köpfen.

Tiptoe: Ganz recht und dann wäre da noch Mrs
Marshmellow.

vanDusen: Richtig Mrs Marshmellow und wer ist Mrs
Marshmellow.

Tiptoe: Mrs Marshmellow ist ein Sonderfall, das
einzige weibliche Mitglied unser Runde, an sich
sind wir ein reiner Herrenclub, Damen sind bei uns
nicht willkommen grundsätzlich nicht.

Hatch: Find ich altmodisch und langweilig, sie
sind ein bißchen hinter dem Mond alter Freund.

Tiptoe: Sie als Amerikaner und Journalist haben
wohl kaum das rechte Gespür für historische Werte
und Traditionen, Mr Hatch, nicht einmal Lady
Twickenham haben wir in unseren Kreis aufgenommen,
obwohl sie in ihrer Kindheit mit Lewis Carroll gut
bekannt war.

Lord: Immer wieder hat sie uns bekniet, aber daß
sie so versessen drauf war, das haben wir nicht
gewußt.

vanDusen: Und warum haben sie bei Mrs Marshmellow
eine Ausnahme gemacht.

Tiptoe: Wie gesagt Prof ein Sonderfall, Mrs
Marshmellow hat Carroll jahrelang die Wirtschaft
geführt, in Eastbourne, wo der Meister sich nach
seiner Emeritierung vorzugsweise aufgehalten hat,
er hat sie sehr geschätzt so sehr daß er sie zu
seiner alleinigen Testamentvollstreckerin
einsetzte.

Hatch: Und sie ist also die Haselmaus in ihrem
Wunderland.

Tiptoe: So ist es aber dieses mal.

vanDusen: Dazu später Oberst, vorher wünsche ich
Antwort auf eine Frage, welche mich bereits seit
geraumer zeit beschäftigt, was haben meine Person
und die meines Freundes Mr Hatch mit ihrer
kindischen Komödie zu schaffen.

Roselli: Sie sind unsere Ehrengäste Prof.

Hatch: Sieh mal an, ohne daß wir was davon wissen.

Tiptoe: Ja aber das ist es doch gerade Mr Hatch,
sehen sie.

Hatch: Jedes Jahr sagte Oberst Tiptoe, guckte der
Lewis Carroll Club sich einen prominenten
Ehrengast aus, der wurde dann ohne daß er ahnte
wie ihm geschah am 4 Juli im Wunderland
ausgesetzt, in der Rolle von Alice sozusagen, wenn
der Gast sich gut aus der Affäre gezogen hatte,
trug man ihm nach der Demaskierung beim großen
Festbankett auf Schloß Twickenham die
Ehrenmitgliedschaft im exklusiven Kreis der
Carroll Fans an.

Tiptoe: Ja und in diesem Jahr Prof sind sie unser
Ehrengast, mit Mr Hatch natürlich bekanntlich
bilden sie beide ein unzertrennliches Duo, der
Vorschlag kam übrigens von Jellypot, und Jellypot
hat es auch übernommen für ihre wie soll ich sagen
Überstellung ins Wunderland sorge zu tragen.

vanDusen: Ich verstehe, sobald der Fall
abgeschlossen ist, beabsichtige ich mit dem werten
Kollegen Jellypot einige ernsthafte Worte zu
wechseln, bleiben wir beim Geschehen des heutigen
Tages, wann haben sie und Genossen dieses Gelände
betreten.

Tiptoe: Das Wunderland, halb 12 wie immer, wir
sind zusammengekommen zu fuß, von Schloß
Twickenham.

Lord: Nur ein paar hundert Meter, Prof.

Tiptoe: Wir haben uns schon gestern abend auf dem
Schloß getroffen wie immer und die meisten von uns
haben da übernachtet.

vanDusen: Auch Mrs Marshmellow.

Lord: Ja Prof.

vanDusen: Als sie alle sich um 11 Uhr 30 an diesem
Ort begaben, da waren sie wie ich vermute bereits
kostümiert.

Tiptoe: Natürlich wie immer.

Roselli: Darum ist uns ja an der Haselmaus nichts
aufgefallen, daß sie nicht Mrs Marshmellow war
sondern Lady Twickenham meine ich oder haben sie
was gemerkt Tiptoe.

Tiptoe: Nicht das geringste, Roselli.

vanDusen: Sie nahmen dann ihre Plätze ein.

Tiptoe: Ja wir drei, Mrs Mars äh ich meine die
Haselmaus, Roselli und ich sind gleich
hierhergekommen.

vanDusen: Wann war das.

Tiptoe: Viertel vor 12 ungefähr und dann haben wir
gewartet.

Hatch: Auf uns.

Tiptoe: Natürlich.

vanDusen: Wie hat sich die Haselmaus in dieser
Zeit verhalten.

Tiptoe: Wie immer, Prof, sie hat kein Wort gesagt
und vor sich hin gedöst.

vanDusen: So und bis zum erscheinen von mir und
Hatch saßen sie zu dritt an diesem Tisch zusammen.

Tiptoe: So ist es Prof.

vanDusen: Die ganze Zeit, jede Sekunde.

Roselli: Moment, einmal haben wir uns kurz
verabsentiert, Tiptoe und ich, ins Haus.

vanDusen: Ah, wann war das.

Tiptoe: Muß so kurz nach halb 1 gewesen sein.

vanDusen: Aha, aus welchem Grund haben sie sich
entfernt meine Herren.

Tiptoe: Ja wissen sie Prof bevor es losging
wollten wir uns noch schnell einen Schluck
genehmigen, einen richtigen.

Roselli: Tee müssen wir später genug trinken.

vanDusen: Was genau haben sie zu sich genommen.

Tiptoe: Whisky natürlich.

Hatch: Natürlich.

Tiptoe: Aus meiner Taschenflasche.

vanDusen: Sehr interessant, aus ihrer
Taschenflasche, Milord Twickenham, Mr Roselli,
gehen sie, informieren sie ihre Mitakteure,
bringen sie sie hierher, die Komödie ist zu ende.

Tiptoe: Leider Prof für dieses Jahr.

vanDusen: Sie bleiben Oberst Tiptoe.

Hatch: Ich blieb auch, sie wissen ja ein
unzertrennliches Duo, und als Lord und Dichter
verschwunden waren, stellte van Dusen an Tiptoe
ein etwas ungewöhnliches Ansinnen.

Tiptoe: Meine Taschenflasche, wenn sie meinen Prof
bitte.

vanDusen: Mein lieber Hatch, prüfen sie den
Inhalt.

Hatch: Mit Vergnügen.

vanDusen: Nicht trinken, riechen.

Hatch: Okay, allerfeinster schottischer
Maltwhisky.

Tiptoe: Das will ich meinen Mr Hatch.

vanDusen: Kein Sherry.

Hatch: Niemals Prof.

vanDusen: Ist Mr. Roselli ebenfalls im Besitz
einer solchen Taschenflasche Oberst.

Tiptoe: Wissen sie, Prof wir haben alles was zur
Stärkung bei uns, wenn wir Wunderland spielen,
bloß Roselli nicht, der ist ein typischer
Mittrinker.

vanDusen: Und wie ich mich überzeugen konnte
enthalten die Gefäße auf dem Tisch lediglich Tee,
damit steht es fest, Lady Twickenham wurde
ermordet.

Tiptoe: Ja aber der Brief.

vanDusen: Richtig der Brief, falls sein Inhalt
zutrifft haben wir es mit 2 Morden zu tun.

Tiptoe: Mrs Marshmellow, meinen sie Prof ob sie
wirklich tot ist.

vanDusen: Dies werden wir auf Schloß Twickenham zu
verifizieren haben.

Hatch: Und das taten wir auch, allerdings nicht
sofort, wir mußten erst auf die andern warten, auf
Dr Horrox die Raupe, auf die Chessarketze Dekan
Jellypot, den der Prof keines Blickes würdigte,
und auf lord twickenham nebst roselli, die den
hochwürdigen aber steifbeinigen Bischof von
Snodbury auf einem Karren vor sich herschoben, als
Herzkönigin trug Eminenz eine voluminöse
rotschwarz gemusterte Robe, fuchtelte mit einem
herzförmigen Fächer herum und schrie ab und zu um
nicht aus der Übung zu kommen Kopf ab, gemeinsam
machten wir uns auf den kurzen Weg nach Schloß
Twickenham, unterwegs stellte ich fest daß das
Wunderland sprich lord twickenhams Fasanengehege
tatsächlich ein höchst privates Gelände
darstellte, die Mauer ringsum war 5 m hoch und
trug eine Krone aus Stacheldraht, in engen
Abständen waren Wachen postiert, was das hieß
wußte auch ein bescheidener kriminologischer
Assistent, Lady Twickenhams Mörder konnte nicht
von außen gekommen sein, auf Schloß Twickenham
zogen sich Jellypot, Roselli, Dr Horrox und der
Bischof zurück, das abgebrochene Wunderlandtheater
hatte offenbar an ihren Nerven gezerrt, der Prof
gönnte sich keine Ruhe, er ließ sich sofort von
Lord Twickenham in Mrs Marshmellows Zimmer führen,
ich mußte natürlich mit und Oberst Tiptoe als
verantwortlicher polizeimensch auch, seine
Lordschaft öffnete die Tür, wir traten ein und van
Dusen steuerte gleich auf den Kamin zu.

vanDusen: Asche, noch warm, vor nicht allzulanger
Zeit brannte in diesem Kamin ein Feuer.

Tiptoe: Im Juli.

vanDusen: Ganz offensichtlich sollte etwas
verbrannt werden aber was Papier Karton ah scheint
sich um die Reste photografischer Aufnahmen
gehandelt zu haben.

Hach: Fotos, sie meinen jemand hat im Kamin Fotos
verbrannt Prof.

vanDusen: Abzüge von fotografischen Platten, ganz
recht, mein lieber Hatch, was darauf dargestellt
war, läßt sich leider nicht mehr feststellen, wir
sind was dies betrifft auf Konjekturen angewiesen,
Fotografien, Fotografien, interessant, sehr
interessant, nanu was haben wir hier denn.

Hatch: Ein kleiner Koffer würde ich sagen offen.

Lord: Mrs Marshmellows Schmuckschatulle.

vanDusen: Mhm, Gold, Perlen, Brillanten, echte
Steine, kein Imitationen, ein beachtlicher Besitz
für eine Wirtschafterin.

Lord: Oh Mrs Marshmellow ist eine recht
wohlhabende Person, sie besitzt mehrere Hotels in
Eastbourne.

Tiptoe: In den letzten Jahren gekauft Prof.

vanDusen: Soso sehr aufschlußreich sehr
aufschlußreich.

Lord: Sagen sie mal Prof.

vanDusen: Ja bitte.

Lord: Eigentlich wollten wir doch nachsehen was
aus Mrs Marshmellow geworden ist, ob sie noch lebt
oder, ich seh sie nicht.

Tiptoe: Ich auch nicht Milord.

vanDusen: Wir werden sie suchen, meine Herren,
Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Sehen sie unter dem Bett nach.

Hatch: Ach immer ich.

Tiptoe: Sie suchten mit Flicken, sie suchten mit
Fleiß.

Hatch: Lewis Carroll die Jagd nach dem Schnarch.

vanDusen: Mein lieber Hatch widmen sie sich ihre
Aufgabe, was sehen sie.

Hatch: Nichts, jedenfalls keine Leiche, nur Staub,
sie sollten mal mit ihrem Butler reden, Milord.

vanDusen: Der Wandschrank, mein lieber Hatch,
öffnen sie ihn.

Hatch: Ja und da war sie, eine alte Frau im
Unterrock, tot oder was haben sie erwartet, meine
Damen und Herren ermordet, vergiftet.

vanDusen: Und diese Karaffe auf dem oberen Bord
enthält, mein lieber Hatch, ihr Riechorgan ist
gefragt.

Hatch: Sherry mit Zyankali.

vanDusen: Danke, mein lieber Hatch, wie spät ist
es.

Hatch: 5 vor 4 Prof.

vanDusen: Der Tod trat vor 17 Stunden ein das
heißt.

Tiptoe: Gestern abend gegen elf.

vanDusen: Wo hielt sich ihre Frau um diese Zeit
auf Milord.

Lord: Das kann ich ihnen nicht sagen, Prof wir
sind ein modernes Ehepaar, wir haben getrennte
Schlafzimmer.

vanDusen: Und heute vormittag.

Lord: Hab ich sie auch nicht gesehen, mein gott
warum hat sie das getan, sie muß wahnsinnig worden
sein.

vanDusen: Sieht ganz so aus, Milord, Tiptoe.

Tiptoe: Ja Prof.

vanDusen: Ein Wort im Vertrauen.

Hatch: Was van Dusen dem Oberst in der Ecke neben
dem Kamin zu sagen hatte, konnte ich nicht hören,
aber ich sah daß Tiptoe verdutzt wirkte, fast
bestürzt, daß er offenbar Einwände machte,
schließlich aber nickte, dann führte ein
dienstbarer Geist uns den Prof und mich in ein
freundliches Zimmer und versorgte uns mit Speis
und Trank, leider kam ich kaum dazu dem gebotenen
die gebührende Ehre zu erweisen, van Dusen fragte
mir Löcher in den Bauch, stundenlang über Lewis
Carroll, sein Leben, sein Werk, seine Vorlieben
und Eigenheiten, nicht daß ihn das alles
interessierte an sich meine ich, es ging ihm wie
immer um den Fall und seine Lösung, pünktlich um 7
begann im großen Saal auf Schloß Twickenham das
Bankett, auch durch 2 plötzliche Todesfälle ließen
sich die Carrolljünger nicht von der
traditionellen Feier zum Abschluß ihres Ehrentags
abhalten, am Kopf der Tafel hatte der Präsident
der Festivität seinen Platz, Dekan Jellypot, zu
seiner rechten saßen die Ehrengäste Prof van
Dusen, und meine Wenigkeit, zur linken saß der
Gastgeber Lord Twickenham, dann folgten Oberst
Tiptoe, der Bischof von Snodbury, Dr Horrox, und
Roselli, zwischen Roselli und mir blieb ein Platz
frei, davor auf dem Tisch lag die mit einer
Schleife verzierte Kappe der Haselmaus, nach den
Regeln ihres Clubs trugen alle noch ihre
Wunderlandkostüme.

Jellypot: Meine Herren, erlauben sie mir der
Festlichkeit ein kurzes Wort des Gedenkens
vorauszuschicken, wie sie wissen, hat die
Haselmaus, unsere geschätzte Mrs Marshmellow uns
für immer verlassen, wir werden ihr Gedächtnis in
Ehren halten, gleichzeitig nehme ich die
Gelegenheit wahr, unserem Mitglied, unserem
Freund, unserem Gastgeber Lord Twickenham unser
aller beileid zum jähen ableben seiner Gattin, und
damit sei der Pietät genüge getan, meine Herren
das Fest mag beginnen.

vanDusen: Einen Augenblick, Kollege Jellypot seit
gestern abend sind am und im Schloß zwei Menschen
auf gewaltsame Weise zu tode gekommen, sind sie
denn überhaupt nicht interessiert daran, aus
welchem Grund, durch wessen Hand, auf welche
Weise.

Jellypot: Aber Kollege van Dusen, das alles ist
doch längst bereinigt, Dr Horrox hat zwei amtliche
Totenscheine ausgestellt.

Horrox: Jawohl, für Lady Twickenham und für Lady
Marshmellow.

vanDusen: In der Tat und welche Todesursache haben
sie angegeben, Doktor.

Horrox: Herzversagen.

vanDusen: Was.

Horrox: In beiden Fällen.

Hatch: Alles klar, Prof die wollen die Sache
vertuschen, unter den Teppich kehren.

Jellypot: Kollege van Dusen Mr Hatch, Sie müssen
das verstehen, auf gar keinen Fall darf es zu
einem öffentlichen Skandal kommen, Lord Twickenham
wenn ich das hier erwähnen darf, hat berechtigte
Aussichten demnächst zum Minister berufen zu
werden, und auch wir übrigen bekleiden nicht ganz
unwichtige Positionen im öffentlichen Leben.

vanDusen: Ja aber ich hab den Fall gelöst.

Jellypot: Schön für sie, Kollege, das wäre also
geklärt und damit meine Herren.

vanDusen: Und ich werde ihnen die Resultate meiner
Untersuchungen vortragen.

Jellypot: Muß das denn jetzt sein Kollege van
Dusen.

vanDusen: Ich bestehe darauf, widrigenfalls sehe
ich mich veranlaßt Mr Hatch zu ersuchen über die
erstaunlichen Vorgänge dieses 4. Juli 1903 einen
Artikel für den dailynewyorker zu verfassen, und
dieser Artikel dessen bin ich sicher wird trotz
oder gerade wegen seiner sensationellen Aufmachung
auch hier in Großbritannien für Furore sorgen.

Hatch: Das wirkte, nach kurzer Debatte durfte der
Prof seine Aufklärungsarie vorsingen, wäre ja auch
jammerschade gewesen wo er sich schon so
draufgefreut hatte.

vanDusen: Meine Herren, die erste Frage welche es
zu lösen gilt lautet, aus welchem Grund wurde Mrs
Marshmellow vergiftet.

Lord: Aber das wissen wir doch, der Brief meiner
Frau.

vanDusen: Ist eine Fälschung.

Jellypot: Was.

vanDusen: Rekapitulieren wir folgende Fakten,
erstens Prof Dodgson alias Lewis Carroll huldigte
einer ausgefallenen um nicht zu sagen anrüchigen
Passion, er suchte die Bekanntschaft junger sehr
junger Mädchen um sie zu fotografieren, mit
vorliebe im gänzlich unbekleideten Zustand,
zweitens diese Fotografien so bestimmte er in
seinem Testament sollten nach seinem Tod
vernichtet werden.

Jellypot: Muß denn das sein.

vanDusen: Drittens Mrs Marsmellow war Dodgsons
Testamentsvollstreckerin, viertens seit einigen
Jahren, Dodgson starb 1898 erfreut sich
Marshmellow eines beträchtlichen Vermögens,
fünftens in ihrem Zimmer wurden Fotografien
verbrannt, sechstens Lady Twickenham geborene
Gertrud Schaterway war als Kind gut bekannt mit
Dodgson, Fazit meine Herren.

Tiptoe: Erpressung.

vanDusen: So ist es, Oberst, Mrs Marshmellow hat
entgegen Dodgens Anweisungen seine Aktfotografien
nicht beseitigt, sondern zurückbehalten, um die
dargestellten zu erpressen.

Lord: Meine Frau.

vanDusen: Jawohl Milord, vermutlich drohte die
Marshmellow Lady Twickenhams Fotografien, sofern
sie nicht zahlte, in Umlauf zu bringen.

Lord: Deshalb hat sie ihr Zyankali gegeben.

vanDusen: Ohne Frage, wenden wir uns nun dem Mord
an Lady Twickenham zu.

Lord: Sie meinen Selbstmord, Prof.

vanDusen: Ich sagte Mord Milord und ich meinte
Mord.

Jellypot: Was.

vanDusen: Lady Twickenham trank mit Zyankali
versetzten Sherry, aus ihrer Teetasse, woher
stammte diese tödliche Mixtur, Lady Twickenham
hatte sie nicht mitgebracht, an ihrer Person und
in weiterem umkreis um ihre Person fand sich
keinerlei Behälter, der Sherry enthielt oder
enthalten hatte, von Zyankali ganz zu schweigen,
jemand hatte ihr den giftigen Sherry eingegossen,
aus einem Gefäß, daß dieser jemand dann wieder an
sich genommen haben mußte, unbedachterweise, denn
dadurch hat er sich als Mörder decuvriert, wer ist
der Mörder, mit Sicherheit eine Person, welche
sich zur Tatzeit 12 Uhr 40 im sog. Wunderland
aufhielt, und das heißt da wir einen unbekannten
Außenseiter ebenso ausschließen dürfen wie mich
oder Mr Hatch, einer von ihnen, meine Herren, wer
ist es, wer, sie Kollege Jellypot.

Jellypot: Erlauben sie Kollege van Dusen.

vanDusen: Regen sie nicht auf Kollege Jellypot,
sie haben ein Alibi, um 12.40 führten sie ein von
ihrer Seite übrigens äußerst törichtes Gespräch
mit mir und Mr Hatch.

vanDusen: Dr Horrox.

Horrox: Was ich.

vanDusen: Auch sie stehen nicht unter Verdacht,
ein Mann in ihren Jahren besitzt nicht mehr die
Schnelligkeit die erforderlich gewesen wäre, mich
und Mr Hatch auf unserem Weg zu überholen, der
Bischof von Snodbury ist ohne fremde Hilfe
gänzlich unbeweglich, Oberst Tiptoe.

Tiptoe: Ich.

vanDusen: Mr Roselli.

Roselli: Also.

vanDusen: Entlasten sich gegenseitig, wer bleibt.

Roselli: Lord Twickenham.

vanDusen: Das weiße Kaninchen, dessen Rolle wie Mr
Hatch mich informierte, permanente Bewegung
vorschreibt und das uns kurz nach der Tatzeit vom
Tatort her entgegen kam, sie haben ihre Frau
ermordet Milord und am Mord an Mrs Marshmellow
waren sie gleichfalls beteiligt.

Roselli: Was, Mrs Marshmellow auch, woher wollen
sie das wissen Prof.

vanDusen: Aus dem falschen Abschiedsbrief, den der
Mörder Lady Twickenham unterschob, gehen zwei
Tatsachen ganz klar hervor, der Mörder wußte daß
Lady Twickenham nicht wie zu erwarten war, Mrs
Marshmellow die Rolle der Haselmaus verkörperte
und er wußte daß Mrs Marshmellow in der
vorangegangen Nacht ermordet worden war, dh. er
war an der Tat beteiligt, ich rekonstruiere.

Hatch: Und ich übernehme, damit es etwas schneller
geht, also Mrs Marshmellow erpresst Lady, Lady
informiert Gatten, beide wissen Erpresser kriegen
den Hals nie voll, Beschluß Mrs Marshmellow wird
umgebracht, in der Nacht vom 3. zum 4. Juli, wenn
sie auf Schloß Twickenham ist mit Zyankali im
Schlaftrunk, die Sache klappt, Mrs Marshmellow ist
tot, Aktfotos werden verbrannt, dann sagt lord zu
lady, du gehst morgen mit ins Wunderland als Mrs
Marshmellow dh. als Haselmaus, ich hole dich im
richtigen Moment ab und bring dich zurück ins
Schloß durch einen Geheimgang oder so, es soll
aussehen als ob Mrs Marshmellow am 4. Juli im
Wunderland spurlos verschwindet, für die polizei
ein unlösbares Rätsel, die Leiche graben wir
später heimlich ein, lady ist einverstanden, sie
weiß nicht, daß lord ihr die hucke vollgelogen
hat, in Wahrheit will er lady auch umbringen,
warum weil sie ihm lästig ist, weil er Angst hat
daß es noch mehr verfängliche Foto gibt, weil er
denkt keine Frau mehr, kein Skandal, weil er so
das Problem der toten Marshmellow am besten los
wird.

vanDusen: Und als heute gegen 12 Uhr 40 wie jedem
Jahr Tiptoe und Roselli die Haselmaus allein
ließen um unter sich dem Alkohol zu frönen war
Lord Twickenham sogleich zur stelle, bevor er sie
zum natürlich nicht existenten geheimen Ausgang
bringe, sagte er möge sie ihre Nerven beruhigen,
er goß ihr Sherry ein, sie trank, sie starb, der
Mörder schob ihr den präparierten Abschiedsbrief
in den Ausschnitt und eilte auf schnellstem Weg
von dannen, wobei er mich und Mr Hatch passierte,
er ahnte ja nicht, der unglückselige, daß es sich
beim diesjährigen sog. Ehrengast nicht nur um
einen Wissenschaftler von hohem Grade handelte
sondern auch um einen nicht völlig unbekannten
Amateurkriminologen, sie hätten es ihm und ihren
übrigen Genossen mitteilen sollen, Kollege
Jellypot.

Jellypot: Mag sein, Kollege van Dusen, ich hielt
es nicht für wichtig.

Lord: Sind sie fertig, Prof, sie haben viel
geredet, aber nur wenig gesagt, haltlose Indizien,
an den Haaren herbeigezogene Hypothesen, das ist
alles was sie zu bieten haben, wo sind ihre
Beweise, wenn sie welche haben legen sie sie vor
hier und jetzt auf den Tisch.

vanDusen: Nicht ich, Milord sie werden ihn auf den
Tisch legen, den einen, den endgültigen, den
letzten Beweis ihrer Schuld, sie tragen ihn bei
sich Milord, in der Tasche ihrer karierten Jacke,
ich sehe sie wissen worauf ich hinaus will, legen
sie sie auf den Tisch Milord ihre Taschenflasche,
nach dem Mord an ihrer Frau steckten sie sie
wieder zu sich und danach konnten sie auch wenn
sie es gewollt hätten sich ihrer nicht entledigen,
sie waren niemals allein, zunächst behielt ich sie
im Auge, später tat dies auf meine Anweisung
Oberst Tiptoe.

Lord: Sie haben gewonnen Prof, hier ist die
Flasche.

Jellypot: Er trinkt.

vanDusen: Fallen sie ihm in den Arm, Tiptoe.

Tiptoe: Zu spät, seine Lordschaft ist verschieden.

Hatch: Sherry plus Zyankali.

Jellypot: Dabei war seine Lordschaft
Whiskytrinker, na werden sie wohl einen dritten
Totenschein ausstellen müssen Dr Horrox.

Hatch: Wieder Herzversagen.

Horrox: Nein Mr Hatch, Selbstmord mittels Zyankali
aus unstillbaren Gram um den Tod der geliebten
Gattin.

Hatch: Lord Twickenhams Leiche wurde weggeschafft,
dann konnte es endlich losgehen, das große
Festbankett, trotz der geschrumpften
Teilnehmerzahl wurde es das muß ich sagen ganz
lustig, besonders zum Schluß, es gab Portwein,
Zigarren und Dekan Jellypot klopfte zum letzen mal
an sein Glas.

Jellypot: Meine Herren, bevor wir an diesem
denkwürdigen 4. Juli auseinandergehen wollen wir
uns wie in jedem Jahr unseren Ehrengästen widmen,
Prof van Dusen.

vanDusen: Passen sie auf, mein lieber Hatch, man
wird mir nunmehr die Ehrenmitgliedschaft dieses
kindischen Vereins offerieren und es wird mir ein
Vergnügen sein, sie höflich aber bestimmt
auszuschlagen.

Jellypot: Durch ihre amateurkriminologischen
Fähigkeiten haben sie in erheblichen Maße dazu
beigetragen unseren diesjährigen Gedenktag auf
recht spezielle Weise unvergeßlich zu machen,
nehmen sie dafür unsern Dank, und nun zu ihnen Mr
Hatch, sie haben sich als ein wahrer Kenner der
Werke unsere großen Lewis Carroll erwiesen und
mehr noch, als ein Mann von echtem rechten Lewis
Carroll Geist, deshalb sind stolz und glücklich
ihnen Mr Hutchinson Hatch die Ehrenmitgliedschaft
in unserer exklusiven Gemeinschaft zu verleihen.

Hatch: Das ist ja.

Roselli: Eine Rede, eine Rede Mr Hatch.

Hatch: Ja danke meine Herren ich danke ihnen von
Herzen für diese große und ganz unerwartete Ehre,
wenn sie gestatten, will ich versuchen mich dafür
auf bescheidene Weise zu revanchieren, in dem ich
ihnen ein paar Zeilen vortrage natürlich aus einem
Gedicht von Lewis Carroll, aus seinem
unsterblichen Lied des Gärtners.

vanDusen: Mein lieber Hatch, was soll das.

Hatch: Ihm deucht er säh nen wilden Stier auf
einer hohen Fichte, er schaut noch mal und fand es
sei des eigenen Schwagers Nichte, verschwinde
sprach er, anderenfalls bemühe ich die Gerichte.

vanDusen: Das ist doch kindischer Unfug.

Hatch: Ihm deucht, er sah ein Känguru ne
Kaffeemühle drehen, er schaut noch mal und fand es
sei ein Brötchen mit Arsen.

vanDusen: Sind sie von allen guten Geistern
verlassen.

Hatch: Sag er wird es mir schlecht ergehen, ihm
deucht er sei ein Axiom, das zog sich an den
Haaren, er schaut noch mal und fand es sei ein
Korb von Seifenwaren, wie schrecklich sprach er
vor sich hin, laß alle Hoffnung fahren.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Dekan Jellypot (Chesshire-Katze): Lothar Blumhagen
Oberst Tiptoe (Hutmacher): Christian Rode
Lord Twickenham (Weißes Kaninchen): Horst Bollmann
Dr. Horrocks (Raupe): Helmut Kraus
Raphael Roselli (Märzhase): Moritz Milar
Diener: Klaus Jepsen

 Senf Nr. 4006 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.33Uhr
Michael Koser: Ohrenzeuge Prof. van Dusen (RIAS
1992)

Hatch: Es ist schon erstaunlich, meine Damen und
Herren, wie viele van Dusen Fälle in einem
fahrenden Zug anfangen, vielleicht hat das ja
einen tieferen Sinn, die Eisenbahn als Symbol der
Technik, des Fortschritts und so, vielleicht
liegts aber auch nur daran daß wir beide, Prof van
Dusen und ich öfter mal reisen, von einem Ort zum
andern, wie an diesem 31. Juli 1902, wir hatten
New Mexico, Wyoming, den Yellowstone Nationalpark
kurz den fernen Westen unseres großen Landes
hinter uns und fuhren gen Osten zurück in die
Heimat, New York, Mutter der Metropolen, schönste
aller Städte, was meinen Sie, Prof.

vanDusen: Wie bitte Hatch?

Hatch: Ob man wohl schon was sehen kann,
Wolkenkratzer, Smog über Manhattan.

vanDusen: Mein lieber Hatch, wir befinden uns im
Bundesstaate Nebraska, zweieinhalb tausend km von
New York entfernt, und wenn sie sich noch so weit
aus dem Abteilfenster lehnen, hier sehen sie
nichts anderes als Prärie.

Hatch: Und Rindvieh, Rindvieh über Rindvieh,
soweit das Auge reicht, überall steht was rum,
sogar direkt vor uns auf den Gleisen, moment mal
auf den Gleisen, ah.

vanDusen: Um gottes willen Hatch.

Hatch: Langsam ganz langsam kam ich wieder zu mir,
ich schlug die Augen auf, wo war ich, ich lag in
einem Bett, und ein wunderschönes weibliches Wesen
beugte sich über mich, ein Engel.

Bobby: Sie übertreiben Mr Hatch.

Hatch: Bin ich im Himmel.

Bobby: Sie sind in Flatfoot, Mr Hatch.

Hatch: Ach und wer oder was ist Flatfood.

vanDusen: Ein Ort in Nebraska, ein sehr kleiner
Ort, praktisch nicht mehr als ein Verladebahnhof
für Rinder, und weil Flatfoot weder ein Hospital
noch ein Hotel aufzuweisen hat, war Mr Benteen so
freundlich, sie bei sich aufzunehmen.

Benteen: Das bin ich, Jessy Benteen, Sheriff von
Flatfoot County.

Hatch: Angenehm.

Benteen: Freut mich daß sie wieder an Deck sind,
Mr Hatch, ein paar Stunden waren sie total
abgetreten, Bobby hat sich richtig Sorgen um sie
gemacht.

Hatch: Bobby.

Benteen: Meine Tochter, Roberta Benteen.

Hatch: Mein Engel.

Bobby: Sagen sie Bobby zu mir, das tun alle.

Hatch: Mit Vergnügen Bobby, und sie nennen mich
Hutchinson, darauf sollten wir was trinken, Bobby
mein Engel sie haben doch bestimmt einen Schluck
Whiskey.

vanDusen: Mein lieber Hatch, das kommt überhaupt
nicht in frage, kein Alkohol, kein Nikotin, 24
Stunden strengste Bettruhe.

Hatch: Sie meinen doch nicht etwa mich, Prof.

vanDusen: Wen sonst mein lieber Hatch.

Hatch: Aber warum denn, kann mir jemand mal
erzählen was eigentlich passiert ist, wir saßen im
Zug, es hat plötzlich gekracht und dann weiß ich
nichts mehr.

Benteen: Ihr Zug ist mit einem Ochsen
zusammengestoßen, Mr Hatch, sowas kommt bei uns
immer wieder mal vor.

vanDusen: Dabei sind sie mit dem Kopf gegen das
Gepäcknetz geprallt und haben sich so eine leichte
commotio cerebri zugezogen, Gehirnerschütterung,
freuen sie sich.

Hatch: Warum sollte ich.

vanDusen: Weil wir nunmehr mit Sicherheit davon
ausgehen können, daß sie ein Gehirn ihr eigen
nennen, allem gegenteiligen Anschein zu trotz.

Hatch: Vielen dank Prof zu gütig.

Bobby: Ich möchte ihnen etwas zeigen Hutchinson,
sie sind doch Fachmann, was sagen sie dazu.

Hatch: Bobby druckte mir ein bedrucktes Blatt
Papier in die Hand, eine Zeitung, naja was man
hier draußen so Zeitung nennt, die
Flatfootfanfare, Schlagzeile Kollision auf den
Schienen zwei Opfer, ein Ochse tot, ein Reisender
verletzt, nicht schlecht, ganz pfiffig.

Bobby: Finden sie, Hutchinson, wirklich, das freut
mich.

Hatch: Haben sie die Schlagzeile gemacht Bobby.

Benteen: Nicht nur die Schlagzeile, Bobby macht
die ganze Fanfare, sie schreibt, sie setzt, sie
druckt, Bobby macht alles.

Hatch: Dann sind wir ja Kollegen, Bobby mein
Engel.

Bobby: Sie übertreiben schon wieder, ich bin nur
eine kleine Zeitungsmacherin in der Prärie, und
sie sind der große Hutchinson Hatch, Starreporter
des Daily New Yorker.

Hatch: Vielen Dank, was ist das.

Bobby: Das Telefon Hutchinson.

Hatch: Telefon hier.

Benteen: Jawohl Mr Hatch, hier in Flatfoot mitten
in der Prärie von Nebraska, hätten sie nicht
gedacht, was ich wette, da staunt sogar der Prof.

vanDusen: Keineswegs, Mr Benteen, bereits beim
Betreten ihres Hauses fielen mir die Drähte ins
Auge, welche von Dachstuhl hinaus in die Prärie
führen.

Benteen: Geh schon ran, Bobby, frag ihn, was er
will.

Bobby: Hallo, wie gehts Mr Stetson-Fillmore.

Benteen: Ja, unser Erfinder, er hat die
Telefonleitung gelegt, von seiner Ranch bis zu
mir, weil er ab und zu Ärger mit den Cowboys hat.

Bobby: Gratuliere, aber ja natürlich schreib ich
was in der Fanfare, das ist die Meldung des
Jahres, wann soll ich, noch heute abend, aber
gern, Mr Stetson- Fillmore, warten sie, jetzt ist
es 10 min nach 7, um 8 kann ich bei ihnen auf der
Longhornranch sein, gut bis dann, sie habens
geschafft, Daddy der Motorflieger ist fertig, der
erste Motorflieger der wirklich fliegen kann,
nicht an der Ostküste, nicht in Europa, nein bei
uns in Flatfoot, Nebraska, hurra.

vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen, Miss
Benteen, bisher war ich der Meinung über die
aktuelle Entwicklung der Aeronautik insbesondere
auf dem Gebiet des Motorflugs aufs genaueste und
vollständigste informiert zu sein, ich weiß von
den Gebrüdern Wright in Carolina, von Lilienthal
in Deutschland, Levavasseur in Frankreich, ich
kenne den Österreicher Kress, den Engländer
Hinkler doch von wie war der Name.

Benteen: Stetson-Fillmore, Prof, Marmaduke
Stetson-Fillmore mit Bindestrich.

Bobby: Sie entschuldigen mich, ich muß mein
Notizbuch holen und Smoky anspannen.

Hatch: Smoky.

Bobby: Unser alten Apfelschimmel, Hutchinson.

vanDusen: Die aeronautischen Verdienste eines
Marmaduke Stetson-Fillmore in Nebraska mit oder
ohne Bindestrich sind mir, ich muß es gestehen bis
dato gänzlich unbekannt.

Hatch: Das will was heißen, Prof DrDrDr Augustus
van Dusen die Denkmaschine ist ja nicht nur
Wissenschaftler und Amateurkriminologe von
internationalem Ruf, er gehört auch in die
erlauchte Runde der großen Erfinder unserer Zeit,
gerade in der Aeronautik hat er bekanntlich
epochales geleistet.

vanDusen: Was die Details betrifft, verweise ich
auf mein grundlegendes Werk Studien zur
aerodynamischen Theorie der Aeronautik.

Benteen: Nie was von gehört Prof tut mir leid,
aber wer Marmaduke Stetson-Fillmore ist, das kann
ich ihnen sagen.

vanDusen: Tun sie das Mr Benteen in aller
gebotenen kürze wenn ich bitten darf.

Hatch: Und von Anfang an.

Benteen: Von Anfang an, tja das wäre von etwa 50
Jahren, damals waren die Stetson-Fillmores die
reichste und mächtigste Viehzüchterfamilie in der
ganzen Gegend, heute ist der Besitz zum größten
Teil verkauft und von den Stetson-Fillmore ist nur
noch einer übrig, Marmaduke, ein merkwürdiger
Vogel, meine Herren, ganz und gar aus der Art
geschlagen.

Hatch: Und warum, weil der gute Marmaduke Stetson-
Fillmore sich für Rindvieh überhaupt nicht
interessierte, außer in Form von Steaks nehm ich
an, stattdessen hantierte er mit Rechenschieber,
Zeichenstift, Hammer und Draht und erfand auf
Teufel komm raus, bisher hatte er damit allerdings
wenig Glück gehabt, entweder waren seine
Erfindungen schon erfunden, das Telefon z.B. oder
der Phonograf, oder sie funktionierten nicht,
schließlich hatte er sich auf die Fliegerei
geworfen, den Motorflieger, den Aeroplan, das
Flugzeug.

Benteen: Seit 2 Jahren arbeitet er daran, draußen
auf der Longhornranch, 12km südwestlich von
Flatfoot.

vanDusen: Allein.

Benteen: Mit einem Gehilfen, Don Adams heißt er,
tüchtiger Bursche, übrigens guter Freund von
Bobby.

Hatch: Aha.

vanDusen: Der Aeroplan, die motorgetriebene
Flugmaschine, ein kühnes Unterfangen, womöglich zu
kühn, Mr Edison der weitbekannte, wenn auch stark
überschätzte Mechaniker, ist der Ansicht, diese
Erfindung müsse einem späten Jahrhundert
vorbehalten bleiben, wie dem auch sei.

Bobby: Wie dem auch sei, es sieht so aus, als ob
Mr Edison sich geirrt hat, der Motorflieger ist
erfunden von Marmaduke StetsonFillmore und Don
Adams, ich fahre.

vanDusen: Ich werde sie begleiten, Miss Benteen,
der legitime Wissensdurst des Aeronautikers duldet
keinen Aufschub, mit eigenen Augen will ich sehen,
was ihr Erfinder zustande gebracht hat.

Bobby: Sie können gerne mitkommen Prof, allerdings
müssen sie mit einem harten Sitz im Einspänner
vorlieb nehmen.

vanDusen: Für die Wissenschaft Miss Benteen bin
ich zu jedem Opfer bereit.

Bobby: Fein, dann wollen wir mal Prof.

Hatch: Ja und ich.

vanDusen: Sie mein lieber Hatch, sie bleiben im
Bett.

Hatch: Aber Prof.

vanDusen: Keine Widerrede, behalten sie ihn im
Auge Sheriff, achten sie darauf, daß er die von
mir verhängte absolute Alkohol- und
Nikotinprohibition unbedingt einhält.

Benteen: Wenn sie meinen, Prof.

vanDusen: Ich meine, ich kenne Mr Hatch kommen sie
Miss Benteen.

Hatch: Schöne Bescherung, mysteriöser Erfinder,
Motorflugzeug, da wartete eine Superstory direkt
vor der Haustür, und ich war lahmgelegt und
festgenagelt, Sheriff Benteen erwies sich als
absolut unbestechlich, außerdem und das war
schlimmer als ein ungeheurer Langweiler, um mich
aufzuheitern, gab er mir ausgewählte Abschnitte
aus der offiziellen Statistik des Staats zum
besten, wußten sie daß Nebraska im Jahr 1900 3,2
Mio Rinder aufzuweisen hatte, ich nicht, und ich
wollte es auch gar nicht wissen, Benteen dröhnte,
ich war sauer und so verging die Zeit.

Bobby: Da Hutchinson vorläufig ausgefallen ist,
liegt es wohl an mir meine Damen und Herren ihnen
zu berichten, wie die Geschichte weiterging,
natürlich kann Bobby Benteen von der Flatfood
Fanfare nicht Hutchinson Hatch ersetzen, den
berühmten rasenden Reporter des Daily New Yorker,
den durch jahrelange Erfahrung gestählten
Begleiter, Assistenten und Chronisten von Prof van
Dusen, aber ich werde mein bestes tun, also, wir
zuckelten durch die Prärie, Prof van Dusen und
ich, direkt nach Südwesten, Richtung
Longhornranch, Old Smoky trabte fürbaß, ich hielt
sowohl die Zügel als auch Ausschau nach
Verkehrshindernissen wie Rinder oder Bauten von
Präriehunden, ab und zu warf ich einen Blick auf
meinen Begleiter der neben mir hockte, schweigend
in Gedanken vertieft, ein nobles vergeistigtes
Profil, eigentlich ein ganz gutaussehender Mann
dachte ich wenn er ein bißchen größer wäre und ein
paar Jahrzehnte jünger, doch ich schweife ab.

vanDusen: In der Tat, Miss Benteen, da sie nun
einmal Mr Hatch Rolle einzunehmen versuchen, haben
sie die Güte sich strikt ihrer Chronistenpflicht
zu widmen.

Bobby: Zu Befehl Prof und was soll ich.

vanDusen: Das Wetter, Miss Benteen, die
meteorologische Situation hat wie sie wissen für
den vorliegenden Fall eine nicht unerhebliche
Bedeutung.

Bobby: Fall, der hat doch noch gar nicht richtig
angefangen Prof.

vanDusen: Aber er wird Miss Benteen er wird und
zwar in kürze, wenn ich bitten darf, das Wetter.

Bobby: Aye aye, Sir Prof wollte ich sagen, wir
fuhren also durch die Prärie, es war kurz nach
halb 8 und schon ziemlich dunkel, weil der Himmel
ganz und gar mit einer tiefhängenden Wolkendecke
überzogen war, ein kräftiger Wind blies aus
Südwest uns direkt ins Gesicht, gut so.

vanDusen: Es geht an, jenes trübe flackernde Licht
rechts von uns handelt es hier bereits um unser
Ziel, die Longhornranch.

Bobby: Soweit sind wir noch nicht, das ist das
Blockhaus des alten Bat Masterson, seit ein paar
Jahren wohnt er da mit seiner Frau Pearl, die
beiden sollten sie mal kennenlernen, ein uriges
Paar, zwei echte Fossilien aus dem westen, als er
noch richtig wild war, sie hat Postkutschen
überfallen, in ihrer Jugend Maienblüte, das
behauptet sie jedenfalls, und er war alles, was
sie sich nur vorstellen können, Trapper,
Goldsucher, Cowboy, Scout bei der Kavallerie,
später hatte er einen Salon in Dodge City.

vanDusen: Moment bitte.

Bobby: Da war er übrigens auch mal Marshall noch
vor Wyat Earp.

vanDusen: Schweigen sie Miss Benteen.

Bobby: Aber wieso.

vanDusen: Pst, halten sie an.

Bobby: Brh Smoky, was haben sie denn Prof.

vanDusen: Hören sie nichts.

Bobby: Doch Prof, da ist was, oben am Himmel vor
uns, es wird lauter.

vanDusen: Ein Geräusch aus Südwest, dessen Quellen
sich nach Nordost bewegt, das heißt auf uns zu.

Bobby: Und was ist das, Prof.

vanDusen: Ganz unverkennbar das Geräusch eines
Benzinmotors Miss Benteen.

Bobby: Benzinmotor, am Himmel, der Flieger Prof,
Stetson-Fillmores Motorflieger.

vanDusen: So scheint es, Mrs Benteen.

Bobby: Er ist in der Luft, er fliegt, jetzt, jetzt
ist er direkt über uns, schade, daß wir ihn nicht
sehen können, die dicken Wolken, er wird leiser
Prof.

vanDusen: Die Maschine hat, wie zu vermuten steht,
gewendet, und fliegt nunmehr zurück nach Südwest.

Bobby: Zur Longhornranch, Prof er wird landen
wollen der Aeroplan, gleich neben seinem großen
Schuppen hat Mr Stetson-Fillmore eine Start- und
Landebahn bauen lassen.

vanDusen: Ein Flugversuch zu dieser Tageszeit, bei
diesem Wetter, merkwürdig, höchst merkwürdig.

Bobby: Prof was war das.

vanDusen: Eine Explosion, Miss Benteen.

Bobby: Und jetzt, sehen sie doch Prof, Feuer, es
brennt.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel.

Bobby: Der Flieger er muß bei der Landung
verunglückt sein.

vanDusen: Das wird sich zeigen, hüh Smoky.

Bobby: Für die rund 2 km bis zur Ranch brauchten
wir praktisch nur Sekunden, noch nie war der alte
Smoky so schnell gewesen wie an diesem Abend,
immer schärfer trat unser Ziel aus dem grauen
Dämmerlicht, das Wohnhaus, der Schuppen, der
dunkle Streifen der Landebahn und direkt daneben
ein bizarres Gewirr verkohlter rotglühender
Trümmer, wir hielten, stiegen aus, das Feuer war
ausgebrannt, unheimliche Stille lag über dem
Unglücksort, und sie wurde noch unheimlicher, als
ich in den Trümmern auf dem Rest des Sitzes einen
schwarzen Schatten sah, eine Gestalt, ein Mensch,
ich ging näher ran.

vanDusen: Eine Leiche Miss Benteen.

Bobby: Ogott das ist Don.

vanDusen: Meine liebe Miss Benteen ich darf sie
darauf hinweisen daß sie Mr Hatch Platz einnehmen,
sie sind meine Chronisten, und im Falle eines
Falles meine Assistentin, sie haben keine Zeit
sich ihrem Schmerz hinzugeben, konzentrieren sie
sich auf den Fall.

Bobby: Fall, was für ein Fall, das war ein Unfall,
Prof wir haben es doch miterlebt, der Aeroplan ist
kurz vor der Landung abgestürzt, das Benzin hat
sich entzündet und, der arme Don.

vanDusen: Wie ich annehme Miss Benteen haben sie
den toten als Don Adams Stetson-Fillmores Gehilfen
identifiziert.

Bobby: Ja Prof wieso hat er eigentlich das
Flugzeug geflogen, warum nicht Stetson-Fillmore
selbst und wo steckt Mr Stetson-Fillmore, hören
sie Prof, da stöhnt jemand, ob er das ist.

vanDusen: Sehen wir nach, Miss Benteen, holen sie
die Laterne vom Wagen.

Bobby: Es war Mr Stetson-Fillmore, er lag hinter
dem Schuppen bewußtlos, der Prof sah ihn sich kurz
an.

vanDusen: Nichts ernstes, ein leichtes Hämatom am
Kinn, offenbar wurde er niedergeschlagen, nehmen
sie sich seiner an, Miss Benteen, lockern sie
seinen Kragen, legen sie ihm etwas unter den Kopf,
holen sie Wasser von der Pumpe.

Bobby: Soll ich ihm auch noch ein Schlaflied
singen Prof.

vanDusen: Interessant, eine typische Hatch
Reaktion.

Bobby: So und was werden sie tun während ich die
barmherzige Schwester spiele.

vanDusen: Ich bin Kriminologe, ich untersuche.

Bobby: Und so geschah es, van Dusen untersuchte,
ich kümmerte mich um Stetson-Fillmore, und ärgerte
mich über den Prof und seine art, wie hielt
Hutchinson das bloß aus, außerdem grämte ich mich
um Don, das will ich allerdings gleich
klarstellen, Don und ich waren gute freunde
gewesen, mehr nicht, natürlich war ich bestürzt
über seinen tod auch sehr traurig, aber total
überwältigt war ich nicht, dazu hatte ich auch
keine Gelegenheit, weil ich den großen
Amateurkriminologen beobachten mußte, was er
untersuchen nannte, sah so aus, er wanderte mit
der Laterne um das Flugzeugwrack, stocherte
vorsichtig darin herum, beugte sich vor,
begutachtete den Boden um die Aufschlagstelle,
blieb stehen, ging weiter, murmelte so vor sich
hin aha, oho, soso, das dauerte etwa 10 min, dann
schüttelte er sich und wurde wieder normal, war
das alles.

vanDusen: Meine Untersuchung ist vorerst beendet.

Bobby: Und was haben sie rausgekriegt.

vanDusen: Darüber später, wie geht es ihrem
Schutzbefohlenen.

Bobby: Danke der Nachfrage, er kommt zu sich.

Stetson: Was ist passiert.

vanDusen: Das wünsche ich von ihnen zu erfahren,
Mister Stetson-Fillmore.

Stetson: Wer sind sie, was ist hier überhaupt los.

Bobby: Nicht aufregen, Mister Stetson-Fillmore
ganz ruhig.

Stetson: Ach Bobby, Booby Benteen, wie kommen sie
hierher.

Bobby: Sie haben mich angerufen.

Stetson: Richtig, um gotteswillen mein Aeroplan
ist er abgestützt, und Don.

Bobby: Nachdem ich Mr Stetson-Fillmore informiert
und er seinen ersten Schrecken überwunden hatte
gab er mir und dem Prof einen kurzen Bericht über
das, was auf der Ranch vorgefallen war, nach dem
Anruf bei mir hatte er den Probeflug vorbereitet,
mit Don Adams hatte er den Aeroplan aus dem
Schuppen auf die Startbahn gerollt, er hatte den
Tank mit Benzin gefüllt, die Instrumente und den
Motor überprüft.

Stetson: Alles war in Ordnung, ich wollte gerade
einsteigen da hielt Don mich zurück, er erklärte
mir er wolle die Maschine fliegen, ich war wie vor
den Kopf geschlagen, und natürlich sagte ich nein,
ich konnte und durfte das nicht zulassen, der
aeroplan ist mein Werk, ich hab ihn erdacht und
gebaut, sicher, Don hat dabei geholfen, aber nur
in untergeordneter Position, doch was für mich
viel wichtiger war, der Flug war für Don viel zu
gefährlich, er hat keine, hatte keinerlei
Erfahrung als Aeronaut, und das Flugwetter war
auch nicht ideal, nicht sehr hell, ziemlich
windig, aber Don ließ sich nicht überzeugen, und
als ich bei meiner Weigerung bleib da hat er mich
kurzerhand niedergeschlagen, ja und dann mußte er
mit dem Aeroplan aufgestiegen und später bei der
Landung verunglückt sein, ich hatte ihn gewarnt.

Bobby: So was sieht Don gar nicht ähnlich, warum
meinen sie hat es das getan.

Stetson: Er hat gewußt, daß sie kommen, Bobby ich
nehme an, er wollte sie beeindrucken, ihnen
imponieren.

vanDusen: Erstaunlich.

Stetson: Was meinen sie Prof.

vanDusen: Ich meine daß Don Adams den Start des
Aeroplan gegen jede aeronautische Regel mit dem
Wind durchführte.

Stetson: Was verstehen sie denn davon, wer sind
sie überhaupt.

vanDusen: Ich bin Prof van Dusen.

Bobby: Wissenschaftler, Amateurkriminologe,
Denkmaschine.

vanDusen: Und Aeronautikexperte unter anderem.

Stetson: So, wie gesagt Don war unerfahren.

vanDusen: Gerade aus diesem Grund, sehen sie mich
erstaunt, ein Start mit dem Wind sofern er
überhaupt möglich ist, erfordert profunde
aeronautische Praxis, befindet sich auf ihrer
Ranch ein Kühlraum.

Stetson: Ja ein Eiskeller hinter dem Wohnhaus.

vanDusen: Helfen sie mir die Leiche ihres Gehilfen
aus dem Wrack zu bergen und dorthin zu schaffen,
zu einem späteren Zeitpunkt, sagen wir morgen
nachmittag werde ich eine Obduktion vornehmen.

Bobby: Wir fuhren zurück, Prof van Dusen und ich,
Mr Stetson-Fillmore der sich besser fühlte, blieb
auf der Ranch, es war gegen 10 als wir in Flatfoot
ankamen, ich zog mich gleich auf mein Zimmer
zurück, um einen Artikel für die nächste Ausgabe
der flatfoot fanfare zu schreiben, Schlagzeile
schwarzer Tag für Flatfoot und die Welt,
Motorflieger erfunden und gleich darauf
abgestürzt, ein toter.

Hatch: Damit wäre ich wieder dran, meine Damen und
Herren, falls sie wissen wollen, wie es mir in der
Zwischenzeit ergangen war, ich hatte mich
entsetzlich gelangweilt, die Tiraden des Sheriff
über mich ergehen lassen, ein bißchen geschlafen,
was gegessen, nicht das Steak das ich haben
wollte, sondern auf Anordnung des Prof eine Schale
Milchbrei igitt, aber jetzt, jetzt wurde es
interessanter, ein Fall war am Horizont
aufgetaucht im wahrsten Sinne des Wortes und ich
lag im Bett und konnte nicht mehr tun als dem Prof
zuzuhören, das mißfiel mir und auch Sheriff hatte
was zu meckern.

Benteen: Ich bin der Sheriff von Flatfoot County,
Prof die zuständige Behörde, sie hätten mich
sofort verständigen sollen, per Telefon, das ist
ganz einfach, sie nehmen nur den Hörer ab, dann
klingelts.

vanDusen: Ich weiß wie ein Telefon funktioniert,
Mr Benteen, sie zu bemühen war völlig unnötig,
alle relevanten Untersuchungen wurden von mir
durchgeführt.

Benteen: Aber ich muß doch ein Protokoll aufnehmen
Prof.

vanDusen: Tun sie das, Mr Benteen ich werde ihnen
die wichtigsten Details in die Feder diktieren,
schreiben sie, erstens.

Benteen: Augenblick Prof nicht so schnell Papier
Feder Tintenfaß so schießen sie los

vanDusen: Erstens Don Adams wurde erschossen.

Benteen: Erschossen, erschossen.

vanDusen: Fragen stellen können sie später,
schreiben sie weiter, da in folge der relativ
geringen Menge an Benzin der Körper nur recht
unvollkommen verbrannt ist läßt sich eine
Schußwunde auf der linken Brustseite deutlich
wahrnehmen, deutlich das versteht sich für das
geschulte Augen des forensisch geschulten
Mediziners oder auch Pathologen.

Benteen: Fo fo foren wie schreibt man das Prof.

vanDusen: Gar nicht, Mr Benteen, gar nicht, lassen
sie es weg, es handelt sich lediglich um eine
Bemerkung in parentese.

Benteen: Ach so in pare ja.

vanDusen: Halten sie uns bitte nicht auf, zweitens
obgleich Adams durch einen Sicherheitsgurt auf dem
Sitz des Aeroplan festgehalten wurde, wies sein
Körper an den vom Gurt bedeckten Flächen keinerlei
Hämatome bzw Läsionen auf, drittens unter den zum
teil verbrannten Holz- und Metallresten des
Aeroplan fanden sich eindeutige Spuren
geschmolzenen Wachses, viertens zu erwartender
Aufschlag und Schleifspuren am Boden.

Benteen: Langsam Prof, langsam ich komm nicht mit.

vanDusen: Diktiere ich zu schnell für sie.

Benteen: Das auch aber ich meine das was sie da
sagen daß muß doch erst mal in Ruhe durchdacht
werden.

Hatch: Nur zu Sheriff denken sie durch.

Benteen: Sehen sie mal, sie behaupten, Don Adams
wurde erschossen, das heißt es war kein Unfall, es
war Mord.

Hatch: Sehr gut Sheriff, eine brillante
Schlußfolgerung.

Benteen: Danke Mr Hatch, wenn das stimmt.

Hatch: Was soll das heißen, was Prof van Dusen
sagt stimmt immer und überall.

Benteen: Schon gut Mr Hatch ich wollte ja nur
sagen, ich kann mir denken wer es war, wer Don
erschoßen hat meine ich.

vanDusen: Was sie nicht sagen und auf welche
Person richtet sich ihr verdacht.

Benteen: Auf den alten Bat Masterson, ein uriger
Typ und seine alte, richtige Überbleibsel die
beiden, Re wie sagt man Reliquien.

vanDusen: Sie meinen vermutlich Relikte, ihre
Tochter hat mich über das Paar bereits informiert,
ja welchen Grund haben sie für ihren Verdacht.

Benteen: Der alte Bat wohnt ganz in der nähe der
Ranch, von seinem Blockhaus aus hätte er den
Flieger mit Leichtigkeit abschießen können, er hat
oft genug gesagt daß er das tun will, neumodisches
Teufelszeug hat er gesagt, wenn das ding wirklich
mal fliegt, dann knall ichs runter, hat er gesagt,
sicher er war nicht der einzige, aber der
lauteste.

vanDusen: Erklären sie sich näher.

Benteen: Na alle Cowboys hier in der Gegend haben
was gegen Mr Stetson-Fillmore und seine
Erfindungen.

Hatch: Warum denn.

Benteen: Wegen dem Krach, das Vieh wird
verschreckt, und die Milch wird sauer, sagen die
Cowboys, darum hat Mr Stetson-Fillmore ja die
Telefonleitung zu meinem Haus gelegt, damit er
mich zuhilfe rufen kann, wenn ihm die Cowboys mal
nachts auf die Bude rücken.

vanDusen: Bude, Blockhaus, nahe der Longhorn
Ranch, Mr Benteen, ich hege die Absicht gleich
morgen früh Mr Masterson nebst Gattin einen besuch
abzustatten.

Benteen: Gut Prof ich komme mit.

vanDusen: Besser nicht, Mr Benteen, sie haben hier
zu tun.

Benteen: Ach und was.

vanDusen: Sie werden Stetson-Fillmore vernehmen,
rufen sie ihn gleich an, bestellen sie ihn für
morgen vormittag zu sich.

Benteen: Wenn sie das für richtig halten, Prof.

vanDusen: Ja bitte.

Hatch: Und ich Prof morgen darf ich doch bestimmt
wieder aufstehen.

vanDusen: Sie halten Bettruhe bis morgen abend,
Mrs Benteen wird sie weiterhin vertreten, bisher
das muß ich zugeben hat sie ihre Sache
ausgezeichnet gemacht.

Benteen: Über Nacht hatten sich die Wolken
verzogen, der Himmel war klar und leuchtend blau,
die Sonne schien, es war ein wunderschöner
Präriemorgen, deshalb fanden wir Bat und Pearl
Masterson vor ihrem Blockhaus auf der Veranda, sie
waren gerade bei ihrem üblichen frühstück
selbstgebrannter whisky ohne wasser oder soda.

Masterson: Was, mein Bat soll den Flieger
runtergeschossen haben, quatsch der sieht doch
nichts mehr, der alte Zausel, ein Scheunentor
trifft er nicht mal wenn man ihn dran lehnt.

Masterson: Treff ich wohl alte Schabrake.

Masterson: Triffst du nicht du Blindgänger.

Masterson: Und beim großen wettschießen in Tuston
wer hat da den ersten Preis gewonnen.

Masterson: Du Bat, aber das war 1860.

Masterson: 1860, haäh schöne Zeit war das, Pearl,
altes Wrack du hast die Goldtransporte überfallen.

Masterson: Und du hast alles wieder verspielt, du
Weihnachtsmann.

Masterson: Hab ich nicht, alte Fregatte.

Masterson: Hast du wohl, aber den Flieger hast du
nicht runtergeschossen, gestern abend hast du wie
eine Mumie in der Koje gelegen und geschnarcht,
nach nur 3 Flaschen Whisky, vertragen tust du auch
nichts mehr du Weichei.

Masterson: Tu ich wohl du alte Haubitze, wer war
denn der beste beim Wetttrinken in Larami und
damals in Whitita.

vanDusen: Darf ich sie bitten meine Herrschaften
ihre zweifellos hochinteressanten Reminizenzen
kurz zu unterbrechen und mir zuzuhören, daß sie
Don Adams nicht erschossen haben, war mir bereits
klar, bevor ich sie aufsuchte, wir Mrs Benteen und
ich hätten als Ohrenzeugen ihren Schuß hören
müssen, da dies nicht der fall war.

Benteen: Schon richtig Prof aber dann versteh ich
nicht was sie hier eigentlich wollen.

vanDusen: Ich beabsichtige Mr und Mrs Masterson
ein Frage zu stellen.

Masterson: Von mir aus.

Masterson: Nichts dagegen, fragen sie.

vanDusen: Haben sie im Verlauf des gestrigen Tages
auf dem nahen Gelände der Longhornranch etwas
ungewöhnliches wahrgenommen.

Masterson: Was ungewöhnliches, ja hab ich.

Masterson: Du, du willst was gesehen haben du
Blindschleiche.

Masterson: Nicht gesehen, alte Rakete, gehört.

vanDusen: Interessant und was haben sie gehört.

Masterson: Krach, Mordsradau, als ob was kaputt
geschlagen wird, wie holzhacken bloß lauter.

vanDusen: Sehr interessant.

Masterson: Aber alles hast du doch nicht gehört,
du taube Nuß, da war nämlich noch was vorher, da
ist der Motor von diesem Flieger gelaufen, ganz
lange.

vanDusen: Äußerst interessant, seien sie so
freundlich Miss Benteen mir ihren Wagen inklusiv
Smoky für kurze zeit auszuleihen.

Benteen: Was haben sie vor Prof.

vanDusen: Ich gedenke eine kleine Exkursion zu
unternehmen.

Benteen: Ohne ihre Chronistin und Assistentin.

vanDusen: Ja allein, warten sie hier auf mich in
1, 2 Stunden werde ich zurück sein.

vanDusen: In der voluminösen van Dusen Chronik
stellt der Mordfall Don Adams eine höchst kuriose
in gewisser weise sogar einmalige Episode dar,
nicht in kriminologischer Hinsicht, handelt es
sich hier doch um einen eher schlichten Fall,
obgleich er durchaus eine finessen
kriminologischer und mehr noch aeronautischer
Komplexität aufzuweisen hat, kurios und einmalig
nenne ich die Affäre, weil ich obschon
ausnahmsweise mit 2 Chronisten versehen oder auch
geschlagen, mich nichts desto trotz gezwungen
sehe, ein wichtiges, ja entscheidendes Kapitel
höchstpersönlich als mein eigener Chronist
vorzutragen, auch und gerade dem
Meisterkriminologen obliegt es gelegentlich in
erhabener Isolation fortzuschreiten, so auch hier,
dazu bewogen mich nicht etwa Eitelkeit und
Selbstglorifizierung, Eigenschaften welche meinem
Charakter ohnehin fremd sind, vielmehr das
durchaus menschenfreundliche bestreben, Mrs
Benteen nicht in Gefahr zu bringen, ich begab
mich, sie werden es erraten haben, zur
Longhornranch, hier erwartete ich die noch
fehlenden Mosaiksteine, die letzten Glieder der
logischen Indizienkette aufzuspüren, im Prinzip
war der Fall gelöst, ich wußte alles, ich wußte
wer Don Adams ermordet hatte und vor allem auf
welche Weise die Tat ausgeführt worden war,
nunmehr galt es fundierte Spekulation durch solide
Beweise und fundiertere Fakten umzuwandeln, auf
der Ranch hatte ich freie Hand, da der Hausherr
Marmaduke Stetson-Fillmore sich dank meiner
vorsorglichen Intervention in Flatfoot bei Sheriff
Benteen aufhielt, erwartungsgemäß wurde ich fündig
sowohl im Schuppen welcher dem Erfinder als
Werkstatt und Hangar diente, als auch im Wohnhaus,
hier unterzog ich gerade Stetson-Fillmores
aeronautische Aufzeichnungen, Berechnungen, Pläne
und Entwürfe für seinen Aeroplan einer
kursorischen Durchsicht, als plötzlich.

Stetson: Prof van Dusen, hab ichs mir doch
gedacht.

vanDusen: Sie kommen ungelegen, Mr Stetson-
Fillmore.

Stetson: Im Gegenteil Prof, ich komme gelegen und
vor allem komme ich noch zur rechten Zeit, sie
sind doch wohl nicht bewaffnet.

vanDusen: Mit der Wehe des Geistes.

Stetson: Wenns weiter nichts ist, die wird gegen
meinen Revolver wenig ausrichten können, legen sie
die Papiere aus der Hand, heben sie Arme, treten
sie zurück an die Wand, ja so.

vanDusen: Unter uns, wenn ich auch nicht unbedingt
mit stetson fillmores Erscheinen gerechnet hatte,
traf es mich andererseits doch nicht völlig
unvorbereitet, ich hatte gewisse prophylaktische
Maßnahmen getroffen, hier auf der Ranch und im
Hause des Sheriffs, und war nun darauf angewiesen,
daß sie in meinem Sinne zur Geltung kamen, meine
ganze Hoffnung ruhte auf dem guten Hatch, keine
stabile Basis was die Intelligenz betrifft jedoch
ansonsten wie mir wohl bewußt war, durchaus loyal
und zuverlässig, also wartete ich ab, ich hielt
Stetson-Fillmore hin und versuchte ihn zum reden
bringen, ein nicht eben schwieriges Unterfangen.

Stetson: Ein wunderschöner Plan, das müssen sie
zugeben, detailliert, durchdacht.

vanDusen: Dilettantisch und durchlöchert, nicht
einen Augenblick haben sie mich in die Irre führen
können.

Stetson: Aber bester Prof van Dusen, auf einen
Experten ihres Kalibers war ich nicht eingestellt,
ich rechnete mit Bobby Benteen, sie war als Zeugin
meiner Inszenierung vorgesehen, deshalb hatte ich
sie ja angerufen und mich hier mit ihr verabredet,
daß sie Prof sich gerade zum diesem Zeitpunkt in
Flatfoot aufhalten mußten, sagen sie, was hat sie
auf die richtige Spur gebracht.

vanDusen: Fragen sie besser was nicht, unter
anderem die Tatsache, daß Adams Leiche unter dem
Gurt nicht jene Hautverletzungen aufwies welche
bei einem Absturz durch Reibung und Druck des
Gurtes unbedingt hätten auftreten müssen, Fazit
ein Absturz hatte nicht stattgefunden, ferner
haben sie den vermeintlichen Aufschlag der
Maschine nur höchst oberflächlich und laienhaft
simuliert, die Grasnarbe war nicht eingedrückt und
in Aufschlagsrichtung verschoben sondern mit dem
Spaten ausgestochen, einen weiteren deutlichen
Hinweis gab mir sodann die gestern abend
vorherrschende Witterung, Wind aus Südwest, dichte
Wolken.

Stetson: Unabdingbare Voraussetzungen, auf die ich
lange warten mußte Prof.

vanDusen: Versteht sich, bei klarem Himmel wäre
Miss Benteen Ohren- und Augenzeugin gewesen, sie
durfte jedoch auf keinen Fall sehen, was sich da
Fluggeräusche von sich gebend über ihr bewegte.

Stetson: Und was war das, Prof wissen sies.

vanDusen: Selbstverständlich.

Stetson: Wissen sies wirklich.

vanDusen: Als ich mich vor wenigen Minuten in
ihrem Schuppen umsah fielen mir einige äußerst
interessante Dinge ins Auge, eine gutausgerüstete
meteorologische Station zB oder eine Anlage zur
Aufnahme phonografischer Wachsplatten, gestern
hatte ich unter den Trümmern an der Landebahn
einige Objekte ausgemacht welche mit Sicherheit
nicht zu einem Aeroplan gehörten, Reste von
Ballonseide, Teile eines phonografischen
Apparates, Spuren von Wachs, und als ich
schließlich hinter ihrem Schuppen ein flüchtig
zusammengelegtes Seil fand, ein dünnes aber festes
Seil von extremer Länge, 3 km würde ich schätzen,
da war alles klar, ich zählte 2 und 2 zusammen.

Stetson: Und was ist dabei rausgekommen, Prof.

vanDusen: Das wissen sie so gut wie ich.

Stetson: Sagen sies, Prof sagen sie mir.

vanDusen: Dank ihres Revolvers sind sie Herr der
Situation, wenn sie es denn wünschen bitte sehr,
irgendwann im verlauf des gestrigen Tages haben
sie Don Adams erschossen, sie haben das Geräusch
eines laufenden Aeroplanmotors auf eine
Wachsplatte übertragen, dabei wurden sie übrigens
belauscht, wie auch bei der Zerstörung der in
Anführungszeichen abgestürzten Maschine, die
Leiche des ermordeten schnallten sie auf dem Sitz
fest, dann verständigten sie Mrs Benteen, sie
kennen die länge des Weges von Flatfoot zur
Longhornranch, wie auch die für seine Zurücklegung
benötige zeit, zusätzlich berechneten sie die
Windgeschwindigkeit und zum für sie günstigsten
Zeitpunkt ließen sie ihren Pseudo-aeroplan
steigen.

Stetson: Bravo Prof genau so wars, weiter, wie sah
er aus mein Pseudoaeroplan.

vanDusen: Ein Wetterballon, am welchem ein
Phonograf befestigt war auf einer hölzernen
Plattform wie ich vermute, diese akustische
Attrappe ließen sie wie gesagt am langen Seil über
die Wolken steigen, nachdem sie den Phonograf
aufgezogen und gestartet hatten, der Wind trieb
den Apparat nach Nordost auf Miss Benteens
Einspänner zu, nach Ablauf der kalkulierten
Zeitspanne holten sie ihn am Seil wieder ein,
entzündeten das benzingetränkte Wrack, warfen
Ballon und Phonografen nebst Wachsplatte ins
Feuer, brachten sich eine leichte Verletzung am
Knie bei und harrten der Dinge die da kommen
sollten.

Stetson: Bravissimo, exzellent, unübertrefflich,
sie wissen alles, Prof bis ins kleinste detail.

vanDusen: Danke, die letzte Lücke, das will ich
nicht verschweigen, konnte ich erst schließen
nachdem ich einen Blick in ihre Aufzeichnung
geworfen hatte, ich meine das Motiv, warum haben
sie Don Adams getötet, jetzt weiß ich es, ich
weiß, wessen Ideen und Berechnungen haupt- und
ursächlich zur Konstruktion ihres aeroplan
beigetragen haben, ich weiß wer in Wahrheit der
Erfinder und wer lediglich der Gehilfe war.

Stetson: Sagen sie selbst Prof, konnte ich
zulassen daß ein Hinterwäldler ein ungebildeter
Cowboy sich der Öffentlichkeit als Erfinder und
Konstrukteur des ersten Motorfliegers der Welt
präsentierte, das mußte ich verhindern.

vanDusen: Und dabei mein bester haben sie ihren
Aeroplan geopfert.

Stetson: Das tut mir nicht weh Prof, das Wrack war
die Stetson Fillmore1 meine erste Maschine,
überholt, veraltet, sie sind in mein Schuppen
eingedrungen, Prof da haben sie doch sicher die
Stetson Fillmore 2 gesehen.

vanDusen: Gewiß ein ebenfalls noch unausgereiftes
Model, wie sich bereits bei flüchtiger Inspektion
unschwer feststellen ließ.

Stetson: Nur kein Neid, verehrter Prof, ob die SF2
ausgereift ist oder nicht, das werden sie selbst
überprüfen können, sie werden sie nämlich als
erster fliegen, zumindest wird es so aussehen.

vanDusen: Ich verstehe, Sie planen ein zweiten
Flugzeugunfall.

Stetson: Ganz recht, Prof der weltberühmte
Wissenschaftler, Erfinder und aeronautische
Experte hat die Maschine bei mir entdeckt und
konnte der Versuchung nicht widerstehen sie in
Person zu erproben, da jedoch ein großer
Theoretiker nicht unbedingt auch ein guter
Praktiker sein muß, hat er bei seinem Testflug
leider, leider Bruch gemacht, schon beim Start,
fürchte ich.

vanDusen: Ich nehme an sie wollen wie im Fall
Adams vorgehen, den Aeroplan auf die Landebahn
rollen, zerschlagen, mit Benzin übergießen.

Stetson: Sie erschießen, reinsetzen, Streichholz
und bumm, so ist es, Prof schade um die SF2 aber
was solls, bauen wir eben eine neue Maschine die
SF3, kommen sie sie müssen mir zur hand gehen,
übrigens schade auch um sie, Prof aber es ist ganz
allein ihre schuld, was mußten sie sich
einmischen, los.

Hatch: So jetzt ist Schluß mit dem hin und her,
jetzt übernimmt Hutchinson Hatch wieder das
Kommando, und er wird es nicht mehr abgeben, bis
der Fall zu einem guten ende gebracht ist, fangen
wir damit an daß wir die Uhr um etwa ein stunde
zurückdrehen, 12 Uhr mittag, high noon, wie man im
wilden westen sagt, ich lag in Benteens guter
Stube im Bett, ich war allein, der Sheriff hatte
sich zurück gezogen um ein Mittagschläfchen zu
halten, und auch ich döste ein bißchen vor mich
hin, plötzlich drangen geisterhafte stimmen an
mein Ohr.

Stetson: Auf die ich lange warten muß, bei klarem
Himmel wäre.

Hatch: Was ist Prof, sind sie das, Prof, wo
stecken sie, keiner da, stimmen, wo kommen die
her, von dahinten von der Wand, wo das Telefon
ist, Telefon richtig das Telefon, mir fiel was
ein, bevor van Dusen mit Bobby Benteen aufbrach,
hatte er den Telefonhörer von der Gabel genommen
und neben den Apparat gelegt, warum hatte ich
gefragt und er hatte gesagt, ich habe meine
Gründe, lassen sie den Hörer auf jeden Fall
liegen.

vanDusen: Ich muß mich noch einmal ganz kurz
einschalten, es handelte sich hier um eine der
bereits erwähnten prophylaktische Maßnahmen
meinerseits, eine zweite derartige Maßnahme hatte
ich im Wohnhaus der Longhornranch getroffen in dem
ich auch dort den Hörer des Telefons abgenommen
hatte, so bestand nun zwischen beiden punkten eine
offene telefonische Verbindung, nach Stetson-
Fillmores Erscheinen hatte ich meinen Standort mit
Bedacht in der nähe des Telefon gewählt, und
darüberhinaus bemüht möglichst laut sprechen, sie
dürfen in ihrem Bericht fortfahren.

Hatch: Wenn sie fertig sind.

vanDusen: Ja, ja.

Hatch: Also ich sprang aus dem Bett, lief ans
Telefon, hörte zu und schon nach wenigen Sekunden
war mir die Situation klar, Prof van Dusen
schwebte in größter Gefahr, ich mußte was
unternehmen, und zwar auf der stelle, natürlich
hätte ich Bettruhe halten sollen aber darauf
konnte ich jetzt keine Rücksicht nehmen, es ging
um wichtigeres als das Gehirn von Hutchinson
Hatch, es ging um das leben der Denkmaschine, ich
zog mich an, was trägt der stilsichere Mann der
Tat wenn er im wilden Westen aktiv wird, richtig,
die Cowboykluft, die ich mir ein paar wochen
vorher in Santa Fee zugelegt hatte einschließlich
Silbersporen und Beinschützer aus Bärenfell, so
ausgerüstet, trommelte ich Sheriff Benteen raus,
und als der mitgekriegt hatte was los war, holte
er seine Leute zusammen, dann gings hoch zu Roß im
Galopp durch die Prärie, unterwegs sammelten wir
noch Bobby ein und die beiden Altchen, die sich
partout nicht abschütteln ließen, jipehi, dann
sofort weiter, jede Sekunde zählte, und was werden
sie fragen, was geschah indessen auf der
Longhornranch.

Stetson: Gut so, da bleibt sie stehen, die
Maschine, da will ich sie haben, danke für ihre
Mitarbeit, Prof jetzt werde ich sie erschießen
müssen.

vanDusen: Das glaub ich nicht mein lieber Stetson-
Fillmore.

Stetson: Machen sie doch keine Schwierigkeiten
Prof.

vanDusen: Schwierigkeiten werden ihnen andere
machen, Stetson-Fillmore, drehen sie sich um,
sehen sie dorthin.

Stetson: Reiter sie kommen hierher.

vanDusen: Allem anschein nach ein Aufgebot geführt
wenn ich recht sehe vom Sheriff und von meinen
Freund Mr Hatch.

Stetson: Gehen sie zur Seite Prof.

vanDusen: Sie beabsichtigen den Aeroplan zu
starten.

Stetson: Der Tank ist voll, der Himmel steht mir
offen, ich könnte sie noch immer erschießen Prof.

vanDusen: Was würde ihnen das nutzen.

Stetson: Da haben sie recht, leben sie wohl Prof
van Dusen.

vanDusen: Ich warne sie, Stetson-Fillmore, ihr
Aeroplan ist nur bedingt flugtauglich.

Stetson: Wir werden ja sehen, Prof.

Hatch: Die Flugmaschine mit Stetson-Fillmore im
Sitz rollte immer schneller die Startbahn entlang,
direkt auf uns zu, was sollten wir machen, wir
spritzten auseinander, alle nur nicht unsere
beiden Wildwestfossilien auf ihren klapprigen
Maultieren, Bat Masterson zog seelenruhig einen
vorsintflutlichen Revolver aus dem Gürtel, Pearl
nahm gelassen ihr Lasso vom Sattelknopf.

Masterson: Feuer.

Masterson: Worauf schieß du denn du blindes Huhn.

Masterson: Auf den Flieger, du alte Granate.

Masterson: Das denkst du, du hast mir ein loch in
den Hut geschossen, du Dösbakel.

Masterson: Hab ich nicht.

Masterson: Hast du wohl, dann muß ich wohl das
teufelsding stoppen, duck dich Bat.

Hatch: Pearl Masterson warf ihr Lasso, die
schlinge legte sich um die rechte Flügelspitze und
rieß den aeroplan herum, er kam von der Startbahn
ab, rollte auf das Wohnhaus zu, krachte gegen die
Wand, die Stetson Fillmore II war ein brennendes
Wrack.

vanDusen: Sie wäre ohnehin nicht weit gekommen.

Benteen: Stetson-Fillmore ist tot.

Bobby: Wie der arme Don Adams.

Hatch: Und wer erfindet jetzt den Motorflug, sie
Prof.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich denke nicht
daran, theoretisch ist der gesamte Komplex bereits
geklärt, die Lösung der verbleibenden minimalen
technischen Probleme liegt tief unter der Würde
eines Prof DrDrDr Augustus van Dusen.

Hatch: Tja meine Damen und Herren, so kam es daß
der Ruhm des Flugzeugerfinders nicht Prof van
Dusen zufiel, nicht Don Adams und erst recht nicht
Marmaduke Stetson-Fillmore, sondern ein gutes Jahr
später den Gebrüdern Wright, den Namen kann man
sich auch viel besser merken.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Roberta (Bobby) Benteen: Therese Hämer
Sheriff Benteen: Dietrich Körner
Marmaduke Stetson-Fillmore: Wolfgang Condrus
Bat Masterson: Herbert Weißbach
Pearl Masterson: Steffi Spira

 Senf Nr. 4005 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.33Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen treibt den Teufel
aus (RIAS 1992)

Hatch: Das Abenteuer um den schwarzen Magier, der
vom Teufel geholt wurde, und zwar aus einem
hermetisch verschlossenen Raum im
Leichenschauhaus, dieses rätselhafte, unheimliche,
und über alle Maßen makabre Abenteuer begann in
einem gar nicht makabren Ambiente im Chambre
Separee bei Delmonico an der Fifth Avenue, es war
am Sonntag, dem 6. Januar 1901, spätabends um, ja
genau das war der casus knaxus.

Hatch: Wie spät ist es Oskar?

Ober: Genau 2 Minuten vor 12 Uhr, Mr. Hatch.

Hatch: Um elf wollte sie hier sein Oscar.

Ober: Wenn sie mir die Bemerkung gestatten, Mr.
Hatch, nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung
pflegen sich Damen, die mit einem Herrn verabredet
sind nicht eben selten zu verspäten.

Hatch: Mit mir nicht Oscar, der Champagner wird
warm, das Essen kalt, mir reichts Oskar ich gehe.

Ober: Aber Mr Hatch was wird aus ihrem erlesenen
Mitternachtssoupe zu zweit.

Hatch: Essen sies Oskar oder werfen sies weg,
machen sie was sie wollen.

Ober: Schade drum, Mr Hatch, wirklich schade drum.

Hatch: Schade um das soupe und schade um die Dame,
Miss Dolli Polaksi, Künstlername Evelin Latorre,
sie kennen sie, wenn sie den Fall verfolgt haben,
der den Titel trägt Prof van Dusen spielt
Weihnachtsmann, Tänzerin im Vaudeville und
Revuetheater Vanity Fair, nicht weit vom
Timessquare, die dritte von rechts, die mit den
besonders langen Beinen, nach dem Fall waren wir
uns menschlich näher gekommen, ziemlich nahe und
jetzt ließ sie mich sitzen, um 11 hatte sie kommen
wollen, gleich nach der Vorstellung, ich war
stinksauer und trabte das kurze Stück runter zum
Vanity fair, bis es plötzlich nicht weiterging,
vor dem Bühneneingang stand eine Barriere in
blauer Uniform mit Kupferknöpfen.

Hatch: Wachtmeister Malone.

Malone: Eintritt verboten, gehen sie weiter.

Hatch: Aber Wachtmeister sie kennen mich doch,
Hutchinson Hatch, rasender Reporter vom Daily New
Yorker, ich bin die Presse, lassen sie mich durch.

Malone: Keiner darf rein Mr Hatch, auch nicht die
Presse, und sie schon gar nicht Mr Hatch hat er
gesagt.

Hatch: Wer hat das gesagt.

Malone: Detective Sergeant Caruso, aber das soll
ich ihnen ja gar nicht sagen.

Hatch: Und was da drin passiert ist, sollen sie
mir sicher auch nicht sagen.

Malone: Auf keinen Fall, Mr Hatch, das sagt er der
Presse höchstpersönlich der Chef morgen im
Präsidium.

Hatch: Was sagt er Malone.

Malone: Der Chef, na daß dieser Zauberkünstler
erschossen worden ist auf der Bühne mitten in der
Vorstellung von so einer Tänzerin.

Hatch: Tänzerin, aus dem Weg Malone.

Malone: Nicht doch Mr Hatch, halt bleiben sie
stehn, kommen sie doch zurück.

Hatch: Ich dachte nicht daran, ich rannte durch
Gänge, vorbei an Garderoben und Kulissen, bis auf
die Bühne, hier blieb ich stehn, hier war ich
richtig.

Pulaski: Hallo Hatchy.

Hatch: Sagt mal Dolly was denkst du dir
eigentlich.

Caruso: Sie Mr Hatch das darf doch wohl nicht wahr
sein.

Hatch: Kaum traut er seinen Augen unser goldiger
Plattfuß, jawohl Caruso ich bins der Traum ihrer
schlaflosen Nächte.

Malone: Detective Sergeant, ich kann nichts dafür
Detective Sergeant, weggeschubst hat er mich,
einfach weggeschubst.

Caruso: Sie sind unfähig, Malone, ein Idiot, ein
kompletter Versager.

Hatch: Ihre Schule, Caruso.

Caruso: Halten sie sich zurück Mr Hatch und sie
Wachtmeister Malone sie gehen wieder auf ihren
Posten.

Malone: Zu Befehl.

Hatch: 5 Personen blieben auf der hellerleuchteten
Bühne, meine Wenigkeit, mein alter Kontrahent
Detective Sergeant Caruso, meine neue Freundin
Dolly Pulsaki übrigens noch in ihrer
geschmackvollen und stoffarmen Berufskleidung, ein
ältlicher Typ mit grauem Bart und schwarzer
Tasche, ein Arzt offenbar und der Patient, um den
er sich bemühte, der sah allerdings aus als ob er
keinen Doktor mehr brauchte, er lag auf dem
Rücken, steif still totenblass, in Frack und
schwarzer Pelerine, nur ein häßlicher roter Fleck
auf der blütenweißen Hemdbrust störte das
schwarzweiße Stilleben.

Pulaski: Er ist tot, Hatchy, deshalb bin ich hier
nicht weggekommen, weil dein Freund Caruso mich
verhaftet hat.

Caruso: Hören Sie Miss, Mister Hatch ist alles
mögliche, ein Stänkerer, ein Schreiberling, ein
falscher Fuchziger, weil man ihn nie los wird,
aber eins ist er ganz bestimmt nicht, mein Freund.

Hatch: Daccord Caruso und sie sind eins ganz
bestimmt, ein Volltrottel, wie kommen sie dazu
Dolly zu verhaften.

Caruso: Miss Pulaski steht unter Mordverdacht, Mr
Hatch, sie hat Dr. Faustus erschossen.

Pulaski: Hab ich nicht.

Caruso: Haben sie doch, habs doch gesehen und alle
anderen Besucher auch, sie haben die Pistole
abgedrückt.

Pulaski: Ja schon aber ich konnte doch nicht
ahnen.

Padmore: Bitte meine Herrschaften, ein wenig
Pietät im Angesichts des Todes.

Caruso: Schon gut Dr Padmore aber Hatch regt mich
immer so auf.

Hatch: Von mir aus können sie sich wieder abregen,
Caruso, ich bin bereit das Kriegsbeil zu begraben,
vorläufig.

Caruso: Soll mir recht sein Mr Hatch.

Hatch: Aber nur wenn sie mich nicht vor die Tür
setzen und wenn ich endlich erfahre was hier los
ist.

Caruso: OK Mr Hatch, wo sie schon mal hier sind,
in Befolgung des an meine Person ergangenen
dienstlichen Auftrages begab ich mich in den
Abendstunden des heutigen Tages in das an der 43.
Straße gelegene Vaudville Theater Vanity Fair.

Pulaski: Das ist ja nicht zum anhören, klappen sie
ihr dienstliches Berichtsorgan zu, lassen sie mich
erzählen also paß auf Hatchy halb 10 vorletzte
Nummer im Programm, unser Hexenballett wo wir auf
Besenstielen über den Blocksberg reiten, weißt du,
Riesenbeifall wie immer, Licht aus, Tusch, Licht
wieder an und er steht auf der Bühne.

Hatch: Wer.

Pulaski: Na er hier Dr Faustus.

Padmore: Der verewigte.

Caruso: Richtiger Name Wiliam Bliss, Beruf
Zauberkünstler.

Pulaski: Er steht also da picobello vom Zylinder
bis zu den Lackschuhen und fängt an.

Bliss: Was ich ihnen in den kommenden Minuten
präsentieren werde, das haben sie in ihrem Leben
noch niemals gesehen, vor ihren Augen wird eine
Pistole auf mich abgefeuert werden, eine Pistole
welche ebenfalls vor ihren Augen mit einer
todbringenden Kugel geladen werden wird, doch
diese Kugel wird nicht mein Herz durchbohren, ich
werde sie ohne Schaden zu nehmen in meiner rechten
Hand auffangen, wie ist dies möglich, so werden
sie fragen, kein ausgeklügeltes Kunststück kein
billiger Trick, sondern wirklich und wahrhaftig
schwarze Magie, nichts kann mir zustoßen, ich
stehe unter mächtigen Schutz, denn vor zeiten hab
ich einen Pakt geschlossen mit dem Herrn und
Meister aller schwarzen Magier der da genannt wird
Mephistofeles oder auch Luzifer, Belzebub,
Satanas, der Fürst der Finsternis, ich bitte um
Ruhe und um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, der
Behälter welchen sie auf diesem Tisch erblicken,
enthält Pistolen und Patronen, befindet sich im
Saal ein Experte für Schußwaffen, ein Offizier
vielleicht oder Weidmann.

Caruso: Ja hier ich.

Bliss: Sehr gut kommen sie auf die Bühne Mister.

Caruso: Caruso ist mein Name.

Bliss: Treten sie näher, Senior Caruso, prüfen sie
Waffe und Ladung.

Hatch: Na so was, sie waren also schon hier,
Caruso, bevor was passiert war, im Publikum,
während der Vorstellung, wie das, wollten sie sich
einen fröhlichen abend machen.

Caruso: Wo denken sie hin, Mr Hatch, ich befand
mich an diesem Ort in Befolgung eines dienstlichen
Auftrags.

Hatch: Richtig, und wie lautete ihr Auftrag
Caruso.

Caruso: William Bliss alias Dr Faustus zu
beschatten und nicht aus den Augen zu lassen.

Hatch: Wieso, hat er was ausgefressen.

Caruso: Das kann man wohl sagen Mr Hatch.

Hatch: Ein Bankräuber war unser schwarzer Magier,
erzählte Caruso, einer von der ganz gerissenen
Sorte, seit 2 Jahren trat er überall in den USA
auf, von New Orleans bis Seattle, von San
Francisco bis Baltimore, als Dr Faustus, Zauberer
und Entfesslungskünstler, und immer dann wenn er
in einer Stadt ein Gastspiel gab, wurden in eben
dieser Stadt die Tresore der großen Banken
ausgeräumt, lautlos, spurlos in nächtlicher
Dunkelheit.

Caruso: Der Täter geht durch jede Stahltür, löst
nie Alarm aus, jedes Schloß kann er knacken und
wieder schließen, ein Zauberer, ein
Entfesslungskünstler, einer wie Houdini, und da
haben wir 2 und 2 zusammengezählt.

Hatch: Sie Caruso, kann ich mir nicht vorstellen.

Caruso: Kripochef Delamier persönlich hat den Fall
an sich gezogen, seit Bliss vor einer Woche nach
NewYork kam wird er rund um die Uhr überwacht,
tags ist Kollege Murphy dran und nachts.

Hatch: Rigoletto Caruso, Schrecken der Unterwelt
und Spezialist für magische Fälle, siehe lady
liberty vor gut 2 Wochen, verstehe, und wie gings
weiter, sie haben Waffen und Ladung inspiziert.

Bliss: Nun Senior Caruso.

Caruso: Alles einwandfrei, 2 einschüssige
Scheibenpistolen Typ luna büchel Kaliber 6mm und 2
passende Patronen Rammington 22 short.

Bliss: Platzpatronen Senior Caruso.

Caruso: Ganz bestimmt nicht, scharfe Ladung,
solides Blei.

Bliss: Vielen Dank, treten sie bitte zur Seite,
vielleicht ist eine der reizenden Hexen,
Verzeihung Damen des Ballets so freundlich eine
Pistole auszuwählen und sie mit einer der Patronen
zu laden, wie wäre es mit ihnen schöne Frau.

Pulaski: Gott warum nicht, mit Pistolen kann ich
umgehen, im Centralpark hinter dem Museum, weißt
du noch Hatchy, ich hab also eine Pistole
ausgesucht und geladen.

Hatch: Die Patronen Dolly, hast du sie selbst aus
dem Kasten genommen.

Pulaski: Nein ich mußte darauf zeigen und Dr
Faustus hat sie mir dann in die Hand gegeben.

Hatch: Und dabei hat er sie blitzschnell
ausgetauscht, ganz alter Trick gegen eine Patrone
mit einer Kugel aus Wismut und Quecksilber die
löst sich gleich nach dem Abschuß in Luft auf.

Caruso: Was sie alles wissen Mr Hatch.

Pulaski: Blas dich nicht so auf Hatchy das hat dir
doch bestimmt Prof van Dusen gesagt.

Hatch: Na und.

Pulaski: Also ich stand hier mit geladener
Pistole, und Dr Faustus ging rüber auf die andere
Seite, schlug die Pelerine auseinander, stellte
sich in Positur.

Bliss: Und nun Schönste aller Frauen zielen sie,
hierher auf mein Herz, sehr gut, sie haben nicht
nur eine entzückende, sie haben auch eine feste
Hand, drücken sie ab, nur keine Hemmungen.

Pulaski: Wenn sie unbedingt wollen.

Bliss: Ich bitte darum meine schönste, Feuer, ah.

Pulaski: Tja Hatchy so war das, Dr Faustus griff
sich an die Brust, fiel um, zuckte nochmal und war
dann ganz still, ich dachte vielleicht ist das ein
geplanter Gag und wartete, aber als nichts
passierte ging ich rüber, Faustus hatte Blut auf
der Brust, er atmete nicht, sein Puls stand still,
das konnte kein Gag sein, das Publikum wurde immer
unruhiger.

Caruso: Ruhe, kein Grund zur Aufregung, alles ist
unter Kontrolle, ich bin Polizeibeamter detective
seargent, was jetzt.

Pulaski: Arzt.

Caruso: Was.

Pulaski: Arzt, wir brauchen einen Arzt.

Caruso: Richtig, ist ein Arzt im Saal.

Padmore: Hier, ich bin Mediziner.

Caruso: Wunderbar kommen sie rauf Dr.

Padmore: Padmore, Dr. Thomas P Padmore, Pathologe
am Bellevue Hospital.

Caruso: Das heißt, sie sind städtischer
Angestellter und als solcher befugt die Funktion
eines Polizeiarztes auszuüben.

Padmore: So ist es Detective Sergeant.

Caruso: Das trifft sich gut, untersuchen sie den
Zauberkünstler, sie meine Herrschaften verhalten
sie weiterhin ruhig, und sie Miss, sie sind
vorläufig festgenommen.

Pulaski: Ich, warum.

Caruso: Sie haben die Pistole geladen Miss und
abgefeuert.

Padmore: Der Mann ist tot Detective Sergeant.

Caruso: Aha, Todesursache Doktor.

Padmore: Ein Schuß auf der linken Brustseite
direkt über dem Herzen, genaueres kann ich ihnen
natürlich erst nach der Obduktion sagen.

Caruso: Wann wird das sein, Doktor.

Padmore: Morgen, lassen sie den Toten ins
städtische Leichenschauhaus schaffen.

Pulaski: Das war so kurz nach 10, seitdem warten
wir.

Hatch: Worauf.

Caruso: Auf den städtischen Leichenwagen, das
Publikum hab ich natürlich nach hause geschickt,
und ich hab mir vom nächsten Revier ein paar Leute
kommen lassen zum absperren und so.

Padmore: Wenn sie mich nicht mehr benötigen, werde
ich mich empfehlen, es ist spät.

Caruso: Kann man wohl sagen, 5 vor 1, ok Doc.

Padmore: Dann bis morgen früh im Obduktionsraum im
Leichenschauhaus.

Hatch: Komm Dolly wir gehen auch.

Caruso: Sie können gern verschwinden, Mr Hatch,
meinen Segen haben sie, aber Mrs Pulsaki bleibt im
Gewahrsam.

Pulaski: Nein.

Hatch: Gut bleib ich auch, Hutchinson Hatch ist
Kavalier.

Pulaski: Krieg dich wieder ein Hatchy.

Hatch: Reporter ist er auch, aus der Geschichte
läßt sich was machen, tragischer Tod eines
Zauberkünstlers, tödlicher Trick im Theater,
Caruso blamiert sich.

Hatch: Zwischen halb zwei und zwei Uhr nachts
zottelte eine seltsame Karawane durch Manhattan
vom Time Square zum Eastriver, vorneweg gezogen
von zwei klapprigen Gäulen der städt.
Leichenwagen, Inhalt ein toter Zauberer, ein
lebendiger Wachtmeister Malone, zwei dito Kollegen
und natürlich der städt. Leichenkutscher,
hintendran mein Winton Sport, den ich vor
Delmonicos Restaurant geparkt hatte, chauffiert
vom Besitzer, Dolly saß neben mir, einen
Waschbärmantel über ihrem Hexenkostüm, bewacht von
Detective Sergeant Caruso auf dem Klappsitz. Das
Leichenschauhaus der Stadt New York ist ein
einstöckiger Ziegelbau auf dem Gelände des
Bellevue Hospital, zwischen Eastriver und
1.Avenue, alles war ruhig als wir ankamen, ein
verschlafener Angestellter machte uns auf und
führte uns über eine kurze Treppe nach unten zum
Kühlraum im Keller, da wurde der selige Mr Bliss
ausgezogen und mit einem Zettel am Zeh in eine
Schublade gelegt, Tür zu, Treppe wieder rauf,
Kleider im Schrank einschlossen, so das wäre
erledigt.

Caruso: Dr. Padmore ist ihnen bekannt.

Angestellter: Klar kenn ich Dr Padmore, hat oft
bei uns zu tun, holt sich immer mal wieder ein
Arm, ein Bein oder was er sonst so braucht in der
Pathologie.

Caruso: Um so besser, morgen früh um 8 ist er hier
um den Toten zu obduzieren, also dann kommen sie
Miss Pulaski.

Pulaski: Nein.

Caruso: Nein.

Pulaski: Nein ich will nicht, ich bin müde, ich
will ins Bett, in mein Bett, nicht in eine Zelle
in der Mulberry Street, ich geh nicht mit,
freiwillig nicht, da müssen sie mich schon
mitschleifen.

Hatch: Bravo Dolly, unglaublicher Fall von
Polizeibrutalität macht sich gut morgen im Daily
New Yorker, holen sie schon die Handschellen raus,
Caruso lassen sie ihre Knechte knüppeln, nur zu
Caruso.

Pulaski: Sag mal Hatch bist du noch ganz dicht.

Hatch: Keine Angst Dolly, die Presse steht hinter
dir.

Pulaski: Vor mir wäre mir lieber.

Bliss: Ah.

Hatch: Was war das.

Angestellter: Das das kam aus dem Kühlraum, aber
da ist keiner.

Caruso: Jedenfalls keiner der noch schreien kann.

Pulaski: Sehen wir doch mal nach.

Hatch: Also wieder die Treppe runter, vorsichtig
hintereinander wie weiland die sieben Schwaben,
nur daß wir 5 waren, Dolly, ich, der Leichenwart,
Wachtmeister Malone und Caruso der nach hinten
absichert, Dolly griff nach der Klinke, drückte
sie runter, rüttelte, die Tür zum Kühlraum ging
nicht auf.

Pulaski: Abgeschlossen.

Angestellter: Was, aber das kann nicht angehen, zu
dieser Tür gibts nur einen Schlüssel hier in
meiner Tasche und eben als wir unten waren hab ich
nicht abgeschlossen, bestimmt nicht.

Caruso: Halten Sie keine Volksreden, Mann
schließen sie auf.

Angestellter: Ich versteh das nicht.

Hatch: Ach du dicker Vater, Blut.

Pulaski: Wäh und wie das stinkt.

Hatch: Schwefel und noch was anderes.

Malone: Detective Sergeant sehen sie mal, die
Schublade wo wir den Toten reingelegt haben die
steht offen.

Caruso: Leer, die Schublade ist leer.

Hatch: Und die Leiche ist weg.

Angestellter: Ich versteh das nicht, so was hatten
wir noch nie.

Hatch: Die Leiche lag nicht in ihrer Lade und auch
in keiner anderen, der Raum war kahl, es gab kein
Versteck, der tote Dr Faustus alias William Bliss
war und blieb verschwunden, allerdings nicht
spurlos, auf dem Fußboden sahen wir ein paar sehr
merkwürdige Dinge, die 10min früher ganz sicher
noch nicht dagewesen waren, ein kleines
Messingbecken irgendwie orientalisch, in dem was
schwefeliges vor sich hinkokelte, ferner ein
dunkelgrünes Kraut, das zum Himmel stank, eine
Blutlache und eine mit Blut gezeichnete Figur, ein
Fünfeck, zwei Spitzen nach oben, von der Lache
führten blutige Spuren zur Tür, rechts ein Fuß,
ein nackter menschlicher Fuß und links daneben
eine Art gespaltener Halbkreis der aussah wie ein
Huf.

Pulaski: Ein Pferdefuß.

Caruso: Porca madonna, ildiavolo.

Hatch: Der Teufel, malen sie den bloß nicht an die
Wand Caruso.

Schwester: Hilfe der Teufel, hilfe.

Angestellter: Hören sie da draußen.

Hatch: 5 Minuten später brachte uns einer von
Carusos Mannen eine verstörte Krankenschwester,
nichts böses ahnend war sie zum Frühdienst ins
Hospital geeilt, und dabei war ihr in einem
Gebüsch zwischen Bellevuehospital und
Leichenschauhaus der leibhaftige Teufel begegnet.

Schwester: Der Mond schien hell, und ich hab ihn
gesehen, ganz deutlich, es war furchtbar.

Caruso: Wie sah er aus.

Schwester: Gräßlich, ganz schwarz, Hörner hat er
gehabt und Blut im Gesicht.

Malone: Der leibhaftige, alle Geister loben gott
den herrn.

Caruso: Amen, ich sag ihnen was Malone, das ist
kein Fall für die Polizei, wir brauchen einen
Priester, einen Exorzisten, einen
Teufelsaustreiber.

Hatch: Da bin ich ausnahmsweise ganz ihrer Ansicht
Caruso, wir brauchen einen Teufelsaustreiber und
ich weiß auch schon wen, gibts hier ein Telefon.

Angestellter: Oh ja Sir drüben am Schreibtisch.

Hatch: Sie wissen natürlich, wen ich anrufen
wollte, endlich werden sie sagen, es ist ja schon
fast Halbzeit, Magie, Teufelspuk alles gut und
schön aber auf die Dauer kein Ersatz für die
mentale Brillanz einer Denkmaschine, doch jetzt
ist es soweit, jetzt tritt er auf, wenn auch
vorerst nur am Telefon, Prof DrDrDr Augustus van
Dusen, der größte Wissenschaftler und
Amateurkriminologe aller Länder Völker und Zeiten.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Ja.

vanDusen: Sie.

Hatch: Ja.

vanDusen: Um diese Zeit, sie wissen wie spät es
ist.

Hatch: Na klar Prof genau 2 Uhr 49 mitten in der
Nacht, sie schlafen doch nicht etwa.

vanDusen: Wo denken sie hin, ich befinde mich
inmitten eines überaus wichtigen wenn nicht gar
epochalen chemischen Experiments, welches weder
Störung noch Aufschub duldet, verschonen sie mich
also mit ihren telefonischen Quisquelien, leben
sie wohl.

Hatch: Augenblick Prof, Augenblick ein Fall, ich
habe einen Fall für sie, einen hochinteressanten
wenn nicht gar epochalen kriminologischen Fall.

vanDusen: Und wenn sie mir Jack the Ripper
höchstpersönlich offerieren.

Hatch: Jack the Ripper, viel besser, ich offeriere
ihnen den Teufel, dazu schwarze Magie und einen
hermetisch verschlossenen Raum im
Leichenschauhaus, ferner biete ich einen
zaubernden Bankräuber, der unter höchst
mysteriösen Umständen zu tode gekommen und danach
von Teufel geholt worden ist, sind sie noch da
Prof.

vanDusen: Ja ja, in der Tat, mein lieber Hatch,
beinahe könnte ich mich versucht fühlen, ihrem
Lockruf zu folgen und der von ihnen so
verführerisch dargebotenen Angelegenheit auf den
Grund zu gehen.

Hatch: Bitte, hab ich mir doch gedacht, daß sie da
nicht widerstehen können Prof, sie kommen also in
städt. Leichenschauhaus, stehenden Fußes.

vanDusen: Sobald ich mein Experiment abgeschlossen
habe, in genau 3 Stunden 10 Minuten.

Hatch: Und was soll ich Ihnen sagen, Schlag 6 Uhr
morgens war er da der große Mann, er ließ sich von
uns kurz schildern, was vorgefallen war und machte
sich dann gleich daran, das geheimnisvolle
Arrangement im Kühlraum in analytischen
Augenschein zu nehmen, so wie er das immer macht
mit hm aha so und scheinbar geistesabwesendem hin
und her spazieren.

vanDusen: Soso, aha ein Pentagramm.

Hatch: Das komische Fünfeck meinen sie.

vanDusen: Ganz recht, es handelt sich jedoch nicht
um das in der sog weißen Magie häufig angewendete
Pentagramm, sondern um dessen satanische
Umkehrung, die beiden nach oben zeigenden Spitzen
stehen für die Hörner, welche landläufiger Meinung
zufolge Luzifers Haupt zieren.

Hatch: Also tatsächlich der Teufel.

vanDusen: So scheint es, auch die auf die
Geruchsnerven wirkenden Materialien weisen
eindeutig auf den Herrn der Finsternis hin,
Schwefel, Hyoscyamus Niger, schwarzes Bilsenkraut,
auch bekannt als Teufelswurz, sein Geruch.

Hatch: Stinkt wie Durchfall im Raubtierhaus.

vanDusen: Sein Geruch gehört zu den in der
esoterischen Literatur gemeinhin mit dem Teufel
verbundenen Düften, wie auch unter anderem Opium,
Alraune, Moschus und Myrrhe, beim letzteren
handelt es sich im Gegensatz zu Schwefel und
Bilsenkraut um recht rare und entsprechend
kostspielige Ingredienzen.

Hatch: Ein sparsamer Teufel.

vanDusen: So könnte man sagen, was nun die
blutigen Fußabdrücke betrifft sehe ich keinerlei
Mysterien, ein Fuß ist stets zur Hand wenn sie mir
das Wortspiel gestatten.

Hatch: Bitte bitte, aber der Huf, Prof.

vanDusen: Läßt sich auf höchst simple weise
bewerkstelligen, etwa mittels eines
zugeschnittenen Kartons oder auch durch eine
geschickt eingesetzte Faust, lassen wir dies
vorerst dahingestellt, versprachen sie mir nicht
einen hermetisch verschlossenen Raum.

Hatch: Was haben sie daran auszusetzen, kein
Fenster, und die Tür nach außen hatten wir ständig
im Auge, oben an der Treppe.

vanDusen: Gewiß und diese zweite Tür.

Hatch: Führt in den Obduktionsraum, ja machen sie
sich keine Hoffnungen, nur 1 Zugang nämlich diese
Tür und auch kein Fenster und vor allem keine
Leiche, wir haben nachgeguckt.

vanDusen: Haben sie, verschlossen, wo ist der
Schlüssel.

Hatch: Den hat der Leichenwart.

vanDusen: Rufen sie ihn, lassen sie die Tür
öffnen.

Hatch: Wie euer Lordschaft befehlen. Ich weiß
nicht was van Dusen erwartet hatte, der
Obduktionsraum sah aus wie Obduktionsräume eben
aussehen, steril, weiß gekachelt, ein großer Tisch
in der Mitte, an den Wänden Waschbecken, Kühlbox
und ein paar Schränke für Chemikalien, Messer,
Sägen usw, wie gesagt kein Fenster.

vanDusen: Wohl aber Wasserleitungen.

Caruso: Soll das ein Witz sein, da paßt doch keine
Leiche durch.

vanDusen: Nicht zu vergessen den in die Decke
eingelassenen Ventilationsschacht, Durchmesser ca.

Angestellter: 39 cm genau, nach zwei meter knickt
der Schacht ab fast rechtwinklig und führt in
flacher Steigung an die Oberfläche und da ist er
abgedeckt durch ein fest verschraubtes Gitter.

Caruso: Auch da geht keine Leiche durch, höchstens
eine ganz kleine, Bliß war zwar nicht der größte,
aber ein Zwerg war er auch nicht.

Hatch: Zwerg, Zwerg, ich habe eine Idee.

vanDusen: Sie setzen mich in Erstaunen.

Hatch: Ein Zwerg, er schraubt oben das Gitter ab,
kriecht durch den Schacht, knackt das Schloß zum
Kühlraum nebenan, holt den toten Bliss aus der
Schublade, zerlegt ihn in kleine Stücke, und
bringt ihn so nacheinander raus, das wäre doch
möglich.

vanDusen: Glauben sie, in max 10 Minuten ohne
Hinterlassung einschlägiger Spuren, ganz zu
schweigen vom fehlenden Motiv, von den plötzlich
im Kühlraum präsenten satanischen Parafernalien,
ihre journalistische Fantasie in ehren.

Hatch: Es muß eine Lösung geben.

vanDusen: Natürlich gibt es eine.

Caruso: Natürlich, sagen sie lieber unnatürlich,
Logik, Analyse, dingsbums, das nutzt ihnen bei dem
Fall überhaupt nichts, der Teufel hat ihn geholt,
diesen Bliss, er hat ja selbst zugegeben, daß er
einen Pakt mit Luzifer geschlossen hat und wie so
was ausgeht das weiß man doch.

Hatch: Der Prof schnaubte nur verächtlich und
begab sich in höhere Regionen, um ein bißchen
nachzudenken. Es war ganz gemütlich im Büro des
Leichenschau- hauses, Dolly döste im
Schreibtischsessel, der Leichenwart kochte uns
Kaffee, Ruhe und Frieden rings umher bis kurz nach
7.

Malone: Detective sergeant.

Caruso: Was gibt es Wachtmeister Malone.

Malone: Melde gehorsamt, habe soeben eine Leiche
entdeckt.

vanDusen: Wo Wachtmeister.

Malone: Draußen im Gebüsch, gar nicht weit, nur
ein paar Meter, ich wollte ein bißchen an die
frische luft, und da trete ich auf einmal auf
etwas weiches, ich leuchte mit meiner Laterne und
denke, na so was eine Leiche, ein Mann, nackt
sieht schlimm aus, und wie ich so gucke und denke
da fällt mir ein daß sie eine Leiche vermissen.

vanDusen: Führen sie uns zum Fundort Wachtmeister.

Hatch: Es war wirklich William Bliss alias Dr
Faustus, um das festzustellen, mußte man
allerdings genau hingucken, überall blutige
Wunden, Kratzer, Beulen, irgend jemand,
irgendetwas hatte den Toten auf unerklärliche
Weise aus dem Kühlraum entführt, schrecklich
zugerichtet und im Gebüsch deponiert, wer oder was
der Teufel, auf der Brust über der Schußwunde war
jedenfalls ein satanisches Pentagramm
eingeschnitten und als Malone und Kollegen die
Leiche hochhoben um sie wieder ins Schauhaus zu
bringen tauchte im Schein der polizeilichen
Blendlaterne was weißes auf.

Caruso: Was ist das.

Hatch: Stück Papier wie es aussieht.

vanDusen: Schriftstück, sieh da, sehr interessant,
lesen sie vor Hatch.

Hatch: Bitte sehr, bitte gleich, oben drüber steht
Vertrag, und darunter hiermit bestätige ich daß
ich Satan den erhabenen und allmächtigen als mein
Herrn und Meister anerkenne, ich werde ihm dienen
und gehorchen und ihm zu gefallen sämtliche Gebote
gottes wie auch staatliche Gesetze und die
Prinzipien der Moral mit Füßen treten, als
Gegenleistung sagt Satan mir Reichtum Lust und
Wohlergehen für einen Zeitraum von 10 in Worten 10
Jahren fest zu, nach Ablauf dieser Frist gehen
meine Seele und mein Leib in das alleinige
Eigentum Satans über, 6. Januar 1891 gez William
Bliss, das ganze in Handschrift, rote Tinte.

Caruso: Rote Tinte, das ist ein Teufelspakt, und
einen Teufelspakt schreibt man mit Blut Mr Hatch.

vanDusen: Datiert auf den 6. Januar 1891, vor 10
Jahren und einem Tag.

Caruso: Und gestern Abend hat ihn der Teufel
geholt, mit Leib und Seele wies da steht, heiliger
Genaro von Neapel steh mir bei.

Hatch: Caruso schlug ein kreuz nach dem anderen,
und auch ich war innerlich leicht daneben, ein
bißchen viel Teufelei, wenn sie mich fragen.
Zurück ins Leichenschauhaus, Dolly hatte
inzwischen gesellschaft bekommen, Doctor Padmore.

Padmore: 8 Uhr, meine Herrschaften, die Obduktion
kann beginnen, das heißt sofern es etwas zu
obduzieren gibt, wie mir Miss Pulaski berichtet
ist die fragliche Leiche aus dem Kühlraum
verschwunden und hat sich später an anderer stelle
wieder eingefunden unter ungewöhnlichen,
unheimlichen ja unnatürlichen Umständen, was ist
geschehen.

Hatch: Dr. Padmore wurde informiert und war
hocherfreut, richtig begeistert, sein würdevoller
Bart wippte vor Wonne.

Padmore: Wunderbar, ein authentischer unanfechtbar
verifizierter Fall einer genuin satanischen
Manifestation, ich werde sogleich einen Bericht
für die okkulte Rundschau verfassen.

vanDusen: Ah sie sind der Dr Padmore, der
Okkultist, Spiritist.

Padmore: Und esoterische Hermetiker, Autor von das
Geheimwissen der orientalische Fakire, Vampirismus
in Transsylvanien, okkulte Praktiken unter den
Naturvölkern etc etc, und mit wem habe ich die
Ehre.

vanDusen: Van Dusen.

Hatch: Prof Dr.Dr.Dr. etc etc.

Padmore: Prof van Dusen der bekannte
Naturwissenschaftler, der militante Skeptiker und
Agnostiker.

vanDusen: Wenn sie meine Person so zu definieren
wünschen Dr Padmore.

Padmore: Was sagen sie jetzt, sie ungläubiger
Thomas, es dürfte ihnen schwerfallen, für die
Phänomene dieser Nacht eine sog. natürliche
Erklärung zu finden, eine derart intensive
Demonstration jenseitiger Mächte muß selbst den
großen Prof van Dusen zum verstummen bringen.

vanDusen: Keineswegs Dr Padmore, was sie für eine
satanische Manifestation halten, bringt mich zum
forschen, zum untersuchen, kommen sie.

Padmore: Wohin.

vanDusen: In den Obduktionsraum, deshalb sind sie
doch hier, wir werden die Obduktion des toten
William Bliss gemeinsam durchführen.

Hatch: So geschah es, wieder senkte sich Stille
über das Leichenschauhaus, gelegentlich drangen
makabere Geräusche gedämpft aus den unteren
Regionen, nach einer knappen Stunde erschien der
Prof an der Treppe, zwischen Daumen und
Zeigefinger seiner blutigen rechten Hand hielt er
ein kleines ovales Objekt.

vanDusen: Ein Bleigeschoß und wenn ich nicht irre.

Hatch: Sie doch nicht Prof.

vanDusen: Die Spitze einer Remington Patrone,
Kaliber 22 short.

Pulaski: Ja so eine Patrone hab ich in die Pistole
getan vorhin im Theater.

vanDusen: Apropos wo befindet sich die von Miss
Pulaski geladene und abgefeuerte Waffe.

Caruso: Hier Prof die Tatwaffe, Beweisstück a
polizeilich eingezogen und sichergestellt.

vanDusen: So und wo befindet sich die zweite.

Caruso: Die was.

vanDusen: Miss Pulaski hatte die Wahl zwischen
zwei typgleichen Scheibenpistolen, ich frage sie
Caruso, wo befindet sich die zweite Pistole.

Caruso: Was weiß ich, im Theater wahrscheinlich.

vanDusen: Schicken sie einen ihrer Männer ins
Vanity fair lassen sie das feststellen.

Hatch: Caruso grummelte, aber nur leise und
scheuchte Wachtmeister Malone los, Prof van Dusen
hatte aber noch was auf dem Herzen.

vanDusen: Ein höchst kurioser pathologischer
Tatbestand.

Hatch: Glaub ich ihnen aufs Wort, so wie der arme
Kerl zugerichtet ist.

vanDusen: Davon rede ich nicht, die ins Auge
fallenden Verletzungen der Leiche sind lediglich
oberflächlicher Natur, Nebensache, drum und dran
wie sie sich ausdrücken würden, ich meine etwas
anderes, nach ihren Angaben wurde Bliss gestern
abend gegen 9 Uhr 45 erschossen das heißt vor mehr
als 11 Stunden, nun beginnt die leichenstarre
rigor mortis wie wir Fachleute sagen bekanntlich 5
Stunden nach eintritt des Todes, und weitere 7
Stunden später ihre volle Wirkung zu entfalten,
das bedeutet.

Hatch: Bliss müßte jetzt praktisch durch und durch
steif sein vom Kopf bis zu den Füßen.

vanDusen: Richtig, er müßte, rigor mortis hat
jedoch erst Augenlider und Kiefer erfaßt, ein
wichtiger, ein entscheidender Hinweis.

Hatch: Soll sein Prof.

vanDusen: Ein weiteren, den letzten
bedeutungsvollen Hinweis muß und wird uns das
professionelle Vorleben des Toten liefern, vor 2
Jahren so hat Caruso mich informiert, ist Bliss in
Amerika aufgetaucht und aufgetreten als
Illusionist, Entfesslungskünstler und als
Bankräuber, was hat er vorher getrieben, Miss
Pulaski wissen sie ob Bliss alias Dr Faustus sich
eines Agenten bediente.

Pulaski: Nein Prof, dh. ja ich meine ja ich weiß.

vanDusen: Ja aber.

Pulaski: Nein, er hatte kein Agenten,
Auftrittsverhandlungen hat er immer selbst
geführt, aber warten sie mal, Prof mir fällt was
ein, wer besser gesagt, Prinzessin Pastrami.

vanDusen: Erklären sie sich näher Miss Pulaski.

Pulaski: Prinzessin Pastrami ist eine alte
Artistin, uralt 90 Jahre oder mehr, sie ist im
Zirkus geboren, hat im Zirkus gelebt und weiß
alles über jeden Artisten.

vanDusen: Was sie nicht sagen, und wo pflegen
Hoheit Hof zu halten.

Pulaski: Hier Prof in New York, im fliegenden
Trapez, das ist die Artistenkneipe in der 44.
Straße nicht weit vom vanity fair.

vanDusen: In einem Lokal, auch zu dieser recht
frühen Tageszeit.

Pulaski: Zu jeder Tages- und Nachtzeit Prof.

vanDusen: Danke Miss Pulaski, mein lieber Hatch,
sie werden sich stehenden Fußes in besagte
Lokalität begeben die fragliche Person aufsuchen
und sie über Bliss befragen vor allem wünsche ich
folgendes zu erfahren.

Hatch: was das war wird erst später enthüllt,
schreckliche Angewohnheit ich weiß aber nützlich
für den Spannungsbogen, wie wir Fachleute sagen,
trotz der frühen Stunde war das fliegende Trapez
gut besucht, der Barkeeper zeigte mir Prinzessin
Pastrami, sie saß an einem kleinen Tisch vor einem
großen Glas, eine ganz alte winzige Frau
verschrumpelt zerknittert kontaktfreudig und sehr
gesprächig.

Pastrami: Alles erzähl ich ihnen junger Mann alles
was sie wollen, wenn sie Öl ranschaffen.

Hatch: Öl.

Pastrami: Schmieröl junger Mann für Zunge und
Kehlkopf.

Hatch: Verstehe, was trinken sie.

Pastrami: Gin.

Hatch: Und.

Pastrami: Nichts und, junger Mann, Gin, nur Gin,
solo.

Hatch: Kein Soda.

Pastrami: Wäh krieg ich Blähungen von.

Hatch: Und Wermut.

Pastrami: Macht Kopfschmerzen, junger Mann, Gin
nur Gin.

Hatch: Von mir aus, es war ihr Kopf und ihr Magen,
ich bestellte Gin und sie erzählte.

Pastrami: Bliss, klar kenn ich den, kannte ihn
schon als er noch nicht Bliss hieß.

Hatch: Ach und wie hieß er.

Pastrami: Blissek, Willem Blissek, er ist nämlich
drüben geboren in Europa auf dem Balkan,
Ruritanien, Kravonien, Transylvanien in dem dreh.

Hatch: Transylvanien wo die Vampire hausen.

Pastrami: Keine Ahnung junger Mann, im Zirkus gibs
kein Vampire, und Blissek war beim Zirkus,
Wandercircus, kleine Klitsche.

Hatch: Was er da gemacht.

Pastrami: Was so anlag, junger Mann, angefangen
hat er als Akrobat, dann war er Clown,
Schlangenmensch, Jongleur, schließlich Zauberer,
viel verdient hat er nicht, darum hat er
Nebenjobs, Taschendiebstahl, Einbruch und dabei
haben sie ihn erwischt und Blissek mußte sitzen ja
und als er rauskam ging er übern großen Teich, vor
gut 2 Jahren war das und hier fing er noch mal an
neuer Name neues Programm, Dr Faustus schwarzer
Magier und Entfesslungskünstler ala Houdini, neues
Glück.

Hatch: Na würd ich nicht unbedingt sagen, ja ich
muß gehen.

Pastrami: Bleiben sie sitzen, was wollen sie mit
Bliss, kleiner Fisch, nichts dran lassen sie sich
was erzählen über Prinzessin Pastrami, die große
Pastrami überall bin ich gewesen junger Mann,
altern foss, barnum und baily, alles hab ich
gemacht, Dame ohne unterleib, Dame mit vollbart,
größte Frau der Welt, können sie sich das
vorstellen, junger Mann, zersägte Frau,
Seiltänzerin, Madam Zora mit der magischen
Kristallkugel, als Aushilfe auch mal Elefantenboy.

Hatch: Als ich wieder ins Leichenschauhaus kam war
es 11, ich wurde erwartet, alle saßen sie
aufgereiht im Büro Dolly Caruso mit Gefolge, Dr
Padmore, der Leichenwart der seinen Platz hinter
dem Schreibtisch an van Dusen abgetreten hatte,
dem sagte ich leise was ich im fliegenden Trapez
erfahren hatte, er nickte zufrieden, stand auf hob
die Hand, ich wußte was jetzt kam, die große
Aufklärungsarie, der Fall war gelöst oder.

vanDusen: Selbstverständlich, nehmen sie Platz,
verhalten sie sich bitte ruhig, lassen sie mich
beginnen, meine Herrschaften, heute nacht um 2 Uhr
wurde William Bliss im Kühlraum dieses Hauses
verwahrt, sie Caruso, Wachtmeister Malone nebst
Genossen, mein lieber Hatch, und natürlich auch
sie Miss Pulaski schlossen danach die Tür und
stiegen die Treppe empor, noch während sie dies
taten, geschah im Kühlraum folgendes, die
vermeintliche Leiche.

Caruso: Vermeintlich.

vanDusen: Erhob sich.

Caruso: Der Kerl war tot, Prof, tot wie ein
Türnagel.

vanDusen: Sie irren Caruso, Bliss war nicht tot,
er wirkte lediglich wie ein toter, er hatte sich
vermutlich mittels Autohypnose in ein
selbstinduziertes kataleptisches Koma versetzt.

Caruso: So und was heißt das.

vanDusen: Starrkrampf, Caruso, Scheintod, ein
unter orientalischen Fakiren gebräuchliches
Verfahren welches jedoch auch Illusionisten
unserer breiten nicht gänzlich unbekannt ist.

Pulaski: Aber der Mann ist doch erschossen worden
Prof ich war dabei, ich habs gesehen.

Caruso: Sie habens getan meinen sie.

Pulaski: Jetzt fangen sie nicht wieder damit an.

vanDusen: Ich ersuche sie um Ruhe, natürlich wurde
Bliss nicht erschossen, was sich auf der Bühne des
Vanity fair abspielte war eine Illusion, ein
Trick, bevor sie abdrückten, Miss Pulaski hatte
Bliss die Patrone vertauscht.

Hatch: Die Hand ist schneller als das Auge.

vanDusen: Wie ich höre haben sie bei unserem
letzten Fall gut aufgepaßt, die Kugel die den Lauf
verließ war ein unschädliches Geschoß
möglicherweise eine Kombination von Wismut und
Quecksilber.

Hatch: Na was hab ich gesagt.

vanDusen: Vielleicht aber auch eine schlichte
Wachskugel wie sie der bekannte franz Magier
Robert Houdin bei einem ähnlichen Trick zu
verwenden pflegte, das Blut hat Bliss sich selbst
auf die Brust appliziert aus einem Beutel in der
linken unbeachtet da alle Augen auf die die rechte
die angebliche Kugelfanghand gerichtet waren, wie
gesagt Bliss löste sich im Kühlraum aus seiner
kataleptischen trance, um ungestört zu bleiben
verschloß er zunächst die zur Treppe führende Tür.

Pulaski: Wie denn Prof er hatte doch keinen
Schlüssel.

Caruso: Er hatte überhaupt nichts, nackt war er
splitternackt.

vanDusen: Dennoch trug er ein höchst sinnreiches
Objekt bei sich, ein kleines zusammengelegtes Ein-
und Ausbruchswerkzeug.

Caruso: Und wo Prof.

vanDusen: In seinem Magen, Caruso, er hatte es
verschluckt.

Pulaski: Wie Harry Houdini.

vanDusen: Sein großes Vorbild, ganz recht Miss
Pulaski.

Hatch: Und im Kühlraum hat ers rausgewürgt.

vanDusen: So ist es mein lieber Hatch.

Hatch: Igitt.

vanDusen: Mit eben diesem Werkzeug öffnete Bliss
sodann die Tür zum Obduktionsraum wo in einer der
Schränke und in der Kühlbox das uns bekannte
satanische brimborium für ihn bereitgestellt war,
Becken Blut und Binsenkraut, Schwefel, ferner
gehörnter Kopfschmuck und ein schwarzer Umhang.

Caruso: Bereitgestellt, wann.

vanDusen: Wahrscheinlich schon am freitag abend,
über das Wochenende wird der Obduktionsraum nicht
frequentiert.

Caruso: Und von wem, von Bliss selbst.

Angestellter: Unmöglich hier kommt kein fremder
rein.

vanDusen: Darüber später mehr, im Kühlraum
inszenierte Bliss wie es seinem Plan entsprach das
teuflische tableu welches ihnen und mir später so
krass in die Augen sprang.

Hatch: Und in die Nase.

vanDusen: Auch das, nach Beendigung dieser Arbeit
stieß Bliss einen Schrei aus, begab sich in den
Obduktionsraum, verschloß die die Türe hinter
sich.

Pulaski: Und Prof was machte er dann.

vanDusen: Dann wand er sich durch den
Ventilationsschacht ins freie, ein schwieriges
aber keinesfalls unmögliches Unterfangen für einen
früheren Schlangenmenschen.

Hatch: Aha daher die Vorgeschichte.

Angestellter: Entschuldigen sie Prof aber das geht
nicht, durch das Gitter oben paßt nicht mal ein
Regenwurm.

vanDusen: Die das Gitter haltenden Schrauben waren
selbstverständlich vorher gelöst worden, Bliss zog
sie wieder fest an, einen Schraubenzieher hatte er
wie auch den schwarzen Umhang und Teufelshörner
von unten mitgebracht, mit Blut verschmiertem
Gesicht satanisch gewandet und gehörnt begab er
sich sodann zum vereinbaren Treffpunkt.

Caruso: Augenblick Prof ehe sie hier weiter.

vanDusen: Analysieren.

Caruso: Analysieren phantasieren, ganz egal ehe
sie weiter machen, sagen sie mir eins, wozu hat
Bliss dieses ganze komplizierte Theater
veranstaltet.

vanDusen: Das Motiv meinen sie Caruso, aber kennen
sie doch, Bliss hat sich ein gewaltiges Vermögen
zusammengestohlen, welches er in Zukunft
unbehelligt zu genießen gedachte, sein Ziel war es
mitsamt dem illegal erwoben Reichtum endgültig und
spurlos zu verschwinden, zu diesem Zweck starb er
auf der Bühne vor zahllosen Zeugen, er ließ sich
ins städtische Leichenschauhaus schaffen und hier
holte ihn, wir wissen es der Teufel, die Polizei
sollte sich in abergläubigen Schrecken vergeblich
den Kopf verbrechen.

Hatch: Und das hat sie auch prompt getan nicht
wahr Caruso.

vanDusen: Während Bliss sich auf den Weg nach
Tahiti oder Rio de Janeiro machte mit falschem
Pass und einem Koffer voller Geld, das war der
Plan.

Caruso: Aber Bliss ist nicht unterwegs nach Rio,
Prof er liegt hier im Keller und ist tot wirklich
tot, mausetod oder nicht.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen
Caruso, der Plan ist, um einen Ausdruck meines
Freundes Hatch zu gebrauchen schiefgelaufen, Bliss
ist tot, er starb heute nacht, todeszeit etwa 2
Uhr 30, er wurde erschossen.

Hatch: Mit der zweiten Pistole Prof und einer
echten scharfen Patrone.

vanDusen: Bravo mein lieber Hatch, sie sind ja
heute richtig gut.

Pulaski: Schön für dich Hatchy ich verstehe
überhaupt nichts mehr, und der detective sergeant
guckt auch nicht gerade schlau aus der wäsche.

vanDusen: Ein Wort nur, und auch ihnen Miss
Pulaski, Caruso wird es wie Schuppen von den
geistigen Augen fallen.

Caruso: Ein Wort.

vanDusen: Ein Wort, Komplize.

Caruso: Komplize.

vanDusen: Er hat Bliss getötet als dieser sich
nach seiner artistischen Flucht aus dem Kühlraum
vereinbarungsgemäß bei ihm einstellte, um Kleidung
und Geldkoffer zu übernehmen, weil er sich nicht
mit einem relativ geringen Anteil zufrieden geben
sondern sich die gesamte Beute aneignen wollte,
erschoß er Bliss, verunstaltete ihn der
teuflischen Aura wegen und schaffte ihn versehen
mit dem präparierten Teufelspakt in jenes Gebüsch,
wo Wachtmeister Malone später die Leiche
entdeckte, ich bin am Ende.

Caruso: Sie haben was vergessen, Prof wer ist
dieser Komplize.

Pulaski: Ja Prof wie heißt er.

vanDusen: Ist es ihnen wirklich ernst mit ihren
Fragen.

Ja.

vanDusen: Sie wissen nicht, um wen es sich beim
Komplizen handelt.

Nein.

vanDusen: Denken sie nach, wer unter den
beteiligten Personen ist im Besitz einer
Arbeitsstätte welche sich in unmittelbarer Nähe
des Leichenschauhauses befindet, wer hatte
hinreichend Gelegenheit das Gitter über dem
Ventilationsschacht zu lösen und die satanischen
Requisiten im Obduktionsraum zu deponieren, wer
besaß ferner die Möglichkeit, die zweite Pistole
im Theater zu entwenden und schließlich die
reduzierte Atmung, der minimale Puls, der
Katalepsie vermögen lediglich Laien wie unsere
Miss Pulaski zu täuschen, wer hätte also als
Mediziner die kataleptischen Symptome an Bliss als
das erkennen müssen was sie waren.

Padmore: Was ist, warum sehen sie mich an.

vanDusen: Sie, Dr. Padmore, nur Sie können der
Komplize gewesen sein, sie kannten Bliss seit
geraumer Zeit, wie ich annehme, gemeinsame
Interessen, Fakire und dergleichen, sie haben
gemeinsam mit ihm jenen von mir skizzierten Plan
ausgearbeitet, sie haben mitgespielt und sie haben
ihn zum bösen Schluß um ihre eigene teuflische
Variante erweitert.

Padmore: Spekulation, Prof, Mutmaßungen, sie haben
keine Beweise.

vanDusen: Für handfeste Beweise, werter Dr Padmore
ist die Polizei zuständig, Wachtmeister Malone.

Malone: Herr Prof.

vanDusen: Detektiv Seargent Caruso hat sie ins
Vanity Fair geschickt um nach der 2. Pistole zu
suchen.

Malone: Jawohl Herr Prof ich hab sie aber nicht
gefunden.

vanDusen: Als sie zurückkehrten gab ich ihnen
einen neuen Auftrag, ich schickte sie wohin.

Malone: Ins Bellevuehospital Herr Prof, ins Zimmer
von Dr Padmore.

vanDusen: Zeigen sie uns, was sie dort entdeckt
haben, Wachtmeister.

Malone: Jawohl Herr Prof, eine einschüssige
Scheibenpistole Typ Luna Büchel.

vanDusen: Die zweite Pistole.

Malone: Ein Sofakissen, durchlöchert und
angesengt.

vanDusen: Schalldämpfer.

Malone: Und diesen Koffer, Inhalt Banknoten,
Wertpapiere, Diamanten.

vanDusen: Etcetera, danke Wachtmeister, wünschen
Sie noch weitere Beweise, Dr. Padmore.

Padmore: Luzifer, höre mich, Luzifer mein Herr und
Meister, dein treuer Diener schwebt in großer
Gefahr, hilf mir, erscheine, Luzifer erscheine.

Caruso: Seien sie still.

Hatch: Lassen sie ihn doch, Caruso, soll er rufen
bis er schwarz wird.

Caruso: Aber Mr Hatch, wenn nun wirklich Luzifer.

Hatch: Hier aufkreuzt, machen sie sich nicht ins
Hemd, Caruso, Prof van Dusen treibt jeden Teufel
aus, was Prof.

vanDusen: Mit Vergnügen, mein lieber Hatch, und
mit der magischen Formel des kriminologischen
Exorzisten, welche da lautet, nun.

Hatch: Zwei plus zwei gibt vier.

vanDusen: Immer und überall.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Dolly Pulaski, Tänzerin: Christiane Leuchtmann
William Bliss alias Doctor Faustus, Zauberer:
Jürgen Thormann
Dr. Thomas B. Padmore: Rainer Pigulla
Prinzessin Pastrami, eine alte Artistin: Ruth
Pipho
Wachtmeister Malone: Norbert Schwarz
Schwester im Bellevue-Hospital: Dorothea Hanke
Angestellter im Leichenschauhaus: Klaus Jepsen
Ober bei Delmonico: Heinz Welzel

 Senf Nr. 4004 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.32Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen besucht seine Bank
(RIAS 1991)

Hatch: Und was soll ich Ihnen sagen, Professor,
tote Hose, total tote Hose.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich darf Sie daran
erinnern, daß Sie zu Prof. Dr Dr Dr Augustus van
Dusen sprechen.

Hatch: Wissenschaftler, Amateurkriminologe,
Denkmaschine, als ob ich das nicht wüßte, ich
sitze in Ihrem Salon, Prof, trinke Ihren Whisky,
apropos auf ihr Wohl.

vanDusen: In diesem Falle ersuche ich sie, sich
der ansonsten von ihnen gepflegten vulgären
Ausdrucksweise tunlichst zu enthalten.

Hatch: Vulgär.

vanDusen: Sie erwähnten, wenn ich mich recht
erinnere, ein dahingeschiedenes Beinkleid.

Hatch: Tote Hose, meinen Sie, das ist nur so eine
Redensart, Prof.

vanDusen: Ah so.

Hatch: Ich wollte sagen, es war nichts los,
absolut nichts, kein Mord, keine Brandstiftung,
nicht mal ein mickriger Raubüberfall, ich hätte
mich in den Bauch beißen können, nicht daß es an
mir lag, mein Chefredakteur hatte die grandiose
Idee gehabt, den bekannten und beliebten
Kriminalreporter des Daily NewYorker ins
Hauptquartier der Kripo zu schickten, damit sie
gleich am Ball sind, wenn was passiert, hat er
gesagt, ich wollte gar nicht schon wegen Caruso,
sie wissen ja.

vanDusen: Ich kenne ihre Aversion gegen den
wackeren Detective Sergeant.

Hatch: Meine Aversion, er kann mich nicht leiden.

vanDusen: Nun gut wie dem auch sei, zur Sache, sie
versprachen mir einen Fall.

Hatch: Den sollen sie auch kriegen, wenn es soweit
ist ein, ein gewisser jemand hat mir nämlich
eingebimst nicht einmal sondern tausend mal, wie
ich Bericht erstatten soll, umfassend, detailliert
und von Anfang an.

vanDusen: Präzis und konzentriert auf das
wesentliche, in diesem sinne.

Hatch: Prost Prof auf das wesentliche, also wie
gesagt völlige funkstille bei der new yorker kripo
in der Mulbury Street, Caruso döste hinter seinem
Schreibtisch, möchte wissen, wozu der einen
Schreibtisch braucht, jedenfalls nicht zum
schreiben, das kann er gar nicht,

vanDusen: Hatch.

Hatch: Ja schon gut, ich saß im Vorzimmer herum
und spielte eine runde poker mit Wachtmeister
Donovan, und dann so gegen 9 tauchte diese
verhärmte Frau auf.

Donovan: Ich geh mit und erhöhe auf 2 Dollar.

Moody: Entschuldigen sie meine Herren bin ich hier
wohl richtig.

Donovan: Moment, ich warte Mr Hatch.

Hatch: Passe Donovan.

Moody: Mein Mann ist nicht nachhausegekommen
wissen sie und da dachte ich.

Donovan: Am besten gehen sie gleich durch zu
Detective Sergeant Caruso, die rechte Tür.

Moody: Danke.

Donovan: Na Mr Hatch, auf ein neues.

Hatch: Nein sagte ich, Donovan hatte mir zu viel
Glück, und ich hatte einen Riecher, diese
bedrückte ärmliche Frau, vielleicht brachte sie
den Knüller, auf den ich wartete, ich lehnte mich
an die Wand neben Carusos offene Tür und machte
die Ohren lang.

Caruso: Wo brennts denn gute Frau, setzen sie
sich.

Moody: Mein Mann, Herr Inspektor, mein Calvin, er
ist nicht nach Hause gekommen, gestern abend und
ich mach mir Sorgen.

Caruso: Detective Sergeant, gute Frau nicht
Inspektor, noch nicht.

Moody: Entschuldigen Sie Verzeihung ich versteh ja
nichts von hohen Polizeisachen.

Caruso: Schon gut also Ihr Mann ist
abhandengekommen, wissen sie gute Frau das ist
nichts besonders das kommt immer wieder vor.

Moody: Aber nicht bei meinem Calvin, Herr
Wachtmeister.

Caruso: Detective Sergeant immer korrekt nicht
wahr gute Frau.

Moody: Verzeihung ich bin ganz durcheinander, mein
Calvin ist immer pünktlich nach Hause gekommen
jeden abend wenn sein Dienst zu Ende ist.

Caruso: Dienst was für Dienst gute Frau.

Moody: Mein Calvin ist bei der Bank von New York
angestellt als Bote seit 20 Jahren, Herr
Polizeipräsident.

Caruso: Detective Sergeant gute Frau.

Moody: Hat sich nie was zuschulden kommen lassen,
immer ehrlich, immer fleißig, immer
gottesfürchtig, und immer pünktlich zu hause.

Caruso: Kein kleiner Abstecher in die Kneipe.

Moody: Niemals Herr Superintendent, um halb 6 war
er zuhause immer, das heißt gestern natürlich
nicht, das ging ja nicht, weil mein Calvin nach
dem Dienst erst zu diesem Rechtsanwalt mußte wegen
der Erbschaft wissen sie.

Caruso: Weiß ich nicht gute Frau.

Hatch: Die gute Frau erzählte sehr umständlich
eine seltsame Geschichte, zwei Tage vorher war ein
Brief gekommen von einem Anwalt für ihren Mann,
darin stand, der gottesfürchtige Calvin sei der
Erbe eines beträchtlichen Vermögens, er möge
baldmöglichst mal reinschauen, hochachtungsvoll
usw.

vanDusen: Hatte die Frau den Brief bei sich.

Hatch: Nein Prof, den hatte der Mann eingesteckt,
darum konnte sie Caruso auch nicht sagen wie der
Anwalt hieß und wo er seine Kanzlei hatte.

Moody: In Manhattan hat Calvin gesagt, nicht weit
von seiner Bank und deshalb ist er gleich am
nächsten Tag hingegangen, das heißt gestern nach
dem Dienst.

Caruso: Alles klar, gute Frau, ihr Calvin hat sein
Glück ein bißchen begoßen, und dabei ist er
versumpft, versackt.

Moody: Mein Calvin tut so was nicht, Herr Capitän.

Caruso: Sagen sie mal gute Frau haben sie denn
nicht heute früh bei der Bank von New York
angefragt ob ihr Mann zum Dienst erschienen ist.

Moody: Nein, Herr Hauptabteilungsleiter ich hab
mich nicht getraut, und dann war ich auch so
durcheinander.

Caruso: Na dann wollen wir das mal für sie
erledigen, sie wissen doch die polizei dein Freund
und Helfer, wie heißt ihr Mann.

Hatch: Caruso ließ sich mit der Bank verbinden,
und fragte ob Calvin Moody am morgen seinen Dienst
angetreten hatte.

vanDusen: Und.

Hatch: Er hatte, pünktlich um 8 wie immer.

Caruso: Aha, kann ich ihn mal sprechen, verstehe,
wann kommt er zurück, nein machen sie sich keine
Sorgen, gar nichts ist vorgefallen, ich wollte nur
seine Frau beruhigen, aufwiederhören, also gute
Frau alles in bester Ordnung, ihr Mann ist gerade
für die Bank unterwegs, gehen sie nach hause, heut
abend wird er auftauchen, reumütig und mit
schlechtem Gewissen.

Moody: Wenn sie meinen Herr Oberpolizist.

Caruso: Detective Sergeant, Mrs Moody seien sie
nicht so streng mit ihm, Donovan nehmen sie die
Personalien auf, für alle fälle.

Hatch: Margarete Moody, wohnhaft in Brooklyn
Concert Street nicht weit von der Brücke und dahin
machte sie sich jetzt wieder auf die Strümpfe,
zögernd und unsicher, Caruso mit all seinem
plattfüßigen Charme hatte sie anscheinend nicht
überzeugen können, ich dachte so bei mir
Fehlanzeige, kein Knüller.

vanDusen: Sehr richtig, auch ich vermag dieser
banalen Angelegenheit keinerlei kriminologisches
Interesse abzugewinnen.

Hatch: Geduld, nur ein paar Sekunden geduld, ich
verlor noch ein paar Dollar an Wachtmeister
Donovan und dann Prof dann gings los, Carusos
Telefon klingelte und ich bezog wieder meinen
Horchposten.

Caruso: Kriminalpolizei New York, Detective
Sergeant Caruso am Apparat, die Bank von NewYork,
ja ich hab sie angerufen, eine viertel stunde
ungefähr, genau wegen ihres Boten Calvin Moody,
oder wie der Mann heißt was ist mit ihm,
verschwunden, moment immer mit der ruhe, eins nach
dem anderen, wer hat bei ihnen angerufen, die
paritätische Lebensversicherung in der Nassau
Street ach so und wann hätte der Bote da
auftauchen müssen, viertel vor 9, so aber er ist
nicht aufgetaucht, ja ich weiß wie spät es ist,
kurz vor halb zehn, merkwürdig hatte er Geld bei
sich, wieviel 300 Dollar, 300 000 donnerwetter,
klarer fall, ihr Bote ist mit ihrem Geld
abgehauen, durchgegangen, getürmt, das glauben sie
nicht, jaja das sagt seine Frau auch, aber wenn so
ein Tugendbold mal ausrastet, gut wir kommen
sofort, Donovan die Polizeidroschke soll
vorfahren, dalli, ach du lieber gott.

Hatch: Sie übertreiben Caruso, ich bins bloß.

Caruso: Was tun sie hier, Mr Hatch haben sie nicht
Hausverbot.

Hatch: Das wollen wir doch nicht so eng sehen
Caruso.

Caruso: Da gehts raus Mr Hatch, ich kann mich
sowieso nicht mit ihnen abgeben, ich muß sofort
weg, ein wichtiger Fall.

Hatch: Bei der Bank von Newyork ich weiß Bankbote
verschwindet mit 300000 Dollar kleine schlechte
Schlagzeile, wissen sie was Caruso, ich glaube ich
komme mit.

Caruso: Ich glaub nicht, Mr Hatch, für sie ist
kein Platz in der Polizeidroschke.

Hatch: Wer redet denn von ihrem klapprigen
Dienstvehikel, Hutchinson Hatch fährt erster
Klasse im eigenen Automobil, und mein Winton Sport
steht direkt vor der Tür, wir sehen uns Caruso, in
ein paar Minuten.

Caruso: Vielleicht fällt ihnen ja ein Ziegel auf
den Kopf Mr Hatch oder sie fahren gegen einen
Baum.

Hatch: Er gibt die Hoffnung nicht auf, unser
lieber Caruso, um so saurer war er als er eine
gute halbe Stunde später mit Donovan in der Bank
von New York aufkreuzte.

Hatch: Ich bin schon hier Caruso, darf ich ihnen
den Chefkassierer der Bank vorstellen, Mr Charles
Everett.

Caruso: Lassen sie diesen.

Hatch: Sympathischen Herrn.

Caruso: Diesen Journalisten sofort vor die Tür
setzen, Mr Everett.

Hatch: Warum Caruso.

Caruso: Weil er die Arbeit der Polizei behindert,
darum.

Everett: Sie habens gehört, Mr Hatch, ich bedauer.

Hatch: Augenblick Everett, ich habe ein Konto bei
ihnen.

Everett: Ständig überzogen, Mr Hatch bitte
verlassen sie mein Büro.

Hatch: Dann muß sie sie daran erinnern Evert daß
ich auch einen Vater bei ihnen habe, Hutchinson
Hatch senior der bekannte Multimillionär sitzt im
Aufsichtsrat der Bank von NY also wenn ich sie
wäre Everett würde ich mich nicht rausschmeißen.

Everett: Da ist was dran Mr Hatch.

vanDusen: Sie durften also bleiben.

Hatch: Klar durfte ich, auch wenn Caruso
himmelblau anlief und mit den Beinen strampelte.

Caruso: In der Tat.

Hatch: Bildlich gesprochen, er kriegte sich aber
bald wieder ein und fing an Everett
auszuquetschen, Wachtmeister Donovan schrieb mit
und Hutchinson Hatch junior hörte aufmerksam zu.

Everett: Freitag, meine Herren, darum, heute ist
Freitag.

Hatch: Völlig richtig Everett, nichts gegen zu
sagen, Freitag, der 5. Oktober 1900.

Everett: Der erste Freitag im Oktober.

Caruso: Na und.

Everett: Jeden 1. Freitag im Monat ruft einer
unser Großkunden die paritätische
Lebensversicherungsgesellschaft einen höheren
Betrag vom Konto ab für Gehälter wissen sie für
Barauszahlungen bei Ansprüchen, heute waren es
300000 Dollar in 100 Dollarnoten.

Caruso: Und damit haben sie diesen Calvin Moody
losgeschickt.

Everett: Wie immer Detective Sergeant, weil Moody
unser verläßlichster Bote ist.

Caruso: Haben sie gedacht, wann hat Moody die Bank
mit dem Geld verlassen.

Everett: Pünktlich 8 Uhr 20 wie immer.

Hatch: Und wie läuft es so bei ihnen ab, drücken
sie dem Boten die Mäuse einfach in die Hand oder.

Everett: Mein lieber Mr Hatch, wo denken sie hin,
die Bank von Newyork wickelt den Bargeldtransfer
nach strikten Regeln ab.

Hatch: Erzählen sie uns doch mal wie es heute war.

Caruso: Jawohl Mr Everett berichten sie.

Everett: Gewiß meine Herren, um 8 Uhr trat Moody
seinen Dienst an, wie immer, und wie immer am 1
Freitag im Monat kam er sofort zu mir in dieses
Büro, ich öffnete den Kassenschrank, entnahm ihm
die angeforderte Summe, zählte sie vor Moodys
Augen nach und deponierte sie sodann in der
Geldtasche.

Caruso: Die Tasche, wie sieht sie aus.

Everett: Eine normale Aktentasche aus braunem
Schweinsleder, unauffällig, ich verschloß die
Tasche, mein Kollege bei der paritätischen ist
selbstverständlich auch im Besitz eines
Schlüssels, überreichte sie Moody, und geleitete
ihn zum Tor, wie immer, und Moody ging die
Wallstreet hinunter nach rechts Richtung Nassau
Street, wie immer.

Caruso: Also alles wie immer Mr Everett, nur daß
Moody das Geld diesmal nicht bei der Versicherung
abgeliefert hat.

Everett: Ja ich weiß nicht, irgendetwas war
diesesmal anders, nicht wie üblich.

Hatch: Ach was war anders.

Everett: Moody ja Moody war anders als sonst er
verhielt sich irgendwie ungewöhnlich.

Caruso: Kein Wunder, der Kerl war nervös, hatte
die Hosen voll, unwichtig.

Hatch: Wie verhielt sich Moody, Everett, was tat
er, was sagte er.

Caruso: Augenblick Mr Hatch ich stell die Fragen.

Hatch: Aber sehen sie denn nicht.

Caruso: Ich seh nur daß sie die polizeilichen
Ermittlungen stören, Donovan, wir sind fertig,
zurück zur Mulburystreet, und da leiten sie sofort
die Großfahndung ein.

Hatch: Ich konnte Donovan gerade noch zuflüstern,
er sollte mich über die weitere Entwicklung auf
dem laufenden halten, und ihm 10 Dollar zustecken,
ihre Türglocke.

vanDusen: Jaja, James wird sich darum kümmern,
fahren sie fort.

Hatch: Ja das wars, von der Bank bin ich sofort zu
ihnen gekommen, was sagen sie, ist das ein Fall
für sie, dieser Trottel Caruso ist mal wieder auf
dem total falschen Dampfer.

vanDusen: Herein.

James: Ein Knabe, Herr Prof ein Zeitungsknabe mit
einer Nachricht für Mr Hatch.

Hatch: Ach sicher von Wachtmeister Donovan.

vanDusen: Ja führen sie den Knaben herein James.

James: Sehr wohl Herr Prof.

Hatch: Der Knabe war so 12, 13 Jahre alt, hatte
Sommersprossen, und auf seinen roten Haaren eine
viel zu große Schirmmütze, unter dem Arm hatte er
einen Stapel Zeitungen, den Daily New Yorker wie
ich interessiert feststellte und er hatte nur
Augen für den Prof.

Dick: Ich kenn sie, aus der Zeitung, sie sind Prof
van Dusen, die Denkmaschine, der größte Detektiv
der Welt.

vanDusen: Kriminologe, mein lieber junger Freund,
Amateurkriminologe.

Dick: Klar Amateurkriminologe, ich weiß bescheid,
ich hab alles über sie gelesen.

Hatch: Na wunderbar und ich habs geschrieben, ich
bin Mr Hatch.

Dick: Ich kenn den Leichenräuberfall ganz genau
und den Mafiamord und ihre Abenteuer in Alaska,
und ihre Flucht aus der Todeszelle.

vanDusen: Soso.

Dick: Ungeheuer, Prof ganz toll sie sind der
größte, der allergrößte.

Hatch: So und jetzt kommst du netterweise mal
wieder runter von der Wolke, du hast eine
Nachricht für mich.

Dick: Hab ich, hier den Zettel soll ich ihnen
geben, Moment ich kriege einen Dollar hat der
Wachtmeister gesagt.

Hatch: Sehr großzügig mit meinem Geld, von mir
aus, hier, Pottergebäude Büro E12, was soll das.

Hatch: Donovan hats mir später erklärt, mit der
Mittagspost wie immer kam bei der Bank von New
York ein anonymer Brief an, zwei Zeilen, sie
finden Calvin Moody im Pottergebäude Büro E12,
Evert rief sofort Caruso an, Caruso brach sofort
mit Donovan auf, Donovan wußte daß ich bei van
Dusen war, telefonieren konnte er nicht mehr, er
schrieb die Adresse schnell auf einen Zettel und
den gab er dem Zeitungsjungen der in der Mulberry
Street den Daily Newyorker verkaufte.

vanDusen: Es geht weiter, mein lieber Hatch, auf
zum Pottergebäude.

Dick: Ein Fall Prof, kann ich mitkommen.

Hatch: Untersteh dich.

Dick: Brauchen sie nicht einen Assistenten, ich
mein einen richtigen, einer der mitdenkt.

Hatch: Vorsicht junger Mann übernimm dich nicht.

vanDusen: Sie haben ihr Automobil zur Hand mein
lieber Hatch.

Hatch: Wir fuhren durch die 35 Straße, dann den
Broadway runter, viel Verkehr wie immer,
Automobile, Pferdedroschken, Fußgänger, Radfahrer,
ein Radfahrer fiel mir auf, er klebte an meinem
Hinterrad, egal wie schnell ich fuhr, Schirmmütze,
rote Haare, Zeitungen auf dem Gepäckträger.

Hatch: Ihr Verehrer, Prof läßt nicht locker, das
Kerlchen, hör auf uns nachzufahren, verzieh dich,
verkauf deine Zeitungen, heb Stecknadeln auf, sei
emsig und sparsam, du willst doch Millionär
werden.

Dick: Nein, ich will Detektiv werden, Kriminologe
meine ich.

vanDusen: Sieh an, so wie ich mein lieber junger
Freund.

Dick: Oh nein Prof das geht nicht, sie sind
einmalig, aber ich will von ihnen lernen,
vielleicht werde ich dann eines Tages ein bißchen
wie sie.

Hatch: Hau ab du störst.

vanDusen: Nein mein lieber Hatch warum so
abweisend, lassen sie den jungen Mann gewähren, er
ist strebsam, respektvoll, und weiß seine Worte
wohl zu setzen.

Hatch: Sie meinen er kriecht ihnen.

vanDusen: Hatch.

Dick: Hurra, hurra für Prof van Dusen.

Hatch: Das Pottergebäude steht an der Park Row
zwischen Beekman und Nassau Street, ein Hochhaus,
11 Stockwerke, 4 Fahrstühle, 200 Büros, Büros für
Kaufleute, Anwälte, Makler,
Versicherungsvertreter, hier herrscht ständiges
kommen und gehen, hier kennt keiner den andern,
Büro E12 lag im 5. Stock, wir nahmen den Lift,
stiegen aus, sahen uns um.

Dick: Hier gehts lang Prof, kommen sie.

Hatch: Sag mal du Rübe wie heißt du eigentlich.

Dick: Tracy, Richard Livingston Tracy.

Hatch: Gewaltig.

Dick: Sie dürfen Dick zu mir sagen, Prof.

Hatch: Zu gütig.

Dick: Sie nicht Mr Hatch.

Hatch: Was.

Dick: Für sie bin ich Mr Tracy, sie sind kein
Genie Mr Hatch sie sind bloß ein Kollege.

Hatch: Ach was.

Dick: Sie sind bei der Zeitung, ich bin bei der
Zeitung.

Hatch: Du bist ein Scherzkeks, Dick Tracy.

Caruso: Öffnen sie.

Hatch: Wir waren da, E12 stand über der Tür,
darunter klebte ein Pappschild mit der Aufschrift
Robert Macintosh RA, vor der Tür strapazierten die
Herren Caruso und Donovan Fäuste und Stimmbänder.

Caruso: Ich fordere sie zum letzten mal auf,
machen sie die Tür auf polizei.

vanDusen: Ruhe, haben sie die Güte ihr nutzloses
Spektakel einzustellen meine Herren.

Donovan: Prof van Dusen.

Caruso: Und Mr Hatch, schon wieder.

Hatch: Wie er sich freut, der liebe Caruso,
rührend.

Donovan: Da stöhnt was Detective Sergeant, da
drin.

Caruso: Was sie haben recht Donovan kommen sie wir
brechen die Tür auf zugleich, au.

Dick: Quatsch schade um die Tür, das geht auch
anders.

Caruso: Wer ist denn das, haben sie sich einen
zweiten Hatch zugelegt.

Dick: Ich bin der neue Assistent von Prof van
Dusen.

Hatch: Bist du nicht, der neue Laufbursche
bestenfalls.

Dick: Und sie sind nur der Chauffeur, Mr Hatch.

Hatch: Werd nicht frech.

vanDusen: Mein lieber Hatch, mein lieber junger
Freund, ich muß doch bitten, ja unterlassen sie
gefälligst ihre kleinliche Streiterei, es gilt
einen Fall zu lösen, Dick.

Dick: Prof.

vanDusen: Wenn ich recht gesehen habe und dies
dürfte wohl außer Zweifel stehen, befindet sich
das Büro des Hausverwalters im Erdgeschoß,
unmittelbar neben dem Haupteingang.

Dick: Hab schon kapiert, Prof bin gleich wieder
da.

Hatch: 5 min später kam er zurück, im Schlepptau
eine spitznasige bekneiferte Lady unbestimmten
alters, Mrs Biggot von der Verwaltung des
Pottergebäudes, ihr Hauptschlüssel öffnete uns die
Tür zum Büro E12, ein großer heller Raum, rechts
ein Wandschrank, links ein Waschbecken, in der
Mitte ein Schreibtisch und zwei Sessel, auf dem
Schreibtisch eine offene Champagnerflasche und
zwei Gläser, auf einem der Sessel ein Mann, der
stöhne, blinzelte und versuchte sich aufzurichten,
offensichtlich kam er gerade zu sich.

Caruso: Sie da, wer sind sie.

Moody: Was, was ist los, wer sind sie.

Caruso: Kriminalpolizei was tun sie hier, wie
heißen sie.

Moody: Moody, Calvin Moody.

Caruso: Aha, wo haben sie das Geld.

Moody: Geld, was für Geld.

Caruso: Die 300000 Dollar von der Bank.

Moody: Ich, ich weiß nicht, was sie meinen.

Caruso: Ach und wo ist ihre Geldtasche.

Moody: In der Bank natürlich.

Caruso: So meinen sie, Donovan.

Donovan: Sir.

Caruso: Durchsuchen.

Donovan: Das Büro hier.

Caruso: Was denn sonst, aber gründlich.

Donovan: Jawohl Sir.

Caruso: Waren sie heute morgen in der Bank von New
York.

Donovan: Ich Sir.

Caruso: Sie doch nicht Donovan, Moody mein ich.

Moody: Heute, was ist heute.

Dick: Freitag, Freitag der 5 Oktober.

Moody: Wirklich.

Caruso: Also was ist Moody waren sie heute in der
Bank.

Moody: Nein, heute nicht.

Caruso: Bestimmt nicht.

Moody: Nein bestimmt nicht, wie spät ist es.

Hatch: Während Caruso sich mit dem dösigen Moody
beschäftigte, wanderte van Dusen im Raum herum,
scheinbar ziellos und geistesabwesend wie es so
seine art ist, er hielt die noch recht volle
Flasche gegen das Licht, sah sich die beiden
Gläser an, das volle und das leere, schnüffelte am
Waschbecken, unterdessen wurde Moody allmählich
klarer, er erzähle wie er hier hereingekommen war,
und was er erzählte entsprach haargenau dem, was
seine Frau am morgen ausgesagt hat.

Caruso: Haben sie diesen Brief bei sich.

Moody: Oh ja detective sergeant, ich hatte ihn
eingesteckt gestern, nicht da, der Brief ist nicht
da, er muß ihn mir weggenommen haben.

Caruso: Also nochmal Moody, sie haben dieses Büro
gestern abend betreten.

Moody: Baldmöglichst, das stand in dem Brief wegen
der Erbschaft, RA Robert Mcintosch, Pottergebäude,
Büro E12.

Caruso: Wann genau.

Moody: Warten sie mal, Dienstschluß ist um 5, ich
bin zu Fuß gegangen ist ja nicht weit, halb sechs
würde ich sagen.

Caruso: So und was geschah dann.

Moody: Ja ich klopfte, trat ein, sagte meinen
Namen und da holte Mr Mackintosh gleich eine
Flasche aus dem Schrank, sie sind ein Glückspilz,
Mr Moody hat er gesagt, das muß gefeiert werden,
ich wollte nicht, ich nehme niemals Alkohol zu mir
mit gottes hilfe.

Hatch: Ein Fehler, mein lieber Moody.

Moody: Aber Mr Mcintosh war so beharrlich daß ich
schließlich doch ein Glas austrank und dann wurde
mir plötzlich ganz komisch, mehr weiß ich nicht.

Hatch: Sagen sie mal Prof, wollen sie den ganzen
Fall Caruso überlassen, fragen sie doch auch mal
was.

vanDusen: Warum nicht, pflegen sie einen Hut zu
tragen, Moody.

Moody: Selbstverständlich trage ich einen Hut, die
Bank von Newyork besteht darauf daß ihre
Angestellten korrekt gekleidet sind.

vanDusen: Lobenswert, wo befindet sich ihr Hut.

Moody: Ich weiß es nicht, ich hatte ihn abgelegt,
er ist nicht da, vielleicht hat Mcintosh ihn
mitgenommen.

Caruso: Der Hut ist nicht da, na und, das Geld ist
nicht da, das ist wichtig und die Tasche Donovan.

Donovan: Ist auch nicht da, Sir.

Caruso: Aha dann wollen wir mal wieder Donovan,
sie kommen mit, Moody sie sind vorläufig
festgenommen bis der Fall geklärt ist.

Moody: Aber wieso denn Detective Sergeant, ich hab
nichts getan mit gottes hilfe.

Caruso: Wird sich rausstellen, Moody.

Hatch: Der Prof ging noch nicht, er hatte ein paar
Fragen, an Mrs Biggot.

vanDusen: Mrs Biggot, haben sie RA Mckintosh dies
Büro vermietet.

Biggot: So ist es, Prof.

vanDusen: Wann.

Biggot: Vor etwa vier Wochen, ich kann unten
nachsehen wenn sie das genaue Datum brauchen.

vanDusen: Erinnern sie sich noch wie er aussah,
Miss Bigott.

Biggot: Macintosh, mittelgroß stämmig, unauffällig
um die 50.

vanDusen: Statur und Alter wie sagen wir Mr Moody.

Biggot: Ganz genau Prof aber Mckintosh trug einen
Schnurrbart und eine Brille.

vanDusen: Hat er Referenzen vorgelegt.

Biggot: Nicht direkt, er hat für ein viertel Jahr
im voraus bezahlt.

vanDusen: So, noch eine Frage Mrs Biggot.

Hatch: Worum es dabei ging, meine Damen und
Herren, das werden sie später erfahren, jetzt
folgen sie uns bitte in die Wallstreet. Van Dusen
wollte die Bank von New York besuchen, eine kurze
fahrt durch die Nassau Street, Dick Tracy war
wieder dabei, diesmal direkt auf dem hinteren
Klappsitz meines Winton, aber nicht mal das konnte
mir die Laune verderben.

Hatch: Ich bewundere ihre Zurückhaltung Prof,
sieht ihnen gar nicht ähnlich oder sind sie ganz
besonders raffiniert um nicht zu sagen
hinterhältig.

Dick: Reden sie nicht so rotzig über Prof van
Dusen.

Hatch: Ruhe da hinten auf den billigen Plätzen.

vanDusen: Wie darf ich das verstehen, mein lieber
Hatch.

Hatch: Daß sie Caruso diesen Dämlack in sein
Unglück rennen lassen und keinen Finger rühren um
ihn zu retten, das steht doch mal fest, Caruso
bellt am falschen Baum, Moody hat die 300000
Dollar nicht geklaut.

vanDusen: Glauben sie.

Hatch: Der Fall ist klar, der Täter ist RA
Macintosh, nur daß er kein RA ist und Mcintosh
heißt er wahrscheinlich auch nicht, mit dem Brief
hat er Moody ins Pottergebäude gelockt, und aus
dem Weg geschafft, er hat ihn betäubt, hat heute
morgen in der Bank seine Stelle eingenommen,
verkleidet natürlich und dann ist er mit dem Geld
getürmt, clever gemacht, ich seh schon die
Schlagzeile, morgen im Daily New Yorker, ein
kühnes Gangsterstück.

vanDusen: Eine kühne Theorie, bravo mein lieber
Hatch.

Hatch: Ach wissen sie Prof 2einhalb jahre vandusen
Assistent, da bleibt was hängen.

Dick: Haha.

Hatch: Ruhe.

vanDusen: Durchaus möglich und wie steht es mit
ihren Beweisen.

Hatch: Kein Problem, erstens ist Moody betäubt
worden und gesternabend nicht nach Hause gekommen
und zweitens hat er sich heute früh in der Bank
irgendwie seltsam aufgeführt, sagt Chefkassier
Everett, paßt doch alles zusammen oder was meinen
sie.

vanDusen: Nur dies, zwei plus zwei gibt vier.

Dick: Immer und überall, merken sie sich das.

Hatch: Misch du dich nicht ein, Dick.

Dick: Mr Tracy.

Hatch: Das möchtest du wohl, du halbe Hose.

Dick: Mr Hatch.

Hatch: Sagen sie doch mal klipp und klar Prof
glauben sie daß sie stimmt meine Theorie.

vanDusen: Das wird sich herausstellen, wie unser
Freund Caruso so richtig sagt, wir sind angelangt.

Hatch: Eifersüchtig wenn sie mich fragen,
knitschig, weil ich vor ihm durchs Ziel gegangen
bin, das kann er partout nicht vertragen der große
Mann, in der Bank stand Chefkassierer Everett
bereitwillig rede und antwort, schließlich hat er
ein Namen van Dusen meine ich und ein gar nicht so
kleines Konto bei der Bank von ny.

vanDusen: Nach ihrer Aussage Mr Evert hat sich der
Bankbote Calvin Moody heute morgen ungewöhnlich
anders als sonst verhalten.

Everett: Ja Prof das hab ich gesagt aber Detective
Sergeant Caruso war nicht interessiert,
wahrscheinlich ist es nicht von belang.

vanDusen: Nun Mr Everett vor ihnen steht nicht
Detective Sergeant Caruso sondern.

Dick: Prof DrDrDr Augustus van Dusen, die
Denkmaschine, der größte Detektiv,
Amateurkriminologe der Welt, trara hoch soll er
leben.

vanDusen: Ja schon gut, schon gut, mein lieber
junger Freund, ob ihre Aussagen von belang sind
oder nicht, Mr Everett, dies zu beurteilen
überlassen sie bitte mir, inwiefern verhielt Moody
sich ungewöhnlich.

Hatch: Er wirkte gedrückt und ängstlich, sagte
Everett, er bewegte sich zaghaft, und redete
weniger als sonst, und was er sagte war schlecht
zu verstehen, er hielt sich nämlich ein
Taschentuch vor Mund und Nase.

Everett: Weil stark erkältet war, sagte er.

vanDusen: Recht aufschlußreich.

Everett: Da fällt mir was ein, als ich Moody gute
Besserung wünschte, wissen sie, was er mir
antwortete, danke Mr Everett.

Hatch: Ja und, das ist doch nur höflich und völlig
normal.

Everett: Nicht für Moody, sehen sie, Moody ist
dafür bekannt, daß er wo es sich nur irgend machen
läßt eine ganz bestimmte Redewendung anbringt.

vanDusen: Mit gottes hilfe.

Everett: Genau, aus diesem Grund nennen ihn seine
Kollegen auch Gotthilf Moody, auf meine
Genesungswünsche hätte er unbedingt antworten
müssen mit gottes hilfe.

Dick: Hat er aber nicht.

Everett: Nein, seltsam, und als ich ihn etwas
später am Tor verabschiedete mit kommen sie heil
zurück, wie immer, da hat er es auch nicht gesagt.

vanDusen: Sehr aufschlußreich.

Everett: Er hat überhaupt nichts gesagt, er hat
sich umgedreht, so abrupt, daß er den Torpfosten
gestreift hat, und er hat nicht gemerkt, daß er
sich dabei einen Knopf abgerissen hat, unten am
rechten Jackenärmel, ich konnte ihn nicht mehr
drauf aufmerksam machen, weil er so schnell im
Straßengewühl verschwand.

vanDusen: Aufschlußreich, sind sie noch im Besitz
des fraglichen Knopfes.

Everett: Sicher, bei der Bank von New York kommt
nichts weg, hier ist er.

vanDusen: Überlassen sie ihn mir, danke, wie war
Moody gekleidet.

Everett: Heute morgen, wie immer, im Dienst trägt
Moody stets denselben braunen Anzug.

Hatch: Richtig, eben im Pottergebäude hat er ihn
auch angehabt.

vanDusen: Höchst aufschlußreich, welchen Hut
pflegt Moody zu tragen.

Everett: Einen schwarzen Bowler, die Bank kann
ihre Boten doch nicht wie Landstreicher
herumlaufen lassen.

Hatch: Mehr wollte van Dusen nicht wissen, unsere
kriminologische Karawane zog weiter aus der engen
Häuserschlucht der Wallstreet zurück nach Norden
in die 35. Straße zum Haus des Prof.

Butler: Wenn Herr Prof gestatten.

vanDusen: Ja James was gibt es.

Butler: Während ihrer Abwesenheit ist ein
telefonischer Anruf für sie eingegangen, vor einer
viertel Stunde von Detective Sergeant Caruso.

vanDusen: Was wollte er.

Butler: Ein Rechtsanwalt Robert Mackintosh sei der
hiesigen Anwaltskammer vollständig unbekannt, soll
ich ihnen ausrichten.

Hatch: Na bitte, hab ich mir doch gleich gedacht.

vanDusen: Danke James, sie können gehen.

Butler: Sehr wohl, Herr Prof.

Hatch: Lassen sie die Tür offen, James, ich komme
gleich mit.

Butler: Bitte Mr. Hatch.

vanDusen: Was haben sie vor, mein lieber Hatch.

Hatch: Lunchzeit Prof, ich habe Hunger.

Dick: Ein kriminologischer Assistent hat niemals
Hunger, Mr Hatch.

Hatch: Halt dich raus Dick, du kannst von mir aus
machen, was du willst, ich geh was essen.

vanDusen: Wenn es denn unbedingt sein muß, doch
versäumen sie keinesfalls sich pünktlich um 16 Uhr
im Pottergebäude einzustellen, Büro E12.

Hatch: Wozu.

vanDusen: Um Zeuge der Aufklärung des Falls Moody
zu werden.

Hatch: Wenn es denn unbedingt sein muß, aber
eigentlich weiß ich schon alles.

vanDusen: Sind sie sicher mein lieber Hatch.

Hatch: Van Dusen rief und alle die er rief, kamen
ins Pottergebäude, Caruso und Donovan mit ihrem
Opfer Moody, Mrs Moody, Chefkassierer Everett,
Miss Bigott von der Hausverwaltung, ich natürlich
und leider auch Dick Tracy, der unausstehliche, 8
Figuren ohne den Prof, Verdächtige, Beteiligte,
Publikum, vor allem Publikum, vor leerem Haus
tritt er nicht auf, der große Kriminologe, für
seine Kunststücke braucht er den Beifall der
Menge.

Dick: Super der Prof.

vanDusen: Bitte mein Herrschaften, ich fahre fort,
als ich heute um die Mittagszeit diesen Raum
betrat.

Biggot: Büro E12, es steht übrigens zur zeit leer
wenn ich das hier mal kurz anbringen darf,
günstige Miete, alle modernen Annehmlichkeiten.

vanDusen: Bitte mich nicht zu unterbrechen, Miss
Bigott, als ich diesen Raum betrat, erwachte
Calvin Moody soeben aus tiefster Betäubung, so
hatte es den Anschein, wie ich mich sowohl durch
den Augenschein, als auch durch eine mittels
meines rechten Zeigefingers vorgenommene
Geschmacksprobe überzeugen konnte, enthielt die
nur zu einem kleinen Teil geleerte Flasche
Champagner, ein Produkt der Firma wirtkingole in
der Tat ein Betäubungsmittel, ein Opiumderivat,
höchstwahrscheinlich C17H19NO3, das heißt morphin
oder auch morphium, nun führt morphium bei
benutzung ua zu kontraktierten Pupillen, Moody
wies jedoch normal geweitete Pupillen auf, ferner
roch er nicht wie zu erwarten nach Champagner,
vielmehr nach Kleister, nach Champagner roch
hingegen der Ausguß des Waschbeckens, das
bedeutet, der in der Flasche fehlende Inhalt eines
Glases wurde nicht wie wir annehmen sollten von
Moody konsumiert, sondern.

Dick: Weggekippt, Prof ausgeschüttet.

vanDusen: Sehr richtig mein lieber junger Freund.

Moody: Mein Kevin trinkt nicht, das hab ich ihnen
doch gesagt.

Moody: Halts Maul Meggy.

vanDusen: Der nächste Punkt war Moodys Auftritt in
der Bank am morgen, dabei legte der Prof
erstaunlicherweise besonderen Nachdruck auf die
tatsache daß Moody seine sonst übliche Redewendung
mit gottes hilfe kein einziges mal benutzt hatte.

Hatch: Na und Prof das konnte er auch gar nicht,
weil er eben nicht Moody war sondern jemand der
nur so tat also ob.

vanDusen: Gerade ein falscher Moody mein lieber
Hatch hätte sich mit ganz speziellem Eifer darum
bemüht, wie Moody zu wirken, daß er es nicht tat,
daß er die weithin bekannte typische Redensart
Moody nicht verwendete, läßt nur einen Schluß zu,
der Mann der heute morgen als Moody die Bank von
New York bestahl wollte daraufhinweisen, nicht auf
überdeutliche wohl aber auf subtil unverkennbare
Art, er sei nicht der echte Moody, und dies gibt
nur dann Sinn wenn es sich bei ihm doch um den
echten Moody handelte, um den echten, der so tat
als sei er der falsche, als spiele er lediglich
die Rolle des echten.

Caruso: Moment, Prof der echte Moody ist falsch
und der falsche tut nur so oder wie oder was,
jetzt seh ich überhaupt nicht mehr durch.

Hatch: So leid es mir tut, Caruso mir geht es
genauso wie ihnen.

vanDusen: Noch einige Minuten Geduld, dann wird
auch ihnen ein Licht aufgehen.

Dick: Ich weiß jetzt schon was los ist Prof.

vanDusen: Davon bin ich überzeugt, mein lieber
junger Freund, der Mann in der Bank trug einen
brauen Anzug.

Everett: Wie immer Prof.

vanDusen: Ganz recht, Mr Everett und als Moody
heute mittag in diesem Büro aufgefunden wurde trug
er ebenfalls einen brauen Anzug.

Caruso: Er trägt ihn noch, Prof.

Hatch: Denselben.

vanDusen: Glauben sie mein lieber Hatch.

Hatch: Nein, das geht ja nicht, wenn der
angebliche Mcintosh Moody den Anzug abgenommen
hätte, um ihn selbst anzuziehen und so in der Bank
aufzukreuzen dann hätte Moody vorhin nur
Unterhosen tragen dürfen.

Bigott: Pfui Mr Hatch.

Hatch: Na ist doch so.

vanDusen: Und was schließen sie daraus, mein
lieber Hatch.

Hatch: Der Gangster hat Moody und die Bank
natürlich vor seinem coup ausgiebig studiert und
dann hat er sich den gleichen Anzug gekauft, bei
Russ oder Macys von der Stange.

vanDusen: Obwohl es für ihn sehr viel einfacher
gewesen wäre sein betäubtes Opfer zu entkleiden,
doch wie dem auch sei, ihre Annahme so plausibel
sie ihnen erscheinen mag, trifft nicht zu, der
Mann in der Bank trug nicht einen ähnlichen oder
den gleichen Anzug, er trug denselben Anzug
welchen sie hier an Moody bewundern können.

Moody: Unsinn, woher wollen sie das wissen, ein
Anzug sieht aus wie der andre.

vanDusen: Nicht ganz Moody, der Mann in der Bank
verlor ohne es zu bemerken, einen Knopf seines
Anzugs, hier ist der Knopf, und hier, hier an
ihrem rechten Ärmel Moody ist die Stelle an dem er
saß, der Rest des Fadens ist deutlich wahrnehmbar,
im Falle Moody gibt es also nur einen braunen
Anzug, nicht zwei Anzüge und dasselbe gilt cum
grano salis für den echten und den falschen Moody,
wir haben es nicht mit einem Opfer und einem Täter
zu tun, nicht mit Moody und Anwalt Mcintosh, wir
haben es nicht mit zwei Personen zu tun, sondern
mit einer einzigen, der Verbrecher welcher mittels
einer elaborierten Scharade der Bank von New York
300000 Dollar entwendete, heißt Calvin Moody.

Hatch: Auf diesen Paukenschlag folgte in typischer
van Dusen Manier die Rekonstruktion des
Verbrechens, der Prof begann mit den
Vorbereitungen des Täters, wie er von einem Monat
ein Büro im Pottergebäude mietete, verkleidet als
RA Mckintosh, wie er kurz vor der Tat zwei Briefe
schrieb.

vanDusen: Den ersten als Mcintosh an sich selbst,
dh. an Calvin Moody, den zweiten anonym an die
Bank von NY, letzten gab er bewußt so spät auf,
daß er erst heute mit der Mittagspost zugestellt
wurde um 11 Uhr 30 wie ihm wohlbekannt war,
gestern abend nach Dienstschluß begab Moody sich
ins Pottergebäude, wo er die nacht verbrachte,
heute morgen suchte er wie immer seine
Arbeitsstelle, die Bank von ny auf, dabei gab er
sich Mühe, anders als üblich zu erscheinen,
allerdings auf so behutsame Weise, daß die Ansicht
er sei nicht Moody gewesen, sondern ein Verbrecher
in Moodys Maske sich erst später bilden konnte, Mr
Everett durfte keinen Verdacht schöpfen, und das
tat er auch nicht, er übergab Moody die für die
paritätische Lebensversicherungsgesellschaft
bestimmte Summe von 300000 Dollar, Moody
verschwand mit dem Geld, und tauchte erst Stunden
später wieder auf, in diesem Büro, so wie er es
geplant und durch den anonymen Brief
sichergestellt hatte, nicht zu früh, nicht zu
spät, noch betäubt wirkend, um seinen Schwindel
psychologisch zu untermauern, ich habe gesprochen,
der Fall ist gelöst.

Caruso: Da haben sie mal wieder den Vogel auf den
Kopf getroffen Prof ich mein, den Nagel
abgeschossen, wenn ich mir das alles in Ruhe
überlegen muß, aber ganz gelöst ist der Fall noch
nicht, ok es war Moody, nicht dran zu tippen, aber
wo sind denn die Mäuse, Prof die 300000 Dollar.

Donovan: Nicht mal die Tasche hat sich
eingefunden.

vanDusen: Ebenso wenig wie Moodys Hut, und dies
gab mir zu denken, ich stellte Miss Biggot eine
gewisse Frage, bitte berichten sie.

Biggot: Ob vor einem Monat als der sog Mr
Macintosh dieses Büro mietete, noch ein Büro im
Hause vermietet wurde.

vanDusen: Und zwar das ist wichtig, unter
ungewöhnlichen nicht alltäglichen Umständen, ihre
Antwort Miss Biggot.

Biggot: Büro H7 im 8 Stock, ein Mr John Smith
hatte uns einen Brief geschrieben, eine
Jahresmiete in Banknoten beigelegt und darum
gebeten, ihm die Schlüssel postlagernd
zuzuschicken.

vanDusen: Eine absolut anonyme Prozedur, danke Mrs
Biggot, folgen sie mir meine Herrschaften zu einer
Exkursion in die 8 Etage.

Hatch: Büro H7 war viel kleiner als E12 und es war
völlig leer, mit zwei Ausnahmen, auf dem Boden lag
eine offene Aktentasche aus braunen Schweinsleder
und an einem Haken neben der Tür hingen ein Hut.

vanDusen: Ein schwarzer Bowler.

Everett: Das ist Moodys Hut.

vanDusen: So ist es, Mr Everett, die Tatsache daß
Moody ohne seine Kopfbedeckung aufgefunden wurde,
legte mir die Idee nahe, er habe sich im
Pottergebäude eine zweite Anlaufstation gesichert,
im Hause trägt man keinen Hut, Moody vergaß ihn
als er von hier ins 5. Stockwerk ins Büro E12
wechselte.

Caruso: Und wozu dieses zweite Büro Prof.

vanDusen: Natürlich um das gestohlene Geld
beiseite zu schaffen, es hier im Haus zu
verbergen, lag nahe, auf der kurzen Strecke von
der Bank von New York zum Pottergebäude besteht
keinerlei Möglichkeit, einen entwendeten Betrag
von dieser Höhe sicher und langfristig zu
verwahren.

Caruso: Wo ist es denn das Geld, hier ich seh nur
die leere Tasche.

vanDusen: Sehen können sie die 300000 Dollar auch
nicht bester detective, aber sie können sie
riechen, wie sie wissen, Geld stinkt nicht, so
lautet ein zweifellos auch ihnen bekanntes dictum
des römischen Kaisers Vespasian, jedoch.

Caruso: Kleister, ich riech Kleister.

vanDusen: Tapetenkleister, ein unverkennbarer
Geruch, welcher wie sie sich erinnern werden auch
Moody anhaftete, und wenn sie die Wände dieses
Raumes einer intensiveren Inspektion unterziehen.

Hatch: Frisch tapeziert, Prof, scheußliches
Muster.

vanDusen: Kein Zweifel, Moody hat die Zeit vor
seiner Auffindung dazu benutzt, Büro H7 neu zu
tapezieren.

Caruso: Wenn sie das sagen Prof.

vanDusen: Ja wollen sie denn nicht an die Arbeit
gehen, Caruso.

Caruso: Arbeit, was für Arbeit.

Dick: Tapeziert mein lieber Caruso eintapeziert,
das Geld hinter den Tapeten kapiert.

Caruso: Ach so, Donovan, Tapeten runter aber mit
Volldampf.

Hatch: Die Staatsgewalt rupfte begeistert an den
Tapeten und brachte das versteckte Geld ans
Tageslicht alles 100 Dollarscheine, nicht sehr
sauber, ziemlich klebrig aber Chefkassierer
Everett nahm sie trotzdem mit Freuden entgegen,
Moody legte ein Geständnis ab und bestätigte den
Prof in allen Einzelheiten.

Moody: Ich wollte Geld auch mal ausgeben, wissen
sie, nicht immer nur schleppen für andere, aber
wenn ich einfach mit der Tasche verschwinde, dann
hat mich die Polizei ganz schnell am Kanthaken,
mit Gottes Hilfe, das war mir klar, darum hab ich
mir diesen komplizierten Plan ausgedacht, ich
hatte vor zu warten, Monate, Jahre wenn es sein
mußte, so wie ich die Sache eingefädelt hatte,
fühlte ich mich ganz sicher, da kommt keiner
drauf, hab ich gedacht.

Dick: Ja ja der Mensch denkt, van Dusen lenkt, und
so dumm war ihr Plan gar nicht, Mister Moody, Mr.
Hatch ist jedenfalls voll draufreingefallen.

Hatch: Paß mal auf du Rübe.

Caruso: Ich nicht, ich wußte von Anfang an, daß
Moody das Geld geklaut hatte.

Dick: Da können Sie mal sehen Mr Hatch, sogar
Detective Caruso ist schlauer als sie.

Musiker: And we could still do it again…

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Detective-Sergeant Caruso: Heinz Giese
Chefkassierer Everett: Christian Brückner
Dick Tracy, ein Zeitungsjunge: Mark Hinrichsen
Calvin Moody, ein Bankbote: Gunter Schoß
Margaret Moody, seine Frau: Jutta Wachowiak
Miss Biggot, Hausverwalterin: Monica Bielenstein
Wachmeister Donovan: Klaus Jepsen
James, van Dusens Diener: Helmut Ahner

 Senf Nr. 4003 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.32Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen und das Geheimnis
der Pyramide (RIAS 1991)

Hatch: Die sensationelle, über alle Maßen
erstaunliche Affäre um das Geheimnis der
Cheopspyramide begann am Vormittag des 14.
Dezember 1904 im Hauptbahnhof von Kairo.

Pingle: Hilfe, ein Arzt, hilfe, hilfe.

Hatch: Hören Sie Prof, ihr Typ wird verlangt, Sie
sind doch Arzt.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich bin Prof Dr Dr Dr
Augustus van Dusen.

Hatch: Naturwissenschaftler, Amateurkriminologe,
Denkmaschine, wissen wir, Prof, aber.

vanDusen: Außer Physik, Chemie, Biologie etc. etc.
habe ich sämtliche Bereiche der Humanmedizin
studiert, zu Bologna, Heidelberg, Paris,
Salamanca.

Pingle: Hilfe, ein Arzt um Gotteswillen.

Hatch: Einem so dringenden Appell konnte van Dusen
sich nicht verschließen, er brach die beliebte
Selbstbeweihräucherung ab, auch wenn es schwerfiel
und wandelte gemessenen Schritts zum Zug aus
Alexandria, der eben eingefahren war, ich folgte,
das ist die Pflicht des kriminologischen
Assistenten, es war eine grauhaarige europäische
Dame die aus einem Abteilfenster der 1. Klasse um
Hilfe schrie, und dazu hatte sie auch allen Grund,
im Abteil lag ein Mann auf dem Boden, sein Gesicht
war verzerrt, sein Körper verkrampft, er bewegte
sich nicht, mit einem Blick erfaßte der Prof die
Lage.

vanDusen: Aha.

Pingle: Sie sind Arzt.

vanDusen: Unter anderem, Madame, unter anderem,
nicht daß ein Arzt hier noch was ausrichten
könnte.

Pingle: Sie meinen.

vanDusen: Der Mann benötigt keine medizinische
Hilfe mehr er ist tot.

Pingle: Tot, nicht zu fassen, vor 5 min hat er
noch mit mir geredet, ganz munter und vergnügt.

vanDusen: Vor 5 Minuten, sehr aufschlußreich, was
ist geschehen, berichten sie.

Hatch: Präzise detailliert und von Anfang.

vanDusen: Bitte.

Pingle: Ja mitten im Satz brach er ab, fing an zu
würgen, bekam keine Luft, dann fiel er von der
Sitzbank und wälzte sich in furchtbaren Krämpfen
auf dem Boden.

vanDusen: Hochinteressante Symptome, Madame, hat
er noch etwas geäußert.

Pingle: O ja, mir ist so schlecht, hat er gesagt,
es tut so weh, und dann kalt mir ist kalt, und
gestöhnt hat er, ganz schrecklich.

vanDusen: Kalt.

Pingle: Ja.

vanDusen: Aha die Pupillen erweitert, das stand zu
erwarten, kommen sie her, Schaffner ja sie meine
ich.

Stationsvorsteher: Ich bin der stellvertretende
Stationsvorsteher, Effendi.

vanDusen: Um so besser, begeben sie sich stehenden
Fußes zum nächstgelegenen Telefonapparat,
verständigen sie die Kriminalpolizei, sie möge
sich eilends hier einstellen.

Stationsvorsteher: Gewiß Effendi, ich eile.

Pingle: Mord, glauben sie.

vanDusen: Ich glaube nicht, Madame, ich weiß.

Hatch: Und wenn er sagt er weiß, Verehrteste, dann
weiß er was er sagt.

Pingle: So, leider weiß ich noch immer nicht, mit
wem ich es zu tun habe.

Hatch: Wir stellten uns vor, die Lady, eine Mrs
Pingle aus Manchester, England, war gebührend
beeindruckt, wer kennt ihn nicht, den großen Prof
van Dusen.

Pingle: Da muß ich ihnen wohl glauben, ermordet
der arme Pelotard.

vanDusen: Pelotard, Miss Pingle.

Pingle: Ganz recht der tote ist ich meine war Prof
Pelotard.

vanDusen: Der bekannte französische Archäologe und
Ägyptologe, der Verfasser von einige Bemerkungen
zum Grabtempel des Cheop unter besonderer
Berücksichtung seiner religiös-architektonischen
Funktion im Pyramidenkomplex.

Pingle: Eben der Prof.

vanDusen: Oh ein herber Verlust für die
Wissenschaft, sie kannten ihn also Miss Pingle.

Pingle: Seit Jahren wir sind alte Freunde, immer
wenn wir uns treffen streiten wir uns.

vanDusen: Was sie nicht sagen Mrs Pingle, worüber.

Pingle: Über die große Pyramide natürlich, was ist
sie, was sie bedeutet, was sie uns zu sagen hat,
über die Geheimnisse der Pyramide, auch ich Prof
bin auf meine bescheidene Weise eine Arbeiterin im
Weinberg der Forschung, kennen sie mein Buch die
große Pyramide eine Bibel aus Stein.

vanDusen: Mit Sicherheit nicht Miss Pingle.

Hatch: Aber ich kannte das Buch und wußte
bescheid, Miss Pingle war eine Pyramidologin, für
Pyramidologen ist die Cheospyramide kein
Pharaonengrab sondern der mystische Hort uralter
verborgener Weisheit, die Zahl pi, die Quadratur
des Kreises, das genaue Datum des Weltuntergangs
und noch viel mehr können Pyramidologen aus den
maßen der Pyramide erschließen, van Dusen sagt
dazu schlicht Pyramidiotie.

Pingle: 146m ist sie hoch die große Pyramide, das
ist 270000stel des Erdumfangs oder ein
Milliardstel der Entfernung der Erde von der Sonne
und ihre Masse 2einhalb Mio Kubikmeter ist ein
Trillionstel der Erdmasse, kann das Zufall sein,
ich frage sie meine Herren.

vanDusen: Abstruse Zahlenspielereien, Miss Pingle,
an den Haaren herbeigezogen, ohne jeden Belang,
zur Sache, sie trafen Prof Pelotard im Zug.

Pingle: In Alexandria stieg er zu mir ins Abteil,
sein Schiff war gerade gelandet, ich wunderte
mich, sonst haben wir uns früher in Ägypten
getroffen, zum anfang der Saison, im Oktober wenn
der Nil fällt, wenn die Touristen schwärmen, und
wenn die Archäologen ihre Grabungskampagnen
eröffnen.

vanDusen: In diesem Jahr hat Pelotard sich
verspätet, warum.

Pingle: Er war krank, der Magen, darum blieb er
vorerst in Paris, und schickte seine Tochter
voraus nach Ägypten, Rose Pelotard ist eine
tüchtige Archäologin, die Schule ihres Vaters,
seit 6 Wochen ist sie im lande und leitet die
Arbeiten an Pelotars Grabungstelle im
Pyramidenkomplex von Gizeh, ach gott der arme
Pelotard, auf die Grabung in dieser Saison hat er
sich ganz besonders gefreut, er konnte es kaum
erwarten, kommen sie mich demnächst besuchen, hat
er gesagt, dann werde ich ihnen etwas
außergewöhnliches zeigen können, sie werden
staunen Miss Pingle und die Fachwelt auch.

vanDusen: In der Tat Miss Pingle, der erkaltete
Rauch einer Zigarre wenn ich recht rieche.

Hatch: Was heißt Zigarre, Prof das war eine echte
Havanna, allerfeinste Qualität, das Stück 2 Dollar
50.

Hatch: Von Zigarren verstehe ich was und deshalb
entdeckte auch schnell die Quelle des edlen Duftes
unter der Bank, eine zerdrückte Corona corona,
eben nur angeraucht, und abgebissen, nicht
abgeschnitten.

vanDusen: Geben sie her, Hatch aha unter dem
Tabakaroma ein zweiter Geruch, scharf beißend und
hier sehen sie mein lieber Hatch.

Hatch: Meinen sie die hellen Körnchen am ende
unter den Deckblatt Prof was ist das

vanDusen: Was ich zu finden erwartet habe, mein
lieber Hatch, da ich kaum annehme Miss Pingle daß
sie dem Laster des Zigarrenrauchens zu fröhnen
pflegen.

Pingle: Wo denken sie hin Prof jedenfalls nicht in
der Öffentlichkeit, das ist Pelotards Zigarre.

vanDusen: Sind sie sicher Miss Pingle.

Pingle: Absolut Prof, Pelotard hat seine Zigarren
immer abgebissen und der andere Herr hat seine
Zigarre mitgenommen.

vanDusen: Andere Herr, welcher andere Herr.

Pingle: Der bei uns im Abteil war, und der Prof
Pelotard die Zigarre angeboten hat.

vanDusen: Und das sagen sie mir erst jetzt Miss
Pingle.

Pingle: Sie haben mich ja nicht danach gefragt
Prof.

Hatch: Das holte van Dusen natürlich sofort nach,
der andere Herr, referierte Miss Pingle, war in
Qalyub zugestiegen, eine halbe Stunde vor Kairo,
ein Europäer, groß, gutgekleidet, stark bebartet,
er hatte sich eifrig und kenntnisreich an der
Pyramidendiskussion beteiligt, kurz vor der
Ankunft in Kairo hatte er sich mit Miss Pingles
Erlaubnis eine Zigarre angesteckt und auch
Pelotard eine angeboten, der nahm sie mit dank,
biß sie ab wie es seine Gewohnheit war, machte ein
paar Züge.

Pingle: Und plötzlich packte ihn dieser
entsetzliche Anfall.

vanDusen: Ein geradezu klassisches Exempel von
Ursache und Wirkung, Miss Pingle, was ist aus dem
unbekannten geworden.

Pingle: Gleich nach dem Halt ist er aus dem Zug
gesprungen, um schnell hilfe zu holen, hat er
gesagt, ich frage mich warum er nicht zurückkommt.

Hatch: Ich nicht, sie Prof.

Mayday: Halt, Kriminalpolizei, was ist hier los.

Hatch: Die Kriminalpolizei bestand aus 4
baumlangen sudanesischen Polizisten angeführt von
einem drahtigen kleinen Mann in khaki mit
Tropenhelm und Stöckchen unter dem Arm, Kapitän
Mayday mit Namen, Engländer natürlich, theoretisch
ist Ägypten ein souveränes Land, regiert von einem
Vizekönig oder Khedive wie man hier sagt, aber
praktisch ist es nicht viel mehr als eine
britische Kolonie, in allen Schlüsselpositionen
sitzen Engländer, auch bei der Polizei, Kapitän
Mayday sah sich um, hörte sich an was wir ihm zu
sagen hatten und reagierte ausgesprochen sauer.

Mayday: Und deshalb haben sie mich kommen lassen,
schade um die Zeit, klarer Fall, alter Herr,
schwüles Klima, Herzattacke, bedauerlich aber
nicht zu ändern.

vanDusen: Sie befinden sich im Irrtum, Kapitän,
hier liegt ein Mord vor.

Mayday: Mord, lachhaft, ich hab von ihnen gehört
Prof van Dusen, auf ihre art sollen sie ja
gelegentlich ganz brauchbar sein, aber wenn sie
mich fragen, leiden sie an überhitzter Fantasie.

vanDusen: Captain Mayday noch nie hat jemand die
Unverschämtheit besessen Prof van Dusen
überhitzter Phantasie zu bezichtigen.

Mayday: Regen sie sich ab Prof, sie sind ein
blutiger Amateur, sie kennen sich in Ägypten nicht
aus, sie sehen Gespenster, Mord wie kommen sie
bloß darauf.

vanDusen: Die von Miss Pingle ausführlich und
plastisch geschilderten Symptome des Opfers, die
mit weißem Pulver präparierte Zigarre, das
verdächtige Verhalten des unbekannten
Mitreisenden, eine Vielzahl schwerwiegender
Hinweise auf eine planmäßig exekutierte
Vergiftung.

Mayday: Ach ja, vermutlich mit einem rätselhaften
der Wissenschaft bislang unbekannten Gift oder.

vanDusen: Keineswegs Kapitän es handelt sich um
Akunitin.

Mayday: Akuniwas.

vanDusen: Akunitin, C34H47NO11 ein pflanzliches
Alkaloid, gewonnen aus den Wurzeln des Eisenhuts
Aconitum napellus bzw Wolfseisenhut Aconitum
lycoctonum aus der Familie der Ranunculaceae.

Mayday: Kommen sie mal runter vom Katheter Prof,
das ist mir viel zu hochgestochen, in New York
oder London ja da bringt man sich vielleicht mit
so einem schicken Gift um, aber bei uns nicht in
Ägypten, Unsinn, kein Gift, kein Mord.

vanDusen: Und die Zigarre Kapitän.

Mayday: Können sie gerne behalten und zu ende
rauchen wenn sie wollen.

Pelotard: Papa.

Mayday: Was ist denn das.

Pelotard: Lassen sie mich durch, Papa ich bin
aufgehalten worden, mondieu papa was ist
geschehen.

Mayday: Wer sind denn sie.

Pelotard: Rose Pelotard, ich verstehe nicht, mein
Vater, was ist mit ihm.

Hatch: Rose Pelotard trug die praktische Kleidung
der Nachwuchsarchäologin, kurzes Baumwollkleid,
Sonnenhut mit Schleier, wie ihn hierzulande fast
alle weißen Frauen tragen um ihren Teint zu
schützen, dazu eine voluminöse Reisetasche für
ausgebuddelte Schätze vermutlich, und auch ihre
Trauer über Maydays Eröffnungen war kurz und
praktisch.

Pelotard: Avre papa, Sie haben ganz sicher recht,
mo capitan, es muß ein Herzanfall gewesen sein, so
hat ihn denn ein barmherzig schneller Tod den
Spaten aus der Hand genommen, in seinem geliebten
Ägypten, cest la vie, apropos Spaten die Grabung
wartet, sie entschuldigen mich, mo capitan, es
drängt mich, meines Vaters Arbeit fortzuführen ihm
zu ehren und in seinem Geist.

Hatch: Damit verschwand die pietätvolle Tochter,
gefolgt von Miss Pingle, die es zur Cheopspyramide
zog, Mayday und sein Gefolge machte sie auf die
Socken zu nahen Polizeistation um den toten
Pelotard erstmal auf Eis zu legen.

vanDusen: Kapitän, sie werden es bedauern.

Mayday: Ich habe zu tun Prof, sie entschuldigen
mich, einen guten Rat auf den Weg, machen sie
Urlaub von der Amateurkriminologie, tun sie das
was alle Touristen tun, widmen sie sich unseren
Sehenswürdigkeiten, besuchen sie das Museum,
fahren sie zu den Pyramiden.

Hatch: Und genau das taten wir ein paar Stunden
später am Nachmittag dieses ereignisreichen Tages,
eine Droschke brachte uns von Kairo nach Gizeh, wo
wir uns durch Horden von Souvenirhändlern,
Fremdenführern und Eseltreiber durchkämpften bis
zur Cheopspyramide, dann stiegen wir auf, von
Stufe zu Stufe kein Kinderspiel, meine Damen und
Herren auch wenn wir uns dabei von ein paar
wackeren Beduinen ziehen und schieben ließen, nach
einer halben Stunde hatten wir schnaufend die
abgeplattete Spitze erreicht, und da erlebten wir
eine Überraschung, bestehend aus einem gedeckten
Teetisch und Miss Pingle.

Pingle: Willkommen Prof van Dusen und Mr äh.

Hatch: Hatch, Miss Pingle, Hutchinson Hatch.

Pingle: Treten sie näher, meine Herren, nehmen sie
bitte Platz, Osiris Stühle für meine Gäste,
eigentlich heißt er Ali, aber ich rufe ihn Osiris,
klingt doch gleich viel mystischer, viel
pyramidaler nicht wahr, haben sie bemerkt, daß an
den Eingängen der Pyramide Polizisten stehen und
niemanden ins innere lassen.

vanDusen: In der Tat Miss Pingle, aus welchem
Grund.

Pingle: Keine Ahnung, deshalb bin ich hierher
gekommen, um die Aura der Pyramide zu absorbieren,
zu meditieren.

Hatch: Und Tee zu trinken.

Pingle: Warum nicht Mr Hatch, mens sana in corpore
sano, ein Sandwich meine Herren.

Hatch: Sehr gerne, tolle Aussicht hier oben, fast
wie vom Wolkenkratzer der Manhattan
Lebensversicherung.

Pingle: Sie lästern, Mr Hatch spüren sie nicht das
mysteriöse fluidum, die Atmosphäre des
übersinnlichen.

Hatch: Alles was ich spüre, ist ein Sandfloh in
meinem Kragen.

Pingle: Wer meine Herren wer vermag zu sagen, wann
dies jedes menschenmaß übersteigende Gebilde
geschaffen wurde und von wem.

vanDusen: Ich Miss Pingle, gestützt auf die
Ergebnisse ägyptologischer Forschung, die Pyramide
unter unseren Füßen wurde errichtet um das Jahr
2900 v.Chr von Cheops einem Pharao der 4. Dynastie
bzw von seinem wesir und baumeister hemon.

Pingle: Selbst ein Geist wie sie Prof reiht sich
ein in die zahl der beschränkten und
kleingläubigen.

vanDusen: Ersparen sie mir eine Antwort Miss
Pingle.

Pingle: Da wir gerade von Hemon reden, wußten sie
daß Pelotard im letzten Jahr sein Grab entdeckt
hat, er hats mir im Zug erzählt, gar nicht weit
von hier, etwa 150 meter nach Nordosten hinter dem
Totentempel.

Hatch: Ich seh nichts.

Pingle: Das können sie auch nicht, Mr Hatch, das
Grab liegt natürlich unter der Erde im Felsen
bessergesagt.

vanDusen: Bei der Grabung an welcher Mademoiselle
Pelotard zur zeit arbeitet, handelt es sich also
um Grab des Hemon.

Pingle: Ja so ist es Prof ich frage mich was sie
da wohl besonders gefunden haben mag, mein gott
was ist das ein Erdbeben.

vanDusen: Nein Miss Pingle, eine Explosion im
innern der Pyramide.

Hatch: Auf diesen Schrecken hin ließen wir alles
liegen und stiegen ab so schnell wir konnten, kaum
waren wir auf festem Boden angekommen da lief uns
eine bekannte Gestalt über den Weg, Captain
Mayday, energischen Schritten strebte er dem
Pyramideneingang zu, aber als er van Dusen sah
blieb er stehen wie vom Donner gerührt.

Mayday: Schon wieder dieser verd lästige Prof, hab
ich ihn nicht gesagt sie sollen sich raushalten.

Hatch: Sie haben gesagt wir sollen uns die
Pyramiden angucken, und das tun wir, was war das
für eine Explosion Kapitän.

Mayday: Geht sie nichts an Staatsgeheimnis, halten
sie mich nicht auf.

vanDusen: Staatsgeheimnis, eine Explosion im
inneren der polizeilich abgeriegelten
Cheopspyramide, wenige Stunden nach dem Mord an
einem Archäologen, welcher in unmittelbarer Nähe
eben dieser Pyramide eine Grabung leitet.

Hatch: Sie meinen da besteht ein Zusammenhang,
Prof.

vanDusen: Führen sie mich zum Grab des Hemon, Miss
Pingle.

Hatch: Das Grab des Hemon lag inmitten einer
archäologischen Mondlandschaft aus Stein, Sand und
Ruinen, es bestand aus einem Loch im Felsenboden
gesichert durch eine Eisentür und ein modernes
Patentschloß, dahinter dumpfe Arbeits-geräusche,
davor ein kräftiger Araber im blauen Nachthemd,
einen Knüppel in der Faust und nach längerem
klopfen und rufen unsererseits eine unbeugsame
Rose Pelotard.

Pelotard: Scheregret, misodam, keine Besichtigung,
keine Störung auch für sie verboten.

Pingle: Aber ihr Vater hat mich ausdrücklich
eingeladen.

Pelotard: Wie dem auch sei, Madame, die Grabung
untersteht mir, vielleicht später einmal, wenn
meine Arbeit abgeschlossen ist, paß gut auf
Mustafa.

Hatch: Nette Leute trifft man bei den Pyramiden,
wir begleiteten Miss Pingle in ihr Hotel, das
Menahouse, der Cheospyramide direkt gegenüber und
fuhren zurück nach Kairo, auch uns zog es ins
Hotel, ich hatte Hunger und van Dusen wollte
nachdenken, dafür daß ihm der Stoff nicht ausging,
sorgte ein Telegramm das in unsere Suite auf ihn
wartete, an Prof van Dusen, Shepheards Hotel
Kairo, aufgegeben in Gizeh, aha hören sie zu mein
lieber Hatch.

Hatch: Ich bin ganz Ohr, Prof.

vanDusen: Betrifft Pelotard und Detonation in
Pyramide, näheres erfahren sie heute abend 22 Uhr
Schubraallee 17, ein Freund, kein Name.

Hatch: Wollen sie hingehen Prof.

vanDusen: Wir wollen hingehen, mein lieber Hatch,
wozu sind sie mein Assistent und Begleiter.

Hatch: Und wenn es eine Falle ist.

vanDusen: Im vornehmsten Viertel von Kairo,
unwahrscheinlich.

Hatch: Nacht lag über Kairo, die Schubra-Allee, im
Norden der Stadt, tagsüber der Treffpunkt der
eleganten Welt, war zu dieser späten Stunde einsam
und verlassen, weit und breit nur 2 Menschen am
Haus Nr 17, einer Villa im orientalischen
Schnörkelstil, die zwei gingen leise und
vorsichtig durchs offene Tor, durch den
Palmengarten, durch die erstaunlicherweise weder
bewachte noch verschlossene Haustür, weiter durch
einen Gang und dann standen wir in einem großen
Raum, es war dunkel, nur ein paar Sterne schienen
durch die vergitterten Fenster, leise unbestimmte
Geräusche um uns, Unheil lag in der Luft.

Hatch: Hier ist es nicht geheuer Prof, wo steckt
denn ihr namenloser Freund und Informant.

vanDusen: Pst, entzünden sie die Laterne, mein
lieber Hatch.

Hatch: Aye aye sir, ah, ach du dicker Pater, Prof
wir sind im Harem, die Kerle mit den Säbeln das
sind Eunuchen, ich kenne die Typen aus
Konstantinopel, was sollen wir tun Prof.

vanDusen: Das Mißverständnis dürfte sich sehr bald
aufklären, bleiben sie ruhig, mein lieber Hatch
und wehren sie sich nicht.

Hatch: Ich dachte nicht daran, wehren sie sich mal
wenn ganze Heerscharen säbelschwingender Eunuchen
sich auf sie stürzen und sie verschnüren wie ein
Postpaket, ich kam kaum dazu mal einen Blick zur
Seite riskieren, wo diverse füllige Damen in
spärlichster Bekleidung aufgeregt durcheinander
schnatterten, plötzlich Stille, der Herr des
Hauses trat auf, ein stattlicher Mann mit
schwarzen Vollbart, in seidenen Morgenrock, der
tarbus schief auf dem Schädel und im Bauch eine
ungeheure Wut.

Manur: Ihr ungläubigen Hunde, ihr habt euch in
meinen Harem eingeschlichen, ihr habt mein Haus
geschändet, meine Ehre besudelt, ihr müßt sterben.

Hatch: Lassen sie uns doch erklären effendi oder
was sie sind.

Manur: Schweigt du Wurm, schafft sie in den Hof
und ersäuft sie im Springbrunnen.

Hatch: Moment, moment, hören sie doch mal zu, die
ganze sache ist ein Irrtum, Prof sie sind die
Denkmaschine, denken sie sich mal ganz schnell was
aus, sonst ist das hier unser allerletzter Fall.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Manur: Denkmaschine, Hatch, Prof, etwa Prof van
Dusen aus Amerika.

vanDusen: Kein anderer.

Hatch: Und ich bin Hutchinson Hatch sofern sie
auch auf diese Auskunft wert legen.

Manur: Van Dusen und Hatch, oh glück o wonne,
hamdudila bindet sie los auf der Stelle.

Hatch: Zehn Minuten später saßen wir in einem
orientalischen Salon, auf weichen Seidenkissen und
wie es die Sitte des Orients fordert, sorgte der
Hausherr erst ausgiebig für unser leibliches Wohl,
bevor wir zur Sache kamen, er ließ Kaffee
auffahren, Süßigkeiten, Wasserpfeifen, auch
Bauchtänzerinnen und Konkubinen bot er uns an,
aber da sagten wir dann doch lieber nein danke.

Manur: Wirklich nicht, nun gut, ich bin Ibrahim
Manur.

Hatch: Den Namen kenn ich sind sie nicht ein hohes
Tier bei der ägyptischen Polizei.

Manur: Ein demütiger Diener meines Herrn des
Khedive Mr Hatch ganz recht.

Hatch: Dann weiß ich, warum man uns gerade in ihr
Haus gelockt hat, sie sollen jähzornig sein,
eifersüchtig und entschuldigen sie ein
unversöhnlicher Feind aller Weißen.

Manur: Aus gutem Grund, Mr Hatch aus gutem Grund,
denn sind es nicht die Weißen, die Engländer vor
allem, die unser Land besetzt halten, die den
Khedive meinen Herr entmachtet und die Regierung
an sich gerissen haben.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen
Ibrahim Mamur.

Manur: Doch was sie nicht wissen Mr Hatch, was
kaum jemand weiß, zwei weiße gibt es, die ich
nicht hasse, die ich vielmehr verehre und über
alles schätze, den großen Kriminologen Prof van
Dusen.

vanDusen: Amateurkriminologen bitte.

Manur: Amateurkriminologe selbstverständlich Prof
und den noch größeren Hutchinson Hatch.

vanDusen: Noch größeren, wie soll ich das
verstehen.

Manur: Sie sind ein bedeutender Mann, Prof ohne
frage, doch wer macht sie dazu.

Hatch: Meinen sie etwa mich.

Manur: Sie meine ich, Mr Hatch, wo wären sie, Prof
wenn diese begnadete Feder nicht über sie
schriebe, sämtliche Jahrgänge des Daily New Yorker
nenne ich mein eigen, Mr Hatch immer wieder nehme
ich sie zu hand, voll tiefster Bewunderung, für
sie Mr Hatch, für ihre einzigartige Erzählergabe,
ihre treffende Darstellung, ihren eleganten Stil.

Hatch: Das tat gut, und noch besser tat das
Gesicht, das der Prof dabei machte, aber er
schüttelte sich bildlich gesprochen und ging zur
Tagesordnung über, naja Ibrahim Manur erfuhr was
uns in sein Haus gebracht hatte, eine Falle ganz
offensichtlich, wir sollten ausgeschaltet werden,
doch wir blieben nicht nur am leben,
ironischerweise geschah auch gerade das, was das
Telegram fälschlich verhießen hatte, wir erfuhren
näheres über die rätselhaften Ereignisse, in die
wir verwickelt waren, Ibrahim Manur war ein
gutinformierter Mann.

Manur: Mein Herr der Khedive hat mir die Gnade
erwiesen, mich in diesem außergewöhnlichen Fall zu
rate zu ziehen, wissen sie, meine Herren wer
hinter der Explosion in der Cheopspyramide steckt,
sie werden staunen, es ist das Phantom.

Hatch: Das Phantom, immer wieder das Phantom, die
Dame wird allmählich lästig, dreimal sind wir
schon mit ihr zusammengerasselt.

Manur: Ich weiß es, Mr Hatch dank ihrer brillanten
Artikel kenn ich alle Einzelheiten ihrer
recontrets mit dieser berüchtigten internationalen
Verbrecherin von geradezu chameleonartiger
Wandlungsfähigkeit, ihre Abenteuer in Biarritz,
Berlin ja und erst kürzlich in Rumänien.

Hatch: Da ist sie doch mit ihrem Unterseeboot in
die Luft geflogen.

Manur: Ich versichere ihnen meine Herren das
Phantom lebt und befindet sich zur Zeit in
Ägypten, sehen sie hier diesen Brief, nur eine
Kopie versteht sich.

vanDusen: Lesen sie vor Hatch.

Hatch: Immer ich, man nennt mich das Phantom, die
Welt kennt mich, die Welt fürchtet mich, sie
werden mir die bescheidene Summe von 100000
ägyptischen Pfund zahlen, bescheiden ist gut eine
halbe Mio Dollar, falls nicht werde ich die
Cheopspyramide in die Luft sprengen, was sagen sie
dazu Prof die Cheopspyramide.

vanDusen: Lesen sie weiter mein lieber Hatch.

Hatch: Damit sie an meiner Entschlossenheit nicht
zweifeln, werde ich dafür sorgen daß heute
nachmittag 17 Uhr genannte Pyramide durch eine
limitierte Detonation erschüttert wird, ja das
stimmt, genau um 5 hats geknallt, zur Teezeit, die
gewünschte Summe werden sie mir auf folgende
weise.

vanDusen: Einen Augenblick mein lieber Hatch, an
wen ist dieses Schreiben gerichtet, Ibrahim Manur.

Manur: An mein Herrn den Khedive, heute mittag um
12 Uhr lag es auf seinem Schreibtisch, niemand
kann sagen wie es dorthin gekommen ist, fünf
Minuten vorher war der Schreibtisch leer gewesen.

Hatch: Ein typischer Phantomtrick.

vanDusen: Wie reagierte der Khedive.

Manur: Mein Herr berief sogleich den geheimen Rat
ein, seine ergebendsten Diener in Polizei und
Justiz, und Lord Chromar, den britischen Agenten,
Allah verdamm ihn, eine volle Stunde haben wir
beraten.

vanDusen: Mit welchem Ergebnis.

Manur: Die meisten glauben an einen Schwindel,
aber ganz sicher konnten wir nicht sein und
deshalb haben wir eine Polizeiabteilung nach Gizeh
geschickt und die Cheopspyramide gründlich
durchsuchen lassen.

vanDusen: Und Sprengstoff.

Manur: Kein Sprengstoff, Prof gar nichts, alles in
Ordnung, nach der Durchsuchung haben wir beide
Eingänge gesperrt, kein Mensch durfte die Pyramide
betreten.

vanDusen: Und dennoch kam es zur angekündigten
Explosion.

Manur: Ja Prof danach haben wir wieder alles
durchsucht, und diesmal wurden wir fündig, im
obersten der drei kleinen Hohlräume über der
Königskammer, das heißt an der höchstmöglichen
Stelle war eine geringe Menge Dynamit gezündet
worden, die Spuren waren eindeutig.

Hatch: Aber wenn die Pyramide doch abgeriegelt
war.

Manur: Das ist es ja gerade Mr Hatch, bei der
ersten Durchsuchung war der Hohlraum leer, und
danach gab es keine Möglichkeit Dynamit in die
Pyramide zu schaffen und zur Explosion zu bringen
und trotzdem ja die Sache ist unerklärlich,
geradezu un.

Hatch: Sagen sie bloß nicht unmöglich.

Manur: Ich werde mich hüten, ich kenne die
Idiosympasie des Prof.

vanDusen: Keine Abschweifungen, wenn ich bitten
darf, fahren sie fort.

Manur: Der geheime Rat trat zum zweiten mal
zusammen, diesmal waren alle dafür auf die
Erpressung des Phantoms einzugehen, sie müssen das
verstehen, wir haben Angst, die Cheopspyramide ist
das bedeutendste Bauwerk der Welt, das Wahrzeichen
unsere Landes.

Hatch: Und ein unschlagbarer Touristenmagnet.

Manur: Auch das, Mr Hatch, wie die Zahlung vor
sich gehen soll, hat das Phantom im Brief genau
vorgeschrieben.

Hatch: Und zwar kurz zusammengefaßt so: ein Koffer
mit 100000 ägyptischen Pfund in Banknoten sollte
übermorgen am 16. Dezember 1904, 9 Uhr morgens von
einem unbewaffneten Mann in die Cheopspyramide
getragen und dort in der oberen in der
Königskammer abgestellt werden, danach durfte 1
Stunde lang niemand die Pyramide betreten.

vanDusen: Sie wollen also zahlen und es dabei
bewenden lassen.

Manur: Was ich will oder nicht, Prof das spielt
keine Rolle, die ganze Angelegenheit ist meinem
Herrn dem Khedive und seinen untergebenen Dienern
aus den Händen genommen worden, Anordnung von Lord
Cromer allah verdamm ihn.

vanDusen: Wer leitet den Fall.

Manur: Der Chef der Kriminalpolizei von Kairo, ein
gewisser Kapitän Mayday Allah verdamm auch ihn.

vanDusen: Ich kann ihnen nicht widersprechen,
Ibrahim Manur.

Manur: Mayday plant die Pyramide morgen noch
einmal zu durchsuchen und dann abzuriegeln bis zur
Geldübergabe, er will sich an die befohlene
Wartezeit halten und danach versuchen das Phantom
zu fassen, entweder in der Pyramide oder wenn es
die Pyramide verläßt.

vanDusen: Das wird ihm nicht gelingen.

Manur: Inshalah Prof.

vanDusen: Hören sie, Ibrahim Manur, ihnen sind die
Hände gebunden.

Manur: Bedauerlicherweise Prof.

vanDusen: Doch ich unterstehe nicht den Weisungen
Lord Cromers oder Kaptain Mayday.

Manur: Allah verdamm.

vanDusen: Schon gut, das Phantom hat mir den
Fehdehandschuh hingeworfen, in form jenes
tückischen Telegrams, ich Prof Augustus van Dusen
hebe ihn auf, mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Auf zur vierten Runde, es gilt dem Recht
und der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen.

Hatch: Ich kannte van Dusen, und ich wußte mehr
als Recht und Wahrheit lag ihm der endgültige Sieg
über das Phantom am Herzen, und vor allem wollte
er dem arroganten Kapitan Mayday eins auswischen,
am nächsten Morgen im Hotel, wir saßen beim
Frühstück in einer Ecke des palmengeschmückten
Speisesaal, natürlich sprachen wir über den Fall
und über das phantom eins war mir immer noch nicht
klar.

Hatch: Was hat die Pyramidenerpressung mit dem
Mord an Pelotard zu tun.

vanDusen: Sehr viel mein lieber Hatch, der Mord an
Pelotard, welchen das Phantom wie ich vermute mit
eigener Hand ausführte, stellt die letzte und
wichtigste Voraussetzung für das gelingen der
Erpressung dar.

Hatch: Ja wieso.

vanDusen: Ach mein lieber Hatch, zählen sie 2 und
2 zusammen, denken sie an altägyptische
Jenseitsvorstellungen, denken sie an die Tatsache
daß Pelotard das Grab des Haemon entdeckt und
ausgegraben hat.

Hatch: Ich denke Prof ich denke so sehr ich nur
kann.

vanDusen: Bravo, bravo mein lieber Hatch.

Hatch: Aber mir fällt nichts ein moment doch ich
glaube ich weiß wer das Phantom ist

vanDusen: Tatsächlich und wen haben sie im
Verdacht.

Hatch: Miss Pingle, immer wenn was passiert ist
sie dabei, im Zug auf der Pyramide.

Maigret: Sehe ich recht Prof van Dusen.

vanDusen: Oh Madame Maigret, welch angenehme
Überraschung, setzen sie sich zu mir, was führt
sie nach Kairo.

Hatch: Sie erinnern sich doch noch an Madame
Maigret, genau Privatdetektivin aus Paris,
beteiligt am Mordfall in Montecarlo und an der
kuriosen Affäre um Hannibals Alpenübergang, von
Prof van Dusen nicht nur in kriminologischer
Hinsicht hoch geschätzt, ein interessanter Fall
hatte sie nach Ägypten gebracht, vor 6 7 Wochen
war auf dem Gelände des gar de lyon eine Tote
gefunden worden, ermordet, entsetzlich entstellt,
unkenntlich, die Polizei kam nicht weiter, die
Eisenbahn verwaltung setzte eine Belohnung aus,
Madame Maigret klemmte sich dahinter und schaffte
es schließlich die unbekannte zu identifizieren.

Maigret: Als die Tochter eines Ägyptologen an der
Pariser Universität namens.

vanDusen: Rose Pelotard.

Maigret: Ja woher wissen sie, Prof.

vanDusen: Auf welche weise haben sie die
Identifizierung bewerkstelligt Madame.

Maigret: Das Gebiß Prof, sämtliche Zahnärzte in
und um Paris hab ich abgeklappert, und wissen sie
was geschah als ich die Belohnung einforderte,
ausgelacht haben mich die Leute von der
Bahnverwaltung, ich hätte mich geirrt, sagten sie,
Rose Pelotard lebe und sei in Ägypten, ich wollte
Prof Pelotard sprechen, aber der war auch gerade
nach Ägypten abgereist, was blieb mir übrig ich
kaufte mir eine Fahrkarte und hier bin ich, wer
immer sich in Ägypten Rose Pelotard nennt, muß
eine Hochstaplerin sein.

vanDusen: Und schlimmeres Madame, der letzte
Mosaikstein befindet sich an seinem Platz, das
Phantom ist entlarvt, es handelt sich nicht, wie
sie mein lieber Hatch glauben, um unsere Freundin
Miss Pingle.

Pingle: Das will ich doch stark hoffen.

Hatch: Miss Pingle, sitzen sie schon lange hinter
der Palme.

Pingle: Oh ja Mr Hatch, ich sitze und ich lausche,
gebannt und hingerissen, Pelotard, Phantom,
Pyramide, eine fantastische Geschichte.

vanDusen: Gesellen sie sich zu uns, Miss Pingle,
sie sind ohnehin beteiligt, sie sind bereits
weitgehend informiert, vor allem benötige ich sie,
ich gehe doch wohl nicht fehl in der Annahme, daß
sie die Cheopspyramide kennen wie.

Hatch: Wie ihre Westentasche.

Pingle: So ist es, nur daß ich keine Weste trage.

vanDusen: Sehrschön sehrschön meine Damen mein
lieber Hatch dies ist mein Plan.

Hatch: 15 Stunden später, Mitternacht, im Licht
des Mondes warf die Cheops-Pyramide ihren
unheimlichen Schatten über die Polizeiposten zu
ihren Füßen, über Gestein und Trümmer bis zu dem
Sandhaufen neben dem Grab des Hemon, unserem Ziel,
wir hatten freie Bahn, Mustafa der Mann mit dem
Knüppel, hatte ein gewaltiges bakschisch neben
einer Flasche Arag bekommen, und schlief sich
irgendwo aus, die angebliche Rose Pelotard hielt
sich in dem Haus auf das sie wie Miss Pingle wußte
in dem nahen Dorf gemietet hatte, das moderne
Türschloß war kein Problem für eine moderne
Privatdetektivin, ein paar Handgriffe mit einem
verdächtig aussehenden Instrument und die Tür
sprang auf, vorsichtig schlichen die furchtlosen
vier die Eingangsstufen hinter in eine leere
staubige Kammer und da standen wir nun wie Ochs
und Kuh vorm neuen Tor und bestaunten die
5000jährigen bunten Wandbilder, nur einer wußte
wie es weiterging, Prof van Dusen, einen Kompaß in
der linken machte sich mit der rechten an der
hinteren Wand zu schaffen, auf die ein viereckiger
Fischteich gemalt war, umgeben von Schilfrohr und
Bäumen, er drückte hier, er drückte da und
plötzlich.

Pingle: Der Fischteich.

Maigret: Er ist weg.

vanDusen: Statt dessen ein Loch.

vanDusen: Die Pforte des geheimen Ganges, welche
ich an eben dieser Stelle zu finden erwartete,
meine Damen, mein lieber Hatch, vorwärts.

Hatch: Sollen wir wirklich durch das schwarze
Loch.

Pingle: Was sonst Mr Hatch.

Maigret: Haben sie etwa Angst.

Hatch: Klar hatte ich Angst, vor allem aber hatte
ich einen schweren Korb mit all den Dingen die van
Dusen bei unserer Expedition für nötig hielt,
Laternen, Stricke, mehrere Holzkeile, eine Pistole
und Proviant erstaunlicherweise, das schleppte
Kuli Hatch durch den engen niedrigen finsteren
Gang, vor ihm Miss Pingle, Madame Maigret mit
einer Laterne, und der Prof, der uns eine
kriminologisch ägyptologische Vorlesung hielt.

vanDusen: Dieser geheime Gang stellt gewissermaßen
den Dreh- und Angelpunkt jener mysteriösen
Geschehnisse dar, deren Zeugen wir in den letzten
Tagen sein konnten, Prof Pelotard hat ihn im
vergangenem Jahr entdeckt, seine Absicht war es
nach eingehender Untersuchung während dieser
Grabungskampagne die Öffentlichkeit von seiner
Existenz zu unterrichten.

Pingle: Das hat er also im Zug gemeint.

vanDusen: Ganz recht, Miss Pingle, wenden wir uns
nunmehr dem Phantom zu, nach dem
Unterseebootunfall vor Rumänien.

Hatch: An dem sie ja nicht ganz unschuldig waren
Prof.

vanDusen: Nach jenem Unfall begab das Phantom sich
nach Paris, lernte dort die Pelotards kennen,
schlich sich in ihr Vertrauen, und erfuhr von der
Existenz des Geheimgangs, ein pervertiertes Hirn
wie das ihre erfaßte sogleich die sich dadurch
eröffnenden kriminellen Möglichkeiten, wegen einer
zweifellos durch Gift verursachten Magenerkrankung
blieb Prof Pelotard vorerst in Paris, schickte
seine Tochter Rose voraus nach Ägypten, diese.

Maigret: Augenblick, Prof da liegt was, eine
Dynamitpatrone.

vanDusen: Ein deutlicher Hinweis darauf, auf
welche weise die vorgestrige Explosion in der
Cheopspyramide bewerkstelligt wurde, weiter, das
Phantom ermordete Rose Pelotard noch auf dem
Bahnhof, nahm ihre Stelle ein, fuhr nach Ägypten,
bereitete als Rose Pelotard ihren Coup vor, und
als Prof Pelotard seine verspätete Ankunft
ankündigte.

Pingle: Mußte auch er sterben.

vanDusen: Durch eine mit Akunitin präparierte
Zigarre, welche das Phantom in Verkleidung ihm
präsentierte, sodann.

Maigret: Stop, der Gang ist zu Ende, was ist das,
ein Griff, Prof.

vanDusen: Ziehen sie, Madame ziehen sie, Miss
Pingle, Hatch, helfen sie.

Hatch: Wir zogen, der Schlußstein bewegte sich und
dahinter lag wieder eine Felsenkammer, klein und
kahl und grau und unheimlich, wo waren wir.

vanDusen: Diese Frage kann ihnen Miss Pingle
beantworten.

Pingle: Wir sind in der großen Pyramide, genauer
unter der Pyramide, in der sog. unterirdischen
Grabkammer.

Hatch: Hier sollte ich mal kurz erklären, wie es
in der Cheopspyramide aussieht, es gibt drei
Kammern, die Königskammer etwa in der Mitte der
Pyramide mit einem großen leeren Sarkophag ohne
Deckel, ein Stück tiefer die Königinnenkammer und
32 m unter der Pyramidenbasis die unterirdische
Kammer, alle Kammern sind durch ein System von
Gängen mit einander und mit den Eingängen an der
Nordseite verbunden, ja das wärs abgesehen von ein
paar Luftschächten und drei Hohlräumen zur
statischen Entlastung der Königskammer, der
geheime Gang hatte uns also vom Grab des Hemon in
die unterste Kammer der Cheopspyramide gebracht.

vanDusen: Sehen sie her, der bewegliche Stein
wurde auf dieser Seite so kunstvoll in die
Unebenheiten der Wand eingefaßt, daß seine
Konturen unsichtbar bleiben, der von mir
theoretisch konzipierte und postulierte unbekannte
Zugang zur cheopyramide hier ist er.

Maigret: So hat das Phantom also das Dynamit in
die Pyramide geschafft.

vanDusen: So gedenkt es die erpresste Summe und
die eigene Person in sicherheit zu bringen.

Hatch: Ok, ok das ist mir klar aber was ich nicht
verstehe, das Phantom hat doch gedroht die ganze
Pyramide in die Luft zu sprengen.

vanDusen: Eine leere Drohung, welche auszuführen
das Phantom weder die Absicht noch die Mittel hat.

Hatch: Also ein bluff, und noch was Prof, woher
wußten sie daß der unbekannte Zugang zur Pyramide
ausgerechnet im Grab des Hemon anfängt.

vanDusen: Eine simple ägyptologische Kombination,
nach dem Glauben der alten Ägypter stand allein
dem Pharao nach dem tode die Erhebung unter die
Götter zu, ein mystischer Vorgang in seinem
Grabmal der Pyramide, was lag nun für Hemon den
Erbauer der Pyramide näher als sich insgeheim
einen Weg zu schaffen, auf welchem sein kah, seine
Seele sich nach dem tod in die Pyramide begeben
konnte um hier zusammen mit dem Pharao der
Vergöttlichung teilhaftig zu werden.

Hatch: Raffiniert, als Nassauer in den Himmel.

vanDusen: Wenn sie so ausdrücken wünschen, mein
lieber Hatch, wie spät ist es.

Hatch: Zehn nach 2.

vanDusen: Meine Damen, sie werden sich nunmehr
zurückziehen.

Maigret: Oh.

vanDusen: Achten sie darauf, keine Spuren zu
hinterlassen, setzen sie die beweglichen Steine
sorgsam so ein, wie wir sie vorfanden, überlassen
sie alles weiter mir.

Pingle: Was haben sie vor Prof.

vanDusen: Ich werde das Phantom abfangen, und zu
diesem zwecke bis morgen in der Pyramide verharren
mit dem Korb und mit Mr Hatch natürlich.

Hatch: Die Damen gingen, obwohl sie lieber
geblieben wären, bei mir wars genau umgekehrt, wir
machten es uns in der oberen der Königskammer
gemütlich versteckt im Sarkophag des alten Cheops,
soweit es in einem Sarg gemütlich sein kann, ich
aß und trank ein bißchen, schlief ein bißchen, und
graulte mich ein bißchen und wartete, am nächsten
Morgen um 9 plötzlich Licht und Geräusche, der
Bote mit dem Geldkoffer, hastig stellte er ihn auf
den Boden und verschwand, kaum war er weg, mußte
ich über den Rand turnen und den Koffer zu uns in
den Sarkophag holen, dann wieder warten, aber
diesmal nur Minuten, vorsichtige Schritte, der
zitternde Strahl einer Blendlaterne, und da stand
sie, die angebliche Rose Pelotard, das Phantom,
sie stand und guckte und stutzte und suchte.

vanDusen: Sie suchen vergebens Madame.

Pelotard: Wer ist das.

Hatch: Pharao Cheobs.

Pelotard: Lassen sie den Unsinn Mr Hatch, ich
kenne ihre Stimme, die des Prof auch, zeigen sie
sich, ach, ich hätte es mir denken können, sie
Prof van Dusen wieder einmal sie, zum vierten mal
kommen sie in die quere.

vanDusen: Zum vierten und zum letzten Male.

Hatch: Hände hoch keine Bewegung oder ich schieße.

Pelotard: Mit dieser Pistole, Mr Hatch, daß ich
nicht lache, sie haben vergessen sie zu
entsichern.

Hatch: Was da muß doch gleich.

vanDusen: Hatch vorsicht.

Hatch: Zuspät, nur einen moment hatte ich das
Phantom aus den Augen gelassen, aber bei einer so
gerissenen Verbrecherin ist sogar ein moment zu
lang, jetzt hatte sie die Pistole, und richtete
sie auf uns, mit der anderen Hand schlug sie den
schleier zurück und zog sich die kunstvoll
gearbeitete Kautschukmaske vom gräßlich
zugerichteten Gesicht.

Pelotard: Sehen sie her Prof das ist ihr Werk,
jetzt ist die Zeit der Rache gekommen sie werden
sterben, Prof und sie natürlich auch Mr Hatch, sie
werden sterben und ihr Tod wird lang andauernd und
qualvoll sein, im unterirdischen Gang des Hämon
bei verrammelten Türen werden sie langsam zugrunde
gehen, im Paroxismus des Hungers werden sie sich
gegenseitig anfallen, sich das Fleisch von den
Knochen reißen.

Hatch: Keine Angst, Prof ich würde sie nie
anknabbern.

vanDusen: Vielen dank mein lieber Hatch.

Pelotard: Ich bedauere nur eins, daß ich ihnen
nicht zusehen und mich an ihren Qualen weiden
kann, doch wenn ich morgen.

Maigret: Wollen sie auch mal zuschlagen, Miss
Pingel.

Pingle: Mit Vergnügen Madame Maigret.

Maigret: Da stauen sie was Prof.

vanDusen: Aber meine Damen ich hatte sie
angewiesen.

Pingle: Ach wissen sie draußen war es uns zu
langweilig.

Maigret: Und wir wollten auch mal in der ersten
Reihe sitzen.

Pingle: Darum sind wir dem Phantom
nachgeschlichen.

Maigret: Ein Glück für sie meine Herren.

Pingle: Wer weiß wie es ihnen sonst ergangen wäre
ja.

vanDusen: Ja äh.

Hatch: Van Dusen sprachlos, ein äußerst seltenes
Phänomen und ein vorübergehendes, das Phantom
wurde gefesselt und in den Sarkophag gelegt, dann
traten wir vier den Rückzug an mitsamt Geldkoffer,
hinter uns verkeilten wir die Türsteine des
Geheimganges um der Gefangenen den Fluchtweg
abzuschneiden, eine gute Stunde später standen wir
vor dem Grab des Hämon und sahen mit wohlgefallen
zu wie Captain Mayday mit seinen Mannen aus der
Pyramide kroch und an uns vorbei defilierte.

Mayday: Ausschwärmen, Straßen sperren, das ganze
Gelände absuchen.

vanDusen: Vermissen sie etwas Kapitän.

Mayday: Da sind sie ja schon wieder Prof, lassen
sich mich bloß in Ruhe.

vanDusen: Vielleicht diesen Koffer.

Mayday: Das Geld, die 100000 Pfund, wie kommen sie
zu dem Koffer Prof.

vanDusen: Ein wenig angewandte
Amateurkriminologie, wie geht es dem Phantom.

Mayday: Dem Phantom wieso.

vanDusen: Ja haben sie es denn nicht dingfest
gemacht.

Mayday: Nein.

vanDusen: Sie haben doch die Pyramide durchsucht
Capitain.

Mayday: Selbstverständlich Prof.

vanDusen: Auch die Königskammer und den Sarkophag.

Mayday: Ja sicher, das heißt nicht ich persönlich,
mein bester Mann, Hauptwachtmeister Musa, da vorne
läuft er, Musa, Musa, zurück Marsch marsch, Musa
bleib stehen.

Hatch: Aber Musa blieb nicht stehen, er bog um
eine Ecke und war weg, den wirklichen
Hauptwachtmeister Musa fand man wenig später im
Sarkophag des Cheops, bewußtlos, in Unterhosen,
merkwürdig.

vanDusen: Was erscheint ihnen merkwürdig, mein
lieber Hatch.

Hatch: Das Phantom hat sich befreit, hat Musa
überwältigt, und ist in dessen Uniform geflohen,
da muß sie doch ganz nah bei uns vorbeigelaufen
sein, ohne Maske, und sie haben sie nicht erkannt,
Prof.

vanDusen: Glauben sie mein lieber Hatch, wäre es
nicht möglich, daß ich es vorzog mich nicht einer
Gegnerin zu berauben, welche wenn ich sie auch
keineswegs als ebenbürtig erachten kann, mir doch
das eine oder andere interessante Duell geliefert
hat.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Miss Pingle, eine Pyramidologin: Gudrun Genest
Ibrahim Manur, ein ägyptischer Würdenträger:
Volkmar Kleinert
Captain Mayday von der Kairoer Polizei: Helmut
Wildt
Madame Maigret, Privat-Detektivin: Evamaria Miner
Rose Pelotard, Archäologin: Liane Rudolph
Stationsvorsteher: Helmut Ahner

 Senf Nr. 4002 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.32Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen in geheimer Mission
(RIAS 1990)

Hatch: Prost, Professor.

vanDusen: Prosit, mein lieber Hatch.

Hatch: Auf unsere nächsten 60 Fälle, Prof.

vanDusen: Unsere Fälle, mein lieber Hatch…

Hatch: Während die abendliche Dämmerung schwer und
düster auf die kravonischen Fluren hernieder
sinkt, stampft und dampft er unbeirrbar voran, der
von Sagen, Mythen und Legenden umwitterte
Orientexpreß, umwittert, ich weiß nicht, umwabert,
umwoben, ja das ist gut, der von Legenden umwobene
Orientexpreß.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Romantik gewiß doch es ist die Romantik des
Fortschritts, der Technik, die Romantik dieser
unserer modernen Zeit.

vanDusen: Hatch.

Hatch: Ja Prof.

vanDusen: Haben Sie die Güte, Ohren und Geschmack
der Mitwelt nicht durch die lautstarke Deklamation
Ihrer verquollenen Prosa zu insultieren.

Hatch: Verquollene Prosa, das ist allerfeinste
journalistische schreibe ich komponiere gerade
eine besinnliche Betrachtung für den Daily New
Yorker, bestens geeignet für Feiertage aller Art,
Ostern, Pfingsten, Buß und Bettag.

vanDusen: Aber wir haben nicht Ostern, nicht
Pfingsten, und schon gar nicht Buß und Bettag,
vielmehr schreiben wir den 6. August.

Hatch: Im Jahre des Herrn 1904, jawohl Prof weiß
ich aber, das Abteil ist besetzt guter Mann,
suchen sich ein anderes, hören Sie mal, das hier
ist ein Doppelabteil, Doppel, verstehen sie für
zwei Personen, und hier sind schon zwei, sie sind
überzählig, raus.

Mörder: Oh.

vanDusen: Der Mann scheint sie nicht zu verstehen,
lieber Hatch, gehen sie, rufen sie den Schaffner.

Hatch: Machen wir, Prof, wenn sie schon nicht
rauswollen, guter Mann, dann treten sie wenigstens
zur Seite und lassen sie mich raus, rührt sich
nicht der Kerl, he du weg von Tür verstehen.

Mörder: Ich verstehe sie sehr gut Mr Hatch.

Hatch: Prof der kann sprechen.

Mörder: Sie werden staunen was ich noch alles
kann, Mr Hatch, öffnen sie das das Fenster, los.

Hatch: Ich wollte nicht, aber unser unbekannter
Besucher hatte ein sehr überzeugendes Argument,
eine große schwarze gefährlich aussehende Pistole,
die er aus der Jacke zog und mir unter die Nase
hielt, also ging ich zum Abteilfenster und machte
es auf.

Mörder: Gut so, Mr Hatch, bleiben sie da stehen,
Prof van Dusen sie stellen sich neben Mr Hatch und
nun meine Herren, springen sie bitte hinaus.

Hatch: Aus dem Fenster, aber das ist
lebensgefährlich.

Mörder: Eben, Mr Hatch, springen sie oder möchten
sie dem Prof den Vortritt lassen.

Hatch: Sie wollen uns umbringen.

Mörder: Das ist mein Auftrag, Mr Hatch, hinaus.

Hatch: Aber warum und wozu was haben wir ihnen
getan Prof sagen sie auch mal was.

Mörder: Bitte meine Herren, machen sie es uns doch
nicht so schwer, lassen sie uns die wie ich
zugeben muß vor allem für sie unangenehme
Angelegenheit in Würde und Anstand zu ihrem
unvermeidlichen Ende bringen.

vanDusen: Halten sie sich gut fest.

Mörder: Ah.

Hatch: Was was war denn das.

vanDusen: Ich habe die Notbremse gezogen mein
lieber Hatch.

Hatch: Aha und der Mörder.

vanDusen: Ist von eben dem Schicksal ereilt worden
welches er uns zugedacht hatte.

Hatch: Aus dem Fenster und weiter in die
Landschaft, na der kommt nicht wieder, da haben
wir noch mal Glück gehabt Prof.

vanDusen: Glück mein lieber Hatch, Glück, war es
Glück, daß Masse und Standort unseres Angreifers
ins rechte Verhältnis setzte zur Geschwindigkeit
des Zuges, war es Glück daß im günstigsten Moment
nämlich kurz vor dem Scheitelpunkt einer Kurve die
Notbremse betätigte, so daß unser ungebetener Gast
dem Gesetz der Trägheit folgend uns auf
schnellstem Wege verließ durchs Fenster den Kopf
voran.

Hatch: Sie meinen sie haben das so geplant, Prof.

vanDusen: Selbstverständlich mein lieber Hatch,
ein relativ simples mathematisch physikalisches
Exempel.

Hatch: Jedenfalls sind wir den Kerl los,
merkwürdig, er hat was von Auftrag gesagt, und er
wußte, wer wir sind, was hat zu bedeuten, Prof,
warum will man uns umbringen.

vanDusen: Mein lieber Hatch, ich habe nicht die
geringste Ahnung.

Hatch: Das glaub ich ihnen nicht Prof, sie wissen
alles.

vanDusen: Ihr kindliches Vertrauen ehrt und rührt
mich, doch ohne präzise Fakten, ohne exakte
Hinweise kann selbst Prof DrDrDr Augustus van
Dusen.

Hatch: Die Denkmaschine, größter Wissenschaftler
und bedeutendster Amateurkriminologe aller Zeiten.

vanDusen: Danke danke, kann selbst mein Intellekt
nicht tätig werden.

Hatch: Und was machen wir jetzt Prof.

vanDusen: Na wir bleiben ruhig und warten ab.

Schaffner: Sie haben die Notbremse gezogen, meine
Herren.

vanDusen: Ein Versehen, Schaffner, zahlen sie die
hierfür festgesetzte Gebühr.

Schaffner: Das macht 50 Piaster, mein Herr.

Hatch: Ich zahlte, der Orientexpreß fuhr weiter,
ich machte mir Sorgen, der Orient-expreß hielt,
diesmal regulär im Bahnhof von Popelnik, 5 Min
Aufenthalt stand im Fahrplan aber das konnte nicht
stimmen, der Zug hielt und stand und stand und
hielt.

Hatch: Schon eine halbe Stunde Verspätung,
Unverschämtheit, he sie Stations-vorsteher, warum
fahren sie nicht weiter.

Bahnhofsvorsteher: Weil wir den Gegenverkehr
abwarten müssen, mein Herr, die Strecke durch
Kravonien ist leider nur eingleisig.

Hatch: Aber der Zug in die andere Richtung ist
doch schon durch.

Bahnhofsvorsteher: Jawohl mein Herr, pünktlich auf
die Minute, aber es kommt noch einer, ein
Sonderzug.

Hatch: Und auf den muß der Orientexpreß warten.

Bahnhofsvorsteher: Bedauerlicherweise ja mein
Herr, ich habe telegrafische Anweisung aus
Staropol von höchster Stelle, um sie für den
unfreiwilligen Aufenthalt ein wenig zu
entschädigen, lädt die königlich kravonische
Eisenbahnverwaltung sie zu einem kostenlosen Imbiß
im gastronomisch renommierten Bahnhofsbüffet von
Popelnik ein, Speis und Trank von feinsten meine
Herren, soviel ihr Herz begehrt.

Hatch: Prof van Dusen wollte nicht, er hatte
keinen Appetit, er hat nie Appetit, aber ich
klopfte ihn breit, das hätte ich nicht tun sollen,
kaum hatten wir das völlig leere
Bahnhofsrestaurant betreten, als auch schon die
Tür hinter uns zugeschlagen und von außen
abgeschlossen wurde.

Hatch: Zu, aufmachen, was soll das, lassen sie uns
raus.

Bahnhofsvorsteher: Tut mir leid, meine Herren,
Anweisungen, wie gesagt von höchster Stelle, zum
Orientexpress nach Konstantinopel über Gnewutsch,
Zaribrod, Sofia, Adrianopolis einsteigen und Türen
schließen.

Hatch: Prof unser Zug da fährt er ohne uns jetzt
verstehe ich gar nichts mehr sie Prof.

vanDusen: Wie es den Anschein hat, ist der
Orientexpreß für uns auch weiterhin mit
ungewöhnlichen und ausgefallenen Situationen
assoziiert, denken sie nur zehn Tage zurück, an
den 27. Juli.

Hatch: Sie meinen die explodierende Kaffeekanne,
Prof.

vanDusen: Vor allem meine ich unsere sich aus
jener kuriosen Episode entwickelnde singulären
Abenteuer in Kravonien.

Hatch: Wenn sie den Abschnitt der großen van Dusen
Chronik kennen der den Titel trägt Prof van Dusen
sieht doppelt, dann wissen sie wovon die Rede ist,
von der große wende im kleinen balkanesischen
Königreich Kravonien, der böse König Bolko hatte
den Thron verloren zugunsten seines guten wenn
auch ziemlich schlappen Bruder Milan und sie
wissen wer dazu entscheidend beigetragen hatte,
Prof van Dusen, ja sicher der auch, nochmehr aber
sein treuer Begleiter, Assistent und Chronist,
meine Wenigkeit, Hutchinson Hatch, und sie wissen
auch, wie es zwischen mir und der wunderschönen
gar nicht schlappen Königin Dragina geknistert
hatte.

Hatch: Dragina.

vanDusen: Soeben hat Mr Hatch von ihnen
gesprochen, Majestät.

Dragina: Nur gutes, hoffe ich.

vanDusen: Von ihnen also kam die Weisung uns an
diesem Ort festzuhalten.

Dragina: Ein ich gebe es zu ein wenig abruptes
vorgehen, meine Herren, verzeihen sie,
ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche
Maßnahmen.

Hatch: Meinetwegen, Dragina.

Dragina: Sie glauben, übergroße Sehnsucht nach
ihrer Person mein lieber Hutchinson habe mich zu
diesem Schritt veranlaßt, seien sie nicht
gekränkt, wenn ich das kategorisch ausschließe,
meine sehnsucht gilt weniger ihnen als Prof van
Dusen.

vanDusen: Ein neues Problem, Majestät.

Dragina: So ist es Prof.

vanDusen: Kriminologischer Natur.

Dragina: Kriminologisch nunja das auch in erster
Linie handelt es sich jedoch um ein Problem von
allergrößter politischer Tragweite.

vanDusen: Ah, berichten Sie Majestät.

Hatch: Gleich nach der denkwürdigen Hochzeitsfeier
in Staropol hatte Königin Dragina ihren Mann in
die Ecke gestellt und selbst die Regierung
übernommen, noch in der Nacht ließ sie sich von
den Ministern über die politische Situation
Kravoniens informieren, und die sah gar nicht gut
aus, das kleine Land das wie ein Puffer zwischen
Serbien und Bulgarien lag war isoliert, alle
Staaten auf dem Balkan hatten die Beziehungen
abgebrochen angewidert vom Schreckensregiment
König Bolkos und seine Geheimpolizei der schwarzen
Garde, Kravoniens einziger Verbündeter Serbien war
nur darauf aus, den kleinen Nachbarn im Süden bei
nächster Gelegenheit zu schlucken, das mußte
anders werden, meinte die Königin, Serbien vertrug
sich nicht mit Bulgarien, Dragina beschloß mit
Bulgarien anzubändeln und sie wußte auch schon
wie.

Dragina: Mein Kollege Fürst Ferdinand von
Bulgarien hat zwei große Leidenschaften, das
Eisenbahnfahren und.

vanDusen: Die Entomologie.

Hatch: Entwowas.

Dragina: Prof sie wissen alles.

Hatch: Sag ich doch immer.

Dragina: Ferdinand von Bulgarien ist einer der
bedeutendsten Käferkenner und Käfersammler der
Welt, aber inmitten seiner gefüllten Terrarien und
Insektenkästen ist er nicht glücklich, ein Käfer,
ein einziger fehlt in seiner großen Kollektion,
obwohl er sich seit langem um ein Exemplar bemüht,
ich meine den kravonischen Riesenhirschkäfer.

vanDusen: Lucanus cervus giganteus, 10cm lang.

Hatch: 10 cm, da kann man ja Angst kriegen.

vanDusen: Und so gut wie ausgestorben.

Dragina: Sehr richtig Prof nur in den
abgelegensten Schluchten der nadscha gora, der
finsteren Berge, gibt es noch eine wenige
Exemplare.

Prof: Ich verstehe Majestät, sie suchten sich in
den Besitz jener Rarissima zu setzen.

Dragina: Um sie Ferdinand zu präsentieren, als
Geste guten willen, das war mein Plan, ich
scheuchte meine Förster und Wildhüter in die Berge
und nach ein paar Tagen waren sie zurück, mit 6
Riesenhirschkäfer, drei Männchen und drei
Weibchen.

Hatch: Da kann er eine flotte Käferzucht aufmachen
der Ferdinand.

vanDusen: Hatch bitte.

Dragina: Ich schickte eine Depesche nach Sofia ins
Fürstenschloß, und Ferdinand antwortet sofort,
lesen sie vor Hutchinson.

Hatch: Ich bin immer für sie da, Majestät, bin
überglücklich, sendet Käfer schnellstmöglich,
biete Freundschaftspakt.

Dragina: Soweit so gut, am Abend des 4. August,
vorgestern, fuhr ein Kurier los mit einem
Käferpaar in der Botanisiertrommel.

vanDusen: Er fuhr, wie Majestät.

Dragina: Auf dem schnellsten und defacto einzigen
Wege von Kravonien nach Bulgarien, mit dem Zug,
das heißt mit dem Orientexpreß, wir haben wie das
üblich ist, unseren königlich kravonischen
Salonwagen hinten angehängt, der Kurier fuhr also
los, Ferdinand wartete voller Ungeduld gleich
hinter der Grenze in Zaribrod, und ich bekam
gestern gegen Mittag diese Depesche, Hutchinson.

Hatch: Zu befehl Majestät, bin ungehalten, Pakt
gefährdet, Kurier überfallen, Käfer verschwunden,
sendet sofort neue, Ferdinand.

vanDusen: Was war geschehen, Majestät.

Dragina: Sie können den Mann selbst befragen,
Prof, er kam vorhin zurück mit dem Salonwagen und
ich hab ihn gleich hierbehalten.

vanDusen: Sehr vorausschauend, Majestät, wie
reagierten sie auf die Depesche.

Dragina: Schnelles Handeln war gefragt, ich
wartete die Rückkehr des Salonwagens nicht ab und
setzte mit den zweiten paar Käfer auf der Stelle
eine hochkarätige Sonderdelegation in Bewegung,
meinen Außen- und meinen Verkehrsminister.

Hatch: Verkehrsminister, wozu denn den.

Dragina: Wegen der Lokomotive, der einzigen
Lokomotive im Besitz unseres Landes und die kann
nur der kravonische Verkehrsminister fahren, falls
es sie interessiert meine Herren es handelt es
sich um eine kleine Tenderlok vom Typ T3 gebaut
von Henschel und Sohn in Kassel, der deutsche
Kanzler Bismarck hat sie vor etwa 25 Jahren dem
damaligen König Danilo geschenkt, eine sehr
robuste Maschine, vielseitig einsetzbar.

Gewiß Majestät gewiß, wann ist ihre Delegation auf
der Lokomotive aufgebrochen.

Dragina: Heute früh kurz nach mitternacht, am
vormittag hätte sie in Zaribrod eintreffen müssen.

Hatch: Ist sie aber nicht oder.

Dragina: Lesen sie.

Hatch: Keine Lokomotive, keine Delegation, kein
Käfer, äußerst ungehalten, Krieg nicht
ausgeschlossen, Ferdinand.

Dragina: Diesmal ist die ganze Lokomotive
einschließlich Inhalt verschwunden auf dem
Streckenabschnitt zwischen Gnewutsch und Zaribrod.

vanDusen: Wie lang ist Strecke Majestät.

Dragina: Knapp 50 km gebirgig, sehr einsam, keine
Städte, keine Dörfer, keine Menschen.

vanDusen: Könnte ihre Lokomotive verunglückt sein,
womöglich entgleist.

Dragina: Nein Prof die Strecke ist frei und der
Express aus Bulgarien der eben hier durchkam, hat
nichts Verdächtiges oder nur Auffälliges
wahrgenommen, die Lok hat Gnäwutsch passiert am
morgen in Zaribrod ist nicht angekommen, sie ist
verschwunden, spurlos.

vanDusen: Gibt es Nebenstrecken, Ausweichgleise.

Dragina: Weder noch, nur das eine Gleis für den
Orientexpreß.

vanDusen: Ein Mysterium wie es scheint und
politisch betrachtet eine erhebliche Komplizierung
ihrer Situation Majestät.

Dragina: Das können sie laut sagen, Prof,
Bulgarien ist vergrätzt, Serbien lauert, was tun,
beim Mittagessen fiels mir ein, sie waren im
lande, Prof van Dusen, Spezialist für schwierigste
fälle, ich ließ sogleich in Erfahrung bringen wo
sie sich aufhielten, im Orientexpreß hörte ich
unterwegs nach Bulgarien, eine Depesche mit
Anweisungen ging nach Popelnik, ich zu Pferde mit
kleinstem Gefolge und im gestreckten Galopp
hierher und nun Prof.

vanDusen: Tja nun stehen sie vor mir was kann ich
für sie tun, wünschen sie daß ich das
geheimnisvolle Scheitern ihrer beiden nach
Bulgarien entsandten Missionen einer Aufklärung
zuführe.

Dragina: Warum nicht Prof, von mir aus aber.

vanDusen: Aber vor allem liegt ihnen daran zu
erfahren wer oder was für die bislang
unerklärlichen Vorgänge verantwortlich ist.

Dragina: Nicht nötig Prof.

vanDusen: Was soll das heißen.

Dragina: Ich weiß, wer dahinter steckt, die
schwarze Garde.

Hatch: Wie das so ist bei einer politischen Wende
die alte Geheimpolizei wird zwar offiziell
aufgelöst aber bis es gelingt ihren
weitverzweigten Apparat zu zerschlagen arbeitet
sie im Untergrund munter weiter, so war es auch in
Kravonien, die gefürchtete schwarze Garde lebte
noch, überall auch in den höchsten Kreisen saßen
ihre Agenten, noch immer hingen sie am
entmachteten König Bolko und versuchten die alte
Politik fortzuführen.

Dragina: Und darum ist die schwarze Garde
entschlossen, meine Annäherung an Bulgarien zu
hintertreiben.

vanDusen: Mit allen Mitteln wie es scheint,
durchaus glaubhaft, Majestät, doch wenn ihnen an
der Einzelaufklärung wenig liegt und wenn ihnen
die Drahtzieher im Hintergrund bereits bekannt
sind, dann verstehe ich nicht was sie von mir
erwarten.

Dragina: Ist doch ganz einfach, Prof sehen sie,
ich muß mich mit Bulgarien arrangieren, ein paar,
ein einziges paar Riesenhirschkäfer habe ich noch,
und das muß jemand zu Ferdinand bringen.

vanDusen: Ja aber.

Dragina: Jemand der geschickt genug ist, den
Anschlägen der schwarzen Garde zu entgehen, wissen
sie, früher als ich noch einfache Prinzessin war,
hätte ich es selbst versucht.

Hatch: Glaub ich ihnen unbesehen.

Dragina: Aber jetzt bin ich Königin und deshalb
geht es nicht, leider, sie werden es übernehmen
Prof und wenn sie mir bei dieser Gelegenheit
gleich noch meine Lokomotive zurückbringen
könnten.

vanDusen: Majestät ihr Auftrag.

Dragina: Ehrt sie Prof.

vanDusen: Mitnichten, Majestät, er ist unter
meiner würde, Prof van Dusen.

Hatch: Etc etc.

vanDusen: Ist kein Laufbursche, ich bedauere
Majestät.

Dragina: Ich auch, Prof, nun ja, es war ein
Versuch, ich sehe ja ein, daß die Sache sogar für
sie zu schwer ist, geradezu unmöglich.

vanDusen: Unmöglich, Majestät, dem wahrhaft
intelligenten Menschen ist nichts wohlgemerkt
nichts unmöglich, lassen sie das gesagt sein,
selbstverständlich erfülle ich ihre bitte.

Dragina: Unter uns, Prof ich habe es nicht anders
erwartet.

Hatch: Oje er hat sich austricksten lassen, der
Prof.

vanDusen: Und sie mein lieber Hatch, sie kommen
natürlich mit mir.

Hatch: Muß das sein, Kravonien, Bulgarien,
Riesenkäfer das ist nicht mein Bier und ihres auch
nicht, Prof.

vanDusen: Es geht nicht um balkanesische Politik,
es geht nicht einmal um Kriminologie.

Hatch: Sondern.

Prof: Es geht um die Demonstration der
unbegrenzten Macht des menschlichen Geistes.

Hatch: Hoch soll er leben.

vanDusen: Wann fährt der nächste Zug in Richtung
Bulgarien.

Hatch: Das wußte der Stationsvorsteher, 23 Uhr 40,
der Orientexpreß nach Konstantinopel, der zweite
weil sonnabend war, sonst fuhr pro Tag nur einer,
also noch gut anderthalb Stunden, van Dusen war
zufrieden, Zeit genug meinte er für die nötigen
Vorbereitungen und für gewisse Untersuchungen und
weil er damit gleich anfangen wollte, gingen wir
über den Bahnsteig zum königlich kravonischen
Salonwagen, der auf einem Ausweichgleis abgestellt
war.

vanDusen: Wer war von ihrer Absicht informiert
mich in dieser Angelegenheit zu konsultieren.

Dragina: Nur mein engster Beraterkreis, Prof.

vanDusen: Das heißt.

Dragina: Meine erste Hofdame Gräfin Szlepynsky,
eine kluge und erfahrene Frau und Baron Feschak,
mein persönlicher und sehr privater Adjutant.

Hatch: Da haben sie sich aber schnell getröstet,
Majestät.

vanDusen: Zwei Personen also Gräfin Slepinski und
Baron Feschak.

Dragina: Ich werde sie ihnen sofort vorstellen,
sie warten im Wagen mit Leutnant Boskoff, meinem
Kurier.

Hatch: Zur Hälfte bestand der königlich
kravonische Salonwagen wie der Name schon sagte
aus einem feudal eingerichteten Salon, in der
anderen Hälfte gab es drei kleine Abteile, eine
noch kleinere Küche und ein Bad, das man nur mit
der Lupe finden konnte, das Gefolge der Königin
hielt sich im Salon auf, Gräfin Slispinksi wirkte
kompetent und unauffällig, Baron Feschak war ein
strammer Uniformständer mit Wespentaille,
Schnurrbart und Kalbsaugen, Leutnant Boskoff ein
langes elend sah womöglich noch törichter aus als
der Baron, von ihm ließ der Prof sich zeigen wo er
gegessen hatte als ihn auf seiner Kurierfahrt das
Schicksal ereilte, im mittleren der kleinen
Abteile auf der rechten Bank am Fenster.

vanDusen: Setzen sie sich, Leutnant.

Leutnant: Mit Herrn Prof Erlaubnis, vorgestern als
ich hier so saß, wenn Herr Prof gestatten da höre
ich.

vanDusen: Sagen sie nichts, Leutnant, ach ja sehen
sie dies hier.

Hatch: Das kleine Loch in der Wand.

vanDusen: Was denn sonst, exakt in Ohrhöhe des
Leutnants, und über seinem Scheitel am Gepäcknetz.

Hatch: Eine gewaltige Delle.

vanDusen: So ist es, ich bin gleich wieder bei
ihnen, rühren sie nicht von der stelle Leutnant.

Leutnant: Auf gar keinen Fall Herr Prof,
gehorsamster Diener.

Hatch: Der Prof verschwand und man hörte wir er im
rechten Nebenabteil herumwurstelte, ein paar
Minuten vergingen, plötzlich dröhnte laute Musik
durch die Wand zu uns herüber, Leutnant Boskoff
sprang auf, knallte mit dem Kopf gegen das
Gepäcknetz, fiel hin und blieb liegen, die Musik
brach ab, van Dusen kam zurück.

vanDusen: Sehr schön, sehr schön, das hatte ich
erwartet.

Hatch: Was war das Prof.

vanDusen: Die kravonische Nationalhymne, präziser
die Walze auf dem Phonografen, welchen ich nebenan
unter der Bank entdeckte, ich zog ihn heraus,
richtete den Schalltrichter auf das Loch in der
Wand, drehte den Handgriff und voila.

Hatch: Ein schlagender Erfolg, Prof.

vanDusen: In der Tat, mein lieber Hatch, bringen
sie den Mann wieder zu sich.

Hatch: Leutnant Boskoff bestätigte die
Rekonstruktion des Prof in allen Einzelheiten, im
letzten teil der Strecke zwischen Gnäwutsch und
der Grenze war plötzlich die Hymne seines Landes
sehr laut an sein Ohr gedrungen, als guter Patriot
war er hochgeschnellt und hatte prompt das
Bewußtsein verloren, als er in Zaribrod wieder zu
sich kam, war seine Botanisiertrommel mit den
beiden Riesenhirschkäfern verschwunden.

vanDusen: So, waren sie allein, Leutnant.

Leutnant: Melde gehorsamt ganz allein Herr Prof.

vanDusen: Es befand sich wirklich außer ihnen
niemand im Salonwagen.

Leutnant: Kein Seele, Herr Prof, nur der königlich
kravonische Salonwagenschaffner, aber der zählt ja
wohl nicht, halten zu Gnaden.

Hatch: Van Dusen sah das anders, und zitierte den
Schaffner zu sich, einen klapprigen Greis mit
weißen Backenbart der nichts gesehen und gehört
hatte, sagte er, und das wars auch schon,
Untersuchung beendet, wir gingen in den Salon zu
Königin Dragina und Gefolge, der Prof kam gleich
zur Sache drückte ihrer Majestät einen Zettel in
die königliche Hand.

vanDusen: Sorgen sie dafür Majestät, daß mir die
vermerkten Wünsche noch vor der Abfahrt erfüllt
werden.

Dragina: Generalstabskarte des kravonisch-
bulgarischen Grenzgebiets, zwei
Botanisiertrommeln, eine Mausefalle, ist das ihr
ernst, Prof.

vanDusen: Mein voller Ernst.

Dragina: Wie sie wollen, eine Handlampe.

vanDusen: Eine weitere öffentliche Verlesung
erscheint mir unnötig, Majestät.

Dragina: Aha gut Prof, ich werde mein möglichstes
tun.

vanDusen: Beginnen sie damit, indem sie ihren
königlich kravonischen Schaffner festnehmen
lassen.

Dragina: Festnehmen aber warum.

vanDusen: Nur er kann die akustische Falle
präpariert haben, welche Leutnant Boskoff so
wirkungsvoll außer Gefecht setzte, die Trommel mit
den beiden Käfern hat er natürlich ebenfalls
beseitigt.

Hatch: Ex und hopp aus dem Fenster.

vanDusen: Ohne jeden Zweifel.

Dragina: Dann steht er im Dienst der schwarzen
Garde.

vanDusen: Das läßt sich vermuten, Majestät.

Dragina: Er wird es gestehen und er wird es büßen,
sonst noch was Prof.

vanDusen: Leihen sie mir ihren wackeren Leutnant
Boskoff für einige Stunden aus.

Dragina: Auch länger wenn sie wollen Prof, ein
besonderer Grund.

vanDusen: Das versteht sich, wenn dieser
Salonwagen demnächst an den Orientexpreß in
Richtung Bulgarien angekoppelt wird, soll der
Leutnant in ihm mitfahren, darin verfügt er ja
über eine gewisse Erfahrung und zwar bis Zaribrod,
mit einer Trommel, einer leeren Botanisiertrommel
wohlgemerkt.

Dragina: Ich verstehe, ein Ablenkungsmanöver.

vanDusen: Beziehungsweise wie Mr Hatch sich
ausdrücken würde, ein Bluff, während wie zu hoffen
steht das Interesse unserer Gegenspieler sich auf
ihn, auf ihren Kurier konzentriert, werde ich und
Mr Hatch natürlich unauffällig in einem normalen
Waggon platz nehmen ebenfalls mit einer
Botanisiertrommel und in dieser werden sich ihre
letzten beiden Riesenhirschkäfer befinden.

Dragina: Brillant, was meinen sie, Szlepynsky.

Gräfin: Ein kühner Plan, riskant aber
erfolgversprechend.

Hatch: Auch Baron Feschak war angetan nachdem die
Königin ihm van Dusens Manöver lange und
ausführlich erklärt hatte, nur Leutnant Boskopf
wirkte recht unbegeistert, aber der wurde gar
nicht gefragt, eine gute Stunde später, der
Orientexpreß dampfte und schnaufte durchs
nächtliche Kravonien hinten dran wieder mal der
königliche Salonwagen mit Leutnant Boskoff, weiter
vorn in einem regulären Schlafwagenabteil zwei
unerschrockene Helden in geheimer Mission, der
Prof studierte ausnahmsweise nicht die atomare
Strukturtheorie, sondern die Generalstabskarte von
Südostkravonien, die er kurz vor der Abfahrt von
der Königin bekommen hatte, ich machte mir mal
wieder sorgen, der Wagen in dem wir saßen war so
leer und so stumm wie die dunkle Welt draußen vor
dem Fenster, nichts zu sehen, nichts zu hören,
unheimlich dann doch ein bißchen leben, der
Schaffner zur Fahrkartenkontrolle.

Schaffner: Danke meine Herren, ihr Gepäck, soll
ich es für sie in den Bagagewagen bringen.

Hatch: Nicht nötig guter Mann, um die zwei Stücke
kümmern wir uns selbst.

Schaffner: Vielleicht die schwarze Tasche.

vanDusen: Mein Miniaturlaboratorium, unterstehen
sie sich.

Schaffner: Oder die Botanisiertrommel.

Hatch: Finger weg.

Schaffner: Gut wenn sie nicht wollen meine Herren.

Hatch: Sehr verdächtig.

vanDusen: Sie sagen es.

Hatch: Wenn ich doch bloß rauchen dürfte, mit
einer guten Zigarre ist alles halb so wild.

vanDusen: Die Luft verpesten, die Aktivität meiner
Hirnzellen beeinträchtigen, auf gar keinen Fall.

Hatch: Ich könnte ja rausgehen auf den Gang.

vanDusen: Sie bleiben im Abteil, mein lieber
Hatch, aus Sicherheitsgründen.

Hatch: Das galt offenbar nur für Assistenten, denn
als der Zug ein paar Minute später hielt in
Galuwtsch da stieg der Prof aus um wie er sagte
eine Depesche an die Königin aufzugeben, als wir
weiterfuhren mußte ich daran denken daß zwischen
Gnäwutuz und Zaribrod Leutnant Boskoff
ausgeschaltet worden war und hier war auch eine
ganze Lok spurlos verschwunden mitsamt zwei
Ministern.

vanDusen: Spurlos, das denn nun doch nicht, sie
hat eine deutliche Spur hinterlassen die königlich
kravonische Tenderlokomotive.

Hatch: Ach ja wo denn.

vanDusen: Auf dieser Karte, ich weiß jetzt an
welcher Stelle die Lok abhanden kam und auf welche
weise.

Hatch: Prof da vor dem Fenster ein Totenkopf.

vanDusen: Schädel nebst Kieferknochen eines
Menschen, ganz recht, an einer Schnur
offensichtlich vom Dach des Waggons
heruntergelassen.

Hatch: Um uns einen Schrecken einzujagen.

vanDusen: Vor allem um unsere Aufmerksamkeit
abzulenken, denn während sie wie gebannt das
kindische Spektakel am Fenster starren, entgeht
ihnen völlig was auf der entgegengesetzten Seite
an der Tür geschieht.

Hatch: An der Tür da zischt was durchs
Schlüsselloch, riecht irgendwie seltsam, Gas.

vanDusen: Gas, ein betäubendes vielleicht gar
tödliches Gas.

Hatch: Ach du dicker Vater, wir müssen was tun,
Prof Fenster auf, ach nein das geht nicht, da
kommen sie von oben rein, Tür geht ja auch nicht,
o gott, o gott was machen wir.

vanDusen: Halten sie zunächst einmal die Luft an
mein lieber Hatch.

Hatch: Jawohl Prof und nun.

vanDusen: Nun stecken sie einen ihrer kleinen
Finger ins Schlüsselloch das heißt in die Mündung
des Schlauches durch welchen das Gas in unser
Abteil geleitet wird.

Hatch: Paßt genau.

vanDusen: Sehr schön, das Gas strömt zurück und
zeitigt wie sie hören draußen auf dem Gang bereits
Wirkung.

Hatch: Ob ich mal nachsehe.

vanDusen: Tun sie das.

Hatch: Keiner mehr da, Gasbehälter und Schlauch
haben sie mitgenommen, die Luft ist rein, das
heißt so gut wie.

vanDusen: Na wie fühlen sie sich.

Hatch: Es geht, Prof leichtes Kopfweh.

vanDusen: Das Gas.

Hatch: Nicht das Gas, Prof sie.

vanDusen: Ich, wie darf ich das verstehen.

Hatch: Weil ihr großer Bluff schiefgegangen ist,
um uns kümmern sie sich, die Schwarzgardisten,
nicht um Boskoff.

vanDusen: Meinen Sie.

Hatch: Sagen sie mal, Prof wenn das mit dem Finger
nicht funktioniert hätte.

vanDusen: In diesem Falle hätte ich ihnen und mir
eine Gasmaske appliziert.

Hatch: Gasmaske.

vanDusen: Ja, aus königlich kravonischen
Heeresbeständen in meinem Miniaturlaboratorium,
dank Königin Dragina.

Hatch: Er ist eben auf alles vorbereitet der Prof
immer und überall, auf Gas und Schwarzgardisten im
Tunnel.

vanDusen: Ah der Kolotschitunnel ca 5 km lang,
wappnen sie sich, hier erwarte ich den
Generalangriff unserer Widersacher.

Hatch: Das Licht Prof.

vanDusen: Es ist ausgegangen, sehr gut beobachtet,
verhalten sie sich ruhig, warten sie ab.

Hatch: Leicht gesagt, es war stockdunkel, der
Expreß rauschte gleichmäßig durch den Tunnel wie
der schwarze Strom der Unterwelt, da ein Luftzug
an der Tür, leise ganz leise Geräusche, schritte
und dann plötzlich.

Schaffner: Au.

Hatch: Prof was ist passiert.

vanDusen: Die Mausefalle welche ich in der
Dunkelheit auf die Botanisiertrommel praktiziert
hatte hat ein Opfer gefunden, die Erteilung eines
Stromschlags mit einer elektr. Batterie wäre
zweifellos eleganter gewesen doch hätte eine
solche sich in der kürze der zeit sich kaum in
Popelnik beschafft lassen entzünden sie ihre
Handlampe.

Hatch: Bei Licht präsentierte sich eine
aberwitzige Szene, ein Mann die Falle an der
rechten Hand, hopste fluchend durchs Abteil, es
war der Schaffner, na bitte den hatte ich gleich
im verdacht gehabt, ein zweiter ein unbekannter
stand daneben mit einem Messer und total
verdattert, über ihm schwang Prof van Dusen, der
auf die Bank gestiegen war, einen sehr
professionell wirkenden Totschläger aus Hartgummi
und knallte ihn mit Schwung dem Kerl auf die
Birne, der machte sich lang, ich starrte auf den
Totschläger auf den Prof und dann wieder auf den
Totschläger, so was hatte die Welt noch nicht
gesehn.

vanDusen: Aus dem persönlichen Besitz der Königin,
schließen sie den Mund, und nehmen sie sich des
zweiten Angreifers an.

Hatch: Wie denn und womit.

vanDusen: Na die Botanisiertrommel liegt neben
ihnen.

Hatch: Die Käfer gehen die da nicht kaputt.

vanDusen: Schlagen sie schon zu.

Hatch: Auf ihre Verantwortung, Prof, so was jetzt.

vanDusen: Lassen sie sehen, wo ist die Karte ach
ja hier, ja noch 10 km.

Hatch: Was bis zu Grenze.

Prof: Nicht doch nicht doch bis zu jenem punkt an
welchem wir den Expreß verlassen

Hatch: Aber der Zug hält doch gar nicht, und wieso
verlassen, ich dachte.

vanDusen: Warten sie es ab, eine viertelstunde
müssen wir noch ausharren.

Schaffner: Das das schaffen sie nie, unsere
Freunde im nächsten Wagen, gleich, gleich sind sie
hier und dann gehts ihnen schlecht.

Hatch: Also Parole absetzen, mit dem
Hauptschlüssel des Schaffners schloß ich die
beiden Wichte im Abteil ein, dann machten wir uns
auf die Socken, nicht nach hinten zum Salonwagen,
da würden sie uns abfangen, meinte van Dusen, wir
türmten nach vorn Richtung Lok erst durch unseren
Wagen, dann durch den nächsten, der Prof war etwa
10m voraus, Kunststück, er brauchte auch nicht das
Minilabor und die verflixte Trommel zu schleppen
und plötzlich, sie müssen entschuldigen, daß ich
schon wieder plötzlich sage aber das ist so eine
Geschichte in der dauernd was plötzliches passiert
also plötzlich ging direkt vor mir eine Abteiltür
auf und heraus trat Gräfin Szlepynsky, erste
Hofdame und Beraterin der Königin, wie kam die
hierher.

Gräfin: Stellen sie keine Fragen, Mr Hatch, ihre
Majestät hat mich beauftragt, mir die Käfer von
ihnen aushändigen zu lassen, geben sie mir die
Botanisiertrommel.

Hatch: Aber wieso.

Gräfin: Geben sie schon her.

Hatch: Naja, wenn die Königin das so angeordnet
hat.

vanDusen: Sind sie wahnsinnig Hatch.

Hatch: Durchaus möglich Prof ich weiß schon längst
nicht mehr wo wir der kopf steht.

vanDusen: Hören sie nicht auf die Gräfin, sie
gehört zu unsere Gegnern.

Hatch: Ach was.

vanDusen: Denken sie nach, noch bevor wir selbst
es wußten, war die schwarze Garde darüber
informiert, daß sie Königin mich zu konsultieren
wünschte und hat darauf gewisse Gegenmaßnahmen
eingeleitet.

Hatch: Das Attentat auf uns gestern abend im Zug.

vanDusen: So ist es, ein Mitglied des innersten
Hofkreises muß mit der schwarzen Garde im Bunde
stehen, das erscheinen der Gräfin Szlepynsky an
diesem Ort, zu dieser Stunde.

Gräfin: Sparen sie sich den Rest Prof, dann also
mit Gewalt, geben sie die Trommel her Mr Hatch
oder ich drücke ab, mit einer Pistole kann ich
ebenso gut umgehen wie die Königin.

vanDusen: Mein lieber Hatch, haben sie als junger
Mann im college american football gespielt.

Hatch: Sicher interessantes spiel, bißchen ruppig.

vanDusen: Dann wissen sie woran ich denke allehop.

Hatch: Ich wußte, auch Hutchinson Hatch hat seine
geistesgegenwärtigen Momente, blitzschnell stellte
ich das Minilabor ab, blitzschnell warf ich die
Trommel dem Prof zu über den Kopf der Gräfin
hinweg, die sah ihr unwillkürlich nach, ich riß
ihr die Pistole aus der Hand, schob die Gräfin ins
Abteil und schloß ab, mit dem Hauptschlüssel dann
gings weiter und zwar fix denn hinten im Gang
tauchten ein paar finstere Figuren auf, noch ein
Wagen und wir waren am Tender, was tun, wir
krabbelten über die Kohlen, zum glück machten wir
im moment nicht gerade rasante fahrt und ließen
uns auf die Plattform am Führerstand fallen, Ende
der Fahnenstange.

Boris: Papa, das sind zwei Männer Papa.

Ferdinand: Sieh nach vorn, Boris mein Sohn, halte
Ausschau, und vor allem vergiß das heizen nicht,
was auch geschieht, Konzentration Boris,
Konzentration auf das wesentliche, das ist es, was
die hohe Kunst des Lokomotivführens wie auch die
des Regierens ausmacht, merke dies wohl mein Sohn.

Boris Jawohl Papa, darf ich an der Dampfpfeife
ziehen.

Ferdinand: Später mein Sohn.

Hatch: Zwei merkwürdige Gestalten hielten sich im
Führerstand auf, zwei Gestalten in weißseidenen
offensichtlich maßgeschneiderten overalls, ein
Mann um die 40 spitzbäuchig, spitzbärtig und ein
junge von etwa 10 Jahren, dem älteren sehr ähnlich
nur der Bart fehlte, der Prof stellte uns vor und
erklärte knapp aber präzise worum es ging.

Ferdinand: Sehr erfreut, Prof höchst erfreut,
außerordentlich erfreut und nun wollen sie sicher
erfahren mit wem sie.

vanDusen: Nicht nötig Hoheit.

Ferdinand: Sie wissen.

vanDusen: Ich spreche mit seiner Hoheit Fürst
Ferninand von Bulgarien und mit seinem Sohn Boris.

Boris: Kronprinz ich bin der Kronprinz.

vanDusen: Sie beide weithin bekannte
Eisenbahnenthusiasten waren nicht länger gewillt
in Zaribrod auf den Orientexpreß mit seiner
kostbaren Fracht zu warten, sie kamen ihm
entgegen.

Ferdinand: Bis Gnewutsch und dort habe ich den
Platz des Lokomotivführers eingenommen um den
Expreß sicher nach Bulgarien zu bringen.

Boris: Und ich bin der Heizer, ich kann heizen,
fahren kann ich auch.

Schaffner: Da sind sie, auf der Lokomotive.

Ferdinand: Die schwarze Garde Prof.

vanDusen: In der Tat, Hoheit, mein lieber Hatch es
wäre nicht unvorteilhaft wenn sie die Pistole der
Gräfin Szlepynsky verwendeten um den einen oder
anderen Schuß auf unser Verfolger abzugeben.

Hatch: Machen wir Prof.

Ferdinand: Boris mein Sohn auch du solltest dich
nach Kräften an der Verteidigung beteiligen, indem
du dich mit wie ich hoffe wohlgezielten
Kohlewürfen den Feind am vorrücken hinderst.

Boris: Mit Kohle schmeißen darf ich Papa.

Ferdinand: Ja sicher.

Boris: Prima.

Hatch: Während wir schossen und schmissen und die
Kerle auf Distanz hielten, besah van Dusen sich
die Karte und im Licht der Scheinwerfer die Gegend
durch die wir fuhren.

vanDusen: In wenigen Sekunden haben wir die Stelle
erreicht, fahren sie langsamer, Hoheit und dampfen
sie, dampfen sie was sie können, die
Schwarzgardisten dürfen nicht sehen, was vor sich
geht.

Ferdinand: Genügt das, Prof.

vanDusen: Durchaus Hoheit, Hatch.

Hatch: Ja.

vanDusen: Halten sie Laboratorium und
Botanisiertrommel gut fest und springen sie,
rechts, rechts, ich werde ihnen auf dem fuße
folgen.

Hatch: Eine relativ weiche Landung, wir standen
auf, klopften uns ab, sahen uns um, der Prof war
guter dinge.

vanDusen: Sehen sie die Abdrücke im Sand, mein
lieber Hatch, halten sie doch die Lampe gerade,
hier haben noch vor sehr kurzer Zeit Schienen
gelegen.

Hatch: Wenn sie das sagen, Prof, wie gehts denn
jetzt weiter.

vanDusen: Wir folgen den Spuren zu jedem nahen
Felsvorsprung hinter welchem.

Boris: Hallo.

Hatch: Boris, was hast du hier zu suchen.

Boris: Ich bin auch abgesprungen, auf der Lok wars
mir zu langweilig, Papa hält mir dauernd vorträge.

Hatch: Wir müssen ihn wohl mitnehmen, Prof.

vanDusen: So scheint es, mein lieber Hatch,
kümmern sie sich um ihn.

Hatch: Und um die Botanisiertrommel und um das
Minilabor natürlich auch noch, ok, ok, hör zu du
Ratte halt dich schön hinter mir und mach keine
Zicken.

Boris: Wie reden sie mit mir, ich bin der
Kronprinz.

Hatch: Und wenn du nicht tust was ich sage kriegst
du was hinter deine prinzlichen Ohren kapiert.

Hatch: Hinter der Felsnase hörten die Spuren auf,
stattdessen fing ein richtiges Gleis an und
daneben lagen diverse Schienen und Schwellen das
Gleis führte in den wald.

vanDusen: Und endet laut Karte an einem
stillgelegten Kohlebergwerk etwa 3km von hier, die
Karte verzeichnet ebenfalls daß eine
Schienenverbindung zwischen diesem Gleis und der
Hauptstrecke nicht mehr existiert, für einige
kräftige und entschlossene Männer stellt es jedoch
ein nicht eben unlösbares Problem dar, die
fehlenden 200m Schienen provisorisch zu verlegen.

Hatch: Und wieder abzubauen sobald die Ministerlok
darüber gerattert ist, so also nicht sehr
mysteriös.

vanDusen: Wenn man eine Karte zu lesen versteht,
und wenn man 2 und 2 zu addieren weiß.

Hatch: Die kräftigen und entschlossenen Männer, wo
stecken die jetzt wohl.

vanDusen: Ganz ohne Frage im erwähnten Bergwerk,
und dort dürfte sich auch die Lokomotive finden,
welche Königin Dragina so schmerzlich vermißt.

Hatch: Mehr als ihre Minister jedenfalls.

Boris: Hatch, Hatch kann ich mal mit ihrer Pistole
schießen.

Hatch: Untersteh dich, du Rübe.

vanDusen: Boris, mein lieber Hatch, wir haben eine
Aufgabe zu erfüllen, vorwärts.

Hatch: Drei unförmige Schatten wuchsen im Schein
der Sterne vor uns auf, ein Schuppen in den die
Gleise führten, ein Haus mit Förderturm und
dazwischen eine gewaltige Kohlehalde, vor dem
Schuppen stand ein Wächter, den schalteten wir aus
in Gemeinschaftsarbeit, van Dusen leitete, Boris
machte krach und lenkte ab, sehr begabt das
Kerlchen, ich haute dem Wächter den Griff der
Pistole über den Scheitel, dann in den Schuppen.

Mann: Ah.

vanDusen: Licht.

Hatch: Für sie tu ich alles, Prof.

Boris: Mann, eine T3, stark, und voll in Schuß,
stark.

vanDusen: Halt doch mal den Mund Boris.

Außenminister: Retten sie mich.

Hatch: Im Führerstand da liegt einer gefesselt.

Boris: Den kenn ich, das ist Exzellenz Laverkan,
der Außenminster von Kravonien.

vanDusen: Sehr schön, sehr schön, wir haben die
Lokomotive, wir haben den Außenminister, fehlt nur
noch der Verkehrminister.

Hatch: Der war im Haus, sagte der Außenminister
bei seinen Schwarzgardisten, er hatte die Lok mit
seinem ahnungslosen Kollegen über das schnell
verlegte Verbindungsstück und über das Gleis in
den Schuppen gesteuert und da hatte man den armen
Außenminister gefesselt und ihm die Käfer
weggenommen, wir banden ihn natürlich los.

vanDusen: Kannst du diese Lokomotive fahren,
Boris.

Boris: Die T3, na klar aber dann müssen alle Dampf
aufmachen, Kohle ist genug da, und Hatch muß tun
was ich sage.

Hatch: Rabenaas aber so geschah es, weil van Dusen
es wollte und weil wir so am schnellsten aus
dieser Räuberhöhle rauskamen, mit dem technischen
Einzelheiten des Dampfaufmachens will ich weder
mich noch sie aufhalten, wir machten Dampf, die
Schwarzgardisten im Haus kriegten nichts mit, wir
fuhren aus dem Schuppen über die Gleise.

Boris: Hurra, schippen Hatch, man muß sich immer
auf das wesentliche konzentrieren sagt Papa.

Hatch: Ich werd mich gleich auf deine Ohren
konzentrieren, moment mal sollten wir nicht
bremsen, da vorn am Felsen gehts nicht weiter, da
ist das Gleis doch unterbrochen.

vanDusen: Nicht wenn Königin Dragina meinen
Anordnungen gefolgt ist, noch in Popelnik habe ich
ihr empfohlen, loyale Truppen in dieser Gegend zu
postieren, und den exakten Ort nämlich diesen hab
ich ihr mittels Depesche aus Gnewutch angegeben
desgleichen die Anweisung das Gleis schnellstens
vervollständigen zu lassen.

Boris: Schippen Hatch, schippen hurra.

vanDusen: Sehen sie, die Strecke steht oder sollte
ich sagen liegt.

Hatch: Aber wie, ich werde seekrank.

vanDusen: Und am Rande stehen Soldaten hurra, es
lebe die Königin.

Boris: Wir sind jetzt auf der Hauptstrecke, soll
ich anhalten.

vanDusen: Keinesfalls, Zaribrord heißt das Panier.

Hatch: Der Rest ist schnell erzählt, im
Morgengrauen liefen wir unter Volldampf in den
bulgarischen Grenzbahnhof Zaribrod ein, wir wurden
schmerzlich erwartet.

Boris: Papa, ich hab die T3 gefahren, ganz
alleine, Hatch mußte schippen und ich bin
gefahren.

Ferdinand: Schweig Boris, mein Sohn, meine Käfer
Prof, warum haben sie sie beim Absprung
mitgenommen, geben sie mir die Trommel, Mr Hatch.

Hatch: Bitte, bitte.

Ferdinand: Leer.

Hatch: Was.

vanDusen: Selbstverständlich ist die Trommel leer.

Ferdinand: Meine Käfer, was haben sie damit
gemacht, wo sind mein kravonischen
Riesenhirschkäfer.

vanDusen: Folgen sie mir, Hoheit.

Hatch: Wir gingen den Bahnsteig entlang, dahin wo
der königlich kravonische Salonwagen stand, und im
Wagen auf dem lila Sofa im Salon schlief Leutnant
Boskoff den Schlaf des gerechten und
gewissenhaften Kurier, van Dusen zog ihm
vorsichtig die Botanisiertrommel unter dem Kopf
hervor, machte sie auf und sofort flogen zwei
gewaltige Käfer heraus, schwirrten durchs offene
Fenster und ab in die gesunde bulgarische
Morgenluft.

Ferdinand: Auf Boris, verfolge sie meine lucani
cervi gigante, ich verdopple dein Taschengeld,
wenn du sie fängst.

Boris: Das ist ein Wort.

Hatch: Ein Doppelbluff.

vanDusen: Ganz recht mit Königin Dragina unter
vier Augen abgesprochen.

Hatch: Die Irreführung lief also genau andersrum,
die Schwarzgardies sollten sich mit uns
beschäftigen und den Leutnant mit dem Käfer in
Ruhe lassen, raffiniert, raffiniert, aber sagen
Sie mal Prof, hätten Sie den Fall nicht auch viel
einfacher abschließen können, warum haben sie die
Soldaten nicht gleich zum Bergwerk dirigiert,
damit sie die Lok holen und die Schwarzgardisten
einkassieren, wir hätten Ferdinand über die Käfer
informiert, wären gemütlich im Zug geblieben und
hätten uns einiges erspart.

vanDusen: Zweifellos mein lieber Hatch, so hätte
ich es arrangieren können, doch was wäre das für
ein Ende gewesen, prosaisch, glanzlos, fast banal,
Prof DrDrDr Augustus van Dusen hat Anspruch auf
Dramatik, auf Glanz und Gloria, auf einen
spektakulären Schlußauftritt, das sollten sie
wissen… und wenn nicht, dann merken sie es sich
für die Aufarbeitung meiner künftigen Abenteuer.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Königin Dragina von Kravonien: Marietta Bürger
Leutnant Boskoff, ein Kurier: Thomas Vogt
Fürst Ferdinand von Bulgarien: Wolfgang Condrus
Boris, sein Sohn: Felix Leihberg
Mörder: Krikor Melikyan
Gräfin Szlepynsky, Hofdame: Katja Riemann
Bahnhofsvorsteher: Rainer Pigulla
Schaffner A: Ivan Gallardo
Schaffner B: Wolfgang Pregler
Außenminister von Kravonien: Helmut Ahner

 Senf Nr. 4001 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.32Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen auf dem Totenschiff
(RIAS 1990)

Kettle: Sagen Sie mal Mr. Hatch.

Hatch: Ja.

Kettle: Wie gefällt sie Ihnen denn so.

Hatch: Wer, Mr. Kettle.

Kettle: Na wer schon, die Kaiserin von China
natürlich.

Hatch: Ach na ja, ganz neu ist sie ja nicht mehr
und wenn ich mir überlege was in den letzten Tagen
so alles passiert ist, irgendwie unheimlich.

Kettle: Wissen Sie Mr. Hatch, schön war sie nie
die alte Kaiserin und gemütlich auch nicht, aber
das müssen Sie ihr lassen, die Verpflegung ist
ordentlich.

Pozzo: Und die Bar erst, Seniore, bestens
bestückt, Salute Senior Hatch.

Hatch: Salute.

Pozzo: Salute Zahlmeister, ah, ah ah.

Hatch: Tot?

Kettle: Tot, Mr. Hatch, Nummer 4.

Hatch: Das vierte Opfer, der vierte Mord an Bord
der Kaiserin von China unterwegs im Nordpazifik
auf der Route Yokohama San Francisco, zuerst Mr.
Darby, dann Frau von Pahlen, Mr. Phipps der Funker
und jetzt Senior Pozzo, und der war noch lange
nicht der letzte in den nächsten Tagen.

vanDusen: Mein lieber Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Was habe ich mich ohne Unterlaß bemüht
ihnen einzuschärfen.

Hatch: Eine ganze Menge Prof.

vanDusen: Wie sollen sie berichterstatten,
präzise, detailliert.

Hatch: Und von Anfang an, alles klar Prof in
diesem Sinne meine Damen und Herren werde ich
ihnen die schaudererregende Geschichte vom
Totenschiff schön ordentlich der Reihe nach
erzählen, eine Geschichte, die in der gewaltigen
vanDusen Chronik einen makaberen Ehrenplatz
einnimmt, ich beginne mit dem 1. Januar 1906 jenem
Tag an dem der Prof, meine Wenigkeit und ein paar
für diese Geschichte ganz unwichtige Figuren
Robinsons Insel in einem selbstgebastelten
Heißluftballon verließen, unser Ziel die
Molukkeninsel Halmahera haben wir nie erreicht,
ungünstiger Wind trieb uns weit nach Norden ab und
schließlich mußten wir mitten im Pazifik
niedergehen oder wassern, wie der Fachmann sagt,
die Osakamaru, ein japanisches Kriegsschiff
fischte uns auf und setzte uns in Yokohama an
Land, und weil wir möglichst schnell weiterkommen
wollen, suchten van Dusen und ich gleich das Büro
der PMSSC auf, der Pacific Mail Steam Ship
Company, der größten Schiffahrtlinie zwischen
Asien und Amerika.

Angestellter: San Francisco, bedaure sehr meine
Herren, in den nächsten 2 Wochen fährt nur ein
einziges Schiff, die Kaiserin von China und die
werden sie nicht nehmen wollen.

Hatch: So und warum nicht.

Angestellter: Weil die Kaiserin ein Kulischiff ist
voll bis unter die Luken mit chinesischen
Arbeitern für den Eisenbahnbau im Amerika.

Hatch: Wir haben nichts gegen Chinesen außer sie
heißen Dr.TschuManFu was Prof

Angestellter: Ein lobenswerter Standpunkt, meine
Herren, aufgeklärt und progressiv, doch bedenken
sie, ein Kulitransporter wie die Kaiserin von
China kann ihnen keinesfalls all jenen Komfort
bieten welchen sie als zivilisierte Zeitgenossen
beanspruchen dürfen, keine Soireen, keine
Maskenbälle, keine Bibliothek, kein Schwimmbad.

Hatch: Aber ein paar Passagierkabinen wird es doch
wohl geben.

Angestellter: Gewiß, 8 im ganzen, auf dem
Achterdeck, ferner hat die Kaiserin zu bieten
einen soliden Safe in der Kabine des Zahlmeisters
für ihre Wertsachen und sogar eine Kühlkammer,
falls sie verderbliche Waren mit sich führen.

Hatch: Nur Whiskey und den behalt ich lieber bei
mir, von ihren 8 Kabinen sind da welche frei.

Angestellter: Lassen sie mich nachsehen Sir, sechs
sind belegt, Singapur San Francisco, zwei wären
frei.

Hatch: Na also, ist eine Bar an Bord.

Angestellter: Selbstverständlich Sir.

vanDusen: Wir nehmen die Kabinen, wann segelt die
Kaiserin von China.

Angestellter: Moment Sir, ah hier, Ankunft
Yokohama 11. Januar am frühen Morgen, Abfahrt
Yokohama am gleichen Tag, abends 6 Uhr.

vanDusen: Und wann wir das Schiff San Francisco
erreichen.

Angestellter: Genau 15 Tage später Sir.

Hatch: Also am 26. Januar.

vanDusen: Mitnichten, mein lieber Hatch, am 25.
Januar.

Hatch: Das kann nicht sein, Prof 11 plus 15.

vanDusen: Ich werde es ihnen ein anderes mal
erklären mein lieber Hatch.

Hatch: Pünktlich dampfte die Kaiserin von China in
Yokohama ein, kein sehr beeindruckendes Schiff,
Rost, abblätternder Farbe und ein alles
durchdringender Geruch nach Sojasoße und
ungewaschener Menschheit, das lag an den Kulis,
oder besser an der Art wie sie verstaut waren,
tausend Mann im Vorschiff und Zwischendeck
übereinander und durcheinander geschichtet, so
pünktlich wie sie gekommen war, segelte sie auch
ab, die Kaiserin und während sie sich aus dem
Hafen von Yokohama schob, fand im Speisesaal eine
kleine Zeremonie vor dem Abendessen statt, ein
großer kugelrunder Mann, der sein Doppelkinn in
einen blauen Uniformkragen gezwängt hatte, machte
die oevres, nicht für die Kulis natürlich, sondern
für die Passagiere der ersten Klasse dh. für die
beiden Neuzugänge.

Haddock: Kapitän Haddock, zu ihren Diensten, im
Namen der Pmssc heiße sie an Bord herzlich
willkommen, meine Leute und ich werden uns alle
Mühe geben ihnen die Reise so angenehm wie möglich
zu machen.

Hatch: Was man so sagt danach stellte der Käptn
seine Offiziere vor, den ersten, den zweiten, den
dritten, den Chefingenieur, den Schiffsarzt, eine
Galerie unauffälliger Figuren in weiß und blau,
dann kam der Zahlmeister Mr Kettle, und der fiel
schon etwas mehr auf weil er nämlich genau so rund
und speckig war wie der Kapitän.

Haddock: Wenden sie sich an Mr Kettle meine Herren
wenn sie Fragen, Wünsche oder gar Beschwerden
haben, aber natürlich stehen auch wir anderen
ihnen jederzeit gern zur Verfügung, wir alle bis
hinunter zu Mr Phipps dem Funker, obwohl der
genaugenommen nicht zur Besatzung der Kaiserin von
China gehört sondern uns von der
Marconigesellschaft nur ausgeliehen wurde mitsamt
seinem drahtlosen Wunderapparat, und nun meine
Damen und Herren habe ich angenehme Pflicht den
wenn ich so sagen darf alteingesessenen
Passagieren die beiden neuen vorzustellen, es
handelt sich um zwei Herren aus den USA.

Hatch: Wenn sie gestatten Käptn übernehme ich das.

Haddock: Bitte Mr Hatch.

Hatch: Danke sehr, Ladies und Gentlemen vor ihnen
steht kein geringer als Prof van Dusen, der
weltgrößte Wissenschaftler und bedeutendster
Amateurkriminologe, die Denkmaschine wie man ihn
zu titulieren pflegt, in NewYork wie in London,
Paris und Berlin, in der Wüste Sahara wie in
Transsylvanien und im wilden Tibet, was mich
betrifft mein Name ist Hatch, Hutchinson Hatch,
Reporter von Beruf und aus Berufung Begleiter
Assistent und Chronist des Prof.

Pozzo: Bravo seniore, grandioso, magnifica,
imposonate, haben sie im Circus gearbeitet, eine
wunderbare Präsentation, hätte ich selber kaum
besser können ich der große Pozzo.

Haddock: Bitte Mr Pozzo, ladies first, Madame
Berzelius aus Riga.

Berzelius: Eine Sucherin.

vanDusen: Nach wissenschaftlicher Erkenntnis
Madame.

Berzelius: Nach dem guten, wahren, echten mein
Herr, nach der geistigen Wahrheit die sich
verbirgt hinter der Welt des materiellen Scheins,
nach der unergründlichen Weisheit des Ostens, die
zu finden wir durch Wüsten und Dschungel gepilgert
sind bis hin zu den Gipfeln des erhabenen
Himalaya.

Hatch: So wie sie redete, sah sie auch aus,
bleich, hager, vergeistigt, ganz im Gegensatz zu
ihrer korpulenten Begleiterin, die der Welt des
materiellen Scheins offenbar noch nicht ganz
abgeschworen hatte, jedenfalls was die Freuden der
Tafel betraf.

Berzelius: Erinner mich daran teuerste Pomponia,
daß ich dem Herr Prof ein signiertes Exemplar
meiner kleinen Schrift Unter Gurus Lamas und
Fakiren zukommen lasse.

Pomponia: Ich werde es nicht versäumen, liebste
Sonja.

Hatch: Das männliche Gegenstück zum Duo Sonja
Berzelius und Pomponia von Pahlen bildeten die
Herren Pozzo und Klapperini, ersterer dick und
fett, letzterer lang und klapperdürr, das mußte so
sein, davon lebten die beiden.

Pozzo: Klapperini, das lebende Skelett, und ich
Pozzo, der große Pozzo, ich bin sein Impressario,
überall sind wir aufgetreten, auf der ganzen Welt,
von hohen höchsten und allerhöchsten Herrschaften,
und alle waren hingerissen, waren begeistert, alle
waren erbaut.

Hatch: Erbaut.

Pozzo: Jawohl erbaut, meine Damen und Herren, denn
Klapperini ist nicht nur das unbestritten
magerstes Skelett unserer Zeit, er ist auch das
bei weitem ausdrucksvollste im künstlerischen
Sinne, zeig den Herrschaften, was du kannst
Klapperini, mach eine Pose.

Haddock: Nach dem Essen Mr Pozzo bitte, Minher
Swammerdam aus den Niederlanden.

Swammerdam: Tiersammler Tierfänger Amateurzoologe
quasi ein Kollege von ihnen.

vanDusen: Quasi.

Swammerdam: Sie können sich gern mal ansehen, was
ich in den letzten Monaten, so alles eingesackt
habe in Australien auf den Inseln, unten im
gesicherten Spezialfrachtraum, damit meine
Lieblinge nicht auskneifen und sie nachts in ihren
Betten besuchen.

Haddock: Und last not but least Mr Darby aus
Washington.

Hatch: Soweit alles friedlich und normal, nicht
wahr meine Damen und Herren, aber lassen sie sich
von mir sagen 7 der Vorgestellten, 4 Passagiere
und 3 Schiffsoffiziere sollten die Reise nicht
überleben, in den ersten Tagen war noch nichts zu
spüren, von dem schwarzen Schatten des Todes, der
über uns hing, die Kaiserin von China zog ihre
Bahn durch den nördlichen Pazifik, das Wetter war
mäßig, die Gesellschaft im Speisesaal ebenfalls,
keine besonderen Vorkommnisse, bis zum Morgen des
20. Januar 1906.

Haddock: Des 19. Januar Mr Hatch.

Hatch: Kann nicht angehen, Käptn, der 19 war
gestern.

Haddock: Ganz recht Mr Hatch, gestern und heute
auch, zweimal der 19 Januar.

Hatch: Sie nehmen mich auf den Arm, Käptn.

Haddock: Würde ich mir nie erlauben Mr Hatch,
sehen sie wir haben heute Nacht den 180.
Längengrad passiert.

Hatch: Ah ja und.

Haddock: Das ist die sog Datumsgrenze, und da wir
von West nach Ost fahren haben wir einen ganzen
Tag gewonnen.

Hatch: Versteh ich nicht.

Kettle: Ist doch gar nicht so schwer, Mr Hatch,
passen sie mal auf, stellen sie sich vor sie
befinden sich hoch über der Erde an einem festen
Punkt, und die Erde dreht sich unter ihnen weg von
Ost nach West.

Swammerdam: Umgekehrt Mr Kettle, von West nach
Ost, und dann kommt es ja vor allem darauf an wo
sich die Sonne.

Berzelius: Schweben im Weltenraum welch poetischer
welch mystischer Gedanke.

Kettle: Finden sie Madame Berzelius.

Pozzo: Ach was Mystik hin Mystik her, wir haben
einen Tag zusätzlich, darauf sollten wir was
trinken.

Haddock: Ja.

Hatch: Und das taten wir, wie das mit dem
doppelten Datum zustande kommt hat mir der Prof
später eingehend erläutert, verstanden hab ich es
trotzdem nicht, was solls, manchmal gibt 2 plus 2
eben 5.

Pomponia: Wenn ich die hochinteressante Diskussion
wegen einer eher profanen Sache kurz unterbrechen
dürfte, hat einer der Herrschaften Mr Darby
gesehen.

Berzelius: Darby.

Haddock: Darby, richtig, sein Platz ist leer.

Hatch: Jetzt wo sies sagen, Frau von Pahlen,
gestern zum Abendessen war er auch schon nicht da,
ist mir gar nicht aufgefallen, weil er nie was
sagt.

Berzelius: Vielleicht ist er erkrankt der arme
Mensch.

Pozzo: Seekrank vermutlich.

Haddock: Mr Kettle sehen sie in Mr Darbys Kabine
nach.

Hatch: Aber auch da war er nicht, der wortkarge Mr
Darby und deshalb ging Kapitän Haddock kurz mit
sich zu rat und gab dann befehl das ganze Schiff
zu durchsuchen von oben nach unten, von hinten
nach vorne, Ergebnis.

Kettle: Kein Mr Darby, Sir spurlos verschwunden.

Berzelius: Spurlos verschwunden.

Haddock: Dann sind wir gezwungen der traurigen
Tatsache ins Auge zu sehen, Mr Kettle, meine
Herrschaften, Mr Darby muß unbemerkt über Bord
gefallen sein, es gibt keine andere Erklärung, ein
tragischer Unglückfall, sehr bedauerlich und sehr
peinlich für Schiff und Rederei.

Kettle: Leider Sir und wenn man bedenkt daß auf
unserer letzten Fahrt schon mal so was passiert
ist.

Pozzo: Ist da auch einer verschwunden.

Kettle: Direkt verschwunden nicht Mr Pozzo, aber
ein Passagier hatte einen Unfall, Mr Hemingway der
bekannte Großwildjäger, zurück von einer Tour in
Pamir, hat sich erschossen, beim Gewehrreinigen,
aus versehen, übrigens in der Kabine die jetzt Mr
Darby hat hatte mein ich.

Berzelius: So rollt das Rad des Schicksals und so
kehrt das ewiggleiche ewig wieder.

Hatch: Und was haben sie mit Hemingway gemacht
Käptn.

Haddock: Im Kühlraum abgelegt, aufgebahrt, da ist
ausreichend Platz, sogar für 2 Personen, wenns
sein muß, und in San Francisco wurde er von einem
Bestattungsunternehmen abgeholt, das hatten wir
telegrafisch verständigt.

Kettle: Apropos, ich habe natürlich Mr Phipps
angewiesen die Reederei von Mr Darbys Verlust in
Kenntnis zu setzen.

Phipps: Käptn Haddock.

Haddock: Ja Mr Phipps, Auftrag ausgeführt.

Phipps: Leider nein, Sir das Funkgerät ist nicht
in Ordnung, merkwürdig, ich habs erst gestern
überprüft, eine Röhre ist hin glaub ich.

Haddock: Können sie das reparieren, Mr Phipps.

Phipps: Aber ja Käptn.

Haddock: Und wie lange wird das dauern.

Phipps: Ein zwei Tage.

Hatch: Na Prof wollen sie nicht eingreifen,
immerhin sind der weltgrößte Experte für drahtlose
Telegrafie nach Marconi.

vanDusen: Nach Marconi, mein lieber Hatch.

Hatch: Wenn sie wert darauf legen Prof auch mit
Marconi oder von mir aus auch vor ihm, was ist,
wollen sie Phipps helfen.

vanDusen: Das ist absolut unnötig und
uninteressant, handelt es sich weder um ein
wissenschaftliches noch um ein kriminologisches
Problem.

Hatch: Diese Einschätzung mußte der Prof sehr bald
revidieren, schon am nächsten Tag, ich saß an der
Bar zusammen mit Pozzo, Zahlmeister Kettle und
Frau von Pahlen, die der Obhut ihrer Freundin
entflohen war um sich ganz speziellen geistigen
Einflüssen hinzugeben in Form von Cognac und
Sodawasser.

Pomponia: Ihr ganz besonders wohlergehen meine
Herren.

Hatch: Prösterchen, sage sie mal Pozzo, ihr Freund
Klapperini, sind sie sicher daß er wirklich ein
lebendes Skelett ist.

Pozzo: Wie meinen sie das Senior Hatch.

Hatch: Er sagt nichts, sitzt steif da und wenn er
sich mal bewegt, tut er das wie ein Automat,
lebendig ist anders.

Pozzo: Aber seniore, das ist doch gerade die
Kunst.

Berzelius: Pomponia, hier muß ich dich finden, und
was sehe ich du trinkst, Alkohol am Vormittag.

Pomponia: Nur ein ganz kleiner Cognac, Sonja zur
Gesellschaft, weil es doch zu kalt ist.

Berzelius: Verlasse auf der Stelle diesen
Sündenpfuhl, begib dich in deine Kabine und
versenke dich in die mystische Weisheit des
tibetanischen Totenbuchs, bitte geh, so tun sie
doch was, meine Herren, bitte helfen sie mir.

Hatch: Leicht gesagt, wir standen wie erstarrt und
sahen zu wie Frau von Pahlen mit herausquellenden
Augen die Hände um den Hals gekrampft keuchend
durch den Speisesaal taumelte, aus der Tür über
das offene Deck, nur Zahlmeister Kettle bewies
Geistesgegenwart und versuchte sie aufzuhalten,
vergeblich, die gewichtige Dame glitt ihm aus den
Händen und stürzte über die Reling in den grauen
Ozean.

Berzelius: Pomponia.

Haddock: Mann über Bord, wollte sagen Frau über
Bord, Maschinen rückwärts volle Kraft.

Hatch: Die Kaiserin kam zum stehen, ein Boot wurde
ausgesetzt, aber da war die unglückliche Frau von
Pahlen schon längst untergegangen, der zweite
Todesfall innerhalb von 2 Tagen, mir kroch ein
merkwürdiges Gefühl über den Rücken, was sagte
Prof van Dusen, als ich ihm in der Kabine von dem
neuen Unglück berichtete.

vanDusen: Ein Unglück wohl kaum, mein lieber
Hatch, alle Symptome welch sie mir so plastisch
schildern vor das innere Auge stellen, deuten auf
eine akute Atemlähmung hin wie sie durch die
Einnahme gewisser tropischergifte hervorgerufen
wird.

Hatch: Wissen sie woran ich denke.

vanDusen: Das ist nicht schwer zu erraten, an die
Menagerie unseres Mitpassagiers Schwammadam.

Hatch: Aber bevor ich mir das alles mal gründlich
und in Ruhe überlegen konnte, ging es schon
weiter, Schlag auf Schlag, beim Abendessen
verkündete Kapitän Haddock die nächste
Hiobsbotschaft.

Haddock: Es ist Mr Phipps meine Herrschaften unser
Funker, verschwunden, wir haben wieder einmal
alles intensiv abgesucht aber.

Hatch: Über Bord.

Berzelius: Mr. Fips.

Haddock: Ja davon müssen wir ausgehen.

Berzelius: Wie Mr Darby, wie meine unglückselige
Pomponia, zum dritten mal hat das Schicksal
zugeschlagen.

Haddock: Drei Unglücksfälle, kurz hintereinander,
schon sehr seltsam.

Berzelius: Seltsam, Kapitän sagen sie lieber
unheimlich, sagen sie nicht geheuer.

Haddock: Ja und darum hab ich eine Bitte an sie
Prof van Dusen, sie sind ein berühmter Detektiv.

vanDusen: Amateurkriminologe, mein lieber Kapitän,
Amateurkriminologe.

Haddock: Klar Prof worum ich sie bitten wollte,
können sie nicht ein bißchen forschen oder
untersuchen oder ermitteln oder was ein Dete.

Berzelius: Amateurkriminologe.

Haddock: Ja Amateurkriminologe so macht.

Berzelius: Forschen sie nur, Prof, all ihre
Wissenschaft wird zu schanden werden, die Mächte
des Bösen sind über uns, jama der gott des todes,
die Kali, die Würgerin.

vanDusen: Seien sie überzeugt Prof van Dusen ist
jedem Dämon gewachsen.

Berzelius: Sie freveln Prof.

vanDusen: Wir werden sehen madam ist das funkgerät
wieder funktionstüchtig käptn.

Haddock: Keine Ahnung ich kenn mich nicht aus
damit, vielleicht sie, Prof.

vanDusen: Ein wenig, noch heute abend werde ich
mich drum kümmern.

Hatch: Gegen 11 verließ der Prof seine Kabine,
allein, auf seinen ausdrücklichen Wunsch, ich
wartete, als der Prof um Mitternacht noch nicht
wieder zurück war, fing ich an mir Sorgen zu
machen, und ich machte mir nicht nur Sorgen, ich
machte mich auch auf den Weg zur Funkkabine, und
da fand ich ihn, im Licht der Sterne das durchs
Bullauge fiel, reglos auf dem Boden, das vierte
Opfer, gott sei dank er atmet noch, oh eine
gewaltige Beule am Hinterkopf, naß, das muß Blut
sein, kombiniere, niedergeschlagen, offenbar hat
jemand an bord was dagegen daß der Prof sich
einmischt, na machen wir erst mal Licht, ach du
dicker Vater, eine Schlage zusammengerollt auf van
Dusens Rücken, an die 2m lang längst gestreift,
schwarz und knallrot, wie ich später aus
kompetentem Mund erfuhr eine moment pseudechis
pofiendi bendit, eine australische Schwarzotter,
hochgiftig, aber daran dachte ich nicht, ich
dachte überhaupt nicht, packte zu, instinktiv,
direkt hinter dem Kopf, hob sie hoch, obwohl sie
zischte und zappelte, öffnete mit der anderen Hand
das Bullauge und raus mit den Vieh, so dann
unterdrückte ich heldenhaft ein starkes Bedürfnis
nach einem doppelten Whisky, raste zur Tür und
brüllte einen Steward herbei und den schickte ich
aus den Schiffsarzt zu holen, das dauerte seine
Zeit, Dr Melville war voll bis zum Stehkragen wie
jede Nacht.

Melville: Schütterung, Hirnerschütterung infolge
Einwirkung eines harten Gegenstands auf den
Schädel.

Hatch: Sonst nichts Doc.

Melville: Was wollen sie denn noch junger Mann.

Hatch: Schlangenbiß oder.

Melville: Ach was, nur Gehirnerschütterung,
absolute Bettruhe, und kein Alkohol, kein Tropfen.

Hatch: Prof van Dusen trinkt nur Tee und
Mineralwasser, ganz selten mal eine Flasche
Champagner, außerdem ist er bewußtlos.

Melville: Wußtlos, richtig, kein Problem junger
Mann das gibt sich.

Hatch: Wann Doc.

Melville: Bald junger Mann, zwei Tage, drei Tage,
sagen sie mal junger Mann haben sie zufällig einen
kleinen, kleinen Schluck da.

Hatch: Wir trugen den großen kleinen Mann in seine
Kabine und legten ihn ins Bett, und da lag er blaß
leise atmend, mit geschlossenen Augen, ein Tag
verging, ein zweiter Tag, ein dritter, am dritten
Tag, am Nachmittag des 23. Januar 1906 kam Prof
van Dusen zu sich und schlug die Augen auf, hipp
hipp hurra.

vanDusen: Mein lieber Hatch, was soll das
Geschrei.

Hatch: Die reine Freude, Prof weil sie wieder da
sind, wie fühlen sie sich.

vanDusen: Lassen wir irrelevante persönliche
Details, mein lieber Hatch, kommen wir zur Sache,
ich wurde außer Gefecht gesetzt.

Hatch: Ja Prof auf den Kopf gehauen in der Kabine
des Funkers in der Nacht vom 20 zum 21 Januar.

vanDusen: Und wie ich dem Wandkalender entnehme,
schreiben wir heute den 23 Januar, nach
Lichtstärke und Schattenwurf ist es etwa 2 Uhr
nachmittag.

Hatch: Genau 1 Uhr 54, Prof.

vanDusen: Was ist in den letzten 62 Stunden
geschehen.

Hatch: Sehr viel Prof und nichts gutes.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, berichten
sie.

Hatch: Ich berichtete, zuerst das, was dem Prof
selbst widerfahren war, Gehirnerschütterung, Doc
Melville und die Schlange.

vanDusen: Eine tropische Giftschlange interessant,
ein weiterer Hinweis auf Swammerdams Sammlung mein
lieber Hatch aber fahren sie fort.

Hatch: Mehr haben sie nicht zu sagen Prof.

vanDusen: Hab ich etwas übersehen mein lieber
Hatch.

Hatch: Naja vielleicht eine kleine Anerkennung für
Tatkraft und entschlossenes Handeln.

vanDusen: Aber mein lieber Hatch, das versteht
sich bei ihnen doch von selbst, erzählen sie
weiter.

Hatch: Wir haben sie also ins Bett gesteckt, Prof
und ich habe auf sie aufgepaßt, wenn ich mal weg
mußte zum schlafen und essen und so, dann hab ich
dafür gesorgt daß sie gleich von mehreren Stewards
bewacht wurden.

vanDusen: Unwichtig, mein lieber Hatch,
insignifikant, haben sie die Güte, sich nun
endlich der Referierung des 4. Mordes zuzuwenden.

Hatch: Woher wissen sie.

vanDusen: Wozu sonst hätte der noch unbekannte
Mörder Prof van Dusen ausschalten sollen, um sich
freie Hand zu verschaffen versteht sich, also wer
war Opfer Nr 4.

Hatch: Senior Pozzo, sagte ich, am 21 Januar
nachmittag im Speisesaal beim trinken aber das
wissen ja, mein Damen und Herren.

vanDusen: Pozzo ging also nicht über Bord.

Hatch: Nein Prof er fiel um und war tot.

vanDusen: Eine stärkere Dosis diesmal wies
scheint, was geschah mit dem Toten.

Hatch: In den Kühlraum Prof, da blieb er nicht
lang allein, schon am abend kriegte er
Gesellschaft.

Haddock: Meine Herrschaften trotz alledem wir
wollen zeigen daß wir uns nicht unterkriegen von
rätselhaften Unglücksfallen, erheben sie ihr Glas,
trinken sie mit mir auf unser gutes Schiff, die
Kaiserin von China, sie lebe hoch, hoch.

Kettle: Der Käptn um gotteswillen der Käptn, Doc
schnell.

Melville: Wozu, ist ja doch nichts mehr zu machen,
tot.

Berzelius: Der Fluch des Himmels lastet auf diesem
Schiff.

Melville: Mag sein, Madame aber das Gift stammt
von der Erde, wird Zeit daß der alte Doc mal
wieder nüchtern wird, morgen, morgen kommen sie
mir unters Messer, der Käptn und dieser Pozzo und
dann sehen nach was ihnen nicht bekommen ist.

Hatch: Aber es wurde nichts aus der Autopsie, und
warum nicht weil Doc Melville am nächsten morgen
verschwunden war.

vanDusen: Was sie nicht sagen.

Hatch: Die übliche Sucherei, das übliche Ergebnis,
der Doktor war nicht mehr aufzutreiben, und da
wurde uns allen sehr, sehr mulmig, sechs Tote in
vier Tagen, das konnte nicht mit rechten Dingen
zugehen, niemand wagte mehr zu schlafen oder zu
essen, jeder schloß sich ein, zitterte und zagen,
totenbleich von Angesicht, das grauen ging um an
Bord, das grimme gräßliche grauen.

vanDusen: Heben sie sich diese grauenhafte Muster
journalistischer Prosa auf für den Daily New
Yorker, was wir jetzt benötigen sind Fakten,
läuten sie dem Steward.

Hatch: Was haben sie vor Prof.

vanDusen: Meine Kleider, es gilt verlorene Zeit
aufzuholen und dem rätselhaften Fall einer Lösung
zuzuführen.

Hatch: Nicht mehr nötig, Prof legen sie sich ruhig
wieder hin der Fall ist schon gelöst.

vanDusen: Was sagen sie da gelöst ohne Prof van
Dusen.

Hatch: So ist es Prof.

vanDusen: Spannen sie mich nicht länger auf die
Folter, berichten sie

Hatch: Machen wir, Prof heute morgen wurden wir
alle zusammengetrommelt, Passagiere und
Schiffsoffiziere, soweit noch am leben und an
Bord, und zwar vom 1 Offizier, der nach Käptn
Haddocks Tod das Schiff kommandierte, aber nicht
er hatte uns was zu sagen, sondern Zahlmeister
Kettle, er sah merkwürdig aus, um seinen Kopf
hatte er einen dicken weißen Turban geschlungen.

Kettle: Ein Verband, meine Herrschaften, man hat
mich heute nacht niedergeschlagen, um an den Safe
in meiner Kabine zu gelangen.

Berzelius: Ein Unglückschiff.

Kettle: Meine Herrschaften in Anbetracht der
ungewöhnlichen Ereignisse die in den letzten Tagen
an Bord vorgefallen sind, sehe ich mich genötigt,
ja geradezu verpflichtet, sie alle zu Mitwissern
eines streng gehüteten Geheimnisses zu machen, auf
dieser Reise besteht bzw bestand die Ladung der
Kaiserin nicht nur aus den üblichen Kulis, sondern
auch aus einem Schatz im Werte von rund 2 Mio
Dollar.

Hatch: Der Radscha von Saran auf Borneo hatte die
Bewaffnung seiner Krieger modernisiert, keine
Blasrohre mehr, keine krummen Messer zum
Kopfabschneiden stattdessen Hinterlader und
Feldkanonen, was er brauchte kriegte er in den USA
aus veralteten Heeresbeständen und weil er keine
Landesbank und darum auch keine Banknoten hatte,
zahlte er in Naturalien, Rubine, Smaragde,
Diamanten, Jade, zwei große Lederbeutel voll,
damit dieser Schatz unterwegs nicht abhanden kam,
wurde er nicht offiziell mit großem Brimborium
transportiert, sondern heimlich incognito
sozusagen auf der Kaiserin von China, in Singapur
kam der Schatz in einem Reissack versteckt an Bord
und da gleich in den Safe.

Kettle: Nur 3 Personen an Bord wußte davon,
Kapitän Haddock, ich und Mr Darby.

Berzelius: Mr Darby weshalb Mr Darby.

Kettle: Mr Darby, jetzt kann ich es ja enthüllen,
gehörte zum Schatzamt der vereinigten Staaten und
hatte den Auftrag den Transport der Wertsachen zu
überwachen, nur 3 Personen, das hatten wir
jedenfalls angenommen, doch wie sich nun
herausstellt, war noch eine vierte Person im
Bilde, eine Person die auf ihren Wanderungen durch
die Inseln im indischen Ozean vom Schatz und vor
allem von der Art seines Transports erfahren haben
muß und die daraufhin den Plan faßte sich den
Schatz anzueignen, was ihr heute nacht auch
gelungen ist, gestern abend bei meiner
regelmäßigen Safeinspektion war der Schatz des
Radscha noch da, heute morgen war der Safe
aufgebrochen, der Schatz verschwunden und nicht
nur der Schatz war verschwunden auch ein Beiboot
der Kaiserin von China, ganz offensichtlich hat es
die fragliche Person zu Wasser gelassen, unbemerkt
während des heute nacht herrschenden Gewitters und
ist darin entflohen.

Berzelius: Minher Swammerdan.

Hatch: Richtig wo steckt er eigentlich.

Kettle: Jawohl meine Herrschaften Minher
Swammerdam ist der Räuber des Schatzes, dieses
kleine Stück Jade habe ich in seiner Kabine
entdeckt.

Hatch: Dann muß Swammerdam auch der unheimliche
Mörder sein.

Kettle: Ohne jeden Zweifel, Mr Hatch er hatte ja
auch die beste Gelegenheit an tropische Gifte
heranzukommen.

Berzelius: Aber warum denn nur, Mr Kettle warum.

Kettle: Nun Darby und der Kapitän wurden als
Mitwisser als mögliche Störfaktoren ausgeschaltet.

Hatch: Und Pozzo, der Funker, der Arzt.

Berzelius: Und Pomponia.

Kettle: Was weiß ich, vielleicht wollte Swammerdam
an Bord eine Atmosphäre des Grauens erzeugen um so
unbehelligt sein eigentliches Ziel der Raub des
Schatzes verfolgen zu können, wie auch immer,
Madame Berzelius, meine Herren, der Schatz ist
zwar verschwunden aber mit ihm sind wir auch den
6fachen Mörder los, der uns alle in furcht und
schrecken versetzt hat, damit ist es nun vorbei,
fassen sich wieder, genießen sie den letzten
Abschnitt unserer Reise, in 2 Tagen werden wir San
Francisco erreichen.

vanDusen: Swammerdam, eine saubere und klare
Lösung, mein lieber Hatch nur leider nicht die
richtige.

Hatch: Wie kommen sie darauf Prof.

vanDusen: Aus mehreren Gründen, Swammerdam hielt
sich so gut wie niemals im Speisesaal auf, nun
wirken die tropischen Gifte welche Frau von
Pahlen, Senior Pozzo und Kapitän Haddock erlegen
sind, sehr schnell, sie müssen also den Opfern
unmittelbar von dem Tod verabreicht worden sein,
ferner ist es nicht vorstellbar, daß ein
begeisterter Amateurzoologe wie Swammerdam den
Verlust höchst rarer Sammlerstücke wie etwa der
Schwarzotter in Kauf genommen haben sollte, ich
meine jenes Tier welches sie mein lieber Hatch so
nonchalant über Bord befördert haben.

Hatch: Um ihr Leben zu retten Prof.

vanDusen: Gewiß, gewiß mein lieber Hatch es
bleiben Fragen, weshalb hätte Swammerdam ohne Not
6 Menschen töten sollen, weshalb hätte er fliehen
sollen in einem kleinen Boot auf dem weiten leeren
Nordpazifik, wo es im Umkreis von 300 km nicht
einmal ein Felsenriff gibt, geschweige denn eine
bewohnte Insel, nein, nein mein lieber Hatch
Swammerdam ist unschuldig, nach aller
Wahrscheinlichkeit ist er das 7. Opfer des
Massenmörders geworden, dieser mein lieber Hatch,
dieser weilt noch immer unter uns, und es obliegt
Prof van Dusen ihn zu entlarven und zur
Rechenschaft zu ziehen, Fakten sind zu sammeln,
Beweise zusammenzutragen, ans Werk.

Hatch: Immer mit der Ruhe, Prof die Sache ist
gefährlich, der Mörder wollte sie schon einmal um
die Ecke bringen und wenn er erfährt daß sie
wieder bei sich sind.

vanDusen: Wird er es ohne frage ein zweites mal
versuchen, dies gilt es tunlich zu vermeiden.

Hatch: Am besten bleiben sie bewußtlos Prof,
offiziell meine ich.

vanDusen: Das dürfte kaum praktikabel sein, mein
lieber Hatch, der Mörder könnte jederzeit unter
einem Vorwand meine Kabine betreten und dabei
feststellen daß ich nicht wie behauptet zu Bett
liege, ich werde verschwinden.

Hatch: Sie meinen wie Darby und die anderen.

vanDusen: Exakt, und damit ich mich ungestört an
Bord der Kaiserin von China bewegen kann werde ich
mich unsichtbar machen.

Hatch: Einfach unsichtbar, Simsalabim hokuspokus.

vanDusen: Ganz recht, dazu benötige ich einige
simple Paraphernalien, zunächst zwei Gummipflaster
aus unserer Reiseapotheke, dann eine größere
Quantität an Safran und Currypulver welches sie in
der Kombüse organisieren werden, und schließlich,
eine gewisse Kleinigkeit aus der Kabine von Madame
Berzelius.

Hatch: Kurz vor Mitternacht gab es einen lauten
Platsch, etwas schweres war ins Wasser gefallen
aus van Dusens Bullauge, ein Mensch oder nur ein
mit Werkzeug beschwertes Bündel Kleidungsstücke,
wer konnte das sagen.

Hatch: Mann über Bord, Mann über Bord, oh Mr
Kattle, geben sie Alarm, der Prof er muß wieder zu
Bewußtsein gekommen sein, plötzlich war er aus dem
Bett, ist durch die Kabine getaumelt und durchs
Bullauge, konnte nicht festhalten, oh gott Mr
Kettle tun sie doch was.

Hatch: 24 Stunden später, ich saß in meiner Kabine
und hielt mich an einem Whiskey fest, da klopfte
es an die Tür leise vorsichtig, ein zwei, eins
zwei drei, das verabredete Zeichen, ich machte
auf, vor mir stand ein Chinese, ein kleiner gelber
Kuli, einer von den 1000 im Vorschiff.

vanDusen: Gehen sie zur Seite, lassen sie mich
eintreten, mein lieber Hatch ich darf ja nicht
gesehen werden.

Hatch: Umwerfend sehen sie aus, Prof absolut echt,
wer hätte gedacht daß man mit 2 Pflastern
wundelbare Schlitzaugen produzieren kann, und daß
Safran nicht nur den Kuchen gel macht sondern auch
einen ganzen Prof.

vanDusen: Ich hoffe nur Madame Berzelius hat sich
mit dem Verlust ihres falschen Zopfes abgefunden.

Hatch: Jedenfalls hat sie nichts gesagt.

vanDusen: Ja, unmöglich, ganz unmöglich.

Hatch: Was meinen sie.

vanDusen: Die Unterbringung der Kulis, es ist
unmöglich und unmenschlich nach unser Ankunft
werde ich dem Präsidenten von diesen zuständen
Mitteilung machen.

Hatch: Tun sie das und ich schreib was drüber im
Daily New Yorker, aber wir sind noch nicht in San
Francisco, was macht der Fall, gelöst.

vanDusen: Ja was dachten sie denn,
selbstverständlich.

Hatch: Und wer wars.

vanDusen: Auf gar keinen Fall Smamerdam, alle
seine Sammlungen, alle seine Aufzeichnungen
befinden sich noch an Bord, damit steht endgültig
fest, Swammerdam ist Opfer, nicht Täter.

Hatch: Ja also wer dann.

vanDusen: Der Zeitpunkt der letzten Enthüllung ist
noch nicht gekommen, noch einen den abschließenden
endgültigen Beweis gilt es abzuwarten.

Hatch: Sie spielen also wieder mal Spinx, wollen
sie nicht doch ein bißchen mehr rauslassen,
ausnahmsweise, damit ich weiß vor wem ich mich
hüten muß.

vanDusen: Vor niemanden, es besteht keinerlei
Gefahr mehr, nicht für sie und nicht für die
übrigen Insassen dieses Fahrzeugs, die Mordserie
ist abgeschlossen, sie hat ihren Zweck erfüllt.

Hatch: Ich weiß Prof wenn sie so was sagen, dann
stimmt das auch aber könnten sie nicht trotzdem
ein kleiner Tipp vom Meister der Kriminologie zum
Assistenten.

vanDusen: Warum nicht, zwei Tatsachen empfehle ich
ihrer Aufmerksamkeit und ihrer falls möglich
geistigen Durchdringung, erstens nur ein Teil der
Ermordeten, 5 wenn wir Swammerdam einbeziehen
verschwand spurlos über Bord, der andre teil zwei
Personen nicht, warum diese Diskrepanz.

Hatch: Ja warum und zweitens.

vanDusen: Die Statur der Toten.

Hatch: Die Statur, Frau von Pahlen, Ponzo und der
Käptn waren ausgesprochen dick und rund, meinen
sie das, meinen sie der Mörder hat was gegen
Dicke, Klapperini das lebende Skelett der wars.

vanDusen: So kenne und schätze ich sie, mit
Feuereifer auf der falschen Fährte, überlassen sie
alles weiter mir.

Hatch: Damit verschwand er und der falsche Wilhelm
an seinem Hinterkopf war das letzte was ich an
Bord der Kaiserin von ihm sah, am nächsten
Nachmittag, 25 Januar falls sie nicht mitgezählt
haben liefen wir durchs golden gate in die Bucht
von San Francisco ein, an der Reling stand der
kläglich zusammengeschmolzene Rest der Passagiere,
Klapperini sagte nichts, wie immer, vielleicht
dachte er darüber nach, daß er zukünftig ohne
Impressario künstlerisch klappern mußte, auch
Madame Berzelius war ungewöhnlich zurückhaltend.

Berzelius: Mr Hatch.

Hatch: Ja Madame.

Berzelius: Ich hab ihn etwas mitzuteilen.

Hatch: Schießen sie los Madame.

Berzelius: Ich hab ihn geschaut Mr Hatch.

Hatch: Wen.

Berzelius: Ihren Freund Prof van Dusen.

Hatch: Ach was.

Berzelius: Ja seinen Astralleib meine ich.

Hatch: Ah.

Berzelius: Er schwebte nachts über den Gang zur
Geisterstunde, Mr Hatch eine überirdische Aura war
um ihn, ein goldener Schimmer.

Hatch: Soso.

Berzelius: Ja trösten sie sich Mr Hatch und
zweifeln sie nicht, er ist glücklich dort wo er
sich nunmehr aufhält, auf der höheren Ebene
geistiger Existenz.

Hatch: Wir legten an, Vertreter der Reederei kamen
an Bord, Zoll, Polizei und die Vertreter der
Eisenbahn, die ihre Kulis einsammelten, etwas
später fuhr der schwarze Wagen eines
Bestattungsunternehmens vor, die beiden Leichen
wurden aus dem Kühlraum geholt und weggebracht,
dann durften die Passagiere von bord, vorläufig
ohne Gepäck, das mußte erst durchsucht werden, ich
wanderte ziellos durch das Hafenviertel, es wurde
dunkel, was nun, wie gings weiter, plötzlich hielt
neben mir ein Automobil eine große schwarze
limousine typ talpoledo die Tür ging auf.

vanDusen: Stehn sie nicht wie angewurzelt auf dem
Trottoir herum, steigen sie ein.

Hatch: Noch immer in der Kulimaskerade.

vanDusen: Keine zeit sie abzulegen, ich darf ihnen
Mr Pollock vorstellen, Agenten des Schatzamtes der
Vereinigten Staaten, die restlichen Herren gehören
dem städtischen Polizeidepartment an, Mr Pollock
ist über alles informiert.

Pollock: Seit gestern Nacht.

Hatch: Nanu.

Pollock: Prof van Dusen hat mir von Bord der
Kaiserin von China ein drahtloses Telegram
geschickt.

Hatch: Ach so.

vanDusen: Mr Pollock hat daraufhin seine
Vorbereitungen getroffen, gemeinsam werden wir den
Serienmörder dingfest machen.

Pollock: Und vor allem den Schatz sicherstellen,
den Schatz des Radscha von Reserva, der jetzt
Eigentum unserer Regierung ist.

Hatch: Den Schatz aber er ist doch irgendwo im
Pazifik verschollen.

vanDusen: Glauben sie das wirklich.

Hatch: Also gut, laß mich überraschen wie immer,
wo fahren sie hin.

Pollock: Wir sind da.

Hatch: Ein dunkles Haus in einer dunklen Straße,
durch einen dunklen Korridor gingen wir in einen
dunklen Raum, Pollack zündete eine Blendlaterne
an, ihr Licht fiel auf ein Kruzifix, ein Vorhang
aus schwarzen Samt und auf zwei geschlossene
Särge, wo waren wir.

Pollock: In den Räumen der Firma Ruhesanft Erd und
Feuerbestattung jeder Preislage und in diesen
Särgen.

Hatch: Senior Pozzo und Käptn Haddock.

vanDusen: Ja wer sonst.

Hatch: Ach jetzt weiß ichs, ich weiß warum die
beiden nicht über Bord gegangen sind und warum
unter den opfern so viel dicke waren weil nämlich.

vanDusen: Leise er kommt, hinter den Vorhang, und
löschen sie die Laterne, Pollock.

Hatch: Aber das ist ja.

vanDusen: Pst.

Kettle: Na bitte da ist er ja, Sack Nr 1.

vanDusen: Das dürfte genügen, Licht Pollock, der
Täter meine Herren in flagrante delicto, nehmen
sie ihn fest, wie sie sehen, nicht Klapperini.

Hatch: Tja und auch nicht Madame Berzelius.

vanDusen: Diese harmlose ja beschränke Person
haben sie ebenfalls verdächtigt.

Hatch: Hatte ich und darum warum ich überrascht,
wie immer, sie meine Damen und Herren sie wissen
natürlich längst wer der Mörder war, klar Kettle,
Zahlmeister Kettle, der einzige Mensch an Bord der
über den Schatz informiert war und nicht dran
glauben mußte, und der einzige überlebende
Dickwanst dazu, da stand er zwischen zwei
kräftigen Polizisten in der rechten ein Messer in
der bluttriefenden linken einen blutigen
Ledersack.

vanDusen: Der Schatz, der Schatz des Radscha,
natürlich nur zur Hälfte, die andere Hälfte
befindet sich in der Bauchhöhle der anderen
Leiche, wenn sie gestatten ohne jeden Zweifel bin
ich der einzige in diesem Raum anwesende Chirurg
und Pathologe ihr Messer Kettle, danke sehr,
öffnen sie den zweiten Sarg.

Hatch: Wenn sie unbedingt wollen.

vanDusen: Das gesamte mysteriöse makabre Geschehen
an Bord der Kaiserin von China wurde, das versteht
sich meine Herren, von einem einzigen Plan, einem
einzigen Bestreben bestimmt, dem Bestreben Kettles
sich den Schatz des Radscha anzueignen, seit er
wußte, daß sein Schiff ausersehen war den Schatz
zu transportieren war dies sein Ziel und er
verwendete großen Fleiß und erhebliche kriminelle
Energie auf die Ausarbeitung eines wie er meinte
narren- oder sagen wir besser todsicheren Methode,
wie ich vermute war es der tödliche Unfall des Mr
Hemingway auf der vorherigen Reise welche ihm die
Idee nahelegte, seine Beute in Leichen zu
verstecken und so an Land zu schmuggeln, der
zweite Sack, meine Herren, zwei Leichen benötigte
Kettle, zwei voluminöse Leichen um darin nach
Entfernung der Eingeweide die beiden Säcke
unterzubringen, zwei Leichen für die der Kühlraum
des Schiffes ausreichend platz bot.

Hatch: Zwei Leichen ok, Pozzo und Haddock aber der
Rest.

vanDusen: Jeder einzelne Mord hatte in Kettles
Kalkül seinen festen platz, als erster starb
Darby, der Wächter des Schatzes, ihm folgte
Pomponia von Pahlen, sie war vorgesehen als einer
der beiden Transportmittel, wenn ich mich so
ausdrücken darf, doch da sie völlig unplanmäßig
über Bord fiel, trotz der Rettungsversuche ihres
Mörders, mußte Kapitän Haddock als Ersatz
herhalten, der Funker wurde getötet, damit er
weder das Schatzamt alarmieren noch andere Schiffe
die sich womöglich in der Nähe aufhielten über die
angebliche Fluch Swammerdam informieren konnte.

Hatch: Die hätten dann nach ihm gesucht und
natürlich nichts gefunden sehr verdächtig soweit
alles klar aber was war mit Doc Melville.

vanDusen: Dr Melville der Schiffsarzt hatte die
Absicht geäußert, die Leichen im Kühlraum zu
obduzieren, zu diesem Zeitpunkt war aber Senior
Pozzo bereits.

Hatch: Ausgestopft.

vanDusen: Danke mein lieber Hatch, danke der
Versuch mich zu ermorden, ein versuch welcher dank
des heroischen Einsatz meines Freundes Hatch zum
scheitern verurteilt war, galt sowohl dem nicht
unbekannten Amateurkriminologen als auch dem
Experten für drahtlose Telegrafie, nachdem er den
von ihm auserkorenen Sündenbock Swammerdam samt
einem angebohrten Beiboot auf den Grund des Ozean
geschickt hatte, hielt Kettle sein Spiel für
gewonnen, aber Prof van Dusen war noch da und
hatte nichts von seiner Fähigkeit verloren 2 plus
2 zu addieren.

Hatch: Gibt 4 immer und überall, außer im
Nordpazifik.

vanDusen: Schon früh fiel mein Verdacht auf
Kettle, bei den Giftmorden im Speisesaal war er
stets anwesend, als Zahlmeister war er im Besitz
von Schlüsseln für jede Tür an Bord, für jede
Kabine, und für den Frachtraum, der Swammerdam
giftige Fauna barg, nachdem ich das Versteck des
Schatzes an Bord ermittelt hatte, stellte ich ihm
mit ihrer Hilfe Mr Pollock diese Falle, daß er
hier mit blutbefleckten Händen ertappt wurde,
liefert uns den letzten, den unumstößlichen
Beweis, der Fall meine Herren ist abgeschlossen.

Hatch: Am nächsten Nachmittag holte ich unser
Gepäck von Bord und warf einen letzten Blick auf
die Kaiserin von China.

Hatch: Auf Nimmerwiedersehen Majestät.

Berzelius: Ein Unglückschiff, Mr Hatch, ein
Totenschiff.

Hatch: Oh gut daß ich sie treffe, Madame, ich muß
ihnen was sagen, ja, der Geist, den sie neulich an
Bord gesehen haben der war gar keiner Prof van
Dusen lebt noch.

Berzelius: Ja, oh Mist, warum konnten sie nicht
schweigen.

Hatch: Was haben sie denn, Madame, ich dachte das
würde sie freuen.

Berzelius: Freuen, Mr. Hatch, Zeit meines Lebens
habe ich eine übersinnliche Manifestation ersehnt,
einen Kontakt mit der jenseitigen Welt, endlich,
endlich ist dieser mein innigster Wunsch erfüllt
worden, nun muß ich erfahren, das war kein Geist,
es war ein Mensch, ein ganz gewöhnlicher
Sterblicher.

Hatch: Gewöhnlich, Madame, lassen sie ihn das bloß
nicht hören.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Kapitän Haddock: Ralf Schermuly
Zahlmeister Kettle: Joachim Bliese
Sonja Berzelius, eine Sucherin: Lieselotte Rau
Pomponia von Pahlen, ihre Begleiterin: Ingrid
Kaehler
Pozzo, ein Impresario: Helmut Stauss
Reederei-Angestellter: Klaus Jepsen
Dr. Melville, Schiffsarzt: Otto Sander
Swammerdam, ein Tiersammler: Jürgen Thormann
Funker Phipps: Detlef Bierstedt
Pollock, Agent des Schatzamts: Otto Czarski

 Senf Nr. 4000 von Prof van Dusen vom 18.02.2026 um 14.31Uhr
Michael Koser: Prof. van Dusen und der dritte Mann
(RIAS 1990)

Hatch: In der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1904 lag
dichter Nebel über England, Nebel über der Stadt
Dover über dem dortigen Grandhotel.

Page: Sir, Mr Hatch.

Hatch: Was ist.

Page: Mr Hatch, Sir, bitte machen Sie auf.

Hatch: Wie spät.

Page: 3 Uhr Mr Hatch.

Hatch: Nachts.

Page: Natürlich, Mr. Hatch, Besuch für Sie, Sir.

Hatch: Ach soll wieder verschwinden.

Page: Zwei Herren, Mr. Hatch, aus London.

Hatch: Kein Interesse.

Smiley: Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein
Mr. Hatch, Sie wissen ja nicht, daß man.

Hatch: Smiley, Inspektor Smiley von Scotland Yard,
Sie sind mein Besuch aus London.

Smiley: Zur Hälfte, Mr. Hatch, zur Hälfte, ich
freue mich, Sie wiederzusehen.

Hatch: Ich aber gar nicht, Inspektor, ich hab
nämlich was gegen Leute, die mich mitten in der
Nacht aufwecken.

Smiley: Ungewöhnliche Ereignisse erfordern
ungewöhnliche Maßnahmen Mr Hatch, es ist was
schreckliches passiert.

Barnacle: Lassen sie mich Inspektor, Sie da Hatch
oder wie sie heißen, sie müssen sofort aufstehen
und ihren Freund wecken, diesen Prof van Dusen.

Hatch: Achwas warum wecken sie ihn nicht selber.

Barnacle: Ach wissen Sie.

Smiley: Sie kennen doch den Prof Mr Hatch.

Hatch: Schiß haben sie, aber mich aus dem Schlaf
zu reißen, das trauen sie sich, wer sind sie
überhaupt, ja sie mein ich den pensionierten
Piratenkapitän mit der Augenklappe.

Barnacle: Falls sie in dieser unfeinen Weise auf
die Tatsache anspielen daß ich nicht mehr im
Besitz meines linken Auges bin, dann lassen sie
sich gesagt sein junger Mann ich hab es in allen
Ehren verloren für Königin und Vaterland vor 25
Jahren in der Schlacht von Olundi als ich an der
Spitze meiner.

Smiley: Gewiß Sir G, gewiß ich bin sicher Mr Hatch
wollte ihnen nicht zu nahe treten, Mr Hatch ich
habe die Ehre ihnen Sir G Barnacle vorzustellen
weiland General der Kavallerie, heute Governor des
Tower zu London, er muß den Prof konsultieren in
einer äußerst wichtigen und dringenden
Angelegenheit.

Hatch: Was ist denn los.

Barnacle: Das brauchen sie nicht zu wissen junger
Mann, stehen sie schon auf.

Hatch: Langsam ja, einen Prof van Dusen, eine
Denkmaschine, einen Wissenschaftler und
Amateurkriminologen von einsamer Klasse, scheucht
man nicht wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen aus
dem Bett, aber wenn es um die Kronjuwelen geht.

Smiley: Mr Hatch wie haben sie das erraten.

Hatch: Was heißt erraten, pure Kombination, Logik,
Analyse, Synthese, nach dem guten alten Grundsatz
2plus 2 gibt 4, immer und überall, die englischen
Kronjuwelen das weiß jeder werden im Tower
aufbewahrt, der Gouvernor des Tower taucht nachts
in heller Aufregung in Dover auf, um den größten
Kriminologen der Welt um Hilfe zu bitten, den
Kronjuwelen muß was passiert sein, sie sehen auch
ein blinder Assistent findet manchmal ein
kriminologisches Korn, trotzdem bestanden Sir G
Barnacle und Inspektor Smiley darauf den Meister
höchstpersönlich zu sprechen, ich tat ihnen also
den Gefallen und schlich auf Zehenspitzen ins
benachbarte Schlafzimmer des Professors, der
schlief den Schlaf des Genies und atmete friedlich
durch die Nase, ich beugte mich über ihn und
flüsterte.

Hatch: Prof, ein Fall für sie, ein Superfall, die
Kronjuwelen sind futsch Prof.

vanDusen: Was sie nicht sagen, Hatch, reichen sie
mir Schlafrock und Pantoffel.

Hatch: Eine gute halbe Stunde später saßen wir im
Nachtexpreß, wir fuhren zurück nach London, wo wir
vor 3 Tagen aufgebrochen waren, der Prof und ich
um nach Frankreich zu reisen.

Hatch: Aber wir sind bloß bis Dover gekommen weil
die Fähre über den Kanal nicht fahren kann, wegen
Nebel.

Smiley: Erbsensuppe, Mr Hatch.

Hatch: Nein danke bitte.

Smiley: Erbsensuppe, so nennen wir Londoner den
Nebel.

Hatch: Von mir aus können sie auch Haferschleim
sagen oder Kloßbrühe wenn er sich nur bald
auflöst, ist doch kein Wetter so ein klammes
graues Geschlabber.

Barnacle: Ich muß doch sehr bitten, junger Mann,
unser Nebel ist eine uralte britische Institution,
so britisch wie die magna charta, wie die
Monarchie.

Hatch: Das warme Bier.

vanDusen: Und damit meine Herren ist der
unvermeidliche topos Wetter wohl erschöpfend
abgehandelt, zur Sache, sofern ich Mr Hatch recht
interpretiere sind die Regalien der britischen
Krone volkstümlich ausgedrückt die Kronjuwelen aus
dem tower zu london verschwunden.

Barnacle: Absolut korrekt Prof, das heißt die
Kronjuwelen stimmt nicht ganz, es geht nur um 3,
die 3 wertvollsten, die große Krone von 1838 den
Reichsapfel und das königliche Zepter.

Smiley: Zusammen fast 1 Mio Pfund.

Hatch: 2einhalb Mio Dollar.

vanDusen: In der Tat.

Barnacle: Und verschwunden kann man eigentlich
auch nicht sagen, Prof, Krone Zepter und
Reichapfel sind nämlich noch da, leider sind sie
falsch.

vanDusen: Duplikate Sir G.

Barnacle: Jawohl Prof wertlose Kopien aus Glas und
Messing.

Smiley: Wertlos aber hervorragend gemacht, Prof
mit dem bloßen Auge ist kein Unterschied
festzustellen.

vanDusen: Und dennoch wurde der Austausch bemerkt,
auf welche weise, wann.

Barnacle: Gestern abend um 6 wird der tower für
Besucher geschlossen, also etwa viertel nach 6
durch die Putzfrau, sie kennen sich aus Prof sie
wissen wie es im Raum der Kronjuwelen aussieht.

Hatch: Klar wußten wir das, wir waren schließlich
schon mal dagewesen, der tower ist bekanntlich
nicht ein einziges Gebäude sondern eine ganze
Anlage von Burgen und Häusern, und Plätzen und
Türmen und einem dieser Türme dem wakefield tower
mitten in einem großen runden Raum stehen 2
Vitrinen aus Stahl und Glas mit den weltberühmten
englischen Kronjuwelen auf Plüsch und Samt,
bestens gesichert durch eine hochmoderne
elektrische Alarmanlage und durch die ständige
Anwesenheit spezieller Kontrollorgane, in
Pfannkuchenhüten und Pluderhosen, beefeater heißen
sie, Rindfleischesser, warum weiß kein Mensch,
wahrscheinlich wieder so eine uralte britische
Institution, auch die Putzfrau die gestern abend
Raum und Vitrinen zu scheuern hatte wurde
überwacht vom obersten beefeater persönlich einem
älteren Herrn namens Yorick.

Peabody: Nanu, Mr Yorick.

Yorick: Ja Mrs Peabody.

Peabody: Da ist eine Fliege Mr Yorick in der
linken Vitrine.

Yorick: Unmöglich Mrs Peabody.

Peabody: Sehen sie doch selbst, Mr Yorick wie die
wohl da reingekommen ist.

Yorick: Tatsächlich Mrs Peabody eine Fliege auf
den Kronjuwelen, das ist nicht statthaft Mrs
Peabody, Millerford, stellen sie mal kurz die
Alarmanlage ab, so der Gerechtigkeit ist genüge
geschehen und somit, Mrs Peabody was tun sie.

Peabody: Das hab ich mir immer mal gewünscht, Mr
Yorick einmal im leben die Krone von unserem König
in der Hand halten, ehrlich gesagt ich hab sie mir
schwerer vorgestellt.

Yorick: Was unterstehn sie sich, Mrs Peabody,
legen sie die Krone zurück auf ihren Platz auf der
stelle Mrs Peabody.

Peabody: Regen sie sich ab, Mr Yorick, hoppla.

Yorick: Mrs Peabody, sie sie haben seiner Majestät
allerhöchste Krone auf den Boden fallen lassen.

Peabody: Ist ja nichts passiert Mr Yorick.

Yorick: Nichts passiert, nichts passiert, und was
ist das, Mrs Peabody, der Diamant, der große
Diamant obendrauf zersplittert in tausend Stücke
ogottogott.

Peabody: Oje oje Moment mal, Mr Yorick, ein
Diamant kann doch gar nicht kaputt gehen, weil er
doch viel härter ist als der Steinfußboden hier.

Yorick: Aber der Diamant ist kaputt Mrs Peabody.

Peabody: Dann ist es kein Diamant Mr Yorick.

Yorick: So so und was tun wir jetzt Mrs Peabody.

Peabody: Jetzt sagen wirs dem Governor Mr Yorick.

Hatch: Sir G Barnacle besah sich die Bescherung
dann rief er scotland yard an und zwar gleich den
Chef der Kriminalabteilung Commander Gore und der
ließ seinen besten Mann kommen.

Gore: Inspektor Smiley, sie werden sich um die
mysteriöse Affäre im tower kümmern, nehmen sie mit
wen sie brauchen, in erster Linie wohl Experten
für Edelmetall und Edelsteine und klären sie die
Sache auf, wie die Morde im Globetrotterclub, im
Chinesenviertel, im Savoyhotel etc gerade in den
letzten Monaten haben sie ja ganz exzellente
Arbeit geleistet.

Smiley: Danke Commander danke, allerdings wenn ich
ehrlich bin, gebührt der Verdienst an den
genannten Fällen nicht nur mir, auch Prof van
Dusen.

Gore: Richtig der große amerikanische Kriminologe.

Smiley: Der größte Commander der größe, sagen sie
Commander falls sich auch dieser neue Fall als
ungewöhnlich kompliziert erweist, habe ich dann
ihre Erlaubnis den Prof hinzuziehen.

Gore: Tja er ist Ausländer und was noch schwerer
wiegt Außenseiter, Amateur.

Smiley: Aber ich verbürge mich für seine
Diskretion, commander.

Gore: Nun gut Smiley, wenn sie nach den ersten
Ermittlungen nicht weiterkommen, nun gut.

Hatch: Scotland Yard rückte im tower an und
ermittelte, die mitgebrachten Experten stellten
fest, 3 Kronjuwelen waren gegen Kopien vertauscht,
von wem wie und wann das blieb ein Geheimnis.

Smiley: Und da faßte ich den Beschluß mich an sie
zu wenden Prof, Sir G war davon zunächst nicht
sehr angetan.

Barnacle: Das müssen sie verstehen, Prof es geht
um die Symbole unserer Monarchie, um nationale
Heiligtümer von unermeßlicher Bedeutung.

Hatch: Uralte britische Institutionen.

Smiley: Aber er ließ sich dann doch überzeugen.

Barnacle: Hauptsache ist schließlich daß die
Kornjuwelen wieder rangeschafft werden.

Smiley: Wir brachten in Erfahrung, wo sie sich
aufhielten Prof.

vanDusen: Den Rest kennen wir Inspektor, der
Austausch wurde also gegen 6 Uhr 15 bekannt, wann
wurden sie informiert Sir G.

Barnacle: Halb sieben, Prof ungefähr.

vanDusen: Scotland Yard haben sie wann angerufen.

Barnacle: Etwa 10 min später.

vanDusen: Wann sind sie im tower eingetroffen,
Inspektor.

Smiley: Genau 20 Uhr 2 Prof.

vanDusen: Weshalb so spät.

Smiley: Der Nebel, Prof der Nebel auch eine
Polizeidroschke kommt da nur langsam voran.

vanDusen: Ja ich verstehe und was geschah während
dieser langen Wartezeit im tower Sir G.

Barnacle: Erstmal Alarm für alle beefeater, Parole
wakefield tower besetzen und aufs schärfste
bewachen.

Hatch: Brunnen.

Barnacle: Wie meinen.

Hatch: Brunnen, Sir G zugedeckt nachdem das Kind
reingefallen ist.

vanDusen: Hatch, und sie Sir G was taten sie
selbst.

Barnacle: Strategischer Rückzug in mein
Herrenzimmer, Schock wissen sie Prof muß man tief
durchatmen mit ner guten Havanna.

Hatch: Whisky auch.

Barnacle: Jawohl Mr Hatch, doppelstöckig, was
dagegen.

Stationsvorsteher: London Victoria Station alles
aussteigen.

Hatch: Vom Bahnhof stotterte sich eine Droschke
mühsam und langwierig durch neblige Finsternis zum
tower, am frühen morgen kurz nach halb 7 waren wir
da, eine Einladung vor Sir G uns in seinen
Gemächern mit einem opulenten Gabelfrühstück zu
erfrischen schlug der Prof natürlich aus, ihn zog
es zum wakefield tower, zu den drei falschen
Kronjuwelen die da auf ihn warteten, unter der
Obhut des wachsamen Mr Yorick.

vanDusen: Exzellente Falsifikate wie es den
Anschein hat.

Yorick: Millimetergenau exakt wenn sie mir die
Bemerkung gestatten Sir, exakt wie auf den
Fotografien.

vanDusen: Fotografien, welche Fotografien.

Yorick: Diese hier, Sir.

vanDusen: Lassen sie sehen, bei den hier
dargestellten Objekten handelt es sich wie ich
annehme um die Originale der drei entwendeten
Regalien das heißt um Krone, Zepter und
Reichsapfel.

Yorick: Jawohl Sir.

vanDusen: Wann wurden die Fotografien angefertigt.

Barnacle: Vor einem viertel Jahr von Lord
Stanhope, hatte ich ganz vergessen, die
Fotografien.

Yorick: Ich nicht, Sir G während ihrer Abwesenheit
habe ich mir erlaubt die Abzüge aus dem Archiv zu
holen.

Barnacle: Lobenswerte Initiative, Yorick.

Yorick: Danke Sir G.

vanDusen: Wer ist Lord Stanhope.

Barnacle: Sie kennen Lord Stanhope nicht, Prof den
Privatsekretär seiner Majestät des König.

vanDusen: Was sie nicht sagen, der Privatsekretär
des Königs von Großbritannien hat die Kronjuwelen
fotografiert.

Barnacle: Im Auftrag des Königshauses, für eine
interne Dokumentation.

vanDusen: Aha, wie ich sehe hat er die Stücke
wahrhaft gründlich dokumentiert, er hat sie von
allen Seiten aufgenommen, sogar von unten, zu
diesem Zweck muß er die Originale den Vitrinen
entnommen haben.

Yorick: Hat er Sir, ich habs gesehen, ich war
dabei, das gehört zu den Aufgaben des
Oberaufsehers.

vanDusen: Gewiß, bei sorgfältigen Vergleich der
Fotografien mit den Falsifikaten läßt sich
feststellen, daß auch minimale Unebenheiten der
Originale aufs exakteste reproduziert wurden,
selbst an Stellen welche den Augen eines
Betrachters vor der Vitrine nicht sichtbar sein
konnte, hier sehen sie und hier, am unteren Rand
der Krone, das heißt der Fälscher hat entweder
direkt nach den Originalen gearbeitet.

Barnacle: Absolut unmöglich.

vanDusen: Oder nach präzisen Fotografien, diesen
Fotografien.

Smiley: Glauben sie Prof übrigens einen
Unterschied gibt es doch, zwischen den echten und
den falschen Kronjuwelen, haben sie ihn bemerkt
Prof.

vanDusen: Sie meinen den nicht völlig
geschlossenen kleinen Kreis Inspektor, eine Gravur
welche sich lediglich an den drei Kopien findet an
nicht eben hervor gehobener Stelle.

Smiley: Genau Prof wissen sie, was das ist.

vanDusen: Wissen sie es Inspektor.

Smiley: Oh ja Prof wies aussieht hat diesmal der
professionelle Kriminologe dem Amateur was voraus.

Hatch: Ausnahmsweise.

Smiley: Sehen sie Prof eine gutgemachte Fälschung
ist auf ihre Art auch so was wie ein Kunstwerk,
und darum ist ein Spitzenfälscher stolz auf seine
Arbeit und pflegt sie zu signieren, mit seinem
individuellen Zeichen.

vanDusen: In der Tat Inspektor und welcher
kriminelle Künstler unterschreibt mit einem
offenen Kreis.

Smiley: Poole, heißt der Mann, Graham Poole,
Spitzname Goldstück, ein notorischer Falschmünzer
und Kunstfälscher.

Hatch: Dann versteh ich nicht warum sie den Prof
und meine Wenigkeit aus dem Bett geholt haben, der
Fall ist doch klar, greifen sie sich diesen Poole
und.

Smiley: Nicht mehr nötig, Mr Hatch wir haben ihn
schon seit anderthalb Jahren.

vanDusen: Haben sie die Güte sich ein wenig
präziser auszudrücken Inspektor.

Smiley: Goldstück Poole sitzt Prof, in Pentonville
seit 1902 verknackt zu 10 Jahren, und darum kann
er das Ding hier nicht gedreht haben.

vanDusen: Sind sie ganz sicher Inspektor, haben
sie sich im Zuchthaus Pentonville informiert.

Smiley: Nein.

vanDusen: Dann tun sie es, rufen sie den Direktor
an, auf der stelle.

Smiley: Wenns sie unbedingt wollen, Prof.

Hatch: Smiley trottelte los zum nächsten Telefon
und als er 10 min zurückkam, sah er aus als ob ihm
jemand den dünnen Scheitel mit einer Keule glatt
gezogen hätte.

vanDusen: Nun Inspektor.

Smiley: Entlassen, Poole ist entlassen, im
November schon.

vanDusen: Vor einem viertel Jahr, als auch die
Fotografien angefertigt wurden.

Smiley: Spezieller Gnadenerlaß des König,
überbracht von Lord Stanhope.

vanDusen: Lord Stanhope, höchst interessant mein
guter Smiley.

Smiley: Und seine jetzige Adresse, halten sie sich
fest Prof, tower london.

Barnacle: Poole, natürlich, wußte doch das ich den
Namen kenne, habe den Mann persönlich angestellt
als Gehilfe in der Rüstkammer im whitetower und da
wohnt er auch.

Smiley: Sie haben ihn in der königlichen
Rüstkammer angestellt Sir G, bei den Vorstrafen.

Barnacle: Ja er war mir empfohlen worden sehr
empfohlen worden.

vanDusen: Von Lord Stanhop.

Barnacle: Woher wissen sie.

vanDusen: Sagten sie dieser Poole lebe im tower
Sir G.

Barnacle: Sagte ich, Prof im Souterrain des
Whitetower neben der Werkstatt.

vanDusen: Worauf warten wir, mein Herren auf zum
Whitetower.

Hatch: Der Whitetower liegt im Zentrum der großen
toweranlage, das mächtige viereckige Gebäude mit
den runden Türmen an den Ecken das sie bestimmt
von Ansichtskarten kennen, wir mußten über ein
paar Höfe, um ein paar Ecken dann waren wir in
einem schmalen Innenhof, links das Haus des
Gouvernors, rechts der white tower, die
unauffällige Holztür zur Werkstatt war verriegelt,
von innen, wir klopften, wir riefen und als keiner
aufmachte, brachen wir die Tür auf.

vanDusen: Licht, machen sie doch Licht, Smiley.

Smiley: Augenblick Prof Augenblick, wo ist denn,
so hier.

Hatch: Hier liegt einer.

Smiley: Rührt sich nicht, ja das ist Goldstück
Poole, das Gesicht hab ich oft genug im
Verbrecheralbum gesehen.

vanDusen: Das war Poole.

Smiley: Sie haben recht, Prof er ist tot.

vanDusen: Ermordet, eine Stichwunde im Herzen,
doch ich sehe keine Mordwaffe.

Barnacle: Sind sie blind Prof, wir sind in der
Werkstatt der Rüstkammer, Mordwerkzeuge gibts hier
wirklich genug, Degen, Säbel, Hellebarden suchen
sie sich was aus.

vanDusen: Bedaure Sir G nichts von dem was sich in
diesem Raum anbietet kommt in frage, die Wunde
wurde durch eine Stichwaffe mit langer dreieckiger
Spitze verursacht und ein solches Gerät.

Smiley: Ist weit und breit nicht zu entdecken,
keine Mordwaffe, Tür von innen verriegelt, sieht
aus wie ein typischer van Dusen Fall, was Prof.

vanDusen: So scheint es, Inspektor.

Smiley: Wie lange ist der Mann tot, was meinen sie
Prof.

vanDusen: Ich meine nicht, Inspektor ich
untersuche.

Smiley: Entschuldigen Prof also was wissen sie.

vanDusen: Nun die Bildung von Leichenflecken ist
deutlich wahrnehmbar, rigor mortis hat bereits die
Oberschenkel erfaßt, dabei ist allerdings der
Tatsache Rechnung zu tragen, daß die Leiche durch
ihre Position direkt unter einem offenstehenden
Fenster niedrigen Temperaturen ausgesetzt war was
bedeutet.

Hatch: Verzögerung des normalen
Erstarrungsprozesses.

vanDusen: Sehr gut mein lieber Hatch, und sehr
richtig, sie sehen mich überrascht.

Smiley: Alles gut und schön, meine Herren aber
wann ist denn Goldstück Poole umgekommen.

vanDusen: Vor 14 Stunden, Inspektor.

Smiley: Das heißt warten sie mal jetzt ist es.

Hatch: 9 Uhr 10 genau.

Smiley: Also gestern abend kurz nach 7.

vanDusen: Bravo Inspektor, ein Faktum von immenser
kriminologischer Relevanz.

Smiley: Die Todeszeit also ich weiß nicht.

vanDusen: Warum sollten sie auch, mein guter
Smiley, lassen sie uns festhalten, der gewaltsame
Tod von Poole nicht einmal eine Stunde nach
Entdeckung der falschen Kronjuwelen beweist, daß
es sich bei Poole tatsächlich wie schon nach der
Signatur zu vermuten um den Fälscher handelt, er
hat die Duplikate hergestellt hier im tower, in
dieser Werkstatt gewissermaßen in der Höhle des
Löwen.

Smiley: Klar Prof klar aber die Frage ist doch wie
hat er die Kopien in die Vitrine rein und die drei
echten Stücke aus der Vitrine raus gekriegt.

vanDusen: Eine Frage an Sir Barnacle.

Barnacle: An mich wieso.

vanDusen: Haben sie während des letzten viertel
Jahres zugelassen, daß die ihnen anvertrauten
Regalien ganz oder zum teil aus ihrem Gewahrsam
entfernt wurden und sei es auch nur für kurze
Zeit.

Barnacle: Nein Prof was denken sie von mir.

vanDusen: Niemals, Sir G.

Barnacle: Doch einmal aber das zählt nicht.

vanDusen: Dies festzustellen überlassen sie besser
mir Sir G, berichten sie worum gehts.

Barnacle: Um die Parlamentseröffnung natürlich, da
trägt seine Majestät Krone Zepter, Reichsapfel.

vanDusen: Krone Zepter Reichsapfel, genau die drei
Stücke welche entwendet und gegen Kopien
ausgetauscht wurden, wann fand die
Parlamentseröffnung statt.

Smiley: Vor ein paar Tagen.

Barnacle: Vor 5 Tagen, am 31 Januar 1904.

Smiley: Aber dabei kann nichts passiert sein Prof,
unsere nationalen Heiligtümer waren in den
allerbesten Händen, sie wurden hier abgeholt und
nach der feierlichen Zeremonie pünktlich wieder
abgeliefert von vom Privatsekretär seiner
Majestät.

vanDusen: Lord Stanhope.

Smiley: Schon wieder Lord Stanhope, Lord Stanhope
fotografiert die Kronjuwelen, Lord Stanhope holt
Poole aus dem Zuchthaus, Lord Stanhope bringt ihn
im tower unter, Lord Stanhope hat die einzige
Möglichkeit die Originale gegen die Duplikate
austauschen, Lord Stanhope, immer wieder Lord
Stanhope.

vanDusen: Wir sollten seiner Lordschaft
schnellstmöglich einen Besuch abstatten, wo wohnt
er.

Smiley: Werden wir sofort feststellen Prof.

Hatch: Ein kurzer Anruf bei Scotland Yard genügte,
Lord Stanhope wohnte im Westen, in Chelsea, nicht
weit von der Themse, Sir G Barnacle blieb im tower
um sich seinen Gouvernorspflichten zu widmen, aber
als wir der Prof Smiley und meine Wenigkeit uns
auf den Weg machen und schon fast am Löwentor am
Ausgang des tower waren.

Barnacle: Prof, Inspektor warten sie meine Herren.

Hatch: Sieh mal an, Sir G im sportlichen Sprint,
haben sie es sich anders überlegt, wollen sie doch
mit zu Lord Stanhope.

Barnacle: Nein nur was ausrichten, ein Anruf von
Scotland Yard, gerade gekommen sehr wichtig, ganz
neue Entwicklung, sie sollen gleich vorbeikommen.

Smiley: Dann werden wir wohl einen kleinen Umweg
machen müssen, Lord Stanhope wird uns ja nicht
weglaufen.

vanDusen: Hoffen wirs, Inspektor.

Hatch: Nach einer Stunde Bummelfahrt im Nebel
erreichten wir Scotland Yard, falls sie nicht
wissen wo das berühmte Hauptquartier der londoner
polizei liegt, in white hall am viktoria
embankment gegenüber Westminster Hall und als wir
ankamen wollte niemand was von uns, die
telefonische Botschaft war offensichtlich falsch
gewesen, so falsch wie die Kronjuwelen also weiter
nach Chelsea, noch eine Stunde, dann waren wir in
einer engen Straße zwischen kaum sichtbaren
kleinen Backsteinhäusern.

Smiley: Frühes 18 Jahrhundert, Chenwalk ist eine
historisch recht interessante Straße, berühmte
Leute haben hier gewohnt, Künstler und so, der
Schriftsteller Thomas Karlar zB oder Dante Gareil
Roselli der Maler.

Hatch: Sie haben ihren beruf verfehlt Smiley
Fremdenführer hätten sie werden sollen.

Smiley: Nr 16 wir sind da, halten sie an
Wachtmeister.

Hatch: Nichts zu sehen, und schon gar nicht zu
hören.

vanDusen: Was war das.

Smiley: Hörte sich an wie eins von diesen
neumodischen Booten mit Verbrennungsmotor auf der
Themse, steigen wir aus, sie warten hier
Wachtmeister, öffnen sie Milord, scheint nicht zu
hause zu sein.

vanDusen: Glauben sie wirklich, Inspektor.

Hatch: Brechen wir die Türe auf.

vanDusen: Das dürfte nicht nötig sein, mein lieber
Hatch, die Tür ist offen.

Smiley: Tatsächlich dann treten wir doch näher
meine Herren.

Hatch: Als erfahrene Krimikenner ahnen sie es
schon, meine Damen und Herren wir waren wieder zu
spät gekommen, im geschmackvoll eingerichteten
Salon von Lord Stanhope hing eine schmächtige
Gestalt gehüllt in einen Schlafrock aus roter
Seide an einem Strick vom Deckenbalken, es war der
Hausherr und er war natürlich mausetod.

Smiley: Selbstmord, klare Sache.

vanDusen: Glauben sie, Inspektor.

Smiley: Sie etwa nicht Prof, eine umgestoßene
Leiter, keine Hinweise auf einen Kampf ach und
hier ist ja auch der obligatorische
Abschiedsbrief, Stanhopes Schrift, ganz eindeutig,
jeder der mal mit dem Hof zu tun gehabt hat kennt
diese Krakel und Spinnenbeine, nicht zu imitieren.

vanDusen: Wenn sie das sagen, Inspektor und was
schreibt seine Lordschaft, lesen sie vor.

Hatch: Ich habe die Kronjuwelen entwendet, ich
allein, sieh mal an, ich habe Poole meinen
Helfershelfer getötet, ich übernehme die
Verantwortung und ziehe die einzige mögliche
Konsequenz.

vanDusen: Das ist alles.

Smiley: Das ist alles.

vanDusen: Keine Unterschrift.

Smiley: Nein wozu.

vanDusen: Aha was haben wir denn hier, Hatch.

Hatch: Prof.

vanDusen: Mein Miniaturlaboratorium holen sie es
aus der Droschke.

Hatch: Sogleich.

vanDusen: Eilen sie.

Hatch: Ich eilte und brachte das berühmte
Minilabor des Prof, die schwarze Tasche mit ihren
mysteriösen wissenschaftlichen und
kriminologischen Geräten, Stoffen Ingredienzien,
dann half ich dem Inspektor den dahingeschieden
Lord abzunehmen und van Dusen machte sie ans
untersuchen, dabei interessierter er sich vor
allem für den Hinterkopf des toten, für seine
Hände und für den Strick.

vanDusen: Ein offizieller Strick, ein Strick aus
dem Bestand der königlichen Marine, wie der
eingearbeitete rote Faden unschwer erkennen läßt.

Hatch: Der alleseits bekannte rote Faden.

vanDusen: Eben dieser, mein lieber Hatch, von
diesem Strick wurde oben am Balken ein Stück
abgeschnitten knapp am knoten und zwar nachdem
dieser geknüpft wurde.

Smiley: Und was schließen sie daraus Prof.

vanDusen: Später, Inspektor später, wenden wir uns
nunmehr der Leiche zu, anhand der klassischen
Symptome, Zyanose das heißt Blaufärbung von Lippen
und Ohrläppchen, Austritt der Zunge, Schaum vor
Mund und Nase, Verletzung im Nacken und
Kehlkopfbereich, etc läßt sich die Ursache des
Todes von Lord Stanhope zweifelsfrei,
Strangulation oder auch allgemeiner gefaßt
Asphyxie.

Hatch: Und was heißt das in schlichten Worten fürs
schlichte Gemüt.

vanDusen: Erwürgen und erstricken mein lieber
Hatch

Smiley: Na bitte, Selbstmord.

vanDusen: Nicht so hastig, nicht so hastig
Inspektor, desweiteren läßt sich ein ausgeprägtes
Hämatom für sie mein lieber Hatch Bluterguß am
Hinterkopf feststellen.

Smiley: Ach merkwürdig.

vanDusen: Nicht wahr Inspektor und noch
merkwürdiger ist das was sich an den Händen des
Toten findet.

Smiley: Sagen sie bloß kein Spuren von Strick, das
ist Mord.

vanDusen: Kein Sorge Inspektor, die spuren sind da
in form deutlich wahrnehmbarer Fasern, und diese
sind ohne jede frage identisch an welchem Lord
Stanhope hing.

Smiley: Also hat er den Strick in der Hand gehabt,
das bedeutet er hat sich selbst aufgehängt.

vanDusen: Allem Anschein nach hat er dabei so fest
zugefaßt daß er sich verletzt hat, sehen sie hier
an der linken Handfläche eine ziemlich tiefe
Schnittwunde.

Smiley: Wo, ach da, schwer zu erkennen, überhaupt
kein Blut.

vanDusen: Und diese Tatsache wertester Inspektor,
dürfte die merkwürdigste unter all den
Merkwürdigkeiten sein, welche wir an diesem Ort
angetroffenen haben, was bringen sie uns da mein
lieber Hatch.

Hatch: Hier hab ich gerade vom Boden aufgelesen
neben der Tür, ein Tuchstreifen, die Enden sind
zusammengebunden, ob das was zu bedeuten hat Prof.

vanDusen: Unbedingt mein lieber Hatch, vor allem
in Verbindung mit der auf dem Abschiedsbrief
fehlenden Unterschrift.

Smiley: Sie sehen da einen Zusammenhang, Prof.

vanDusen: Sie nicht, Inspektor aber wie ich sie
kenne halten sie sich lieber an die festen formen
kriminologischer ermittlung wie lehrbuch und
schema sie ihnen vorgibt.

Smiley: Wenn sie damit meinen daß ich Zahlen und
Fakten der Spekulation vorziehe dann haben sie
recht, Prof im Augenblick interessiert mich zB die
genaue Todeszeit von Lord Stanhope wenn sie mir
die.

vanDusen: Mit vergnügen, Inspektor vor einer
Stunde.

Smiley: Jetzt ist es 3 min vor 1 also um 12.

vanDusen: Exakt.

Smiley: Etwa um 12 Uhr 30 sind wir hier
angekommen.

vanDusen: Das heißt wären wir nicht durch Nebel
und vor allem durch den zwecklosen Umweg über
Scotland Yard aufgehalten worden, hätten wir den
Mörder womöglich noch angetroffen.

Smiley: Mörder aber ich dachte.

vanDusen: Sie dachten falsch, Inspektor Lord
Stanhope hat nicht Selbstmord begangen, Lord
Stanhope wurde ermordet, präziser er wurde
niedergeschlagen und im zustand der Bewußlosigkeit
erhängt.

Smiley: Tja aber der Brief.

Hatch: Und was hat der Mord mit den Kronjuwelen zu
tun.

Smiley: Wer ist der Mörder.

Hatch: Wie hat er gemacht.

Smiley: Warum und wozu.

Hatch: Und überhaupt.

vanDusen: Alles zu seiner Zeit, meine Herren,
Inspector Smiley.

Smiley: Prof.

vanDusen: Sie werden sich mittels diesen
Wandtelefons mit scotland yard verbinden lassen,
und die bei derartigen Anläßen übliche
kriminalpolizeiliche Mannschaft hier her zu
zitieren, bis sie eintrifft werden sie Inspektor
als Wächter am Tatort verbleiben.

Smiley: Und sie Prof.

vanDusen: Ich werde zunächst zum tower
zurückkehren, es gilt dort und anderswo die Mosaik
kriminologischer Aufklärung noch fehlenden
Steinchen zu finden und an den rechten platz zu
setzen, kommen sie.

Hatch: Es wurde ein langer nachmittag, als wir
wieder im tower waren, zog van Dusen sich für eine
knappe stunde in das ruhige Herrenzimmer des
Gouvernors zurück, natürlich mit Erlaubnis von Sir
G, er wollte die gewonnenen Einzelerkenntnisse zu
einem logischen System vereinen, sagte er,
Gelegenheit für mich was zu essen wenns auch nicht
mehr war als ein Würstchen am Imbißstand vor dem
Löwentor, dann spazierte der Prof durch das sog
Verrätertor runter zur Themse und da, aber das
werden sie später erfahren, meine Dame und Herren
alles zu seiner zeit wie ein gemeinsamer bekannter
gerade gesagt hat, auch die weiteren Stationen die
er an diesem denkwürdigen 5. Februar 1904 ablief,
werde ich vorerst für mich behalten, springen wir
gleich vor auf den abend, 8 Uhr, wenn ich ihnen
sage daß sich um diese zeit in Sir G Herrenzimmer
eine kleine Gesellschaft eingefunden, bestehend
aus dem Hausherrn, aus Inspector Smiley, aus
Oberbeefeater Yorick und der Raumpflegenden Mrs
Peabody, dann wissen sie Bescheid, meine Damen und
Herren es folgt die Erleuchtung, die Aufklärung,
das mehr oder weniger glückliche Krimiende, das
Wort hat Prof van Dusen, die Denkmaschine.

vanDusen: Drei Kronjuwelen wurden entwendet, meine
Herrschaften, Krone Zepter Reichsapfel, sie wurden
entwendet und durch Kopien ersetzt, diese wiederum
wurden angefertigt von Graham Poole einem
Kriminellen nach ihm zur Verfügung gestellten
Fotografien.

Smiley: Aber das wissen wir doch schon Prof,
erzählen sie uns lieber wie der Austausch über die
Bühne ging und wann.

vanDusen: Natürlich am 31 Januar Inspektor, bei
der feierlichen Eröffnung des Parlaments, statt
der ausgegebenen 3 Originale kamen 3 Falsifikate
zurück und wurden im wakefield tower deponiert.

Barnacle: Lord Stanhope, er hat die Stücke aus der
Vitrine genommen und später wieder reingelegt,
eigenhändig.

vanDusen: Ein nicht vorhersehbarer Zufall brachte
schon wenige Tage später den Austausch ans Licht.

Peabody: Zufall was heißt Zufall, das war ich, ich
habs rausgekriegt und Mr Yorick aber der hat es
erst später gemerkt.

vanDusen: Gewiß Mrs Peabody die von ihnen
initiierte Entdeckung führte in direkter
Konsequenz zum Mord am Fälscher Graham Poole, ihm
würde scotland yard schnell auf die Spur kommen,
er würde aussagen, Namen nennen, das mußte
verhindert werden, Poole wurde getötet.

Smiley: Von wem Prof.

vanDusen: Von einem der Hintermänner.

Hatch: Hintermänner.

vanDusen: Hintermänner, selbstverständlich hat
Poole nicht allein auf eigene Rechnung gearbeitet,
er war lediglich Handlanger, ausführendes Organ,
hinter ihm standen die Planer, die eigentlichen
Täter, die drei Hintermänner.

Smiley: Und einer von denen hat Goldstück Poole
umgebracht und wer, wenn ich fragen darf.

vanDusen: Einer welcher privilegiert durch seine
Position frühzeitig von der Entdeckung des
Austausches erfuhr, Sir G Barnacle.

Smiley: Was reden sie da, Prof Sir G ist kein
krimineller, eine persönlichkeit von rang,
governor des tower, überall hoch angesehen, sogar
bei Hof wie kommen sie drauf.

vanDusen: Zwei Tatsachen empfehle ich ihrer
Aufmerksamkeit Inspektor und natürlich auch ihnen
meine Herrschaften, a die Zeit des Mordes kurz
nach 19 Uhr am gestrigen abend, nachdem Sir G
wurde jedoch bevor scotland yard im tower eintraf,
und b der modus operandi.

Smiley: Wie ers gemacht hat, meinen sie, das würde
ich auch gern wissen, Tür von innen verriegelt,
keine Mordwaffe.

vanDusen: Nachdem Sir G sämtliche Aufseher zum
wakefield tower beordert und sich auf dies weise
freie bahn geschaffen hatte begab er sich von
seinem Haus über den Hof zum whitetower, er
klopfte, so läßt sich vermuten außen ans Fenster
der Werkstatt, Poole öffnete und Sir G erstach ihn
durchs offene Fenster.

Smiley: Geht nicht, Prof geht nicht, die Mauer ist
über 1m dick.

vanDusen: Die Waffe welche Sir G benutzte, ist 3
meter lang.

Smiley: 3 meter ist so was gibts doch nicht.

vanDusen: Machen sie die Augen auf Inspektor, sie
sehen besagte Waffe vor sich hier an der Wand
neben den Kamin.

Smiley: Die Lanze.

vanDusen: Sir G war Soldat, Kavallerist, Ulan, dh
Lanzenreiter, die vorschriftsmäßige Waffe der
britischen Ulanen ist ein ca 3 m langer bambusstab
mit einer dreieckigen Stahlspitze, nach seiner
aktiven Zeit hat Sir G seine Lanze aufbewahrt als
Souvenir und als er eine Mordwaffe benötigte,
griff er wie selbstverständlich zum altvertrauten
Gerät, welches er nach der Tat reinigte und wieder
an seinen platz hängte, doch schon bei flüchtiger
Examination wie ich sie vor wenigen stunden
vorzunehmen Gelegenheit fand, zeigen sich an der
spitze Reste menschlichen Blutes, des Blutes von
Grahame Poole.

Smiley: Nehmen sie doch Stellung, Sir G oder
wollen sie nichts sagen.

Barnacle: Ich wünsche einen Toast auszubringen,
einen toast auf seine Majestät, es lebe König
Edward der 7.

Smiley: Ist das alles.

vanDusen: Mehr hat Sir G offenbar nicht zu sagen,
sehr aufschlußreich, finden sie nicht Inspektor.

Smiley: Ganz ihrer Meinung Prof, also wenn Sir G
einer ihrer drei Hintermänner ist wer sind die
anderen.

vanDusen: Da hätten wir zunächst einmal Lord
Stanhope.

Smiley: Versteht sich.

vanDusen: Wie Poole geriet auch er bereits in
einem frühen Stadium der Untersuchung unter
verdacht und darum mußte auch er wie Poole sterben
wieder war Sir G Barnacle der Täter, Lord Stanhope
sollte am reden gehindert werden und als
Sündenbock fungieren, während wir im Londoner
Nebel umherirrten begab sich Sir G auf schnellsten
Wege nach Chelsea.

Smiley: Ja wie denn.

vanDusen: Auf der Themse Inspektor in seinem
Motorboot, ich hab es vorhin inspiziert an seinem
Liegeplatz vor dem Verrätertor und dabei fand ich
unter anderem einen zusammengerollten Strick aus
Marinebeständen von welchem erst kürzlich ein
stück abgeschnitten worden war.

Smiley: Motorboot, richtig als wir in Chelsea
ankamen hören wir wie ein Motorboot auf der Themse
wegfuhr.

vanDusen: Sir G ohne jeden Zweifel.

Smiley: Akzeptiert Prof, aber wie hat Sir G das
mit dem falschen Selbstmord gedreht, den
Abschiedsbrief hat doch Lord Stanhope selbst
geschrieben.

vanDusen: Den Ablauf der Geschehens Inspektor
meine Herrschaften können wir uns wohl
folgendermaßen vorstellen, Sir G Barnacle betrat
das Haus am Chenwalk und eröffnete dem darauf
höchst verstörten Lord Stanhope, Scotland Yard sei
den Dieben der Kronjuwelen dicht auf den Fersen.

Stanhope: Mein Gott Barnacle was soll wir tun.

Barnacle: Hören sie zu Stanhope ich habe mich
entschlossen die ganze Geschichte auf meine Kappe
zu nehmen.

Stanhope: Was.

Barnacle: Ich werde ein Geständnis ablegen dann
mach ich ein ende.

Stanhope: Sehr nobel Banickel, richtig heroisch,
naja sie sind ja auch Militär und ich bin bloß
Zivilangestellter.

Barnacle: Aber sie müssen mir helfen, Stanhope,
sie sehen ja, ich hab den rechten Arm verstaucht,
wegen der Schlinge, kann nicht schreiben, nehmen
sie mein Geständnis auf.

Stanhope: Wenns weiter nichts ist, so schießen sie
los.

Barnacle: Ich habe die Kronjuwelen entwendet.

Stanhope: Entwendet, sehr gut, knapp und präzise.

Barnacle: Ich allein.

Stanhope: Ich allein.

vanDusen: Nach dem Diktat schlug Sir G Lord
Stanhope nieder und erhängte ihn am mitgebrachten
Strick danach zu spät fiel ihm ein schwerwiegendes
Versäumnis ein, es ist eine auch unter
kriminologischen Laien bekannte Tatsache daß eine
Person welche Selbstmord durch Erhängen begeht
stets mit Spuren des Stricks an den Händen
aufgefunden wird, um das unterlassene nachzuholen,
schnitt Sir G am oberen Knoten ein Stück des
Strickes ab und zog es dem toten durch die Hände,
in der eile so heftig daß es zu einer
Hautverletzung kam, was der Täter nicht beachtete,
aus der Wunde trat kein Blut aus, ein sicherer
Hinweis daß sie keinem lebenden sondern einer
Leiche widerfahren war.

Smiley: Sir G wollen sie sich jetzt nicht doch
äußern.

Barnacle: Einen Toast meine Herrschaften auf König
Edward den 7.

vanDusen: Ich verstehe ihr schweigen Sir G aber
ich versichere ihnen es ist unnötig und nutzlos,
so nutz und sinnlos wie die beiden von ihnen
verübten Morde, vom wahren vom eigentlichen Motiv
welches sie dazu veranlaßt, war bisher noch nicht
die Rede, soll ich es verraten.

Smiley: Ja Prof reden sie.

vanDusen: Es ging und geht Sir G darum eine ganz
bestimmte Person zu decken.

Smiley: Den dritten Hintermann.

vanDusen: Ja den dritten Mann, die Hauptperson,
die zentrale Figur im rätselhaften Geschehen um
die entwendeten Kronjuwelen, den Nutznießer für
den hochgestellte Persönlichkeiten wie Lord
Stanhope und Sir G Barnacle, Persönlichkeiten von
ansonsten unanzweifelbarer Honorigkeit zu Dieben
und Mördern wurden, ihn galt es.

Hatch: Aufzuspüren.

vanDusen: Mitnichten mein lieber Hatch, ich kannte
ihn, ich wußte nur eine nur eine einzige Person
kam in frage, diese galt es mit den Auswirkungen
ihrer tat zu konfrontieren und um dies zu tun
begab ich mich zum Buckingham Palace, seine
Majestät König Edward der 7 ließ mich sogleich
vor, er war nicht allein, sondern in Gesellschaft
einer Dame, bei welcher es sich nicht um Königin
Alexandra handelte.

König: Eine sehr gute Freundin, Mrs Caple, du
kennst Prof van Dusen.

Geliebte: Aber ja Bertilein du hast mir so viel
erzählt wie er den großen Sherlock Holmes
ausgetrickst hat, damals bei Wettbewerb der
Detektive, alle Achtung, Prof sie sind wirklich
ein Superdetektiv.

vanDusen: Kriminologe, gnädige Frau, Amateur.

König: Na Prof was haben wir auf dem Herzen.

vanDusen: Eine Bagatelle, besser gesagt 3
Bagatellen, drei Kronjuwelen welche sie Majestät
durch ihren Privatsekretär Lord Stanhope und durch
Sir G Barnacle den Gouvernor des tower entwenden
ließen von einen Täter dem kriminellen Poole gar
nicht zu reden.

Geliebte: Bertilein, was muß ich da hören.

König: Ich Prof wozu sollte ich so was tun, die
Dinger gehören mir doch sowieso.

vanDusen: Zweifellos Majestät und weltbekannte
Preziosen dieser Art sind nirgendwo auf der Welt
zu veräußern.

König: Eben.

vanDusen: Man kann sie jedoch beleihen wenn man
wie sie Majestät sich in folge kostspieliger
Liebhabereien ständig in finanziellen nöten
befindet, und wenn man wie sie Majestät als
notorisch unzuverlässiger Rückzahler gilt, sie
Majestät haben die Kronjuwelen bei ihrem Bankier
Baron Rothschild deponiert, als Pfänder für ein
privates Darlehen welche ihnen ohne diese
Sicherheitsleitung nicht gewährt worden wäre,
leugnen sie nicht, Baron Rothschild von mir
befragt hat alles zugegeben.

vanDusen: Letzter Behauptung, lassen sie mich in
Parenthese hinzufügen meine Herrschaften,
entsprach nicht zur gänze der Wahrheit, ich hatte
Baron Rothschild nicht aufgesucht, was ich sagte
war Vermutung, fundierte Spekulation, ein bluff
wie sie sich ausdrücken wurden mein lieber Hatch.

Hatch: Wie ein ausgebuffter Pokerspieler Prof und
hats was gebracht.

vanDusen: Seine Majestät glaubte mir und bestätige
die von mir gegebene Darstellung in allen Details.

Geliebte: Seien sie nicht so streng mit Berti,
Prof was soll er denn machen dieses knickrige
Parlament hat ihm nur eine schäbige Apanage von
einer halben mio pfund bewilligt für 1 ganzes jahr
wie soll er damit auskommen, bei seinen vielen
Interessen.

König: Ein gentleman muß die zeit doch
standesgemäß totschlagen, man spielt, man wettet
auf Pferde.

Geliebte: Man liebt und man lebt aber davon hat
ein Bücherwurm wie sie ja keine Ahnung.

König: Und was ich mit den Kronjuwelen gemacht
habe, Prof zugegeben die ganz feine englische art
war es nicht, aber es war auch kein Verbrechen.

vanDusen: Gestatten sie mir, anderer Ansicht zu
sein Majestät.

vanDusen: Ich berichtete dem König was er noch
nicht wußte, die Entdeckung des Austausches und
die beiden Morde welche Sir G Barnacle verübt
hatte um den Ruf seines Monarchen zu schützen,
seine Majestät war peinlich berührt.

König: Mein gott Prof es ist doch nicht meine
schuld wenn der gute Barnickel überreagiert, ich
habe das nicht angeordnet.

vanDusen: Sie tragen die Verantwortung Majestät,
sie sind verpflichtet, die leidige Angelegenheit
zu bereinigen soweit dies möglich ist.

König: Und wie mache ich das.

vanDusen: Indem sie die Kronjuwelen sofort
auslösen Majestät.

König: Sie sind gut Prof wo soll ich denn auf die
schnelle 300000 Pfund herkriegen.

vanDusen: Das ist ihre Sache, Majestät, geben sie
Baron Rothschild Anweisung die drei Pfänder
auszuhändigen, geschieht dies nicht, sehe ich mich
veranlaßt die Affäre an die Öffentlichkeit zu
bringen.

Geliebte: Um gottes willen, tu was er sagt,
Bertilein, du hast schon genug Ärger mit den
Zeitungen.

König: Einverstanden, aber dann verlaß ich mich
darauf, daß sie dicht halten, Prof die Sache
bleibt unter uns.

vanDusen: Nicht ganz, Majestät, meine
amateurkriminologische Ehre, mit welcher sie
Majestät beim Wettbewerb der Detektive höchst
leichtfertig umgesprungen sind, darf nicht ein
zweites mal strapaziert werden, der Fall muß
gelöst werden, die unmittelbar beteiligten müssen
die Wahrheit erfahren, wie sie damit umgehen.

vanDusen: Diese Entscheidung liegt bei ihnen,
Inspektor, Mrs Peabody, Mr Yorick.

Smiley: Tja und Sir G den muß ich dann festnehmen,
Sir G, was ist mit ihnen, sagen sie was.

vanDusen: Sir G wird nichts mehr sagen, er wird
auch keine Toasts mehr ausbringen, und er wird
nicht mehr für seinen König morden.

Smiley: Er ist tot.

vanDusen: Lassen sie auch wenn dies nur eine
Formsache sein dürfte, den Inhalt seiner
Portweinkaraffe auf toxische Substanzen
untersuchen Inspektor, Hatch.

Hatch: Ja.

vanDusen: Leeren sie die Tasche, welche Baron
Rothschild mir übergeben hat.

Hatch: Wird gemacht Prof.

vanDusen: Die Kronjuwelen, meine Herrschaften der
Fall ist abgeschlossen.

Hatch: Wissen sie was, Prof, der Nebel hat sich
gelichtet.

vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, wie spät
ist es.

Hatch: Viertel nach zehn Prof.

vanDusen: Wenn wir eilen können wir den
Nachtexpress nach Dover erreichen.

Hatch: Ab nach Frankreich.

vanDusen: Wo höchst interessantes uns erwartet,
der Eifelturm, Monsieur Jules Vernes, der
Großmeister der wissenschaftlichen Romantik.

Hatch: Nicht zu vergessen ein geheimnisvolles
Cinematografenatelier und eine Leiche im
Schrankkoffer, aber das meine Damen und Herren ist
eine andere Geschichte.

Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte
Hutchinson Hatch: Klaus Herm
Inspektor Smiley von Scotland Yard: Rolf Marnitz
Sir Guy Barnacle, Guverneur im Tower: Harry
Wüstenhagen
Yorick, ein Beefeater: Rainer Pigulla
Mrs. Peabody, Putzfrau im Tower: Dorothea Hanke
König Edward VII. von Großbritannien: Krikor
Melikyan
Mrs. Keppel, seine Geliebte: Hilde Doelker
Lord Stanhope, sein Privatsekretär: Klaus Jepsen
Stationsvorsteher: Bernd Ludwig
Commander Gore, Chef des C.I.D.: Kurt Lutz
Page im Hotel: Kurt Lareine

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